Buffett & Co.: Weisheiten vom Rockfestival des Value-Investing

Warren Buffett und Charlie Munger, die beiden Altmeister und glühenden Verfechter des Value-Investing, haben ihre Zuhörer auch bei der diesjährigen Hauptversammlung von Berkshire Hathaway wieder in ihren Bann gezogen. Es hat Spaß gemacht ihnen zuzuhören und von ihnen zu lernen. Aber es war auch mal wieder die Bestätigung dafür, dass es sich lohnt, sich ausgiebig mit ihrer Investmentphilosophie und ihrem Analagestil zu beschäftigen.

Natürlich war da zunächst die alljährliche Show wie bei einem Rockfestival für die etwas Betagteren. 42.000 Aktionäre waren nach Omaha gekommen, um Buffett (87) und Munger (94) zu erleben. So viele waren es noch nie. Man hatte den Eindruck, als wollten die meisten unbedingt in ihrem Leben noch einmal die Legenden live sehen. So wie ich meinen Kindern wohl nie werde erklären können, warum ich unbedingt noch einmal die Rolling Stones live in Concert erleben möchte. Legenden pur, Legenden live. Aber das ist eine andere Geschichte.
Das Glück, in der Halle zu sein
Schon morgens um vier Uhr waren die ersten vor der großen Veranstaltungshalle, um für sich die besten Plätze zu ergattern. Doch nicht alle passten rein ins CenturyLink Center, viele mussten sich die Hauptversammlung in Nebenräumen auf großen Monitoren anschauen, auf denen die Hauptversammlung live übertragen wurden. Nun, wir hatten Glück, alles live in der Halle direkt mitzubekommen. Da ist er, der Lohn für all die Mühen. Fünf Stunden dauerte das Frage- und Antwortspiel der beiden. Leider hatten wir Pech, dass die Fragen, die wir eingereicht hatten, nicht ausgelost wurden. Nun, das konnten wir verschmerzen. Aber auch so waren es eine bunte Vielfalt an Themen und Fragen, die von den beiden Altmeistern in gewohnt launigem Ton besprochen, bzw. beantwortet wurde: Die Zukunft der Beteiligungen Wells Fargo, TTI, Nebraska Furniture, See’s Candy (reines Hüftgold, aber immer wieder eine Sünde wert) und wie sie alle heißen. Die Vorliebe für Apple und den Fehler, das Potential von Amazon nicht erkannt zu haben. Aber es ging auch um die Zukunft von Berkshire Hathaway, wenn Buffett und Munger mal nicht mehr da sind. Hier hatte vor allem Charlie Munger die Zuhörer auf seiner Seite. Er riet besonders jungen Aktionären, ihre Anteilsscheine nicht zu verkaufen, „selbst wenn wir beiden mal nicht mehr da sein werden. Wenn ihr die Papiere verkauft, werdet ihr schlechter dastehen als wenn ihr sie behaltet. Ich ermutige euch, den Glauben zu behalten“, sagte Munger. Das Publikum danke es ihm mit stürmischem Beifall.
Die Zukunft von Berkshire Hathaway
Dann die Frage, wie man sich Berkshire Hathaway im Jahre 2068 vorstellen müsse. Natürlich kann man darauf keine seriöse Antwort geben. Und das haben auch die beiden Altmeister nicht getan. Aber ich glaube, dass es ihnen gelungen ist, so viele Investmenttalente für sich zu gewinnen, die ihre Werte und ihren Investmentstil in die Zukunft tragen. Dazu kommt, dass die Philosophie des Value-Investing so gut beschrieben und ausgereift ist, dass sie auch noch 2068 Bestand haben wird. Das ist das Wertvolle daran, dass man etwas hat, an dem man sich orientieren kann. Das gilt auch für mich als mittlerweile auch schon altgedienter Fondsmanager. Und wenn ich jetzt noch meine eigenen Emotionen aus Angst und Gier in den Griff bekomme, und das anwende, was Buffett und Munger vorgelebt haben, dann habe ich ein relativ einfaches Erfolgsrezept für eine gewinnbringende Geldanlage gefunden. Man muss halt nur den langfristigen Blick bewahren. Das versuchen wir auch bei unseren Mandaten wie dem Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen, dem PRIMA – Globale Werte oder dem Frankfurter Stiftungsfonds immer zu beherzigen.
Ethik und Partnerschaft

Noch eines habe ich aus Omaha mitgenommen: Die unglaubliche Ethik, die hinter Buffetts Wirken steckt, nicht nur die Philosophie. Buffett gibt einem die Grundlage, von der man sagen kann: Es hilft einem, sich zu orientieren. Es geht dabei nicht nur um die Business-Ethik, und um die einzelnen Faktoren und die Logik zu einzelnen Entscheidungen, ob nun ge- oder verkauft wird. Es geht vielmehr um die Moral und die Einstellung dazu. Und dieses Gerüst ist es, das wir als Team der Shareholder Value Management AG von der Hauptversammlung mitgenommen haben. Buffett ist in erster Linie nicht ein erfolgreicher Investor, er ist zunächst ein Treuhänder des Geldes seiner Anleger. Er kümmert sich darum, wie man es sich nicht besser wünschen kann. Investoren sind für ich Partner – und diese Partner nimmt er mit auf seinen Weg. Dabei bemüht er sich immer, Gutes für diese Partner zu tun. Das war eines der wertvollsten Dinge, die man hier lernen konnte. Und die hat uns Buffett wieder mal plastisch vor Augen geführt hat.

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