Das erste Halbjahr 2019 hielt für Investoren ein Wechselbad der Gefühle bereit. Der Handelskonflikt zwischen China und den USA schwelte weiter und sorgte zunächst für vorsichtigen Optimismus, im weiteren Verlauf aber wieder für Angst bei den Investoren. Trotz der Liquiditätsimpulse der Notenbanken bleibt das gesamtwirtschaftliche Bild getrübt. Aufgrund der anhaltenden politischen Risiken behielt der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen im ersten Halbjahr überwiegend eine neutrale Positionierung bei und erzielte insgesamt eine Wertentwicklung von -0,5 Prozent.

Den höchsten Beitrag zur Performance des Fonds im ersten Halbjahr 2019 lieferten der portugiesische Windenergiebetreiber EDP Renováeis, der deutsche Handelskonzern Metro und das chinesische Internetunternehmen Alibaba. Der Anbieter von erneuerbaren Energien Montauk Holdings, der britische Pflegedienstleister Mears Group und der britische Softwareentwickler Plus 500 lieferten die niedrigsten Ergebnisbeiträge.

Unter den Unternehmen, die im ersten Halbjahr 2019 neu in das Portfolio aufgenommen wurden, sind mit Ryanair Holdings PLC und Admiral Group PLC auch zwei Werte aus Großbritannien. Da viele Investoren das Vereinigte Königreich aus Sorge um einen harten Brexit meiden, bieten sich langfristig orientierten Investoren hier interessante Kaufgelegenheiten. Die Fluggesellschaft Ryanair ist einer der Kostenführer der Luftfahrtindustrie. Das Geschäftsmodell ist komplett auf Effizienz angelegt. Gleichzeitig weist Ryanair aufgrund der modernen Flugzeuge und der engen Bestuhlung eine vergleichsweise niedrige CO2-Belastung auf. Der Direktversicherer Admiral Group ist Kostenführer bei KfZ-Versicherungen in Großbritannien. Dieser Bereich dürfte nach unserer Auffassung von den wirtschaftlichen Konsequenzen eines harten Brexits relativ unberührt bleiben.

Das erste Quartal 2019 im Rückblick: Notenbanken befeuern die Erholung

Die Signale der US-Notenbank Fed Anfang 2019, ihre Normalisierungspolitik zunächst aufzuschieben, sowie die angekündigte Verlängerung des TLTRO-Programms der EZB, führten an den Kapitalmärkten nach dem Katastrophenmonat Dezember 2018 zu einer deutlichen V-förmigen Erholung. So konnte der MSCI World im Januar um gut acht Prozent zulegen. Gleichzeitig sorgte die Erwartung einer Lösung im Handelsstreit für positive Stimmung, die durch die Maßnahmen der chinesischen Regierung zur Stützung der Konjunktur noch gefestigt wurde. Die Impulse waren stark genug, um die latenten Konjunktur- und Brexitsorgen in den Hintergrund zu drängen. Das positive Umfeld führte dazu, dass im ersten Quartal fast alle Anlageklassen zweistellige Renditen erzielen konnten.

Da wir vor allem die politische Situation weiter für unberechenbar gehalten haben, waren wir im Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen im ersten Quartal mit einer Nettoaktienquote von zunächst 22 Prozent im Januar und 56 Prozent im Februar zu defensiv aufgestellt und konnten entsprechend von der positiven Aktienmarktentwicklung nur gering profitieren. Auch einzelne Unternehmen in Sondersituationen belasteten die Wertentwicklung des Fonds. Das Ziel dieser Investitionen war es, in einem insgesamt schwierigen Marktumfeld unabhängiger von Marktentwicklungen zu agieren. Ein Beispiel für diese Investments ist die Telecom Italia. Wir hatten bei der Aktie positive Effekte aus der Deregulierung des italienischen Telekommunikationsmarktes erwartet. Die Rhetorik, der im Juni 2018 neu gebildeten italienischen Regierung aus Lega und Fünf-Sterne-Bewegung führte jedoch dazu, dass sich diese Erwartungen nicht erfüllt haben und der Kurs der Aktie einbrach. Die Belastungen wirkten noch bis ins erste Quartal 2019.

Aufgrund der defensiven Positionierung und der Effekte durch die Unternehmen in Sondersituationen erzielte der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen im ersten Quartal 2019 eine Performance von 0,94 Prozent.

Das zweite Quartal 2019: Enttäuschte Hoffnungen, deutlicher Marktrückgang im Mai

Die Gemengelage aus Brexit-Chaos, dem anhaltenden Handelskonflikt und dem Streit um mögliche Autozölle mit der EU trübten die Stimmung im Laufe des zweiten Quartals ein. Nicht zuletzt in Folge des Handelskonfliktes ist der Welthandel in einem Umfang eingebrochen, den man sonst nur aus Rezessionsphasen kennt. Die aggregierten Einkaufsmanagerindizes entwickelten sich im April und Mai rückläufig. Durch das Aufflammen der Handelsstreitigkeiten geriet die konjunkturelle Stabilisierung seit Jahresanfang ins Stocken, was zu einem Rückgang an den Aktienmärkten führte. Der MSCI World verlor im Mai über 5 Prozent, europäische Nebenwerte im MSCI Europe Small Cap fast 6 Prozent. Der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen erzielt im April und Juni mit 2,3% und 1,33% eine positive Performance welche hauptsächlich durch vielversprechende Einzeltitel getrieben wurde.

Die negative Performance im Mai wurde am stärksten durch Alibaba belastet, welche sich auch in der Gesamtperformance des zweiten Quartals wiederfinden (Q2 -1,42 Prozent). Im zweiten Quartal war der Fonds mit eine Brutto/ Netto Aktienquote von um die 75 Prozent nicht abgesichert. Das USD-Währungsexposure hingegen blieb auch im zweiten Quartal vollständig abgesichert.

Zum Ende des Quartals verliehen die Notenbanken den Märkten neuen Schwung. So spekulierte EZB-Präsident Draghi über die Notwendigkeit eines zusätzlichen Stimulus, sollte sich der wirtschaftliche Ausblick nicht verbessern. Auch Fed-Chef Jerome Powell signalisierte die Bereitschaft zu Zinssenkungen, wenn die konjunkturelle Lage das erfordere. Die Erwartung einer Geldschwemme sorgte für eine gute Stimmung an den Märkten, der DAX markierte ein neues Jahreshoch, der S&P 500 sogar ein neues Rekordhoch. Auch der der Wechsel an der Spitze der EZB von Draghi zu Lagarde wird nichts an der expansiven Politik der Notenbank ändern, da die Wachstumsdaten weltweit eher enttäuschend sind. Vor diesem Hintergrund erwarten wir in den kommenden Wochen eine anhaltende Volatilität und schließen temporäre Rückschläge nicht aus, auch wenn aktuell der Markt intakt aussieht.

Die relative schlechtere Wertentwicklung von europäischen Value Nebenwerten gegenüber großen Aktien und besonders US-Unternehmen zieht sich wie ein roter Faden seit 18 Monaten hin. Wir sind davon überzeugt, dass sich diese Schere auch wieder schließen wird. Daher gibt es auch keinen Anlass zu Veränderungen, ganz im Gegenteil investieren wir unverändert in eigentümergeführte Firmen mit wirtschaftlichem Burggraben und Sicherheitsmarge, wie wir es seit mehr als 10 Jahren erfolgreich getan haben. Beispielsweise haben wir Titel wie Washtec oder Freenet mit hohen einstelligen Dividendenrenditen im Portfolio. Für uns als Value-Investoren bietet ein solches Umfeld immer wieder Gelegenheiten, attraktive Aktien zu günstigen Preisen zu erwerben. Wir haben deshalb im Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen im Juni die Cash-Quote erhöht und die Bruttoaktienquote auf 71 Prozent reduziert, um bei interessanten Value-Titeln mit Potential nachzukaufen und die entsprechende Liquidität zu haben.  Es ist nach wie vor so: Es gibt keine wirkliche Alternative zu Aktien.

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