Artikel von Shareholder Value Management AG | 09. August 2019 | www.shareholdervalue.de

Erläuterungen zum neuen Kostenausweis für den Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen

2019 erhielten Fondsanleger gemeinsam mit ihrem Depotauszug erstmals einen sogenannten Kostenbericht. Darin werden sämtliche Produkt- und Dienstleistungskosten der Anlage ausgewiesen.

Der Kostenbericht wurde im Rahmen der Finanzmarktrichtlinie MiFID II 2018 eingeführt und soll Anlegern mehr Klarheit, über die im Zusammenhang mit der Anlage angefallenen Kosten verschaffen. Allerdings wird dieses Ziel nur teilweise erreicht. Das größte Manko: Die Kostenausweise enthalten nicht nur die in dem jeweiligen Geschäftsjahr tatsächlich angefallenen Kosten, sondern auch solche, die in der Vergangenheit angefallen sind oder theoretisch in der Zukunft anfallen könnten.

Um der Verpflichtung zur jährlichen Offenlegung rechtzeitig nachkommen zu können, sind die Anbieter gezwungen, teilweise auf Vorjahresdaten zurückzugreifen, da manche Kosten zu Jahresbeginn noch nicht feststehen und erst mit dem geprüften Jahresbericht endgültig sind. Die Vorgehensweise steht im Einklang mit den Bestimmungen der Richtlinie. Sie führt aber dazu, dass Anleger unter Umständen ein falsches Bild von der tatsächlichen Kostenbelastung erhalten und auf dieser Basis ihre Anlageentscheidung treffen. Gleichzeitig sind die Kostenausweise verschiedener Anbieter aufgrund unklarer Definitionen von Begriffen und Größen nicht ohne Weiteres miteinander vergleichbar.

Auch für den Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen wurde 2019 erstmals ein Kostenbericht nach MiFID II veröffentlicht. Die ausgewiesenen Kosten setzen sich aus drei Blöcken zusammen:

  1. Laufende Produktkosten

Darunter fallen die Kosten, die dem Fonds tatsächlich belastet werden: Verwaltungs- und Verwahrstellenvergütung, Kosten für den Wirtschaftsprüfer oder die Aufsichtsbehörden. Diese Kosten sind in der Total Expense Ratio enthalten. Sie beträgt beim Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen T für das Geschäftsjahr 2018 (01.10.2017 – 30.09.2018) 1,24%.

  1. Explizite und implizite Transaktionskosten

Dazu zählen zum einen sogenannte explizite Kosten, die dem Fonds tatsächlich entstanden sind und auch belastet werden wie Broker- und Settlementkosten und Börsengebühren.

Zum anderen werden darunter auch die sogenannten impliziten Kosten erfasst. Darunter versteht der Gesetzgeber die Effekte von Slippage (die Differenz beim Handel, zwischen dem vom Händler erwarteten Kurs und dem tatsächlichen Ausführungspreis) oder Market Impact (die Preisbewegung, die der Fonds durch den Kauf bzw. Verkauf größerer Positionen selbst auslöst). Obwohl diese Kosten rein hypothetisch sind, werden vom Gesetzgeber für diese Effekte Pauschalen vorgegeben und müssen entsprechend ausgewiesen werden.

Beim Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen T belaufen sich die tatsächlich angefallenen expliziten Kosten für das Geschäftsjahr 2018 auf 0,25%, die theoretischen impliziten Kosten auf 0,21%.

  1. Anlassbezogene Kosten

Dazu zählt die Performance Fee. Am Beispiel des Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen T werden die Schwächen des neuen Kostenausweises besonders deutlich. Für das Geschäftsjahr 2017 wurde für den Fonds eine Performancegebühr erhoben, für das Geschäftsjahr 2018 hingegen nicht. Trotzdem muss die Performancegebühr in Höhe von 1,03% (aus 2017) im Kostenausweis 2018 ausgewiesen werden – auch wenn sie gar nicht erhoben wurde. Anfang 2019 erhält der Anleger also Informationen über einen Kostenblock, der sich auf den Zeitraum 01.10.2016 – 30.09.2017 bezieht.

Insgesamt wurden für den Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen T für das Geschäftsjahr 2018 Gesamtkosten von 2,73% ausgewiesen. Tatsächlich belastet wurden jedoch nur 1,49% (TER 1,24% + explizite Kosten 0,25%), die theoretischen Kosten in Höhe von 1,24% (implizite Kosten 0,21% und Performance Fee 1,03%) wurden nicht erhoben.

Wichtig ist für Anleger, dass die tatsächlich angefallenen Kosten laufend dem Fondsvermögen entnommen werden und nicht noch einmal separat bezahlt werden müssen. Auch bei der Darstellung der Wertentwicklung sind die Kosten bereits berücksichtigt, sie erfolgt immer auf Nettobasis.