Flummi oder Ei? 

Flummi oder Ei? Eine neue Welt

Rückblick – was ist geschehen

Bis vor kurzem hieß es, die globale Finanzmarktkrise sei eine Ausnahmesituation gewesen und werde sich so nicht wiederholen. Das Bankensystem sei stabiler, die Notenbanken stünden Gewehr bei Fuß und selbst die Politik habe dazugelernt.

Ausgehend von einem sehr starken Börsenjahr 2019 starteten wir in das Kalenderjahr 2020 mit neuen Höchstständen. Schon im vergangenen Jahr gab es erste Warnzeichen einer Entkopplung der Entwicklung der Aktienmärkte von den konjunkturellen Daten. Die Schere zwischen Value- und Growth-Werten lief immer weiter auseinander. Diese Bewertungslücke versuchten viele Experten mit niedrigen Zinsen, hohen Geldmengen und langfristigem Wachstum zu erklären. Fundamentale Entwicklungen wurden teilweise ignoriert, gleichzeitig schienen herkömmliche Bewertungsmodelle keine Gültigkeit mehr zu haben. Selbst erste Meldungen über den Ausbruch des Coronavirus in der chinesischen Stadt Wuhan wurden als lokales, auf China begrenztes Ereignis abgetan und nicht als globale Bedrohung gesehen.

Doch das sich immer weiter ausbreitende Virus lies aus diesem lokalen Angebotsschock schnell einen Nachfrageschock werden, gepaart mit einem schwarzen Schwan in Form des Ölpreiskollapses. Was war geschehen? Während sich in Europa die Angst vor einer globalen Pandemie ausbreitete, konnten sich Saudi-Arabien und Russland nicht auf Förderquoten verständigen. Die Eskalation führte zu einem Einbruch der Ölnotierungen, gefolgt von einem schwarzen Montag an den Börsen. Ölaktien und Banken, vollautomatisierte Verkaufsprogramme, Staatsfonds, ETFs und gehebelte Risk-Parity Strategien ließen die Volatilität in eine seit der Finanzkrise nicht gesehene Höhe schnellen. Während die Verluste chinesischer Aktien dank eines besonnen und vorsichtig kommunizierenden Staatsapparates auch mit Hilfe der Notenbank verhältnismäßig glimpflich ausfielen, zog der schnelle Ausverkauf an der Wallstreet DAX und Co. noch mehr in die Tiefe.

Corona verändert die Welt fundamental

Die Welt in Europa scheint nun stillzustehen, das Wasser in Venedig ist wieder klar und die Preise von CO2-Zertifikaten folgen dem Verlauf des Ölpreises. Weltweit spielen sich im Zuge der Pandemie menschliche Dramen ab. Im tagtäglichen menschlichen Miteinander sind sowohl ein gesteigertes Verantwortungsbewusstsein, z.B. in Form von vermehrter Hilfsbereitschaft, als auch deutlich zu Tage tretender Eigensinn wie bei Hamsterkäufen zu beobachten. Auch auf Unternehmensseite sorgen einige Firmen durch Negativschlagzeilen für Aufmerksamkeit und Imageschäden, während andere durch Spendenaktionen glänzen oder ihre Produktion auf Desinfektionsmittel und Masken oder Beatmungsgeräte umstellen. In Deutschland leidet die exportlastige Wirtschaft in Industrie, Luftfahrt und Automobilsektor überproportional. Die Erfahrungen aus der Finanzkrise, mit wirtschaftlichem Stillstand, steigenden Insolvenzen und Arbeitslosenzahlen, wachsender Inflation und soziale Unruhen, lassen für den weiteren Konjunkturverlauf eher das fallende Ei als den Flummi erwarten. Dagegen sprechen wiederum die nie zuvor gesehenen finanziellen Stimuli der Notenbanken und die weltweite Solidarität, zu denen beispielsweise auch Corona-Bonds gehören. Eine solche Krise schafft neue Chancen für eine neue Form der Globalisierung. So hat diese Krise z.B. die Nachteile von weit verteilten Lieferketten mit „just-in-time“ Lieferung aufgezeigt. Deshalb ist es sinnvoll, in strategischen wichtigen Sektoren nationale Reservekapazitäten vorzuhalten.

Sie können den vollständigen Quartalskommentar hier lesen oder als PDF-Datei herunterladen.