Kommentar von Frank Fischer, CEO & CIO der Shareholder Value Management AG | 04. Mai 2020 | www.shareholdervalue.de

Covid-19 hat die Weltwirtschaft im Griff

Die Corona-Krise hat Wirtschaft und Gesellschaft weltweit im Griff. Länder wie China, Korea und Taiwan sind auf dem Weg zurück in die Normalität. Die andauernden Kontrollmaßnahmen in der Öffentlichkeit machen aber deutlich, dass man von einer Situation, wie sie vor dem Ausbruch der Pandemie bestand, auch dort noch weit entfernt ist. In anderen Teilen der Welt, unter anderem den USA, Afrika, Indien und Südamerika sowie Teilen Europas, tobt weiterhin der Kampf gegen den Virus.

Das staatliche Vorgehen spaltet zunehmend die westlichen liberalen Gesellschaften und lähmt die internationalen Lieferketten und damit die Weltwirtschaft. Wir befinden uns in einer globale Rezession und die psychologischen, sozialen und wirtschaftlichen Folgen von Covid-19 werden Narben u.a. auch in Form von exorbitanten Schulden hinterlassen, mit denen wir uns noch lange auseinandersetzen müssen. Nach den starken Einbrüchen an den Weltbörsen im März machte sich im April an den Börsen vorsichtiger Optimismus breit. Dieser war vor allem in den massiven politischen und monetären Aktionen unter Einbeziehung der Notenbanken begründet: Anders als zu Zeiten der Finanzkrise, als insbesondere Europa nur langsam Maßnahmen ergriff, haben die Regierungen diesmal weltweit zwar nicht konzertiert, aber zumindest schnell gehandelt. Trotzdem wird es 2020 zu einer echten weltweiten Rezession kommen.

Was bedeutet das für die Unternehmen?

Die aufkommende Rezession spiegelt sich naturgemäß in den Unternehmensergebnissen wider, wie die laufende Berichtssaison zeigt. Bei den Unternehmen sind unterschiedliche Entwicklungen erkennbar: Branchen wie Gastronomie, Reise- und Luftfahrtunternehmen liegen am Boden. Hier kommen die Liquiditätshilfen in einigen Fällen möglicherweise zu spät oder es ist mit Verwässerungen durch Kapitalerhöhungen zu rechnen. Aber andere Branchen konnten in der Krise sogar zulegen. Dazu gehören die FAANG-Werte Facebook, Apple, Amazon, Netflix und Google/Alphabet, sowie Microsoft. Die in der Lockdown-Phase besonders gefragten Dienste von Amazon führten sogar zu neuen Höchstkursen.

Homeoffice, Online-Konferenzen und ein schneller Datenaustausch und -zugriff haben in der Krise stark an Bedeutung gewonnen. Mit Ausnahme von Netflix hatten all diese Unternehmen bereits vor der Krise hohe Cash-Reserven. Das macht sie weniger anfällig für die Folgen einer Rezession als etwa Unternehmen, deren Bilanzen schon vor dem Virus-Ausbruch „auf Kante genäht“ waren.

Was heißt das für einen Value-Investoren?

Wir sind überzeugte Value-investoren. Die klassische Value-Definition wurde von Benjamin Graham aufgestellt und bezeichnet Aktien, die sich primär durch niedrige Bewertungen, einen hohen Substanzwert und eine hohe Dividendenrendite auszeichnen. Wir haben unseren Value-Ansatz seit den 90er Jahren konsequent weiterentwickelt. Wie Warren Buffett und Charlie Munger glauben wir, dass die Kapitalrendite eines Unternehmens einen höheren Einfluss auf die Performance der Aktie hat als der Preis, der für die Aktie gezahlt wurde. In dieser „Modern Value“-Perspektive ist also nicht der Preis allein entscheidend, sondern die Höhe der künftigen Cash-Flows. Dieser Ansatz erlaubt auch die Investition in höher bewertete Aktien, wenn sie eigentümer- und familiengeführt sind, über strukturelle Wettbewerbsvorteile, den wirtschaftlichen Burggraben sog. „Moat“, verfügen und die Aktie, gemessen am erwarteten künftigen Cash-Flow, eine Sicherheitsmarge bietet.

Wie agiert der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen derzeit?

Aus diesem Grund setzen wir im Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen den Fokus in erster Linie auf Firmen, die die Krise mittelfristig möglichst stabil überdauern werden oder sogar gestärkt daraus hervorgehen. Die Grundvoraussetzung hierfür ist eine gesunde Bilanz, die sich insbesondere durch eine hohe Liquidität und eine niedrige, auf das jeweilige Geschäftsmodell abgestimmte, Verschuldung auszeichnet. So haben Unternehmen wie z.B. Amazon eine Liquidität von über 55 Mrd. US-Dollar oder Alphabet von nahezu 120 Mrd. US-Dollar. Ähnliches trifft auch auf die kleineren Firmen zu, aus denen das Portfolio des Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen zum Großteil besteht. Wir suchen und investieren weiterhin in stabile Geschäftsmodelle mit strukturellen Wettbewerbsvorteilen.

Dies bezeichnen wir als wirtschaftlichen Burggraben. Idealerweise werden diese Unternehmen inhabergeführt, wie es auch bei Alphabet, Facebook und Amazon oder Alibaba der Fall ist. Das Aktienportfolio besteht aktuell zu knapp 50 % aus solchen „Modern Value“-Firmen mit einem breiten und tiefen wirtschaftlichen Burggraben. Nebenwerte wie unser Portfoliowert secunet Security Networks AG erleben mit Cybersecurity-Diensten und sicheren Netzwerkarchitektur-Produkten (SINA genannt) durch die Corona-Krise gerade eine Sonderkonjunktur. Die Aktie notiert mittlerweile auf einem Allzeithoch, da sie über einen solchen „Moat“ verfügt.

Knapp 30% des Portfolios sind weiterhin „klassische“ Value-Werte in der Definition von Benjamin Graham. Sie sind aufgrund der sich abzeichnenden Rezession teilweise sehr deutlich gefallen. Aktien, wie z.B. die Automobil-Ingenieursdienstleister Bertrandt und Edag, wie Freenet, Kapsch, Metro, oder in England auch der Anbieter von Sozialwohnungen und -dienstleistungen Mears und der Flugzeugabfertiger Menzies, leiden besonders unter der aktuellen Situation. Auf dem aktuell teilweise sehr gedrückten Niveau verfügen die Titel jetzt über eine sehr oder sogar extrem hohe Sicherheitsmarge. Hierliegt sicherlich aktuell das größte Aufholpotential des Fonds, was aber Geduld erfordert, denn die klassischen Value-Titel laufen typischerweise erst zeitversetzt nach oben. Oft braucht es ein wenig Zeit, bis temporäre Ineffizienzen vom Markt erkannt werden und die Liquidität auch diese Titel erfasst.

Was spricht in diesem Umfeld für den Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen?

Unser Portfolio zeichnet sich derzeit durch einen hohen Anteil stark unterbewerteter Titel aus, die über stabile Geschäftsmodelle verfügen. Dazu kommt unser aktives Risikomanagement. Hiermit erzielten wir mittel- bis langfristig aktienmarktähnliche Renditen bei einer deutlichen Reduzierung der Schwankungen (s. Graphik*). In der sehr kurzfristigen Perspektive ist der Fonds nicht vor Wertschwankungen gefeit. Das liegt unter anderem auch daran, dass das Portfolio zu ca. 60% aus Small- und Mid Caps besteht, die in Krisensituationen stärker fallen und sich leider nicht eins zu eins absichern lassen. Langfristig ergibt sich aber aus ihnen ein überproportionales Renditepotential.

*Die Performance der Vergangenheit ist kein Indikator für die Zukunft.

Der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen hat sich nach temporären Schwächephasen immer erholt. Solche Erholungsphasen gab es 2009, 2015 und ab dem Sommer 2019. Bis dahin konnte der Fonds über mehr als 10 Jahre eine zweistellige Wertentwicklung aufweisen. Seit Auflage im Jahr 2008 vor der Finanzkrise konnte der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen eine Rendite von durchschnittlich 6,5% p.a. erzielen, was der Rendite des DAX entspricht – allerdings nur bei halber Volatilität.

Obwohl der Fonds einen vermögensverwaltenden Ansatz hat und sein Schwerpunkt auf Value-Aktien und Nebenwerten liegt, wird seine Wertentwicklung von Anlegern immer wieder mit dem DAX als gängigem und bekannten Index, gerade für deutsche Investoren, verglichen. Offizieller Referenzindex ist allerdings der MSCI European Smaller Companies, weshalb wir zu Vergleichszwecken beide in der Graphik verwendet haben.

Fazit:

Wir fokussieren uns bei der Zusammenstellung des Portfolios unseres Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen auf Unternehmen, die gut gemanagt sind und auch nach der Krise ihre Marktposition behaupten können. Wir legen unseren Schwerpunkt aktuell noch stärker auf „Modern Value“-Unternehmen, die einen möglichst breiten wirtschaftlichen Burggraben um ihre Firma errichtet haben, denn wir gehen davon aus, dass die Märkte noch eine Weile volatil bleiben und es noch einige Monate dauert, bis sich die Wirtschaft weltweit wieder eingependelt hat. Die Fiskalpolitik und die enorme Liquidität werden den Markt weiterhin stabilisieren und nachhaltig anschieben. Trotzdem agieren wir vorsichtig, denn wir investieren langfristig. Für uns spielen bei der Qualität der Unternehmen, deren Bilanzen und ihre Verschuldung eine wichtige Rolle.

Unserem bewährten und transparenten Investment-Ansatz werden wir auch in Zukunft treu bleiben. Konkret bedeutet dies, dass wir die Volatilität als Chance nutzen, um nach den bewährten vier Prinzipien des Value-Investing anzulegen. Dabei profitieren wir von der langjährigen Expertise unseres Investment-Teams um unseren CIO Frank Fischer und folgen dabei unserem ethischen Leitfaden, denn auch in schwierigen Phasen dürfen moralische Verpflichtungen nicht außer Acht gelassen werden.

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