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dasinvestment.com | Interview mit Frank Fischer | 27. August 2020 | www.shareholdervalue.de

Warren Buffett feiert runden Geburtstag: Am 30. August wird der Investment-Altmeister 90 Jahre alt. Wir haben mit dem deutschen Value-Investor und bekennenden Buffett-Fan Frank Fischer über den legendären Profianleger und über Stippvisiten in Omaha gesprochen.

DAS INVESTMENT: Warren Buffett gilt als lebende Legende und Prototyp eines Investors in seiner sympathischen Variante. Was fasziniert Sie persönlich an ihm?

Frank Fischer: Ich glaube, es gibt einen Grund, warum Menschen wie Buffett so besonders gut sind. In langen Krisen zahlt sich seine Disziplin aus. Seine Beharrlichkeit, nie zu viel zu zahlen und keine falschen Risiken einzugehen. Die Stabilität seiner Holding-Firma Berkshire Hathaway rührt aus vielen unterschiedlichen Ertragsquellen her. Wenn ein Bereich mal ausfällt, geht es anderen immer noch gut. Der Ansatz und was Warren Buffett daraus gemacht hat, ist ein ziemlich gutes Konstrukt.

War Buffetts Ansatz immer gleich, oder hat er sich erst zu dem entwickelt, was ihn heute ausmacht?

Fischer: Buffett war ja Schüler von Benjamin Graham, dem Vater der fundamentalen Aktienanalyse. Dessen Grundgedanke und der Kern von Value-Investing überhaupt ist es, zwischen Preis und Wert zu unterscheiden und nie zu viel für ein Investment auszugeben. Buffett hat Grahams Stil weiterentwickelt. Er hat nicht nur auf ein niedriges Kurs-Gewinn- und ein niedriges Kurs-Buchwert-Verhältnis geachtet, sondern sich im Laufe der Jahre verstärkt an wachsenden Umsätzen und Gewinnen und an den Maßstäben von Phil Fisher orientiert …

… einem anderen berühmten Wall-Street-Analysten.

Fischer: Philip Fisher hat ein 15-Punkte-System entwickelt, das zu verstehen hilft, ob es sich bei einer Firma um ein „Wonderful Business“ handelt. Das Unternehmen sollte auch langfristig profitabel arbeiten und Aussicht auf solides Wachstum haben. Wenn ein Unternehmen gut genug ist, spielt der Preis keine so große Rolle mehr. Das ist die moderne Art des Value-Investing für das auch Buffets Partner Charlie Munger steht. Warren Buffett hat damit eine Entwicklung durchgemacht, die für Value-Investoren ganz typisch ist. Auch wir legen teilweise nach dem Graham-Stil an, handeln aber zunehmend im Sinne des modernen Value-Investing.

Buffett musste sich in den vergangenen Monaten viel Kritik anhören. So habe er in der Corona-Krise zu zögerlich und auch zu wenig investiert.

Fischer: Er bleibt seiner Linie treu und investiert nur in Geschäftsmodelle, die er auch versteht. Über Dominion Energy hat Buffett gerade in Erdgas investiert. Er ist auch schon bei Solar- und Windenergie im Rahmen seiner Energieversorger engagiert. Natürlich würden sich viele Investoren freuen, wenn er nicht 10 Milliarden, sondern gleich 60 Milliarden Dollar investiert hätte. Denn auf Cash bekommt er keine Erträge. Mir ist es aber sehr recht, dass er so viel Disziplin hat. Denn nur so weiß ich, dass wir nichts verlieren können und auf Dauer schöne Ergebnisse haben.

Seine Beteiligungen an Fluglinien hat Buffett verkauft. Das werten einige Beobachter als schweren Fehler.

Fischer: Man weiß aktuell nicht, wie schnell sich das Flug-Business wieder erholt. Das hängt auch davon ab, wie sich die Ansteckungsrate bei Corona entwickelt und wie Fluglinien in Zukunft ausgelastet sein werden. Für nachhaltiges und langfristiges Investieren ist es aber wichtig zu wissen, wie der Cashflow in fünf Jahren aussieht. Und ob wenigstens noch ein zufriedenstellender Substanzwert vorhanden ist. Daher wünsche ich denen viel Glück, die in den Fluglinien eine Riesen-Chance sehen und sagen, Buffett habe einen Fehler gemacht.

Sie zeigen viel Verständnis für Buffett. Hat er auch schon mal etwas gekauft, was Sie nicht nachvollziehen konnten?

Fischer: Mit Dexter Shoes hat er sich 1993 keinen Gefallen getan. Er zahlte damals mit Aktien von Berkshire, die heute fast 9 Milliarden US-Dollar wert wären. Er hat 1,6 Prozent seiner Firma hergegeben, um ein absolut wertloses Geschäft zu kaufen. Später hat er das selbst als eine Pleite bezeichnet, die reif fürs Guinnessbuch der Rekorde wäre.

Gibt es umgekehrt auch Gelegenheiten, die Buffett aus für Sie unverständlichen Gründen nicht ergriffen hat?  

Fischer: Vielleicht etwas sehr Naheliegendes, Microsoft. Aber das liegt auch nicht unbedingt in seinem „Circle of Competence“, wie es Buffett ausdrücken würde, also in dem Bereich, in dem er sich auskennt. Buffett selbst bedauert es nach eigener Aussage außerdem sehr, nicht in Alphabet beziehungsweise Google investiert zu haben. Dabei hat er mit dem Auto-Versicherer Geico lange Zeit von Google profitiert, indem er die Google-Dienste in Anspruch genommen hat. Ein direktes Investment in Alphabet hätte Berkshire aber noch viel bessere Ergebnisse gebracht.

Sie fahren häufig zu den legendären Hauptversammlungen von Berkshire Hathaway nach Omaha. Kennen Sie Buffett persönlich?

Fischer: Es ist nicht so, dass wir schon viele Bier miteinander getrunken und gequatscht hätten. Leider nicht. Aber am Rande der Hauptversammlung ist Buffett immer mal wieder auf die Treffen der deutschen Value-Gemeinschaft gekommen. Das ist eine Chance, mit ihm mal ein Wort zu wechseln, auch wenn es dann nicht unbedingt um seine Anlagepolitik geht. Schließlich hat er vorher schon sechs Stunden lang Fragen dazu beantwortet.

Berkshire Hathaway ist momentan eine der Top-Fünf-Positionen in Ihrem Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen. Verlassen Sie sich ganz auf Ihr Vorbild?

Fischer: Wir haben uns gerade wieder intensiv mit der Berkshire-Hathaway-Aktie beschäftigt. Das hat einige Wochen Engagement gekostet, denn viele meiner Kollegen finden Berkshire gut und haben eine Meinung dazu. Wir gehen aufgrund des weiter gedrückten Niveaus der Aktie von deutlich zweistelligen Renditen über die nächsten fünf Jahre aus. Vermutlich zwischen 11 und 14 Prozent – je nachdem, welche Annahmen man trifft und wie das mit Corona ausgeht. Wenn Berkshire noch weitere eigene Aktien zurückkauft, eröffnet das zusätzliche Renditechancen. Es lohnt sich, weiter Berkshire-Aktionär zu bleiben.

Top-Positionen Ihres Fonds sind außerdem Amazon, Facebook und Alphabet. Das klingt ein wenig fantasielos.

Fischer: Wir konnten diese ganzen Wonderful Businesses in der Corona-Krise sehr günstig kaufen. Bei Alphabet sind wir seit 2014 investiert. Beim chinesischen Amazon-Pendant Alibaba, ebenfalls in unseren Top Ten, sind wir seit Börsengang dabei. Bei Facebook auch schon mehrere Jahre, die Aktie konnten wir jetzt günstig nachkaufen. Ebenso den Dotcom-Domain-Betreiber Verisign. Einige unserer Value-Titel nach Graham-Stil durchlaufen dagegen noch eine Durststrecke. Zum Beispiel der Waschanlagen-Spezialist Washtec. Sie werden sich wieder erholen, aber es sind eben zyklischere Aktien. Vor allen Dingen gut getan haben uns auf jeden Fall die Wonderful Businesses. Das ist es ja, was wir von Buffett lernen: Wenn es möglich ist, ein tolles Geschäftsmodell zu einem annehmbaren Preis zu kaufen, sollte man das tun. Genau das war in der Corona-Krise wieder möglich.

Über den Interviewten

Frank Fischer ist Vorstand und Investmentchef des Frankfurter Fondshauses Shareholder Value Management. Neben dem Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen trifft er auch die Anlageauswahl in den Fonds Prima Globale Werte, Value Focus Fund und Frankfurter Stiftungsfonds. Bevor er zu SVM kam, war Fischer Geschäftsführer von Standard & Poor’s Fund Services, vormals Micropal.

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