Kolumne von Frank Fischer, CEO & CIO der Shareholder Value Management AG | 03. August 2020 | www.shareholdervalue.de

Gold, Gold, Gold. Entweder ist es Angst oder Gier, weshalb die Anleger in das Edelmetall investieren. Dabei wirft, wie man so schön sagt, Gold weder Zinsen noch Dividenden ab. Aber: Wozu braucht man Zins und Dividende um Rendite zu erzielen, wenn Gold-Investments seit Jahresanfang mehr als 20 Prozent Wertsteigerung zu verzeichnen haben? Das schafft kaum eine Aktie.

In unruhigen Zeiten – und die haben wir ja nun wirklich – ist Gold so eine Art psychologische Beruhigungspille. Wie sagte schon der amerikanische Banker JP Morgan: „Gold ist Geld, alles andere ist Kredit.“ Doch in Zeiten von Corona, Konjunktursorgen, Null-Zins, einem schärfer werdenden Wirtschaftskonflikt zwischen den USA und China, ist der Goldrausch allzu verständlich. Von den Sorgen rund um die US-Präsidentschaftswahlen ganz zu schweigen. Hinzu kommt aber, dass neben der historischen Versicherungspolice „Gold“ für den Wertverfall anderer Vermögensgegenstände in der aktuellen Situation von einigen Marktteilnehmern befürchtet wird, die globalen Notenbanken gefährden zumindest langfristig die Stabilität des Systems des Fiatgeldes, unabhängig davon in welcher Währung es betroffen ist. Digitale Entsprechungen – wie beispielsweise Bitcoins – sind weder darauf ausgerichtet noch faktisch in der Lage an dessen Stelle zu treten. Auch diese Sichtweise spricht für ein Investment in Gold.

Also: Raus aus Aktien und rein in Gold?

Die Sorgen der Anleger sitzen tief, vor allem nach den jüngsten BIP-Zahlen: In der aktuellen Krise ist das Bruttoinlandsprodukt so stark eingebrochen wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. In den Monaten von April bis Juni fiel Deutschlands Wirtschaftsleistung saisonbereinigt um 10,1 Prozent niedriger aus als im Vorquartal. Und in den USA sieht es mindestens genauso katastrophal aus.

Also, raus aus Aktien und rein ins Gold. So fehlt nicht viel an der 2.000-Dollar-Marke, die Gold wohl bald knacken wird. Das ist damit mehr als der alte Spitzenwert aus dem Jahr 2011, als der Preis auf knapp 1.945 Dollar pro Feinunze gestiegen war. Und glaubt man den Experten der Bank of America, dann wird die Feinunze in den kommenden zwei Jahren bis auf sagenhafte 3.000 Dollar klettern. Und noch eine Zahl ist interessant: Anleihen mit einer negativen Rendite haben global inzwischen das Volumen von mehr als 14 Billionen Dollar erreicht. Dem stehen 12 Billionen Euro für die rund 200.000 Tonnen Gold gegenüber, die bisher aus der Erde geholt wurden. Übrigens: Im Portfolio unseres Mandats „Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen“ ist Gold indirekt mittlerweile auch die größte Position. Dass der schwächelnde US-Dollar einen Teil der Gewinne in Euro wieder zu Nichte macht, kann durch Absicherungen ausgeglichen werden.

Anleger sind misstrauischer geworden

Dass viele Anleger der Entwicklung an den Börsen eher misstrauisch gegenüberstehen, ist auf der anderen Seite verständlich. Zum einen war die Kursentwicklung der letzten Monate atemberaubend. Die erhoffte „V“-förmige Erholung ist in rasendem Tempo eingetroffen. Vor allem getrieben durch die großen Tech-Werte wie Amazon, Alphabet, Apple & Co. Aber: wohin sollen die Kurse in der sich wieder verschärfenden Corona-Krise, dem enormen Konjunkturabschwung und dem immer heftiger ausgetragenen Konflikt zwischen den USA und China noch laufen? Die Antwort darauf ist widersprüchlich. Da sind zum einen die Erwartungen der Analysten. Diese waren mit Beginn der Corona-Krise stark gefallen. Und natürlich fallen die Ergebnisse für das zweite Quartal größtenteils verheerend aus. Aber eine Vielzahl der Unternehmen schafft es dennoch, die Erwartungen zu übertreffen – insbesondere in den USA. Deshalb haben die Analysten damit begonnen, die Erwartungen für das dritte Quartal anzuheben. Allein in den letzten Tagen wurde die aggregierte Konsensprognose für den Gewinn je Aktie im S&P 500 um 0,8 Prozent angehoben. Die Gewinnerwartungen für 2020 und 2021 erhöhten sich dadurch um 0,6 beziehungsweise 0,5 Prozent. Zyklische Sektoren profitierten dabei am stärksten.

Microsoft und die Umdeutung des „V“

Auf der anderen Seite hat man gesehen, wie hoch die Erwartungen der Investoren mittlerweile gestiegen sind, und dass sie jetzt gewillt sind auch mal Gewinne mitzunehmen, als immer höhere Bewertungen zu akzeptieren. Bestes Beispiel war Microsoft nach der Vorlage der jüngsten Zahlen. CEO Satya Nadella hatte eigentlich bärenstarke Zahlen präsentiert. Allein im Bereich Cloud-Dienste waren die Erlöse von April bis Juni um 47 Prozent gestiegen. Im gesamten Geschäftsjahr 2019/2020 hat Microsoft in dieser Sparte 50 Milliarden Dollar umgesetzt. Das entspricht einem Plus von 36 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Und die anderen Geschäftsfelder waren nicht viel schlechter. Und was machte die Aktie des nach Apple zweit-wertvollsten Unternehmens? Sie wurde verkauft. Die Erwartungen waren einfach zu hoch.

Vielleicht ist es in diesem Zusammenhang vernünftig, das „V“ der rasanten Aktien-Rally umzudeuten, In „V“ wie Vorsicht. Und wenn Anleger vorsichtig agieren, waren Investments in Gold schon oft ein probates Mittel.





Kolumne von Frank Fischer, CEO & CIO der Shareholder Value Management AG | 20. Juli 2020 | www.shareholdervalue.de

Über der Wall Street brauen sich dunkle Wolken zusammen. Die meisten Analysten erwarten für den S&P 500 einen Gewinnrückgang im zweiten Quartal um mehr als 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Hierfür sind insbesondere die Sektoren Energie, wegen des niedrigen Ölpreises, und der Bereich Finanzen verantwortlich, so die Erwartungen. Die ersten Zahlen der großen Banken für Q2, fielen jedoch auf den ersten Blick besser aus als erwartet.

So verbuchte Goldman Sachs das zweitbeste Quartalsergebnis ihrer Unternehmensgeschichte. Auch andere Finanzinstitute, wie Morgan Stanley, JP Morgan oder die Citigroup konnten Milliarden-Gewinne verbuchen. Doch diese lagen weit unter denen des Vorjahrs. Wells Fargo musste sogar für Q2 erstmals seit der Finanzkrise einen Quartalsverlust ausweisen. Was aber hellhörig machen sollte, sind die hohen Rückstellungen für mögliche Kreditausfälle. Diese liegen im hohen zweistelligen Milliardenbereich.

Noch halten sich die US-Indizes auf hohem Niveau, was vor allem an den großen Tech-Werten, wie Alphabet & Co., liegt. Das „Handelsblatt“ fasste die Situation aber treffend zusammen: „Während die Wall Street feiert, darbt die Main Street“. Das bedeutet, dass die Hilfspakete der US-Notenbank Fed und der Regierung bisher vor allem den Finanzmärkten und weniger der Realwirtschaft geholfen haben. Die Banken stellen sich aber mit ihren milliardenschweren Rücklagen darauf ein, dass viele Unternehmen und auch Privatpersonen in den kommenden Monaten ihre Kredite nicht zurückzahlen werden. Eine größere Pleite-Welle könnte sich am Horizont abzeichnen.

„Beautiful Business“ gesucht

Wir sind mit dem Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen zwar auch in den USA investiert, aber nicht im Finanz- oder Energiesektor, sondern bei den großen Tech-Werten wie Apple, Amazon, Alphabet oder Facebook, die über eine starke Marktposition und enorme Finanzkraft verfügen. Sie gehören nach wie vor zu den Gewinnern der Krise, und sind Konzerne, die wir für ihr „Beautiful Business“ schätzen. Sie verfügen über eine hohe Preissetzungsmacht und einen sogenannten wirtschaftlichen „Burggraben“. Dieser meint strukturelle Wettbewerbsvorteile, die hohe Markteintrittsbarrieren für Wettbewerber setzen. Dadurch erzielen sie hohe und weiterhin wachsende Kapitalrenditen.

Secunet Security & Gold

Zu den Unternehmen mit einem „Beautiful Business“ zählt beispielsweise auch die Essener Secunet Security, die sich auf Lösungen rund um IT-Sicherheit und IT-Hochsicherheit spezialisiert hat. Hier hat sich das Unternehmen mittlerweile eine starke Marktposition aufgebaut, in den Bereichen eHealth, Innere Sicherheit, Industrie, öffentliche Auftraggeber und Verteidigung. Und wie bei der Vorlage der jüngsten Zahlen deutlich wurde: Die Auftragsbücher sind bis zum Rand gefüllt.

Doch bei allem Optimismus für Unternehmen mit einem „Beautiful Business“, vergessen wir nicht die Gefahren, die auf Dow, DAX & Co. zukommen können. Deshalb halten wir auch rund sechs Prozent Gold im Portfolio des Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen. Als Versicherung, falls es zu Turbulenzen kommt.





RenditeWerk | Ausgabe 03 2020, Seite 18 | Gastbeitrag von Frank Fischer | 15. Juli 2020 | www.shareholdervalue.de

An den Kapitalmärkten hat die expansive Geldpolitik, mit der die Notenbanken die Folgen der globalen Finanzkrise, der Euro-Krise und zuletzt der Corona-Pandemie bekämpfen, deutliche Spuren hinterlassen. Während die Aktienmärkte bis Februar immer neue Höchststände erzielen konnten, weisen Anleihen seit Jahren fallende Renditen aus. Auch klassische Anleiheinvestoren Versicherungen und Stiftungen weichen deshalb schon seit einiger Zeit auf sogenannte ,,Bond Proxies‘‘, Aktien von Unternehmen mit einem stabilen Geschäftsmodell, einer soliden Bilanz und einem stabilen Cash-flow, als Anleiheersatz aus.

Für die meisten Stiftungen bringt das aktuelle Kapitalmarktumfeld eine Reihe von Herausforderungen mit sich, denn die niedrigen und erst recht die negativen Zinsen gefährden den gesetzlich vorgeschriebenen Kapitalerhalt des Stiftungsvermögens und erschweren die Erfüllung der treuhänderischen Verpflichtungen. Auch wenn die jüngste Erholung der Märkte bei vielen Anlageausschüssen einige Sorgenfalten wieder glätten konnte, sind die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen in der Realwirtschaft noch lange nicht überstanden. Gleichzeitig bedrängen die Notenbanken mit ihrem massiven Gelddrucken die Anleger noch weiter.

Investitionen in Realwerte

Eine mögliche Reaktion auf dieses Umfeld ist die Investition in Realwerte in Form von unterbewerteten Qualitätsunternehmen, wie sie der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen vornimmt. Seit seiner Auflage Anfang 2008 verzeichnet der Fonds über alle Krisen hinweg einen stabilen Wertzuwachs und erfüllt dabei durch die ethische, soziale und umweltgerechte Umsetzung seiner Value-Anlagestrategie die Nachhaltigkeitsanforderungen vieler Stiftungen. Speziell für Stiftungen gibt es eine steuerbefreite Anteilklasse S.

Sie können den vollständigen Artikel aus dem RenditeWerk hier als PDF-Datei herunterladen.

Nachdem die meisten Börsen im März massive Einbrüche in Folge der Ausbreitung des Coronavirus und eines Preiskriegs beim Öl zwischen Russland und Saudi-Arabien verbuchen mussten, begann im April mit den ersten Lockerungsmaßnahmen die Aufholjagd. Ausschlaggebend dafür waren vor allem die Rettungspakete verschiedener Regierungen sowie die akkommodierende Politik der Notenbanken. Langfristig könnte der Umfang des fiskalischen Rettungspaketes bis zu 10 Prozent des weltweiten BIPs betragen. Diese Summen stützen die Märkte und haben die Erholungsrallye im 2. Quartal weiter befeuert. Hinzu kam, dass in Europa im Quartalsverlauf rückläufige Infektionszahlen vermeldet wurden, was die Hoffnungen auf eine baldige Rückkehr zur Normalität bestärkte. Vor allem im Juni verbesserten sich die Makroprognosen. So gab es vom US-Arbeitsmarkt weniger dramatische Zahlen, als zunächst erwartet worden war. Einzelne Volkswirtschaften, wie die deutsche, konnten den Einbruch beim BIP in Grenzen halten. Im Ergebnis notierten die wichtigsten Indizes im Juni wieder nur leicht unter ihren Höchstständen von vor der Krise. Aber die Lage bleibt fragil, auch weil die wirtschaftlichen Auswirkungen nicht endgültig abzuschätzen sind. Die Geldpolitik bleibt deshalb die wichtigste Stütze der Aktienmärkte. Zum Quartalsende bereiten vor allem die USA Sorgen, da die Pandemie hier außer Kontrolle geraten ist und die Regierung sich wenig handlungsfähig zeigt. Auch wächst weltweit die Angst vor einer zweiten Infektionswelle.

In diesem Umfeld konnte der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen im 2. Quartal eine Wertentwicklung von 11,1 Prozent erzielen (-12,9 Prozent YTD). Wir setzen im Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen einen Schwerpunkt auf Unternehmen mit stabilem Geschäftsmodell und strukturellem Wettbewerbsvorteil, dem wirtschaftlichen Burggraben oder „Moat“. Den Anteil dieser Unternehmen haben wir in den vergangenen Monaten ausgebaut. Aktuell besteht das Portfolio zu rund 50 Prozent aus
solchen „Modern Value“- Unternehmen mit einem tiefen Burggraben, wie z.B. Alibaba, Alphabet oder secunet Security Networks. Sie lieferten im Quartal mit rund 8 Prozent den höchsten Performancebeitrag im Portfolio.

Sie können den vollständigen Quartalskommentar hier lesen und als PDF-Datei herunterladen.

Der Innere Wert der Shareholder Value Beteiligungen AG zum 30. Juni 2020 betrug 120,23 € pro Aktie und liegt damit um 4,52% über dem Jahresanfangswert in Höhe von 115,03 €. Auf Basis des Xetra Schlusskurses von 94,50 € pro Aktie beträgt der Discount zum Inneren Wert 21,4%.

Zum Portfolio:

Während Europa weitestgehend rückläufige Corona-Infektionszahlen vermelden kann, steigen die Neuinfektionen in den USA wieder deutlich an.  Auch andere Länder (u.a. Israel) kämpfen mit einer zweiten Corona-Welle. Die Aktienmärkte jedoch zeigen sich davon bisweilen unbeeindruckt und hoffen weiter auf die schnelle Verfügbarkeit von Covid19 Impfstoffen sowie die schnelle wirtschaftliche Erholung, die mit den enormen Maßnahmen der Notenbanken und Fiskalpolitik wahrscheinlicher wird.

Im Berichtsmonat Juni wurde die positive Performance des Depots erneut von der Secunet Security Networks AG (WKN: 727650) getragen, die per ad hoc die Prognose sehr deutlich anhob.  Auf Basis der vorläufigen Zahlen für den Zeitraum Januar bis Mai 2020 und des weiterhin sehr hohen Auftragsbestands erhöhte der Secunet Vorstand seinen Ausblick für das laufende Geschäftsjahr 2020 auf Umsatzerlöse um 270 Mio. Euro bei einem EBIT um 48 Mio. Euro (von 33,2 Mio. in 2019). Der hohe Auftragsbestand ist im Wesentlichen auf Beauftragungen durch öffentliche Bedarfsträger aufgrund des Nachholbedarfs bei mobilen Arbeitsplätzen infolge der Corona-Krise zurückzuführen.

Die kleine Restposition an der Metro AG (WKN: BFB001) wurde in Gänze verkauft, da die weitere Erholung im Gastronomie Sektor am seidenen Faden hängt.

Der Halbjahresbericht 2020 wird im August veröffentlicht.

Shareholder Value Beteiligungen AG

Frank Fischer

Telefon +49 (69) 66 98 30 0

Email: ir@shareholdervalue.de

www.shareholdervalue.de

Zum Unternehmen:

Die Shareholder Value Beteiligungen AG legt eigene Mittel überwiegend in börsennotierte Aktiengesellschaften an. Im Jahre 2000 wurde das Unternehmen mit der klaren Zielsetzung gegründet, den Wunsch der Investoren nach hohen und stabilen Renditen bei gleichzeitig vertretbarem Verlustrisiko zu erfüllen. Die Anlagestrategie der Shareholder Value Beteiligungen AG richtet sich deshalb streng nach den Prinzipien des Value-Investing. Wir investieren in unterbewertete Aktien mit einer hohen Sicherheitsmarge, um so das Risiko für die Anleger zu minimieren, gleichzeitig aber auch die Renditechancen hoch zu halten. Dabei legen wir den Fokus auf Nebenwerteaktien im deutschsprachigen Raum, da mit Small und Mid Caps historisch die höchsten Erträge erwirtschaftet wurden.

Der Innere Wert ist die zentrale Ziel- und Steuerungsgröße für unseren Erfolg als Summe aus Kursentwicklung und Dividenden der Beteiligungen nach Kosten und Steuern. Wir sehen unsere Hauptaufgabe in der langfristigen Erhaltung und im Aufbau des Vermögens unserer Aktionäre. Unsere jahrelange Erfahrung zeigt, dass eigene, intensive Analysen und ein konsequent eingehaltener Investmentstil langfristig zum Erfolg führen. Stabile Renditen bei begrenztem Risiko – darin sehen wir unsere Verpflichtung gegenüber den Anlegern.

Die Aktie der Shareholder Value Beteiligungen AG (ISIN DE000A168205, WKN A16820) notiert im Open Market.

Weitere Informationen zur Shareholder Value Beteiligungen AG finden Sie im Internet unter www.shareholdervalue.de

Sitz: Frankfurt am Main

Amtsgericht: Frankfurt am Main HRB 51069

Vorstand: Frank Fischer, Simon Pliquett

Vorsitzender des Aufsichtsrats: Dr. Helmut Fink

Disclaimer:

Der innere Wert pro Aktie ergibt sich aus dem Verkehrswert des Gesellschaftsvermögens, vermindert um Verbindlichkeiten und Rückstellungen für zukünftige Verbindlichkeiten der Gesellschaft, dividiert durch die Anzahl der Aktien. Wir haben den Inneren Wert der Aktie der Shareholder Value Beteiligungen AG sorgfältig ermittelt. Wir weisen darauf hin, dass der hier ermittelte Wert nicht auf geprüften Abschlusszahlen basiert. Abweichungen können sich u.a. aus der steuerlichen Einordnung von Geschäftsvorfällen ergeben. Vergangenheitswerte erlauben keine Prognosen für die Zukunft.

fundplat.com | Interview mit Frank Fischer | 03. Juni 2020 | www.shareholdervalue.de

Herr Fischer, an den Börsen ist ein bemerkenswertes erstes Halbjahr 2020 zu Ende gegangen. Was ist Ihr Resümee?

Ich glaube, das Jahr 2020 wird uns allen in Erinnerung bleiben, denn die sozialen und wirtschaftlichen Folgen werden uns noch lange beschäftigen. Die Weltwirtschaft ist ja nicht einfach in eine Krise abgeglitten, sondern es wurde ziemlich abrupt der «Stopp»-Knopf gedrückt. Wir sind vielleicht nicht mehr mit 120 km/h, aber doch mindestens mit 70 km/h vor die Wand gefahren. Das hat kurzfristige Folgen für die Unternehmen, die aber zum Teil durch die Liquiditätsmassnahmen der Notenbanken und die Kredite der Politik überbrückt werden können. Das ist aber nur der kurzfristige Teil der Auswirkungen; der, den man aktuell sieht und bewerten kann. Für die Zukunft wird entscheidend sein, welche langfristigen Auswirkungen auf die Geschäftsmodelle die Pandemie und ihre Begleiterscheinungen haben werden. Ein paar Beispiele: Es ist im Moment kaum vorstellbar, dass im Flugverkehr bald wieder die alten Zahlen erreicht werden. Auch die Diskussion darüber, ob globale Lieferketten noch zeitgemäß sind, wird langfristig einige Geschäftsmodelle beeinflussen. Gleichzeitig haben Anbieter von Cloud-Lösungen oder Konferenzsystemen gute Aussichten. Wir fokussieren uns neben diesen interessanten Geschäftsmodellen auf Unternehmen, die zudem gut geführt sind und auch nach der Krise ihre Marktposition zumindest behaupten können.

Die Stützungsmassnahmen der Notenbanken haben das Niedrigzinsumfeld weiter zementiert. Es gibt für renditeorientierte Anleger keine realistische Alternative zu Aktien. Auch die derzeit noch niedrigen Investitionsquoten der Anleger haben das Potenzial, die Kurse weiter zu stützen. Wir bei Shareholder Value Management investieren für unsere Investoren ökonomisch langfristig und nach ethischen Grundsätzen nachhaltig. So beteiligen wir sie an familiengeführten Unternehmen mit stabilen Geschäftsmodellen und nach einem kodifizierten Katalog von Ausschlusskriterien.

Wie geht es Ihrer Einschätzung nach weiter?

Die vielfältigen Problemfelder und deren Wechselwirkungen, die wir derzeit vor uns haben, machen eine weitere V-förmige Erholung kurzfristig unwahrscheinlich. Wir erwarten hier eher eine 80-Prozent-plus-Ökonomie. Ab 2021 wird ein darüber hinaus gehender Anstieg deutlich realistischer. Gleichzeitig stellen die Notenbanken durch ihre Politik auf absehbare Zeit weiter Munition in Form von Liquidität mittelbar für die Aktienmärkte bereit. Vergleicht man das Liquiditätsvolumen, dass wir aktuell haben mit dem der Finanzkrise von 2008, so ist dies derzeit rund viermal so groß. Das ist auch die Erklärung für die Erholung an den Aktienmärkten, die wir in den vergangenen Wochen gesehen haben. Einige Marktteilnehmer interpretieren diese Notenbankpolitik als einen regelrechten Wettstreit, der unter anderem in einer Abwertungsspirale der Währungen mündet. Nicht zuletzt deshalb profitiert derzeit Gold als eine nicht ausschließlich auf Vertrauen aufbauende Währung von dem aktuellen internationalen Szenario.

Die Aktienmärkte haben den grössten Teil der Verluste wieder aufgeholt.

Das ist richtig, wir haben eine extreme Aufwärtsbewegung hinter uns. Aber diese hat den Markt nicht in der Breite erfasst. Im Dow Jones sind nur sechs von 30 Titeln seit Jahresanfang im Plus. Wenn immer weniger Titel entgegen dem übrigen Markt deutlich steigen, ist das möglicherweise ein Indiz für eine bevorstehende Marktschwäche, ein sogenanntes Hindenburg-Omen. Daher agieren wir derzeit besonders vorsichtig und wachsam. Wir schliessen eine weitere Korrektur im Sommer nicht aus. Was uns längerfristig optimistisch macht, ist der Umstand, dass unter den Anlegern trotz der Erholung noch keine Euphorie herrscht. Institutionelle Investoren sind von einer Untergewichtung auf eine neutrale Position eingeschwenkt. Auch Privatanleger sind noch nicht bullish. Sie werden irgendwann Angst haben, bei der nächsten Aufwärtsbewegung nicht dabei zu sein. Das alles bietet genug Pulver für weitere Investitionen. Hinzu kommen die Notenbanken. In den letzten Jahren ging eine Ausweitung der Geldmenge M2 immer mit einem Bullenmarkt einher. Von daher glauben wir, dass wir schon in einem neuen Bullenmarkt sind und es nach einer Pause oder einem Rücksetzer im Sommer weitergeht.

Was heißt das für Anleger? Worauf sollten sie achten?

Von der Erholung in den vergangenen Wochen waren bislang vor allem Growth-Werte betroffen. Zwar gibt es auch hier weiteres Potenzial, das fällt aber in den Bereichen, in denen die Bewertungen gedrückt sind, noch deutlich stärker aus. Und das ist vor allem der Bereich der Value-Aktien, die eine langjährige Underperformance gegenüber Growth-Werten aufweisen. Wenn die zyklische Komponente wieder positiv bewertet wird, werden auch wieder Mittel in Value-Aktien fließen, weil hier das höchste Potenzial liegt.

Also das langersehnte Comeback von Value-Aktien?

Zumindest die Vorzeichen sind sehr gut und das Potenzial hoch. Trotzdem kommt es auch hier auf eine sehr selektive Auswahl an, denn es wird auch klare Verlierer der Krise geben. Wir vereinen in unseren Fonds verschiedene Ausprägungen des «Value Investing». Neben dem klassischen Value nach Benjamin Graham, bei dem vor allem die Bewertung einer Aktie ausschlaggebend ist, nutzen wir verstärkt eine «Modern Value»-Philosophie. Sie weicht in einigen Punkten von der «reinen Lehre» des klassischen Graham-Value ab. Hier ist nicht die Bewertung einer Aktie allein entscheidend, sondern der Ertrag, den ich als Investor im Gegenzug dafür kriege. Dieser Ertrag, der Total Shareholder Return, kommt in Form von Dividenden, Aktienrückkäufen, Wachstum und Rendite auf investiertes Kapital (ROIC). Die erweiterte «Modern Value»-Betrachtungsweise ermöglicht im Unterschied zur klassischen Value-Philosophie Grahams auch die Investition in Unternehmen mit einer höheren Bewertung, wenn die Kombination aus guten und sehr sicheren Wachstumsperspektiven und hohen erwarteten ROICs diese rechtfertigt. Auf diese Weise sichern wir uns das langfristige Wachstumspotenzial.

A propos Wachstum. Wirecard galt lange als deutsche Wachstumshoffnung im Fintech-Bereich. Auch bei Ihnen?

Natürlich haben wir uns Wirecard angeschaut. Aber das Unternehmen kam schon lange vor den ersten Vorwürfen, die in der «Financial Times» erhoben wurden, auf unsere «Rote Liste». Es gibt eine Value-Kolumne aus dem Jahr 2008, in der dieses Thema erstmals diskutiert wird. Wir verstehen uns bei den Unternehmen, in die wir investieren, als Miteigentümer und müssen uns in dieser Rolle auch wohlfühlen. Das war bei Wirecard nie der Fall. Auch Zahlungsabwicklungen für Glücksspiel und Porno widersprechen unseren ethischen Ausschlusskriterien. Genau diese Ereignisse zeigen die Bedeutung eines aktiven Managementansatzes im Gegensatz zu passiven ETFs. Wir sind nicht aufgrund externer Vorgaben gezwungen, Aktien zu halten, nur weil sie aufgrund der Marktkapitalisierung im Index vertreten sind.

Zur Person

Frank Fischer ist Chief Executive Officer (CEO) und Chief Investment Officer (CIO) der Shareholder Value Management AG sowie Berater des «Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen». Der 56-jährige ist überzeugter Value-Investor.

Sie können den vollständigen Artikel von fundplat.com hier als PDF-Datei herunterladen.

Kolumne von Frank Fischer, CEO & CIO der Shareholder Value Management AG | 06. Juni 2020 | www.shareholdervalue.de

Es gibt derzeit genügend Krisen, unter denen die Weltwirtschaft leidet. Da ist die Corona-Krise, die Krise der Weltwirtschaft, die Konjunkturkrise rund um den Globus. Dazu steigende Arbeitslosenzahlen, wieder zunehmende Lock Down-Gebiete in den USA wie Arizona, Florida und Kalifornien, 50.000 Neuinfizierte täglich – und Tote, Tote und noch mehr Tote in Brasilien, Chile, Peru und den Vereinigten Staaten.

Doch ein Thema, das die Märkte in den nächsten Wochen und Monaten in Alarmzustand versetzen wird, sind die US-Präsidentschaftswahlen. Und Ihre Folgen. Denn der Ausgang dieses Showdowns zwischen Donald Trump und seinem designierten Herausforderer Joe Biden wird die Aktienmärkte maßgeblich beeinflussen. Wenn Biden gewinnt, wird es vor allem an der Wall Street einige Favoritenwechsel geben. Und dann heißt es schnell umschichten!

Biden hat das Momentum auf seiner Seite

In den Umfragen liegt Biden derzeit mit großem Vorsprung vor dem Amtsinhaber. Im Schnitt trennen die beiden rund 10 Prozent der Wählerstimmen. Trump liegt bei rund 40 Prozent, Biden im Schnitt bei etwa 50 Prozent. Der Herausforderer gewinnt vor allem bei Frauen, Afroamerikanern und Latinos. Auch bei den männlichen Wählern, Weißen und Menschen mittleren und höheren Alters, die eher die Republikaner wählen, hat Biden mit Trump gleichgezogen. Trump verliert derweil laut „New York Times“ immer mehr die Unterstützung wichtiger Wählerschichten, nachdem der Umgang der Regierung mit der Corona-Pandemie sowie mit den Anti-Rassismus-Protesten im ganzen Land auf immer heftigere Kritik stößt. Und: Trump kann nach Ansicht von Analysten nur gewinnen, wenn die Wirtschaft in den USA wieder Fahrt aufnimmt.

Trump wird natürlich seine vulgäre Rhetorik beibehalten, beleidigen, die Wahrheit verdrehen und sich als der große Macher darstellen. Was aber, wenn dies alles nichts nutzt und Biden neuer US-Präsident wird? Auf dieses Szenario genauso wie auf weitere vier Jahre mit dem jetzigen P.O.T.U.S. müssen sich alle Anleger unabhängig von deren eigener politischen Präferenz einstellen. Die Kapitalmarktexperten von Bergos Berenberg haben dazu eine interessante Analyse veröffentlicht. Sie haben ermittelt, welche Auswirkungen ein Sieg von Biden auf die einzelnen Sektoren haben wird.

Im Fokus: Basiskonsum, Kommunikationsdienstleister und Energie

Kann Trumps Steuerreform zurückgedreht werden, würden vermutlich Sektoren wie Basiskonsum und Kommunikationsdienstleistungen, worunter auch Unternehmen wie Alphabet und Facebook fallen, leiden. Denn sie haben von der Senkung der Unternehmenssteuer mit am stärksten profitiert. In beiden Parteiprogrammen spielt Energie eine wichtige Rolle. Gewinnen die Demokraten, sollten Erneuerbare Energien profitieren und die klassischen US-Energie-Werte eher leiden. Bei den Republikanern wäre es genau andersherum. Gewinnt Biden, dürften zudem die Bereiche Pharma und Tabak unter Druck geraten.

Die Folgen für den Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen

Auch für das Portfolio unseres Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen hätte ein Sieg der Demokraten Auswirkungen. Profitieren sollten auf der Pharmaseite Werte wie Novo Nordisk im Portfolio, und auf der Technologieseite Alphabet, Apple oder Facebook. Letztgenannte waren zuletzt wegen einer Flut von Hasskommentaren, Propaganda, Spam und Fake-News in der Kritik. US-Bürgerrechtsorganisationen hatten Firmen Mitte Juni zu einem Boykott gegen Facebook aufgerufen. Die Aktie brach zunächst ein, nachdem sich mehrere große Werbepartner an dem Boykott beteiligten. Als Reaktion leitete Facebook Schritte ein, um den Bedenken der Werbepartner gerecht zu werden. Zuckerberg legte einen vier Punkte Plan dar, in dem die Richtlinien verbessert werden, Hasskommentare und Fake News gelöscht, Accounts gesperrt und ein neutrales Wählerzentrum eingerichtet wird. Facebook muss sich auch zukünftig zunehmend diesen Herausforderungen stellen, um die Neutralität der Plattform zu gewährleisten.

Wie auch hier werden wir die politische Entwicklung rund um die Wahl des nächsten US- Präsidenten genau beobachten und frühzeitig reagieren. Es besteht die Möglichkeit, dass die Demokraten nach der nächsten Wahl die Mehrheit sowohl im Repräsentantenhaus als auch den Senat stellen werden. Noch ist das zwar nicht ausgemacht, aber die Wahrscheinlichkeit nimmt zu. Insgesamt ist nach derzeitiger Lesart ein enges Rennen zu erwarten, denn Trump wird als Wahlkämpfer bis zur letzten Sekunde alles versuchen, seinen Kontrahenten zu diskreditieren und bloß zu stellen. Aber das Momentum spricht derzeit eindeutig für Biden. Darauf sollten sich Anleger frühzeitig vorbereiten.





Börsen-Zeitung | Ausgabe 118, Seite 17 | Gastbeitrag von Frank Fischer | 24. Juni 2020 | www.shareholdervalue.de

An den Kapitalmärkten hat die expansive Geldpolitik, mit der die Notenbanken die Folgen der globalen Finanzkrise, der Euro-Krise und zuletzt der Corona-Pandemie bekämpfen, deutliche Spuren hinterlassen. Während die Aktienmärkte bis Februar immer neue Höchststände erzielen konnten, weisen Anleihen seit Jahren fallende Renditen aus. Auch klassische Anleiheinvestoren Versicherungen und Stiftungen weichen deshalb schon seit einiger Zeit auf sogenannte ,,Bond Proxies‘‘, Aktien von Unternehmen mit einem stabilen Geschäftsmodell, einer soliden Bilanz und einem stabilen Cash-flow, als Anleiheersatz aus.

Auch im Value Investing spielen solche Qualitatsunternehmen seit Jahren eine zunehmend wichtigere Rolle. Ausschlaggebend dafür ist die Weiterentwicklung des klassischen Value-Ansatzes von Benjamin Graham zum ,,Modern Value Investing‘‘ durch Investoren wie Warren Buffett.

Die klassische Definition des Value Investing von Graham basiert auf dem Grundgedanken, dass der Börsenwert eines Unternehmens nicht immer seinen durch die Unternehmensanalyse ermittelten inneren Wert reflektiert, sondern durch Über- oder Untertreibungen des Marktes verzerrt wird. Liegt der Börsenkurs unterhalb des Buchwertes, ergibt sich für den Investor eine Renditechance und zugleich eine Sicherheitsmarge, die einen Puffer hinsichtlich der künftigen Unternehmensentwicklung darstellt. Für Graham war vor allem diese Bewertung bei der Aktienauswahl ausschlaggebend. Dieser Aspekt prägt daher in der öffentlichen Wahrnehmung das Verständnis von Value Investing.

Das wachstumsorientierte Growth Investing wird häufig als Gegenkonzept zum Value Investing verstanden. So spielen beim wachstumsorientierten Growth Investing die künftigen Wachstumsaussichten eines Unternehmens eine größere Rolle als der primär aus Vergangenheitswerten abgeleitete innere Wert. Investoren wie Warren Buffett und Charlie Munger weisen darauf hin, dass beide Konzepte theoretisch heute keinen Gegensatz darstellen, da die Wachstumsperspektiven eines Unternehmens immer auch bei seiner Bewertung mitberücksichtigt werden sollten. Für sie sind beide Stile bis zu einem gewissen Grad verknüpft. Der eigentliche Unterschied zwischen Value- und Growth Investing liegt vor allem in der Frage, ob und in welchem Umfang das erwartete künftige Wachstum in die aktuellen Bewertungen einfließt. ,,Modern Value‘‘-Investoren gehen konservativ vor und berücksichtigen das Wachstum der kommenden drei bis fünf Jahre. Growth-Investoren sind eher bereit, höhere Preise für langfristige Wachstumsaussichten zu bezahlen.

Die Fokussierung auf die Bewertung, die Grahams Definition zugrunde liegt, greift aus Sicht der ,,Modern Value‘‘-Philosophie aber zu kurz. Demnach ist nicht allein der Kurs einer Aktie entscheidend, sondern die Frage, welchen Mehrwert in Form von Dividenden, Aktienrückkäufen, Wachstum und Rendite auf reinvestiertes Kapital (ROIIC) ein langfristig orientierter Investor dafür erhält. Diese erweiterte Betrachtungsweise ermöglicht im Unterschied zur klassischen Value-Philosophie Grahams auch die Investition in Unternehmen mit einer höheren Bewertung, wenn die Kombination aus guten und sehr sicheren Wachstumsperspektiven und hohen erwarteten ROIICs diese rechtfertigt.

Strukturelle Vorteile nutzen

Es gibt verschiedene Merkmale, die ein ,,Modern Value‘‘-Unternehmen kennzeichnen. So bilden strukturelle Wettbewerbsvorteile einen wirtschaftlichen ,,Burggraben‘‘ um das Unternehmen und ermöglichen es, höhere Kosten an Kundenweiterzugeben. Eine gesunde Bilanz, die sich durch eine hohe Liquidität und eine niedrige, auf das Geschäftsmodell abgestimmte Verschuldung auszeichnet, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass das Unternehmen auf Dauer existieren und Performance liefern wird. Wir favorisieren Geschäftsmodelle, die für ihr organisches Wachstum wenig bis gar kein Kapital benötigen. Dabei haben wir die Erfahrung gemacht, dass eigentümer- oder familiengeführte Unternehmen in der Regel eher auf ein langfristiges, nachhaltiges Wachstum ausgerichtet sind als Unternehmen mit Management im Angestelltenverhältnis und Aufsichtsgremien ohne eigenes Engagement.

Der Pharmahersteller Novo Nordisk ist ein gutes Beispiel für ein ,,Modern Value‘‘-Unternehmen. Die Stimmenmehrheit liegt bei der Novo- Stiftung, die das Unternehmen auf Innovationsführerschaft und eine laufende Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit ausrichtet und auf eine moderate Managementkompensation achtet. Die Aktie erscheint im Sektorvergleich nicht billig. Aber ein Return on Equity von 79% rechtfertigte die Investition.

Hat das klassische Value Investing nach Benjamin Graham damit ausgedient? Zumindest für die nähere Zukunft dürfte ,,Modern Value‘‘ die besseren Ergebnisse bringen: Klassische Value-Titel sind vor allem in zyklischen Bereichen zu finden. Angesichts der idiosynkratischen Herausforderungen sind die niedrigen Bewertungen vielfach gerechtfertigt. So stehen Ölunternehmen vor einer ungewissen Zukunft. Umgekehrt erlaubt der Ansatz, Unternehmen mit hoher Qualität, welche die Krise gut überstehen oder gestärkt aus ihr hervorgehen werden, trotz höherer Bewertungen in das Portfolio aufzunehmen.

Sie können den vollständigen Artikel aus der Börsen-Zeitung hier als PDF-Datei herunterladen.

Kolumne von Frank Fischer, CEO & CIO der Shareholder Value Management AG | 24. Juni 2020 | www.shareholdervalue.de

Der Fall Wirecard treibt immer neue Blüten. Zunächst waren da die Vorwürfe in der „Financial Times“, die ihrerseits daraufhin von Wirecard verklagt wurde. Dann schloss sich die wiederholte Verschiebung der Vorlage der Geschäftszahlen für 2019 an, die dann überhaupt nicht mehr kamen. Schließlich folgt das Eingeständnis der neuen Führung, wonach es mit „überwiegender Wahrscheinlichkeit“ die bei einer philippinischen Bank hinterlegten 1,9 Milliarden Euro gar nicht gibt. Und zuletzt die vorläufige Festnahme von Ex-CEO und Hauptaktionär Markus Braun, dem die Staatsanwaltschaft vorwirft, die Bilanzsumme und das Umsatzvolumen von Wirecard „durch vorgetäuschte Einnahmen aus Geschäften“ mit sogenannten Third-Party-Acquirern (TPA) aufgebläht zu haben, um so das Unternehmen „finanzkräftiger und für Investoren und Kunden attraktiver darzustellen“. Aktuell löst der Skandal großes Entsetzen aus. Es steht die Frage nach der Verantwortung der Börsenaufsicht im Raum? Der BaFin wird jetzt vorgeworfen, dass sie, statt den Vorwürfen der „FT“ nachzugehen, neue Leerverkäufe der Wirecard-Aktie verboten habe. Und statt das Unternehmen einer Sonderprüfung zu unterziehen, habe man sich mit dem Testat von KPMG zufriedengegeben. Dass BaFin-Chef Felix Hufeld von einem „kompletten Desaster“ spricht, hilft da nur wenig. Aber: Warum werden all diese Vorwürfe erst jetzt erhoben? Und: Warum haben Anleger ihr Geld nicht schon vorher aus der Aktie gezogen, wo doch die immer wieder aufkommenden Zweifel am Geschäftsmodell und der Unternehmensführung schon seit langem bekannt sind?

Das „G“ von ESG setzte Wirecard auf die „Rote Liste“

Für uns kam ein Engagement bei Wirecard schon lange nicht in Betracht. Denn das „G“ von ESG, das Thema Governance, hat uns davon abgehalten. Zu dem Zeitpunkt, als die „Financial Times“ erstmals Vorwürfe gegen das Management von Wirecard erhob, schrillten die Alarmglocken. Denn mögliche Unregelmäßigkeiten in der Bilanzlegung setzten Wirecard bei uns quasi automatisch auf die hausinterne „Rote Liste“. Schon damals stand das Unternehmen im Verdacht, seine Bilanzen zu frisieren, Deals zu schönen und Geschäftspartner zu täuschen. Dass jetzt die rund 1,9 Milliarden Euro verschwunden sind, ist nur das Tüpfelchen auf dem „i“. Wirecard entsprach schon damals nicht unseren Qualitätsansprüchen. Dass darüber hinaus, wie schon bei VW, auch bei Wirecard dem Anschein nach alle Kontrollen versagt haben – vom Aufsichtsrat über die Rechnungsprüfer bis hin zur Finanzaufsicht – steht auf einem anderen Blatt.

Wirecard zeigt die Schwäche von ETFs gegenüber aktivem Stock-Picking

Am Beispiel Wirecard wird auch einmal mehr die Bedeutung einer bewussten und gezielten Auswahl der Unternehmen, das Stock-Picking, deutlich. Während Anleger, die in einen DAX-ETF investiert haben, die gesamten Verluste der Wirecard-Aktien unweigerlich mitmachen mussten, konnten aktive Asset Manager schnell auf die Vorkommnisse rund um den Zahlungsdienstleister reagieren. Denn indexreplizierende EFTs bilden ihren Referenzwert genau ab – und solange Wirecard noch im DAX ist, macht man als Anleger den ganzen Niedergang des Unternehmens und der Aktie zwingend mit. Der Verlust betrug vom Hoch bei knapp 200 Euro zeitweise über 90 Prozent.

Wir dagegen setzen beim „Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen“ konsequent auf das Prinzip des Business Owners. Ganz im Sinne von Warren Buffett fragen wir uns bei jedem Engagement: „Fühlen wir uns als Miteigentümer in diesem Unternehmen wohl?“ Und diese Frage wurde nach den Vorwürfen der „Financial Times“ eindeutig mit „nein“ beantwortet. Wir sind Investoren, die ihre Portfolio-Unternehmen langfristig begleiten. Ein schneller Zocker-Euro gehört eben nicht dazu.





Mit „Modern-Value“ die Chancen der Corona-Krise nutzen

Covid-19 hat die Weltwirtschaft

Die Corona Krise hat Wirtschaft und Gesellschaft weltweit im Griff. Länder wie China, Korea und Taiwan waren auf dem Weg zur Normalität und kämpfen nun gegen eine zweite Welle. Die andauernden Kontrollmaßnahmen in der Öffentlichkeit machen aber deutlich, dass man von einer Situation wie sie vor dem Ausbruch der Pandemie bestand, auch dort noch weit entfernt ist. In anderen Teilen der Welt, unter anderem den USA, Afrika, Indien und Südamerika sowie Teilen Europas, tobt weiterhin der Kampf gegen den Virus.

Das staatliche Vorgehen spaltet zunehmend die westlichen liberalen Gesellschaften und lähmt die internationalen Lieferketten und damit die Weltwirtschaft. Wir befinden uns in einer globale Rezession und die psychologischen, sozialen und wirtschaftlichen Folgen von Covid 19 werden Narben u.a. auch in Form von exorbitanten Schulden hinterlassen, mit denen wir uns noch lange auseinandersetzen müssen. Nach den starken Einbrüchen an den Weltbörsen im März kam es zu einer von wenigen erwarteten V-förmigen Erholung. Diese war vor allem in den massiven politischen und monetären Aktionen unter Einbeziehung der Notenbanken begründet. Anders als zu Zeiten der Finanzkrise, als insbesondere Europa nur langsam Maßnahmen ergriff, haben die Regierungen diesmal weltweit zwar nicht konzertiert, aber zumindest schnell gehandelt. Trotzdem wird es 2020 zu einer echten weltweiten Rezession kommen.

Was heißt das für einen Value-Investoren?

Wir sind überzeugte Value-Investoren. Die klassische Value-Definition wurde von Benjamin Graham aufgestellt und bezeichnet Aktien, die sich primär durch niedrige Bewertungen, einen hohen Substanzwert und eine hohe Dividendenrendite auszeichnen. Wir haben unseren Value Ansatz seit den 1990er Jahren konsequent weiterentwickelt. Wie Warren Buffett und Charlie Munger glauben wir, dass die Kapitalrendite eines Unternehmens mittel und langfristig einen höheren Einfluss auf die Performance der Aktie hat als der Preis, der für die Aktie gezahlt wurde.

In dieser „Modern Value“ Perspektive ist also nicht der Preis allein entscheidend, sondern die Höhe der künftigen Cashflows. Dieser Ansatz erlaubt im Vergleich zu dem ursprünglichen Value-Ansatz auch die Investition in höher bewertete Aktien, wenn sie eigentümer- und familiengeführt sind, über strukturelle Wettbewerbsvorteile, einen wirtschaftlichen Burggraben, den sog. Moat, verfügen und die Aktie, gemessen am erwarteten künftigen Cashflow, eine Sicherheitsmarge bietet.

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