Börsen-Zeitung | Ausgabe 118, Seite 17 | Gastbeitrag von Frank Fischer | 24. Juni 2020 | www.shareholdervalue.de

An den Kapitalmärkten hat die expansive Geldpolitik, mit der die Notenbanken die Folgen der globalen Finanzkrise, der Euro-Krise und zuletzt der Corona-Pandemie bekämpfen, deutliche Spuren hinterlassen. Während die Aktienmärkte bis Februar immer neue Höchststände erzielen konnten, weisen Anleihen seit Jahren fallende Renditen aus. Auch klassische Anleiheinvestoren Versicherungen und Stiftungen weichen deshalb schon seit einiger Zeit auf sogenannte ,,Bond Proxies‘‘, Aktien von Unternehmen mit einem stabilen Geschäftsmodell, einer soliden Bilanz und einem stabilen Cash-flow, als Anleiheersatz aus.

Auch im Value Investing spielen solche Qualitatsunternehmen seit Jahren eine zunehmend wichtigere Rolle. Ausschlaggebend dafür ist die Weiterentwicklung des klassischen Value-Ansatzes von Benjamin Graham zum ,,Modern Value Investing‘‘ durch Investoren wie Warren Buffett.

Die klassische Definition des Value Investing von Graham basiert auf dem Grundgedanken, dass der Börsenwert eines Unternehmens nicht immer seinen durch die Unternehmensanalyse ermittelten inneren Wert reflektiert, sondern durch Über- oder Untertreibungen des Marktes verzerrt wird. Liegt der Börsenkurs unterhalb des Buchwertes, ergibt sich für den Investor eine Renditechance und zugleich eine Sicherheitsmarge, die einen Puffer hinsichtlich der künftigen Unternehmensentwicklung darstellt. Für Graham war vor allem diese Bewertung bei der Aktienauswahl ausschlaggebend. Dieser Aspekt prägt daher in der öffentlichen Wahrnehmung das Verständnis von Value Investing.

Das wachstumsorientierte Growth Investing wird häufig als Gegenkonzept zum Value Investing verstanden. So spielen beim wachstumsorientierten Growth Investing die künftigen Wachstumsaussichten eines Unternehmens eine größere Rolle als der primär aus Vergangenheitswerten abgeleitete innere Wert. Investoren wie Warren Buffett und Charlie Munger weisen darauf hin, dass beide Konzepte theoretisch heute keinen Gegensatz darstellen, da die Wachstumsperspektiven eines Unternehmens immer auch bei seiner Bewertung mitberücksichtigt werden sollten. Für sie sind beide Stile bis zu einem gewissen Grad verknüpft. Der eigentliche Unterschied zwischen Value- und Growth Investing liegt vor allem in der Frage, ob und in welchem Umfang das erwartete künftige Wachstum in die aktuellen Bewertungen einfließt. ,,Modern Value‘‘-Investoren gehen konservativ vor und berücksichtigen das Wachstum der kommenden drei bis fünf Jahre. Growth-Investoren sind eher bereit, höhere Preise für langfristige Wachstumsaussichten zu bezahlen.

Die Fokussierung auf die Bewertung, die Grahams Definition zugrunde liegt, greift aus Sicht der ,,Modern Value‘‘-Philosophie aber zu kurz. Demnach ist nicht allein der Kurs einer Aktie entscheidend, sondern die Frage, welchen Mehrwert in Form von Dividenden, Aktienrückkäufen, Wachstum und Rendite auf reinvestiertes Kapital (ROIIC) ein langfristig orientierter Investor dafür erhält. Diese erweiterte Betrachtungsweise ermöglicht im Unterschied zur klassischen Value-Philosophie Grahams auch die Investition in Unternehmen mit einer höheren Bewertung, wenn die Kombination aus guten und sehr sicheren Wachstumsperspektiven und hohen erwarteten ROIICs diese rechtfertigt.

Strukturelle Vorteile nutzen

Es gibt verschiedene Merkmale, die ein ,,Modern Value‘‘-Unternehmen kennzeichnen. So bilden strukturelle Wettbewerbsvorteile einen wirtschaftlichen ,,Burggraben‘‘ um das Unternehmen und ermöglichen es, höhere Kosten an Kundenweiterzugeben. Eine gesunde Bilanz, die sich durch eine hohe Liquidität und eine niedrige, auf das Geschäftsmodell abgestimmte Verschuldung auszeichnet, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass das Unternehmen auf Dauer existieren und Performance liefern wird. Wir favorisieren Geschäftsmodelle, die für ihr organisches Wachstum wenig bis gar kein Kapital benötigen. Dabei haben wir die Erfahrung gemacht, dass eigentümer- oder familiengeführte Unternehmen in der Regel eher auf ein langfristiges, nachhaltiges Wachstum ausgerichtet sind als Unternehmen mit Management im Angestelltenverhältnis und Aufsichtsgremien ohne eigenes Engagement.

Der Pharmahersteller Novo Nordisk ist ein gutes Beispiel für ein ,,Modern Value‘‘-Unternehmen. Die Stimmenmehrheit liegt bei der Novo- Stiftung, die das Unternehmen auf Innovationsführerschaft und eine laufende Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit ausrichtet und auf eine moderate Managementkompensation achtet. Die Aktie erscheint im Sektorvergleich nicht billig. Aber ein Return on Equity von 79% rechtfertigte die Investition.

Hat das klassische Value Investing nach Benjamin Graham damit ausgedient? Zumindest für die nähere Zukunft dürfte ,,Modern Value‘‘ die besseren Ergebnisse bringen: Klassische Value-Titel sind vor allem in zyklischen Bereichen zu finden. Angesichts der idiosynkratischen Herausforderungen sind die niedrigen Bewertungen vielfach gerechtfertigt. So stehen Ölunternehmen vor einer ungewissen Zukunft. Umgekehrt erlaubt der Ansatz, Unternehmen mit hoher Qualität, welche die Krise gut überstehen oder gestärkt aus ihr hervorgehen werden, trotz höherer Bewertungen in das Portfolio aufzunehmen.

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Kolumne von Frank Fischer, CEO & CIO der Shareholder Value Management AG | 24. Juni 2020 | www.shareholdervalue.de

Der Fall Wirecard treibt immer neue Blüten. Zunächst waren da die Vorwürfe in der „Financial Times“, die ihrerseits daraufhin von Wirecard verklagt wurde. Dann schloss sich die wiederholte Verschiebung der Vorlage der Geschäftszahlen für 2019 an, die dann überhaupt nicht mehr kamen. Schließlich folgt das Eingeständnis der neuen Führung, wonach es mit „überwiegender Wahrscheinlichkeit“ die bei einer philippinischen Bank hinterlegten 1,9 Milliarden Euro gar nicht gibt. Und zuletzt die vorläufige Festnahme von Ex-CEO und Hauptaktionär Markus Braun, dem die Staatsanwaltschaft vorwirft, die Bilanzsumme und das Umsatzvolumen von Wirecard „durch vorgetäuschte Einnahmen aus Geschäften“ mit sogenannten Third-Party-Acquirern (TPA) aufgebläht zu haben, um so das Unternehmen „finanzkräftiger und für Investoren und Kunden attraktiver darzustellen“. Aktuell löst der Skandal großes Entsetzen aus. Es steht die Frage nach der Verantwortung der Börsenaufsicht im Raum? Der BaFin wird jetzt vorgeworfen, dass sie, statt den Vorwürfen der „FT“ nachzugehen, neue Leerverkäufe der Wirecard-Aktie verboten habe. Und statt das Unternehmen einer Sonderprüfung zu unterziehen, habe man sich mit dem Testat von KPMG zufriedengegeben. Dass BaFin-Chef Felix Hufeld von einem „kompletten Desaster“ spricht, hilft da nur wenig. Aber: Warum werden all diese Vorwürfe erst jetzt erhoben? Und: Warum haben Anleger ihr Geld nicht schon vorher aus der Aktie gezogen, wo doch die immer wieder aufkommenden Zweifel am Geschäftsmodell und der Unternehmensführung schon seit langem bekannt sind?

Das „G“ von ESG setzte Wirecard auf die „Rote Liste“

Für uns kam ein Engagement bei Wirecard schon lange nicht in Betracht. Denn das „G“ von ESG, das Thema Governance, hat uns davon abgehalten. Zu dem Zeitpunkt, als die „Financial Times“ erstmals Vorwürfe gegen das Management von Wirecard erhob, schrillten die Alarmglocken. Denn mögliche Unregelmäßigkeiten in der Bilanzlegung setzten Wirecard bei uns quasi automatisch auf die hausinterne „Rote Liste“. Schon damals stand das Unternehmen im Verdacht, seine Bilanzen zu frisieren, Deals zu schönen und Geschäftspartner zu täuschen. Dass jetzt die rund 1,9 Milliarden Euro verschwunden sind, ist nur das Tüpfelchen auf dem „i“. Wirecard entsprach schon damals nicht unseren Qualitätsansprüchen. Dass darüber hinaus, wie schon bei VW, auch bei Wirecard dem Anschein nach alle Kontrollen versagt haben – vom Aufsichtsrat über die Rechnungsprüfer bis hin zur Finanzaufsicht – steht auf einem anderen Blatt.

Wirecard zeigt die Schwäche von ETFs gegenüber aktivem Stock-Picking

Am Beispiel Wirecard wird auch einmal mehr die Bedeutung einer bewussten und gezielten Auswahl der Unternehmen, das Stock-Picking, deutlich. Während Anleger, die in einen DAX-ETF investiert haben, die gesamten Verluste der Wirecard-Aktien unweigerlich mitmachen mussten, konnten aktive Asset Manager schnell auf die Vorkommnisse rund um den Zahlungsdienstleister reagieren. Denn indexreplizierende EFTs bilden ihren Referenzwert genau ab – und solange Wirecard noch im DAX ist, macht man als Anleger den ganzen Niedergang des Unternehmens und der Aktie zwingend mit. Der Verlust betrug vom Hoch bei knapp 200 Euro zeitweise über 90 Prozent.

Wir dagegen setzen beim „Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen“ konsequent auf das Prinzip des Business Owners. Ganz im Sinne von Warren Buffett fragen wir uns bei jedem Engagement: „Fühlen wir uns als Miteigentümer in diesem Unternehmen wohl?“ Und diese Frage wurde nach den Vorwürfen der „Financial Times“ eindeutig mit „nein“ beantwortet. Wir sind Investoren, die ihre Portfolio-Unternehmen langfristig begleiten. Ein schneller Zocker-Euro gehört eben nicht dazu.





Mit „Modern-Value“ die Chancen der Corona-Krise nutzen

Covid-19 hat die Weltwirtschaft

Die Corona Krise hat Wirtschaft und Gesellschaft weltweit im Griff. Länder wie China, Korea und Taiwan waren auf dem Weg zur Normalität und kämpfen nun gegen eine zweite Welle. Die andauernden Kontrollmaßnahmen in der Öffentlichkeit machen aber deutlich, dass man von einer Situation wie sie vor dem Ausbruch der Pandemie bestand, auch dort noch weit entfernt ist. In anderen Teilen der Welt, unter anderem den USA, Afrika, Indien und Südamerika sowie Teilen Europas, tobt weiterhin der Kampf gegen den Virus.

Das staatliche Vorgehen spaltet zunehmend die westlichen liberalen Gesellschaften und lähmt die internationalen Lieferketten und damit die Weltwirtschaft. Wir befinden uns in einer globale Rezession und die psychologischen, sozialen und wirtschaftlichen Folgen von Covid 19 werden Narben u.a. auch in Form von exorbitanten Schulden hinterlassen, mit denen wir uns noch lange auseinandersetzen müssen. Nach den starken Einbrüchen an den Weltbörsen im März kam es zu einer von wenigen erwarteten V-förmigen Erholung. Diese war vor allem in den massiven politischen und monetären Aktionen unter Einbeziehung der Notenbanken begründet. Anders als zu Zeiten der Finanzkrise, als insbesondere Europa nur langsam Maßnahmen ergriff, haben die Regierungen diesmal weltweit zwar nicht konzertiert, aber zumindest schnell gehandelt. Trotzdem wird es 2020 zu einer echten weltweiten Rezession kommen.

Was heißt das für einen Value-Investoren?

Wir sind überzeugte Value-Investoren. Die klassische Value-Definition wurde von Benjamin Graham aufgestellt und bezeichnet Aktien, die sich primär durch niedrige Bewertungen, einen hohen Substanzwert und eine hohe Dividendenrendite auszeichnen. Wir haben unseren Value Ansatz seit den 1990er Jahren konsequent weiterentwickelt. Wie Warren Buffett und Charlie Munger glauben wir, dass die Kapitalrendite eines Unternehmens mittel und langfristig einen höheren Einfluss auf die Performance der Aktie hat als der Preis, der für die Aktie gezahlt wurde.

In dieser „Modern Value“ Perspektive ist also nicht der Preis allein entscheidend, sondern die Höhe der künftigen Cashflows. Dieser Ansatz erlaubt im Vergleich zu dem ursprünglichen Value-Ansatz auch die Investition in höher bewertete Aktien, wenn sie eigentümer- und familiengeführt sind, über strukturelle Wettbewerbsvorteile, einen wirtschaftlichen Burggraben, den sog. Moat, verfügen und die Aktie, gemessen am erwarteten künftigen Cashflow, eine Sicherheitsmarge bietet.

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Kolumne von Frank Fischer, CEO & CIO der Shareholder Value Management AG | 15. Juni 2020 | www.shareholdervalue.de

Fed-Chef Jerome Powell hat die Märkte wieder auf den Boden der Tatsachen geholt. Waren DAX, Dow Jones und vor allem die Nasdaq fast schon wieder heiß gelaufen, warnte Powell davor, dass die Corona-Krise wohl noch eine ganze Weile anhalten und die amerikanische Wirtschaft noch lange belasten werde. Er erwartet außerdem, dass die Jobverluste vieler Amerikaner wohl von Dauer sein werden. Entsprechend reagierten die Börsen mit zum Teil erheblichen Kursverlusten.

Dass die US-Wirtschaft noch sehr weit von ihrer früheren Stärke entfernt ist, deckt sich auch mit unserer Einschätzung. Denn was die Wirtschaftsleistung angeht, so hat die europäische Union zwar seit dem Hoch vor der Krise gut 50 Prozent verloren, aber in den vergangenen Wochen hat sich die Situation nicht nur stabilisiert, sondern sogar schon wieder leicht verbessert. Derzeit sind wir bei rund 49 Prozent des Vorjahresniveaus. Das ist nicht gut, und von einer Normalität kann nicht die Rede sein, aber der Weg zeigt langsam wieder nach oben.

Europa ist bei der Wirtschaftsleistung gegenüber den USA im Vorteil

Ganz anders in den USA. Dort beträgt die aktuelle Wirtschaftsleistung verglichen mit dem Vorjahr nur noch 35 Prozent. Dagegen sieht Europa richtig gut aus. Und was noch hinkommt: In 22 US-Staaten steigen die Corona-Fallzahlen weiterhin an. Dies gilt vor allem für die Südstaaten.

Vor allem die europäische Fiskalpolitik ist in diesem Zusammenhang zu loben. Die EZB hat ihr PEPP-Programm auf 1,3 Billionen Euro aufgestockt, um Anleihen von Staaten und Unternehmen zu kaufen. Das ist eine sehr hohe Summe. Hier wurde also die vielbeschriebene Bazooka geladen und ein echtes Hilfspaket aufgelegt, das bis Juni 2021 ausgeweitet wurde. Darüber hinaus hat die EZB den Banken unter die Arme gegriffen, da viele Regularien gelockert wurden, die den europäischen Geldhäusern mehr Flexibilität bei der Kreditvergabe einräumt. Wenn man dann noch die Hilfsprogramme der einzelnen Länder im Gesamtvolumen von rund 2,19 Billionen Euro hinzurechnet muss man sagen: Die EU hat in der Krise wirklich geliefert.

Das soll aber nicht heißen, dass alle Probleme gelöst sind. Es gibt noch einige Unwägbarkeiten für Europa, ganz ohne Frage. Aber wenn wir Glück haben, dann rückt die direkte Corona-Bedrohung vielleicht wieder etwas in den Hintergrund. Die „neue Normalität“ wird wohl auch weiterhin mit Einschränkungen verbunden sein, aber die erste Welle scheint überstanden.

Hoffnungsschimmer in den USA

Doch auch in den USA gibt es Hoffnungsschimmer. Wie sagte doch Warren Buffett auf der letzten Hauptversammlung von Berkshire Hathaway: „Wetten Sie niemals gegen Amerika!“. Das zeigt auch das NFIB-Stimmungsbarometer für US-amerikanische Kleinunternehmen. Denn dieser ist zuletzt merklich stärker angestiegen als erwartet. Gegenüber dem Vormonat erwarten nun mehr Firmen eine Verbesserung ihrer Geschäftslage in den kommenden sechs Monaten und auch der Anteil an Unternehmen, die Investitionen vorzunehmen und Mitarbeiter einzustellen wollen, ist gestiegen. Dies sind gute Nachrichten, da Kleinunternehmen 99 Prozent aller Firmen der USA ausmachen und rund die Hälfte aller Arbeitnehmer beschäftigen. 

Entsprechend haben wir auch das Portfolio unseres „Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen“ ausgerichtet. Wir sind zwar nicht in US-Kleinunternehmen investiert, wohl aber in Tech-Werte wie Microsoft, Facebook und Amazon. Dazu halten wir auch zahlreiche europäische Aktien, wie die deutsche Sicherheitsfirma secunet Securities, die schwedische Technologiehandelsgruppe Addtech, und nicht zu vergessen die Immunodiagnostic Systems, deren Aktie vergangenen Freitag um über 50 Prozent zulegte, nachdem bekannt wurde,  dass ihr Coronavirus-Antikörpertest eine sogenannte CE-Kennzeichnung erhalten hat und Ende Juni zum Verkauf angeboten wird.

Unter dem Strich kann man also sagen: Wir bleiben vorsichtig, blicken aber zuversichtlich in die Zukunft. Und bei aller angebrachter Vorsicht sollte auch ein Schuss Optimismus nicht fehlen.





Kolumne von Frank Fischer, CEO & CIO der Shareholder Value Management AG | 02. Juni 2020 | www.shareholdervalue.de

Die Staatsschulden klettern weltweit immer höher ins Astronomische. „Nicht kleckern, sondern klotzen“, gab Bundesfinanzminister Olaf Scholz vor ein paar Wochen die Devise aus, mit der man der aktuellen Corona-Krise begegnen wollte. So richtig dieser Weg auch sein mag – weltweit folgen fast alle Regierungen und Notenbanken dieser Devise. „Darf es noch eine Milliarde mehr sein?“ Ja, gerne, heißt es in Krisenzeiten immer wieder. 500 Milliarden Euro wollen Merkel und Macron ausgeben. 750 Milliarden Euro schlägt die EU vor. Oder dürfen es sogar Billionen sein? Ja, denn der US-Kongress und die Regierung in Washington haben infolge der Corona-Pandemie bislang Konjunkturpakete von gut 2,7 Billionen Dollar beschlossen. Das entspricht mehr als zehn Prozent der amerikanischen Wirtschaftsleistung. Hinzu kommt, dass die Währungshüter weltweit sich in den vergangenen Wochen mit Notprogrammen überboten haben, um den wirtschaftlichen Einbruch durch die Corona-Krise zu mildern und die Finanzmärkte zu stabilisieren. Darüber hinaus steht eine globale Rezession ins Haus. Die Gelddruckmaschinen laufen rund um den Erdball auf allen Zylindern.

Und hier kommt nun Gold ins Spiel. In Zeiten ungezügelten Gelddruckens sind Positionen in Gold einfach unumgänglich. In unserem Mandat, dem Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen, halten wir derzeit mittelbar rund 4,3 Prozent in Gold. Der Grund ist einfach: Gold dient in Krisenzeiten wie eine Art Versicherungspolice. Man schließt sie zwar in der Hoffnung ab, dass der Versicherungsfall nicht eintritt. Sollte es aber zum großen Knall kommen, ist man froh, versichert zu haben.

Goldpreis klettert Richtung Allzeithoch

Dass das Edelmetall derzeit gefragt ist, zeigt sich deutlich am Preis. Der steht bei rund 1.730 US-Dollar pro Unze, rund 13 Prozent höher als zu Jahresanfang und gut ein Drittel höher als vor zwölf Monaten. Zum Allzeithoch fehlt nicht mehr viel: Im September 2011 markierte Gold mit 1.921 US-Dollar einen Rekordstand. In Euro gerechnet ist die Höchstmarke aus dem Jahr 2011 wegen Wechselkurseffekten sogar schon übertroffen worden. Das treibt manche Analysten zu Fantasie-Kurszielen, wie etwa die Bank of Amerika, die den Preis für eine Unze Gold schon bei 3.000 US-Dollar sieht. Nun, dieser Meinung muss man nicht folgen, aber das Sentiment für Gold ist nun mal positiv.

Notenbanken weiterhin auf der Käuferseite

Hinzu kommt, dass die Notenbanken anscheinend ihrer eigenen Geldpolitik nicht zu trauen scheinen, denn sie stocken ihre Goldreserven immer weiter auf. So hat die EZB ihre Reserven in den vergangenen 20 Jahren von gut 7 auf jetzt schon 22 Milliarden Euro aufgestockt. Auch die Notenbanken von China, Indien und Russland waren in letzter Zeit sehr aktiv. Das hat zwar in den letzten Wochen etwas abgenommen, weil die Gelder für die akuten Corona-Probleme benötigt werden. Abgebaut haben sie ihre Bestände aber trotz aller Sorgen nicht. Und nicht zu vergessen: Gold wird knapp. Im März und April standen die meisten Minen still. Daraufhin kam es besonders in der Verarbeitung, die in großen Teilen in der Schweiz geschieht, zu erheblichen Engpässen.

Inflation wird mittelfristig zum Risiko

Auf der anderen Seite werden die Zinsen auch auf Jahre hin niedrig bleiben, da gilt Gold immer noch als wertbeständige Anlage. Wenn man so will, ist Gold derzeit die heimliche Weltwährung, auch deshalb, weil man Gold nicht beliebig vermehren oder künstlich produzieren kann.

Und zu guter Letzt: Es sieht zwar derzeit nicht so aus, als wenn wir eine Inflation bekommen würden. So ist die Inflationsrate im Euro-Raum weit unter die Zielmarke der EZB gefallen. Die Verbraucherpreise stiegen im Mai binnen Jahresfrist lediglich um 0,1 Prozent. Damit liegt die Inflation so niedrig wie seit Juni 2016 nicht mehr. Wir rechnen allerdings mittelfristig mit einem Inflationsschub. Wie immer in Krisenzeiten kommt zunächst mal eine deflationäre Phase, denn Unternehmen und Konsumenten halten erstmal ihr Geld zusammen. Da sind steigende Preise erstmal unwahrscheinlich. Danach ist ein Anstieg der Inflation jedoch sehr wahrscheinlich. Auch für diesen Fall ist Gold eine gute Absicherung.

Fazit: So sehr die Geldflut mittel- und langfristig den Wirtschaften der einzelnen Länder zu Gute kommt und damit kurzfristig – wie schon in den letzten Wochen gesehen – auch DAX, Dow Jones & Co., also die Aktienmärkte weiter beflügelt, so ist aber die Krise auch noch nicht ausgestanden – und die Rezession erst recht nicht. Da ist Gold die besagte Versicherung für den Notfall: Man hofft zwar, dass er nicht eintritt. Wenn doch, ist man gut versichert.





Kolumne von Frank Fischer, CEO & CIO der Shareholder Value Management AG | 18. Mai 2020 | www.shareholdervalue.de

Die Stimmung an den Märkten bleibt angespannt. Die Staatsverschuldung der Industrienationen ist von 90 auf über 120 Prozentpunkte nach oben geklettert. Und bei vielen Unternehmen sieht es auf der Schuldenseite nicht besser aus. Die Krise wird uns noch einige Zeit begleiten. Die Corona-Pandemie hat aber auch einen positiven Nebeneffekt: Sie zwingt uns anders zu denken!

Um in der aktuellen Krise Mehrwert für die Anleger zu schaffen, bedarf es unterschiedlicher Denkmodelle. Wir sind schon immer Value-Investoren gewesen – und bleiben es auch! Aber es gibt verschiedene Ansätze, um Value in den Portfolios unserer Mandate wie dem Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen umzusetzen. Da ist zum einen das klassische „Graham Value“, bei dem sich die Unternehmen vor allem durch ein niedriges KGV und einen hohen Buchwert auszeichnen. Hier liegt der Fokus klar auf der Bewertung des Unternehmens. Dann das sogenannte „Narrow Moat Value“, bei dem die Unternehmen ein erhöhtes KGV haben, gleichzeitig aber über eine, wenn auch geringe, Preissetzungsmacht verfügen. Und dann haben wir das „Wide Mode Value“, oder auch „Modern Value“ genannte Modell. Die Unternehmen in dieser Kategorie haben zwar ein hohes KGV, aber auch eine sehr hohe Preissetzungsmacht. Hinzu kommt ein hohes Umsatzwachstum. Bei dieser Betrachtungsweise geht es vor allem darum, welchen Mehrwert in Form von Dividenden, Aktienrückkäufen, Wachstum und Rendite auf reinvestiertes Kapital (ROIIC) wir bekommen. Auch dieser Ansatz ist seit vielen Jahren Teil unserer Anlagestrategie. In der Krise setzten wir darauf einen besonderen Fokus.

Klare Kriterien für „Modern Value“

„Modern Value“ finden wir in Unternehmen wie Alphabet und Alibaba, aber auch in deutschen Nebenwerten wie Secunet Securities und WashTec. Diese Firmen haben um ihr Geschäftsmodell herum einen sogenannten Burggraben in Form eines strukturellen Wettbewerbsvorteils aufgebaut und verfügen so über hohe Markteintrittsbarrieren. Gleichzeitig sind sie in nachhaltig wachsenden Märkten aktiv. Im Ergebnis verzeichnen sie eine hohe und wachsende Kapitalrendite. Kommt dazu noch eine große Sicherheitsmarge, können wir als Value-Investoren Ausverkaufssituationen wie in den letzten Wochen zum Einstieg nutzen oder schon bestehende Positionen ausbauen.

Alphabet und sein neues „Billion User-baby“

Ein gutes Beispiel ist Alphabet. Der Google-Konzern hat erst kürzlich bei der Vorlage seiner Quartalsergebnisse gezeigt, welche Macht in diesem Unternehmen steckt. Der Umsatz wuchs zweistellig, der Konzerngewinn stieg in Q1 auf 6,7 Milliarden Dollar. Und damit nicht genug: Um neue Kunden zu gewinnen, wurde das Videokonferenzsystem „Google Meet“ den Nutzern kostenlos zur Verfügung gestellt. In Zeiten von Homeoffice und abgesagten Dienstreisen ein riesiger Markt, den Alphabet hier konsequent angeht. Mit „Google Meet“ scheint das nächste „Billion User-Baby“ des Konzerns heranzuwachsen, also ein Dienst, der weltweit mehr als eine Milliarde Nutzer an Alphabet bindet.

Secunet, die Sicherheitsexperten

Ein anderes Beispiel ist der deutsche Nebenwert Secunet Securities. Das Essener Unternehmen ist Spezialist für Datensicherheit. Hinzu kommt, dass man eine Nische besetzt, in die kaum ein Wettbewerber eindringen kann. So ist die Firma bei der deutschlandweiten Einführung der elektronischen Gesundheitskarte für Arztpraxen und Krankenhäuser führend und hat dabei Teile des Geschäfts übernommen, das zuvor von T-Systems betrieben wurde. Hinzu kommen Software-Updates und die Wartung der Geräte, die hohe Erlöse garantieren. Darüber hinaus hat man mit der Auslieferung sogenannter E-Kioske für die digitale Passkontrolle an Flughäfen begonnen. Derzeit herrscht auf den Flughäfen rund um den Globus zwar die große Flaute, das wird aber nicht immer so bleiben.

WashTec: „Sauber“ aus der Krise

Selten, aber doch einige Male, blitze während der Rede ein verschmitztes Lächeln über das Gesicht von des Alteisters. Vor allem immer dann, wenn er optimistisch in die Zukunft schaute. Das breiteste Grinsen war allerdings zu bemerken, als er nochmal auf Charlie Munger zu sprechen kam. „Charlie wird nächstes Jahr wieder hier sein. Das hat er mir fest versprochen“, berichtete Buffett. Dann ist sein Weggefährte immerhin schon 97 Jahre alt. Einen Mangel an Optimismus kann man den beiden Haudegen wirklich nicht vorwerfen!

Vom Ende einer anderen Flaute wird WashTec profitieren. Die Aktie des Weltmarktführer für Autowaschanlagen war im Zuge des Shutdowns um rund 40 Prozent gefallen, nachdem in der Krise fast keiner mehr Auto gefahren ist. Nach den ersten Lockerungen zieht der Individualverkehr aber wieder an, wie man an den jüngsten Staus auf den Autobahnen und in den Städten sehen kann. Dadurch werden Autos wieder schmutzig und müssen gewaschen und gepflegt werden. Von alledem profitiert das Unternehmen aus Augsburg. WashTec hat zudem einen ausgeprägten Wettbewerbsvorteil, da es nicht nur die Waschanlagen verkauft, sondern auch den gesamten Service und die Versorgung der Anlagen abdeckt.

All diese Beispiele zeigen, wie wichtig ein ausgeprägter Wettbewerbsvorteil, hohe Markteintrittsbarrieren und eine damit verbundene Preissetzungsmacht sind. All das ist Value, nur eben nicht klassisch, sondern neu gedacht.





Kommentar von Frank Fischer, CEO & CIO der Shareholder Value Management AG | 04. Mai 2020 | www.shareholdervalue.de

Covid-19 hat die Weltwirtschaft im Griff

Die Corona-Krise hat Wirtschaft und Gesellschaft weltweit im Griff. Länder wie China, Korea und Taiwan sind auf dem Weg zurück in die Normalität. Die andauernden Kontrollmaßnahmen in der Öffentlichkeit machen aber deutlich, dass man von einer Situation, wie sie vor dem Ausbruch der Pandemie bestand, auch dort noch weit entfernt ist. In anderen Teilen der Welt, unter anderem den USA, Afrika, Indien und Südamerika sowie Teilen Europas, tobt weiterhin der Kampf gegen den Virus.

Das staatliche Vorgehen spaltet zunehmend die westlichen liberalen Gesellschaften und lähmt die internationalen Lieferketten und damit die Weltwirtschaft. Wir befinden uns in einer globale Rezession und die psychologischen, sozialen und wirtschaftlichen Folgen von Covid-19 werden Narben u.a. auch in Form von exorbitanten Schulden hinterlassen, mit denen wir uns noch lange auseinandersetzen müssen. Nach den starken Einbrüchen an den Weltbörsen im März machte sich im April an den Börsen vorsichtiger Optimismus breit. Dieser war vor allem in den massiven politischen und monetären Aktionen unter Einbeziehung der Notenbanken begründet: Anders als zu Zeiten der Finanzkrise, als insbesondere Europa nur langsam Maßnahmen ergriff, haben die Regierungen diesmal weltweit zwar nicht konzertiert, aber zumindest schnell gehandelt. Trotzdem wird es 2020 zu einer echten weltweiten Rezession kommen.

Was bedeutet das für die Unternehmen?

Die aufkommende Rezession spiegelt sich naturgemäß in den Unternehmensergebnissen wider, wie die laufende Berichtssaison zeigt. Bei den Unternehmen sind unterschiedliche Entwicklungen erkennbar: Branchen wie Gastronomie, Reise- und Luftfahrtunternehmen liegen am Boden. Hier kommen die Liquiditätshilfen in einigen Fällen möglicherweise zu spät oder es ist mit Verwässerungen durch Kapitalerhöhungen zu rechnen. Aber andere Branchen konnten in der Krise sogar zulegen. Dazu gehören die FAANG-Werte Facebook, Apple, Amazon, Netflix und Google/Alphabet, sowie Microsoft. Die in der Lockdown-Phase besonders gefragten Dienste von Amazon führten sogar zu neuen Höchstkursen.

Homeoffice, Online-Konferenzen und ein schneller Datenaustausch und -zugriff haben in der Krise stark an Bedeutung gewonnen. Mit Ausnahme von Netflix hatten all diese Unternehmen bereits vor der Krise hohe Cash-Reserven. Das macht sie weniger anfällig für die Folgen einer Rezession als etwa Unternehmen, deren Bilanzen schon vor dem Virus-Ausbruch „auf Kante genäht“ waren.

Was heißt das für einen Value-Investoren?

Wir sind überzeugte Value-investoren. Die klassische Value-Definition wurde von Benjamin Graham aufgestellt und bezeichnet Aktien, die sich primär durch niedrige Bewertungen, einen hohen Substanzwert und eine hohe Dividendenrendite auszeichnen. Wir haben unseren Value-Ansatz seit den 90er Jahren konsequent weiterentwickelt. Wie Warren Buffett und Charlie Munger glauben wir, dass die Kapitalrendite eines Unternehmens einen höheren Einfluss auf die Performance der Aktie hat als der Preis, der für die Aktie gezahlt wurde. In dieser „Modern Value“-Perspektive ist also nicht der Preis allein entscheidend, sondern die Höhe der künftigen Cash-Flows. Dieser Ansatz erlaubt auch die Investition in höher bewertete Aktien, wenn sie eigentümer- und familiengeführt sind, über strukturelle Wettbewerbsvorteile, den wirtschaftlichen Burggraben sog. „Moat“, verfügen und die Aktie, gemessen am erwarteten künftigen Cash-Flow, eine Sicherheitsmarge bietet.

Wie agiert der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen derzeit?

Aus diesem Grund setzen wir im Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen den Fokus in erster Linie auf Firmen, die die Krise mittelfristig möglichst stabil überdauern werden oder sogar gestärkt daraus hervorgehen. Die Grundvoraussetzung hierfür ist eine gesunde Bilanz, die sich insbesondere durch eine hohe Liquidität und eine niedrige, auf das jeweilige Geschäftsmodell abgestimmte, Verschuldung auszeichnet. So haben Unternehmen wie z.B. Amazon eine Liquidität von über 55 Mrd. US-Dollar oder Alphabet von nahezu 120 Mrd. US-Dollar. Ähnliches trifft auch auf die kleineren Firmen zu, aus denen das Portfolio des Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen zum Großteil besteht. Wir suchen und investieren weiterhin in stabile Geschäftsmodelle mit strukturellen Wettbewerbsvorteilen.

Dies bezeichnen wir als wirtschaftlichen Burggraben. Idealerweise werden diese Unternehmen inhabergeführt, wie es auch bei Alphabet, Facebook und Amazon oder Alibaba der Fall ist. Das Aktienportfolio besteht aktuell zu knapp 50 % aus solchen „Modern Value“-Firmen mit einem breiten und tiefen wirtschaftlichen Burggraben. Nebenwerte wie unser Portfoliowert secunet Security Networks AG erleben mit Cybersecurity-Diensten und sicheren Netzwerkarchitektur-Produkten (SINA genannt) durch die Corona-Krise gerade eine Sonderkonjunktur. Die Aktie notiert mittlerweile auf einem Allzeithoch, da sie über einen solchen „Moat“ verfügt.

Knapp 30% des Portfolios sind weiterhin „klassische“ Value-Werte in der Definition von Benjamin Graham. Sie sind aufgrund der sich abzeichnenden Rezession teilweise sehr deutlich gefallen. Aktien, wie z.B. die Automobil-Ingenieursdienstleister Bertrandt und Edag, wie Freenet, Kapsch, Metro, oder in England auch der Anbieter von Sozialwohnungen und -dienstleistungen Mears und der Flugzeugabfertiger Menzies, leiden besonders unter der aktuellen Situation. Auf dem aktuell teilweise sehr gedrückten Niveau verfügen die Titel jetzt über eine sehr oder sogar extrem hohe Sicherheitsmarge. Hierliegt sicherlich aktuell das größte Aufholpotential des Fonds, was aber Geduld erfordert, denn die klassischen Value-Titel laufen typischerweise erst zeitversetzt nach oben. Oft braucht es ein wenig Zeit, bis temporäre Ineffizienzen vom Markt erkannt werden und die Liquidität auch diese Titel erfasst.

Was spricht in diesem Umfeld für den Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen?

Unser Portfolio zeichnet sich derzeit durch einen hohen Anteil stark unterbewerteter Titel aus, die über stabile Geschäftsmodelle verfügen. Dazu kommt unser aktives Risikomanagement. Hiermit erzielten wir mittel- bis langfristig aktienmarktähnliche Renditen bei einer deutlichen Reduzierung der Schwankungen (s. Graphik*). In der sehr kurzfristigen Perspektive ist der Fonds nicht vor Wertschwankungen gefeit. Das liegt unter anderem auch daran, dass das Portfolio zu ca. 60% aus Small- und Mid Caps besteht, die in Krisensituationen stärker fallen und sich leider nicht eins zu eins absichern lassen. Langfristig ergibt sich aber aus ihnen ein überproportionales Renditepotential.

*Die Performance der Vergangenheit ist kein Indikator für die Zukunft.

Der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen hat sich nach temporären Schwächephasen immer erholt. Solche Erholungsphasen gab es 2009, 2015 und ab dem Sommer 2019. Bis dahin konnte der Fonds über mehr als 10 Jahre eine zweistellige Wertentwicklung aufweisen. Seit Auflage im Jahr 2008 vor der Finanzkrise konnte der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen eine Rendite von durchschnittlich 6,5% p.a. erzielen, was der Rendite des DAX entspricht – allerdings nur bei halber Volatilität.

Obwohl der Fonds einen vermögensverwaltenden Ansatz hat und sein Schwerpunkt auf Value-Aktien und Nebenwerten liegt, wird seine Wertentwicklung von Anlegern immer wieder mit dem DAX als gängigem und bekannten Index, gerade für deutsche Investoren, verglichen. Offizieller Referenzindex ist allerdings der MSCI European Smaller Companies, weshalb wir zu Vergleichszwecken beide in der Graphik verwendet haben.

Fazit:

Wir fokussieren uns bei der Zusammenstellung des Portfolios unseres Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen auf Unternehmen, die gut gemanagt sind und auch nach der Krise ihre Marktposition behaupten können. Wir legen unseren Schwerpunkt aktuell noch stärker auf „Modern Value“-Unternehmen, die einen möglichst breiten wirtschaftlichen Burggraben um ihre Firma errichtet haben, denn wir gehen davon aus, dass die Märkte noch eine Weile volatil bleiben und es noch einige Monate dauert, bis sich die Wirtschaft weltweit wieder eingependelt hat. Die Fiskalpolitik und die enorme Liquidität werden den Markt weiterhin stabilisieren und nachhaltig anschieben. Trotzdem agieren wir vorsichtig, denn wir investieren langfristig. Für uns spielen bei der Qualität der Unternehmen, deren Bilanzen und ihre Verschuldung eine wichtige Rolle.

Unserem bewährten und transparenten Investment-Ansatz werden wir auch in Zukunft treu bleiben. Konkret bedeutet dies, dass wir die Volatilität als Chance nutzen, um nach den bewährten vier Prinzipien des Value-Investing anzulegen. Dabei profitieren wir von der langjährigen Expertise unseres Investment-Teams um unseren CIO Frank Fischer und folgen dabei unserem ethischen Leitfaden, denn auch in schwierigen Phasen dürfen moralische Verpflichtungen nicht außer Acht gelassen werden.

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Kolumne von Frank Fischer, CEO & CIO der Shareholder Value Management AG | 04. Mai 2020 | www.shareholdervalue.de

Er saß etwas einsam und verloren mit seiner obligatorischen Cola vor der Kamera. So ganz ohne seinen alten Kumpel und Weggefährten Charlie Munger musste Warren Buffett die Hauptversammlung von Berkshire Hathaway leiten. Gut, mit gebührendem Abstand an seiner Seite hatte Greg Abel, Vorsitzender und CEO von Berkshire Hathaway Energy und seit Januar 2018 stellvertretender Vorsitzender des Nichtversicherungsgeschäfts, Platz genommen. Aber das war nicht dasselbe. Im vergangenen Jahr hatten noch mehr als 40.000 Aktionäre das CenturyLink Center in ein Tollhaus verwandelt. In diesem Jahr waren Buffett und Abel allein. „Charlie ist in guter Verfassung“, versicherte Buffett zu Beginn der Online-HV. Aber für eine Veranstaltung ohne Aktionäre und ohne großes Publikum hatte Munger anscheinend keine Lust.

Hohe Verluste, aber das operative Geschäft läuft gut

Buffett war also mehr oder weniger allein, die Corona-Pandemie hatte ein erneutes Spektakel verhindert. Wie der Corona-Virus sowieso die Tagesordnung beherrschte. Das wurde schon an den Zahlen zum 1. Quartal deutlich: Berkshire Hathaway verbuchte in den ersten drei Monaten einen Rekordverlust von knapp 50 Milliarden Dollar. In Q1 2019 war noch ein Nettogewinn von 21,7 Milliarden Dollar ausgewiesen worden. Verantwortlich für das Minus waren vor allem die Kursverluste seit Beginn der Pandemie.

Das ärgert Buffett aber, denn es hält dies nur für eine Momentaufnahme und um reine Buchverluste. Wegen einer Änderung der Bilanzierungsregeln muss Berkshire Hathaway seit 2018 auch unrealisierte Kursverluste in der Gewinn- und Verlustrechnung berücksichtigen. Buffett hatte das immer wieder kritisiert und seinen Aktionären stattdessen empfohlen, dem Nettogewinn keine Beachtung zu schenken. Er verweist lieber auf das operative Geschäft. Hier wurde im ersten Quartal ein Gewinn von 5,9 Milliarden Dollar verbucht. 300 Millionen mehr als im Jahr zuvor.

Alle Airline-Aktien verkauft

Doch Buffett musste auch reale Verluste einräumen, die aber erst in Q2 zu Buche schlagen. Dies betrifft vor allem die Aktien der großen US-Fluggesellschaften. Vor Ausbruch der Krise hatte Berkshire Hathaway noch mehrere Milliarden Dollar in Aktien von American Airlines, United Airlines, Delta Air Lines und Southwest Airlines gehalten. Nun wurden diese allesamt mit Verlust verkauft, wie Buffett einräumte. „Die Welt hat sich für die Fluggesellschaften verändert“, und die Gewinnsituation dramatisch eingetrübt, so Buffett. Ein Investment sei daher nicht mehr attraktiv. Dabei räumte er auch eigene Fehleinschätzungen ein.

Das hatte zur Folge, dass im April für 6,5 Milliarden Dollar Aktien verkauft wurden. Auf der anderen Seite wurden nur 426 Millionen Dollar neu investiert. Das erstaunt angesichts der Tatsache, dass Berkshire Hathaway auf einem Cash-Polster von rund 137 Milliarden Dollar sitzt. Aber Buffett machte indirekt klar, dass er die Zeit für größere Engagements noch nicht für reif halte. Die Situation der US-Wirtschaft sei wegen Corona noch nicht abschließend zu beurteilen.

Pandemie wird noch „deutliche Spuren“ hinterlassen

Was die Krise insgesamt betrifft, so ist Buffett aber optimistisch. Die USA hätten schon schlimmere Situationen überstanden. Die Pandemie werde zwar „deutliche Spuren“ hinterlassen. Das treffe auch auf einige Tochterunternehmen von Berkshire Hathaway zu. Man werde aber damit fertig werden.

Diese Zuversicht beruhigt auch uns als Aktionäre, schließlich halten wir die Aktie in unseren Mandaten wie dem Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen und anderen. Dass die Krise aber die amerikanische Wirtschaft noch mindestens zwei Jahre beeinträchtigen wird, ist auch Buffett klar. So scheint er auch noch niedrigere Kurse zu erwarten bevor er größere Positionen neu eingeht. Oder, um es mit einer Value-Weisheit zu sagen: Es ist noch nicht die Zeit, wo ALLE anderen nur noch Angst haben! Wenn dem so ist, wird es Unternehmen geben, die über die Zeit sagen werden: „Bitte hilf mir mit Fremdkapital“. Dann wird sich Buffett mit seinem Cash solche Engagements vergolden lassen. Als Aktionär muss man nur die notwendige Geduld mitbringen.

Das Versprechen

Selten, aber doch einige Male, blitze während der Rede ein verschmitztes Lächeln über das Gesicht von des Alteisters. Vor allem immer dann, wenn er optimistisch in die Zukunft schaute. Das breiteste Grinsen war allerdings zu bemerken, als er nochmal auf Charlie Munger zu sprechen kam. „Charlie wird nächstes Jahr wieder hier sein. Das hat er mir fest versprochen“, berichtete Buffett. Dann ist sein Weggefährte immerhin schon 97 Jahre alt. Einen Mangel an Optimismus kann man den beiden Haudegen wirklich nicht vorwerfen!





Kolumne von Frank Fischer, CEO & CIO der Shareholder Value Management AG | 27. April 2020 | www.shareholdervalue.de

Die Stimmung und die Lage in der Gesellschaft wie in der Wirtschaft sind katastrophal. Und nicht nur in Deutschland, sondern global ist eine Rezession unausweichlich. Der ifo-Geschäftsklimaindex ist auf ein Rekordtief gefallen. Gleiches triff auf die Erwartungen der Unternehmen für die kommenden Monate zu. Auch für die Stimmung der Konsumenten ist im tiefen Tal, wie der GfK-Index deutlich macht. Er ist auf einen historischen Tiefststand gefallen, und das ist keine Lappalie, denn der inländische Konsum ist für mehr als die Hälfte der deutschen Wirtschaftsleistung verantwortlich. Die deutschen Verbraucher befinden sich wie die Wirtschaft in einer Art Schockstarre.

In anderen Ländern sieht es nicht besser aus. Für Großbritannien erwarten die Volkswirte der Investmentbank Jeffries gar den schlimmsten Wirtschaftseinbruch seit Jahrhunderten und eine jahrelange Rezession. Die Narben dieser Krise werden noch einige Quartale zu spüren sein.

Doch wie lautet ein altes Sprichwort? „Ist die Nacht am dunkelsten, ist die Dämmerung nicht mehr weit!“ Wann dieser dunkelste Punkt erreicht ist, kann natürlich niemand sagen, denn mit einer echten Normalisierung des Wirtschafts- und Soziallebens dürfte vorerst nicht zu rechnen sein. Aber immerhin: Zur befürchteten Katastrophe mit einer Überlastung der Intensivstationen ist es in Deutschland bisher nicht gekommen und es ist zu hoffen, dass dies vollständig verhindert wurde. Vielmehr werden die ersten Schritte zur stufenweisen Öffnung des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens gemacht.

Amazon & Co. gehen gestärkt aus der Krise hervor

Es gibt also Grund zur Hoffnung. Der zunehmende Optimismus der Börsianer begründet sich derweil vor allem in den massiven politischen und monetären Aktionen: Anders als zu Zeiten der Finanzkrise, als insbesondere Europa nur langsam Maßnahmen ergriff, haben die Regierungen diesmal weltweit zwar nicht konzertiert aber zumindest schnell gehandelt. Zwar wird es 2020 zu einer echten Weltrezession kommen, was selbstverständlich auch nicht an den Unternehmensergebnissen vorbeigehen wird, wie die laufende Berichtssaison zeigt. Aber einige Branchen konnten in der Krise sogar zulegen. Dazu gehören die FAANG-Werte Facebook, Apple, Amazon, Netflix und Google, also Alphabet. Nicht zu vergessen auch Microsoft. Die in der Lockdown-Phase besonders gefragten Dienste von Amazon und Netflix führten bei deren Aktien sogar zu neuen Höchstkursen. Homeoffice, Online-Konferenzen und ein schneller Datenaustausch und -zugriff haben in der Krise stark an Bedeutung gewonnen. Das kommt vor allem Microsoft, Alphabet, Cisco und Apple zugute. Und nicht zu vergessen: Mit Ausnahme von Netflix hatten all diese Unternehmen bereits vor der Krise sehr tiefe Taschen, sprich hohe Cash-Reserven. Das macht sie weniger anfällig als etwa Unternehmen, deren Bilanzen schon vor dem Virus-Ausbruch ‚auf Kante genäht‘ waren.

Dies alles sind Qualitätsaktien, wie wir sie für unseren Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen suchen. Sie haben einen breiten ‚Burggraben‘ um ihr Geschäftsmodell aufgebaut, sie haben also strukturelle Wettbewerbsvorteile, sowie eine gewissen Preissetzungsmacht. Für uns zählen auch noch die chinesischen Internet-Riesen Alibaba und Baidu dazu. Die meisten dieser Titel halten wird schon seit langer Zeit im Portfolio, wir haben die jüngsten Kursturbulenzen aber dazu genutzt, diese Positionen auszubauen, bzw. neu in den Fonds aufzunehmen.

„Sonderkonjunktur“ für secunet Securities“

Zu den Gewinnern gehört auch unser Portfoliowert secunet Securities, der mit seiner Sicherheitssoftware durch die Corona-Krise so etwas wie eine Sonderkonjunktur erlebt. Denn mit der gestiegenen Bedeutung von Online-Diensten zu Hochzeiten des Homeoffice und des beruflichen und privaten „Social Distancing“ steigt das Bedürfnis nach Cybersicherheit in gleichem Maße. Das treibt Unternehmen, Ämter und Verbände dazu, ihre IT-Systeme auf Sicherheitslücken hin überprüfen zu lassen. Und davon profitiert secunet Securities. Das Essener Unternehmen bietet Lösungen rund um IT-Sicherheit und IT-Hochsicherheit an. Die Aktie notiert mittlerweile auf einem Allzeithoch. Ein echter Gewinner der Corona-Krise.





Kolumne von Frank Fischer, CEO & CIO der Shareholder Value Management AG | 14. April 2020 | www.shareholdervalue.de

Die letzten Tage waren wie Balsam auf den geschundenen Seelen der Anleger. Die Kurse an den Börsen rund um den Globus erholten sich wieder von ihren zwischenzeitlichen Tiefs. Ein sukzessives Ende des Shutdowns beflügelte die Investoren. Erste Lockerungsmaßnahmen in China, Österreich und auch aus einigen deutschen Bundesländern geben Anlass zur Hoffnung, dass das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben sich langsam, aber sicher wieder einer gewissen Normalität annähert. Wie diese neue Normalität genau aussehen wird, kann aber noch niemand sagen.

Wir erwarten keine allzu schnelle Erholung an den Aktienmärkten, sondern eher eine, deren Verlauf wellenförmig wieder nach oben führt. Diese W-Formation, so ist zu befürchten, wird neben Höhen auch noch ein paar Tiefen mit sich bringen. So wurden die Gewinnerwartungen von den meisten Analysten schon kräftig nach unten korrigiert. Ob der Pessimismus berechtigt ist, werden wir schon in dieser Woche sehen, wenn die Berichtssaison der im S&P 500 gelisteten Unternehmen Fahrt aufnimmt. Rund sieben Prozent der Index-Mitglieder – darunter die großen US-Banken – werden ihre Bilanzen vorlegen. Die von Refinitiv IBES gesammelten Schätzungen lassen aber nichts Gutes erwarten. Seit dem Jahreshoch am 19. Februar sind die Gewinnerwartungen für das erste Quartal um 9,3 Prozent gesenkt worden. Für Q2 wird mittlerweile sogar ein Gewinnrückgang von 16,6 Prozent erwartet. Für das dritte Quartal ist es „nur“ noch ein Minus von 6,1 Prozent, während für das Schlussquartal ein knappes Plus von 0,3 Prozent erwartet wird. Das bedeutet, wenn die Prognosen halbwegs zutreffen, dass wir bis ins dritte Quartal hinein noch mit so manchen Enttäuschungen leben müssen. In der zweiten Jahreshälfte dürfte sich die Wirtschaft nach einem Abebben der Pandemie aber langsam wieder erholen. Das kann aber zwischenzeitlich dazu führen, dass wir im S&P 500 nochmal an der 2500 Punkte-Marke kratzen. Aber das wäre unserer Meinung nach das schlimmste aller Szenarien.

Die „Kavallerie“ ist unverzüglich ausgerückt

Was klar ist: Eine Rezession ist unvermeidbar. Es kommt jetzt nur noch darauf an, wie heftig diese ausfällt. Die „Kavallerie“ ist ja unverzüglich ausgerückt – und zwar in Form der Notenbanken und auch der Politik, die mit enormen Rettungspaketen und fast unbegrenzter Liquidität versuchen, die schlimmsten Verwerfungen aufzufangen.

Neu ist derweil der gigantische Umfang der Maßnahmen, der in der Not möglich ist. Das in der Finanzkrise propagierte „What ever it takes“ von Ex-EZB-Präsident Mario Draghi hat eine ganz neue Dimension erreicht. Es ist sogar so extrem, dass möglicherweise bis zu 50 Prozent des Bruttosozialprodukts von den Notenbanken in den Markt gepumpt werden. Die japanische Notenbank hat es bereits vorgemacht, indem sie rund 20 Prozent des Bruttosozialprodukts in den Markt geben wird. Und dies kann jederzeit ausgeweitet werden. In den USA sind die Unterstützungen von Seiten der FED und der Politik ebenfalls gigantisch.

Alphabet, Amazon, Facebook & Co.

Wie geht man mit einer solchen Situation um? Wir haben die letzten Wochen dazu genutzt, bei zum Teil günstigen Kursen einige Positionen aufzustocken, bzw. Titel neu in die Portfolien unserer Mandate wie dem Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen aufzunehmen. Dazu gehört etwa Verisign, das Unternehmen, welches weltweit alle .com-Domains verwaltet und vergibt. Daneben ist Alphabet für uns interessant. Auch eine Facebook war günstig nachzukaufen. Und dann natürlich Amazon, das zu den großen Gewinnern der Krise gehören wird.

Zwar könnte man mit den gefallenen Engeln wie der Lufthansa, Ryanair oder auch TUI mittelfristig zu den großen Gewinnern gehören. Aber davon lassen wir bis auf Weiteres die Finger. Hier winken vielleicht hohe Gewinne, aber gleichzeitig ist das Risiko sehr hoch. Wir investieren lieber in stabile, eigentümergeführte Unternehmen wie Secunet oder Novo Nordisk. Hier fühlen wir uns im Interesse unserer Anleger sehr viel wohler.