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Fondsgipfel 2021: „2021 wird das Jahr der Aktien“

TIAM Fundresearch – 24. März 2021, Ronny Kohl

Der Fondsgipfel hat inzwischen Tradition – und wird auch 2021 fortgesetzt, in digitaler Form. Beim jüngsten virtuellen Treffen stimmten Stefan Breintner, Heiko Böhmer und Stefan Riße darin überein, dass die gegenwärtigen Marktumstände eindeutig für Aktien sprechen – mit zeitweiliger Absicherung.

Selten waren sich die Experten so einig wie beim jüngsten Fondsgipfel Digital. Ihre Erwartung für das laufende Jahr stellt eindeutig die Aktienanlage in den Vordergrund. „Die Kapitalmarktzinsen werden unserer Meinung nach auf absehbare Zeit auf einem tiefen Stand bleiben“, sagt beispielhaft Stefan Breintner, Fondsmanager bei der DJE Kapital AG. „Damit bleiben Sachwerte und insbesondere Aktien unsere bevorzugte Anlageklasse.“

Zwar sieht Breintner den Widerspruch zwischen der recht düsteren Nachrichtenlage einerseits – von Corona-Mutationen über Impfstoffmangel und Lockdowns bis hin zu geopolitischen Spannungen an vielen Ecken der Welt – und dem unaufhaltsamen Drang der Börsenkurse nach oben andererseits. Doch nicht die schlechten Nachrichten stehen im Fokus der Anleger, „sondern die unfassbar expansive Politik der Notenbanken“, die ungeahnte Liquidität in die Finanzmärkte pumpen und so für die dauerhafte Aktienhausse sorgen.

„Sachwerte und ­insbesondere Aktien sind unsere bevorzugte Anlageklasse.“
Stefan Breintner, DJE Kapital AG

„Die amerikanische Notenbank kauft jeden Monat für 120 Milliarden Dollar Anleihen und die Europäische Zentralbank ist mit 100 Milliarden Euro im Einsatz“, gibt der DJE-Manager dem monetären Schub eine Größenordnung, die zurzeit vieles andere einfach überdecke. Diese starke Ausweitung der Geldmenge wiederum hätte bislang immer, wenn auch manchmal mit etwas Zeitverzögerung, zu einer verbesserten Wirtschaftsentwicklung, wachsenden Unternehmensgewinnen und letztlich auch steigenden Börsenkursen geführt. Da wiederum nicht absehbar sei, dass die Notenbanken auf die Bremse träten, gibt Breintner „von der Seite also weiterhin monetär grünes Licht für die Kapitalmärkte“.

Monetärer Druck

„Euphorie trifft auf überbordende Liquidität“, überschreibt Stefan Riße, der das Investmenthaus ACATIS beim Fondsgipfel Digital vertrat, seinen Marktausblick. Und er hat festgestellt, dass die Liquidität gut investiert wird: „Die Cashlevels der Fondsmanager liegen weltweit bei nur noch vier Prozent – also so niedrig wie lange nicht.“ Zudem zeige das Verhältnis von Puts zu Calls, „dass die Investoren in hohem Maß auf steigende Kurse setzen“.

Ähnliches hat er bei amerikanischen Privatanlegern beobachtet, die er als „sehr bullish“ bezeichnet. Zwar hätten sich die Corona-bedingten Gehaltseinbußen in den USA voriges Jahr auf 43 Milliarden Dollar summiert, dem stünden aber Hilfsprogramme gegenüber, die 1,46 Billionen Dollar ausgezahlt hätten, was im Saldo eine Summe von 1,03 Billionen Dollar ergibt, „die die Amerikaner mehr in der Tasche hatten“. Hinzu addiert Riße noch den vom Lockdown verursachten Konsumverzicht in Höhe von 535 Milliarden Dollar, was für 2020 Ersparnisse in Höhe von stolzen 1,56 Billionen Dollar ergibt – „die zu einem guten Teil an die Börse geflossen sind“.

„Das Verhältnis von Puts zu Calls zeigt, dass Investoren weltweit auf steigende Kurse setzen.“
Stefan Riße, ACATIS Investment

Damit nicht genug würden von der US-Administration weitere Hilfspakete geschnürt, die die Härten der Corona-Krise mildern und die Konjunktur ankurbeln sollen – und nach Rißes Einschätzung letztlich auch die Aktienkurse weiter befeuern werden. „Zugleich steigt dadurch die öffentliche Verschuldung immer weiter an, was aber keine Gefahr darstellt, solange die Zinsen niedrig bleiben.“ Dementsprechend würden die Notenbanken dafür sorgen, dass die Sätze auf tiefem Stand verharren, woran auch eine Rückkehr der Inflation nichts ändere. „In der zweiten Jahreshälfte könnte die Teuerungsrate schon etwas ansteigen“, räumt Riße ein, „aber es besteht wenig Gefahr, dass das zum Crash führt.“ Die mittel- bis langfristigen Aktienaussichten bezeichnet er als „fantastisch“.

Euphorie und Vorsicht

Heiko Böhmer von Shareholder Value Ma­nagement ist für 2021 ebenfalls sehr optimistisch gestimmt: „Aktien sind weiterhin erste Wahl – sofern die Zinsen an der Nulllinie bleiben“, wovon er vorerst überzeugt ist – nicht zuletzt wegen der Pandemie, die im vergangenen Jahr die Geldflut angetrieben habe und auch in diesem Jahr die Börsen weiter anschieben werde.

Gleichzeitig schwingt in seiner Einschätzung allerdings auch etwas Skepsis mit, unter anderem, weil etliche Aktien durch die Decke gingen, deren Unternehmen bis dato gar keine Gewinne machten oder sogar Geld verbrannt haben. Das erinnere ihn schon ein wenig an den Internethype, sagt er. Und wie geht sein Haus damit um? Mit einem gesunden Maß an Vorsicht und Investments nach der Modern-Value-Strategie. Dabei setze das Team um Chefmanager Frank Fischer sowohl auf klassische Graham-Value-Titel, die sich durch eine Unterbewertung hinsichtlich Kurs-Gewinn- und Kurs-Buchwert-Verhältnis auszeichnen, als auch auf sogenannte Modern-Value-Unternehmen, die über ein erhöhtes Umsatzwachstum, eine große Preissetzungsmacht „mit wirklich breitem Burggraben“, aber auch ein höheres KGV verfügen.

Die Kombination aus beiden Value-Stilen sorge einerseits für Stabilität und ermögliche es gleichzeitig, auch in wachstumsstarke Unternehmen zu investieren, so Böhmer. „Dabei sind Unternehmen, die hohe und stabile Kapitalrenditen bieten, der Schlüssel für langfristige Anlageerfolge“, präzisiert er. So sehe das auch Warren Buffett, der mit Value-Investments seit Jahren enorme Erfolge feiert. Buffett zufolge sei es weitaus besser, ein wunderbares Unternehmen zu einem fairen Preis zu kaufen als ein mittelmäßiges Unternehmen zu einem wunderbaren Preis. Solche Unternehmen seien etwa Amazon und Alibaba als Könige des Onlinehandels oder auch die Firma Secunet, verrät Böhmer.

„Hohe und stabile ­Kapitalrenditen sind der Schlüssel für langfristige Anlageerfolge.“
Heiko Böhmer, Shareholder Value Mgt.

„Nachhaltigkeit ist ein weiterer ganz wichtiger Aspekt für die Titelauswahl“, ergänzt der Aktienexperte. Bei Shareholder Value Management würden beispielsweise Unternehmen ausgeschlossen, „die in kontroversen Geschäftsfeldern aktiv sind oder kontroverse Geschäftspraktiken anwenden“. Zudem komme es auf die Marktlage an, die herangezogen werde, um die Aktienquote aktiv zu steuern. Sein Haus habe dafür Indikatoren entwickelt, die etwa signalisieren sollen, ob sich ein Wash-out an den Märkten ankündigt. Dieser Indikator stehe derzeit auf null, beruhigt Böhmer sofort, und auch der Trendfolgeindikator sei voll intakt. Demgegenüber sei der Stimmungsindikator zuletzt leicht gesunken, ebenso wie der fundamentale Indikator.

Alles in allem würden die Indikatoren aktuell nicht anzeigen, dass die Aktienquote zu reduzieren sei. Aber Kurskorrekturen seien immer möglich, weshalb einzelne Positionen zeitweise abgesichert würden. Etwa dann, wenn sich die durch die Lockdowns aufgestaute Konsumnachfrage über die Märkte ergieße und die Konjunktur heiß laufe oder die Euphorie der Anleger zu einer Börsenüberhitzung mit plötzlicher Abkühlung führen könnte.

Aktiv gemanagte Aktienquote

Eine Absicherungsstrategie verfolgt auch ACATIS Investment, beispielsweise mit dem Fair Value Modulor Vermögensverwaltungsfonds, der von ACATIS-Chef Hendrik Leber gemanagt wird. „In diesem Fonds haben wir die Aktienquote seit 2016 tendenziell erhöht“, sagt Stefan Riße. Immer wieder werde dabei aber auch die Absicherung hochgefahren, so wie zu Beginn der Pandemie, „was uns das Ergebnis gerettet hat“. Stolze 20,2 Prozent Plus stehen für 2020 zu Buche, nicht zuletzt, weil die Absicherung rechtzeitig wieder aufgelöst und die Aktienquote erhöht wurde.

„Auch jetzt haben wir eine gewisse Absicherung drin“, so Riße weiter, „weil die Anleger derart euphorisch sind, dass immer ein kleiner Einbruch einsetzen kann.“ Grundsätzlich setze der Modulor-Fonds aber auf „stabile Wertschöpfer, die wir am liebsten für immer behalten wollen“. Das seien Unternehmen, die ihre Gewinne jedes Jahr steigern können, die hohe Margen aufweisen und wenig bis gar keine Konkurrenz haben. Als Beispiele nennt Riße Sartorius, Gerresheimer Glas oder auch Paypal.

Gemeinsam sei diesen Titeln auch ein hohes Maß an Nachhaltigkeit, die ACATIS in Form der SDG-Kriterien der Vereinten Nationen verfolgt. „Kriterien, die helfen, die Welt tatsächlich ein bisschen besser zu machen – und das Ganze von unabhängiger Stelle zertifiziert“, wie Riße beschreibt.

Gefahr durch schwarze Schwäne

Das Spiel mit der Aktienquote beherrschen auch die Fondsmanager von DJE Kapital: „Wenn die Lage unsicher wird oder ganz und gar ein schwarzer Schwan ins Bild kommt, wie Anfang letzten Jahres mit Corona, dann scheuen wir uns nicht, die Aktienquoten massiv abzusenken“, so Breintner. Im Fall des Mischfonds DJE Zins & Dividende beispielsweise bis auf die Untergrenze von 20 Prozent. „Wir haben zugleich auch innerhalb des Portfolios aktiv umgeschichtet – und als sich der gigantische monetäre Schub abzeichnete, die Aktienquote auch konsequent wieder angehoben.“ Das Ergebnis des Fonds, den Breintner gemeinsam mit DJE-Juniorchef Jan Ehrhardt managt: 5,8 Prozent per annum seit Fondsauflage im Februar 2011.

Das aktive Steuern der Aktienquote biete auch Schutz bei Marktkorrekturen, die immer möglich seien. Gleichwohl hält Breintner an seinem optimistischen Börsenbild fest. Dies nicht zuletzt aufgrund der Impulse, die er aus Fernost erwartet. So bezeichnet er China als Wachstumslokomotive der Weltwirtschaft, eine Rolle, die das Riesenreich schon seit Jahren einnehme. China habe die Pandemie sehr erfolgreich gemanagt und sei eines der wenigen Länder, die für 2020 ein positives Wirtschaftswachstum aufweisen können. Positive Signale erwartet er – aus China ebenso wie aus Südkorea – etwa im Bereich der E-Mobilität und hier besonders im Batteriesegment.

Ganz generell ist Breintner sehr positiv gegenüber alternativen Energien eingestellt. Er erwartet, dass die Regierungen weltweit Zug um Zug beschließen werden, aus fossilen Energien auszusteigen und auf Renewables zu setzen. Im Fondsportfolio finden sich daher nicht nur die Aktien von zwei Wind­energieanbietern, sondern auch eine Tesla-Anleihe. Und eine namhafte
Position an Edelmetallen. Eine Gewichtung von zehn Prozent für ein ausgewogenes Portfolio hält er für angemessen, wobei das neben Gold auch andere Metalle betreffe, wie Platin oder Palladium. „Das Goldangebot ist nicht beliebig vermehrbar, was eine gewisse Sicherheit bietet, wenn die Geldmenge weiterhin so stark steigt – und solange der Realzins bei null bleibt.“ Gleichwohl hätten sie die Goldquote zuletzt etwas gesenkt, weil sie stärker auf den Erfolg der Vakzine und eine Belebung der Konjunktur bauten.

Spekulationsobjekt Bitcoin

Apropos stark steigende Geldmenge und die Gefahr einer steigenden Inflation. Das treibt aus Sicht von Stefan Riße den Bitcoin in den Fokus vieler Anleger – und auch ACATIS sei hier schon aktiv. Allerdings seien Sachwerte und insbesondere Aktien nach wie vor das beste Mittel gegen Inflation. Das bestätigt auch Heiko Böhmer. Wobei er dem Bitcoin eine klare Absage erteilt: Der Preis sei extrem volatil, die Nachhaltigkeit äußerst fraglich und in manchen Ländern seien Kryptos generell verboten. „Das ist ganz klar Spekulation und als Portfoliobaustein für uns nicht geeignet“

Die Fondsgipfel-Akademie

Die Macher des Fondsgipfels haben eine Onlineakademie gegründet, um interessierten Finanzberatern und Finanzexperten die Möglichkeit zu geben, auf dem Laufenden zu bleiben, sich weiterzubilden und sich über die aktuellen Trends in der Finanzszene informiert zu halten. Überdies gibt es bei erfolgreicher Teilnahme an den Lernblocks Credit-Points.

„In einer sich immer schneller bewegenden Welt gewinnen Flexibilität und Effizienz immer mehr an Bedeutung“, sagt Endrit Cela, Relationship Manager bei Shareholder Value Management. „Diese Herausforderung haben die Initiatoren des Fondsgipfels, neben Shareholder Value noch ACATIS Invest­ment und die DJE Kapital AG, erkannt und möchten Finanzberatern eine effiziente Lösung der Weiterbildung anbieten: die Fondsgipfel Akademie.“

Die Fondsgipfel Akademie ist eine reine Onlineveranstaltung, die drei Mal im Jahr (Frühling, Sommer und Herbst) jeweils über die Dauer von zehn Tagen stattfindet. Sie ist in vier Lernblöcke unterteilt, die von kompetenten Dozenten und hochkarätigen Referenten gestaltet werden.

Die Teilnahme ist für Finanzberater kostenlos.

Weitere Infos: www.fondsgipfel-akademie.de

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