Kolumne von Frank Fischer, CEO & CIO der Shareholder Value Management AG | 7. Dezember 2020 | www.shareholdervalue.de

„Ja, is´ denn heut’ schon Weihnachten?“, mag sich im November so mancher Börsianer wie einst Fußballgott Franz Beckenbauerverwundert gefragthaben, als dieser für E-Plus Werbung machte. Nun, das verrückte Corona-Jahr 2020 hat ja vieles geschafft, aber Weihnachten zu verlegen nun doch nicht. Aber der November war immerhin wie eine vorgezogene Bescherung. Der Dax legte 15 Prozent zu, Dow-Jones und S&P 500 knapp zwölf Prozent respektive elf Prozent, Japans Nikkei 225 schaffte 15 Prozent. Der November war an den Weltbörsen der beste November seit Jahrzehnten. An der Börse wurde die vorzeitige Jahresendrally gefeiert. Den Impfstoffen gegen das Corona-Virus sei Dank!

Doch seitdem ist vorweihnachtliche Ruhe an den Börsen eingekehrt. Und das sogar mit leicht fallender Tendenz. Entsprechend haben wir auch unseren Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen defensiver ausgerichtet. Die Stimmung an den Märkten war zu optimistisch. Die DZ Bank geht deshalb davon aus, dass die Börsen bis zu 7 Prozent korrigieren könnten. Allerdings dürfte die Korrektur nur von überschaubarer Dauer sein. Denn der Blick ins Jahr 2021 ist, trotz einiger möglicher Stolpersteine, durchaus vielversprechend.

Positiver Ausblick für 2021

Aber der Reihe nach: Die enorm stimulierende Fiskal- und Geldpolitik aufgrund der Corona-Epidemie und der neue US-Präsident Biden ergeben nach unserer Meinung ein gutes Umfeld für die Entwicklung der Börsen im kommenden Jahr. Das tiefe Zinsniveau wird wahrscheinlich als dauerhafter Nährboden für die Aktienrally grundsätzlich erhalten bleiben, selbst wenn sich die Zinsen wieder moderat erhöhen könnten. Die zunehmende Verfügbarkeit von Impfstoffen gegen das Corona-Virus sollte zur Folge haben, dass dieses Problem im Verlauf von 2021 zunehmend in den Hintergrund rückt. Allerdings hat die zweite Infektionswelle und der damit verbundene und fortwährende „Lockdown light“ der Wirtschaft einen weiteren Dämpfer versetzt. Deshalb ist auch eine Insolvenzwelle zu befürchten.

Diese Welle könnte wiederum die Banken belasten. Ein besonderes Augenmerk richtet sich auf die Banken in Südeuropa. Während in Deutschland der Anteil der faulen Kredite an den gesamten Ausleihungen der Banken Ende des zweiten Quartals bei 1,3 Prozent lag, waren es in Spanien drei Prozent, in Italien sechs Prozent und in Griechenland sogar 30 Prozent. Tendenz steigend. Einer Studie der französischen Wirtschaftshochschule IESEG zufolge werden vor allem mittelgroße Banken in Italien, Frankreich, Spanien, Zypern und Griechenland die Folgen der Covid 19-Pandemie stark zu spüren bekommen. Die EZB hat bereits deutlich gemacht, dass sie die Entwicklung bei diesen Geldhäusern genau beobachten wird, um das schlimmste Unheil abzuwenden.

Gefahr steigender Inflation aufgrund von Aufholeffekten

An den Aktienbörsen könnten auch 2021 die Pluszeichen die Kurszettel dominieren. Dabei wird derzeit eine Gefahr unserer Meinung nach unterschätzt: Denn in einer möglichen Inflation aufgrund starker wirtschaftlicher Aufholeffekte und daraus zu stark steigenden Zinsen liegt das eigentliche Risiko für das Aktienjahr 2021. Noch ist von Inflation nicht viel zu spüren, doch das kann sich schnell ändern. Vor allem wenn man die zuversichtlichen Wachstumsprognosen für das kommende Jahr zugrunde legt. Das globale Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte nach Ansicht der Deutsche Bank in diesem Jahr zwar noch um 3,5 Prozent schrumpfen. Für 2021 erwartet das Institut aber ein Wachstum von 5,9 Prozent. Das entspräche dem stärksten Wachstum seit Jahrzehnten.

Auch wir blicken optimistisch auf das kommende Jahr, beobachten die Entwicklung an den Märkten aber sehr aufmerksam, um auf eventuelle Rückschläge vorbereitet zu sei. Bis dahin bleiben wir unseren wundervollen eigentümergeführten Qualitätsaktien wie AB InBev, Alphabet, Alibaba und Berkshire Hathaway treu, werden aber das Portfolio, wenn nötig, immer wieder absichern. Und etwas Gold hilft auch in solche Zeiten, schließlich ist ja bald Weihnachten.

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