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Kolumne von Frank Fischer, CEO & CIO der Shareholder Value Management AG | 06. Juni 2021 | www.shareholdervalue.de

Wenn das Wörtchen „wenn“ nicht wär … dann könnte es für Fußball-Fans und -Aktionäre eine so wunderschöne Zeit sein. Die Bundesliga ist vorbei, die Bayern sind (wieder mal) Deutscher Meister geworden, der BVB hat den DFB-Pokal geholt, Chelsea hat mit Thomas Tuchel und drei deutschen Nationalspielern die Champions League gewonnen – und am Wochenende beginnt die Fußball-Europameisterschaft, Jogi Löws letztes Turnier, bevor Hansi Flick als Bundestrainer übernimmt. Aber dann kommt das „Wenn“! Wenn Corona nicht allen Vereinen die Bilanzen verhagelt hätte.

Massive Wertverluste

Die Profivereine können froh sein, dass sie überhaupt spielen konnten. Das ist richtig. Aber: keine Zuschauer, sinkende Einnahmen durch die TV-Gelder, Sponsoren zahlen oft weniger und vieles mehr. Ein Ranking der Fußball-Experten des Beratungskonzerns KPMG hat dies nun unterstrichen: Die meisten Topklubs haben massiv an Wert verloren. Im jährlichen „Football Clubs Valuation – The European Elite 2021“-Report hat KPMG die Unternehmenswerte der 32 größten Klubs im Fußball beziffert. Real Madrid führt diese Tabelle mit 2,9 Milliarden Euro an. Die Plätze dahinter belegen der FC Barcelona mit 2,87 Milliarden Euro, Manchester United (2,66 Milliarden Euro) und Bayern München (2,62 Milliarden Euro). Der BVB rangiert auf Platz zwölf mit einem Unternehmenswert von 1,2 Mrd. Euro. Dies bedeutet ein Minus von rund 5 Prozent. Damit ist Borussia Dortmund noch glimpflich davongekommen. Nur sieben Klubs meldeten einen Nettogewinn aus dem Betrieb in dem bewerteten Zeitraum, im Mai 2020 waren die Geschäfte noch für 20 profitabel gewesen.

Ist jetzt schon die Zeit für antizyklische Investments gekommen?

Geht es noch schlechter? Wohl kaum. Aber die meisten Analysten gehen davon aus, dass der Tiefpunkt nun erreicht ist. Und das ist genau die Zeit für antizyklisches Handeln, wie wir es als Value-Investoren favorisieren. Fußball-Aktien könnte nämlich mit Beginn der neuen Saison durchstarten. Die ersten Spiele vor – wenn auch nur wenigen – Zuschauern haben bereits stattgefunden. Und immer mehr Menschen werden geimpft, so dass zwar zu Beginn der kommenden Saison wohl nicht mit vollen Stadien zu rechnen ist, aber die Einnahmen aus dem Ticket-Verkauf wieder steigen können. Dann werden auch wieder die Merchandising- und Sponsoreneinnahmen zulegen. Und kommen wieder mehr Fans in die Stadien, werden auch die TV-Einnahmen wieder mehr. Und das gilt nicht nur für die Bundesliga, sondern für alle europäischen Ligen. Börsennotierte Fußballklubs erscheinen in diesem Umfeld also wahre Turnaround-Schnäppchen sein. Würden wir solche Aktien in unsere Portfolios aufnehmen? In den „Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen“ wohl nicht, aber für den „Frankfurter Value Focus Fund“ ist dies durchaus möglich, schließlich ist er unter unseren Mandaten der schnelle Stoßstürmer, um in Fußballbild zu bleiben.

Anleihen von Werder Bremen und Schalke 04 – wohl nur etwas für Fans und Sponsoren

Aber ist die Zeit schon reif für ein Investment? Auf knapp eine Milliarde Euro belaufen sich nach Recherchen des Fachmagazins kicker die Einnahmeverluste allein in der 1. Bundesliga seit Beginn der Krise im Frühjahr 2020. Selbst für Branchenkrösus FC Bayern, der mit einem Umsatzminus von rund 150 Millionen Euro auch in dieser Kategorie den Spitzenplatz belegt, ist der Einbruch nicht einfach zu verkraften. Für andere ist die Bedrohung sogar existenziell, insbesondere für die Absteiger Schalke und Bremen. Neben einer jeweils per Landesbürgschaft abgesicherten Kreditaufnahme setzen beide „Dickschiffe“ auf das Auflegen einer Anleihe als Rettungsanker, um die erforderliche Liquidität bis 30. Juni 2022 abzusichern. Diese Bonds sind wohl nur etwas für Fans. Und möglicherweise auch für Sponsoren, die eine Insolvenz ihres Partners auf diese Weise verhindern wollen, um so ihre Investments zu retten.

Internationale Tristes

International sieht es nicht viel anders aus. Börsennotierte Fußball-Clubs wie Lazio Rom, Celtic Glasgow, der FC Kopenhagen, Besiktas Istanbul, Juventus Turin, die AS Rom, Arsenal oder Manchester United – sie alle haben durch Corona erhebliche Umsatzeinbußen zu verzeichnen. Das hatte zum Teil erhebliche Auswirkungen auf die Notierungen der Aktien, die bis zu 70 Prozent nachgaben.

Die ersten Analysten heben bereits die Kursziele an

Aber das Beispiel Borussia Dortmund zeigt, dass Besserung in Sicht ist. Der BVB erwartet trotz Champions League-Teilnehme und Pokalgewinn für das jetzt ablaufende Geschäftsjahr einen Fehlbetrag von etwa 75 Millionen Euro. Nach einer gewissen Euphorie zuvor gab die Aktien nach diesen Zahlen nach. Die meisten Analysten hatten mit 50 bis 60 Millionen Euro gerechnet. Aber das Minus ist leicht erklärt: Bei jedem Heimspiel setzt der BVB gut 4 Millionen Euro um. Bei 17 Ligaspielen, dazu der DFB-Pokal und die Heimspiele in der Champions League – da kommt schnell ein Umsatz-Minus von rund 100 Millionen Umsatz zusammen. Aber die ersten Analysten passen bereits ihre Kursziele für die Aktie an. So hat FMR das Kursziel für die BVB-Aktie auf 6,80 Euro angehoben. Weitere Anpassungen könnten schon bald folgen.

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