Frank Fischer Kolumne Thumbnails_01_2022

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Geldentzug durch QT – „Bitte anschnallen“!

Viele Anleger sind mit Gewinnen ins neue Jahr gestartet. Sie haben den Kursrutsch der vergangenen Tage erfolgreich genutzt – und genau hier liegt eine große Gefahr: Denn es könnte sie verleiten zu glauben, dass das Jahr so weiter geht. Die Coronazahlen steigen zwar weiter, aber für viele Investoren hat die Pandemie ihren Schrecken verloren, schließlich sinken die Hospitalisierungsraten und das Impftempo ist weltweit hoch. Die Gefahren liegen woanders: Es sind die steigenden Zinsen im Zuge der immer weiter steigenden Inflationsraten. Und das könnte weitreichende Folgen haben.

Belastungsfaktor Inflation

Die Verbraucherpreise in den USA haben mit einer Steigerungsrate von 7,0 Prozent den höchsten Stand seit 1982 erreicht und übertrafen damit den Vormonatswert von 6,8 Prozent. Auch die Kerninflationsrate zog noch einmal an; sie steht mit 5,5 Prozent zum Vorjahr ebenfalls deutlich über dem November-Wert von 4,9 Prozent. Infolgedessen hat Fed-Chef Jerome Powell bereits angekündigt, die Zinsen in diesem Jahr bis zu viermal zu erhöhen. Und das Lager der Hardcore-Geldpolitiker, die auf rasche Zinserhöhungen drängen, gewinnt an Zulauf. Und Powell hat keine andere Wahl, denn in den USA ist die Notenbank auch ein Instrument der Politik. Präsident Joe Biden kann eine hohe Inflation bei den „Midterm Elections“ im kommenden Winter nicht gebrauchen. Der Druck auf die Fed ist also hoch.

Die Gefahr durch QT

So hat die Notenbank bereits deutlich gemacht: wir drucken nicht mehr so viel Geld wie bisher und tapern, sondern werden einen Teil des Geldes wieder zurücknehmen. Sie will Anleihen wieder verkaufen – und entzieht damit dem Markt Geld. Dieses „Quantitative Tightening“, kurz QT, ist etwas, was uns dieses Jahr wahrscheinlich auf Dauer beschäftigen wird – wenn es denn auch umgesetzt wird. Es geht also nicht nur darum, dass die Zinsen steigen, sondern dass auch eventuell Liquidität aus dem Markt genommen wird. Und das ist ein Umstand, den die Börse überhaupt nicht mag.

Doch, kommt es so schlimm? Obwohl die Inflation in den kommenden Monaten weiter erhöht bleiben sollte, zeigen erste Indikatoren wie zum Beispiel die gehandelten Inflationserwartungen mittelfristig keine weitere Beschleunigung an. Auch wegen der zu erwartenden restriktiveren Geldpolitik sollten die Verbraucherpreise im Laufe des Jahres gegenüber den Höchstständen aus dem vergangenen Jahr zurückgehen. Erste Analysten rechnen zwar damit, dass wir es 2022 unter anderem wegen der nahenden Zinswende an den Finanzmärkten mit erhöhter Volatilität zu tun haben werden, der Ausblick für Aktien sollte aber prinzipiell positiv bleiben. Bei den Banken machte JP Morgan in Q4 einen besser als erwarteten Gewinn von 10,4 Milliarden US-Dollar, auch die Citigroup konnte durchaus überzeugen. Und Wells Fargo konnte besonders mit einem stark gewachsenen Umsatz überraschen.

Die Volatilität steigt – „Bitte anschnallen“

Trotzdem bleiben wir zunächst einmal vorsichtig. Wir sehen 2022 sowieso eher als ein Jahr für Stockpicker, und eines, das wie gesagt, von höherer Volatilität geprägt ist. Dort sollten dann Titel wie AB InBev gut laufen. Nicht nur wegen des Bieres, sondern auch mit dem „geschmacklich angereicherten Sprudelwasser mit Alkohol“. Dieser Bereich wächst weiterhin rasant, denn – um es flapsig auszudrücken – davon bekommt man weniger Speck auf die Hüften als beim Bier. Auch andere Unternehmen im Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen wie etwa eine John Menzies, oder die sehr günstige Graham Corporation-Aktie sollten wieder zulegen. So gibt es halt nicht nur die qualitativ hochwertigen Titel, sondern auch Value-Titel und Zykliker, die von einer Erholung profitieren. Aber im Prinzip gilt: Man muss in diesem Jahr den Sicherheitsgurt immer schön eng um sich gelegt haben. Also „Bitte anschnallen“! Und wenn dann auch wieder eine Übernahme wie bei Vifor Pharma dazukommt, die uns eine schöne Prämie eingebracht hat, dann sollten wir auch in diesem Jahr wieder eine schöne Performance erreichen.

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