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Interview mit fundspec.com | 9. Januar 2019

Frank Fischer. CEO, Shareholder Value Management AG | www.shareholdervalue.de

Herr Fischer, vor ziemlich genau einem Jahr haben Sie auf dem «FONDS professionell KONGRESS» in Mannheim vor einer «Party auf dem Pulverfass» gewarnt. Ist die Party an den Börsen jetzt vorbei?

Ja, die Party ist unserer Meinung nach vorbei. Vor einem Jahr notierten DAX und EuroStoxx auf einem Hoch, seitdem geht es abwärts, der DAX befindet sich per Definition bereits in einem Bärenmarkt. Die US-Aktienmärkte und besonders die Technologiewerte haben im vierten Quartal und vor allem um den Jahreswechsel herum deutliche Rückschläge verzeichnen müssen. Es gibt eine ganze Reihe von Belastungsfaktoren, die die Stimmung verdorben haben und nun für Katerstimmung sorgen, allen voran der Handelskonflikt zwischen den USA und China. Hier können wir, abgesehen von einigen Tweets des US-Präsidenten, noch keine Zeichen für eine Entspannung ausmachen. Aber in der Wirtschaft werden die Schleifspuren des Konfliktes deutlich, wie man bei Apple gesehen hat. Auch die Brexit-Problematik und die Wahlen zum Europaparlament in diesem Jahr lasten weiterhin auf den Märkten.

Hinzu kommt: Mit knapp 2,5 Prozent beim Libor (1M) sind Anleihen für viele Investoren wieder zunehmend interessant. Galt bisher «There is no alternative», kurz «Tina», zeigen Umfragen unter institutionellen Investoren, dass ab einem Zins von 3,7 Prozent die Scheidung von «Tina» droht, damit würde weiter in Anleihen umgeschichtet werden. Das setzt die Märkte zusätzlich unter Druck.

Wie stellen Sie sich in Ihrem Fonds jetzt auf?

Die weltweiten Konjunkturerwartungen sind nur noch gedämpft, das bietet Raum für positive Überraschungen. Insofern nutzen wir Korrekturen zur Investition in attraktive, inhabergeführte Unternehmen. Wir haben die Cash-Quote im «Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen» auf 30 Prozent erhöht, um nun wieder zukaufen zu können. Durch den Kursrückgang sehen wir bereits erste Schnäppchen. Das Kunststück besteht darin, diese zu erkennen. Auf Dauer würden wir immer eine Übergewichtung von Aktien bevorzugen.

Stichwort «inhabergeführte Unternehmen». Warum ist Ihnen das so wichtig?

Wir glauben, dass ein Eigentümer ein Unternehmen immer verantwortungsvoller führt, als ein bezahlter Manager, weil er die langfristige, nachhaltige Unternehmensentwicklung im Blick hat und nicht nur nach Quartalszahlen agiert. Deshalb fordern wir auch, dass Management und Aufsichtsrat von Unternehmen sich stärker an den Unternehmen, die sie führen oder beaufsichtigen, beteiligen. Sie sollten «Skin in the Game» haben. Für uns ist das wichtig, denn auch wir verstehen uns als Miteigentümer der Unternehmen, in die wir investieren, deshalb ist es natürlich wichtig, dass die Interessen von Anteilseignern und Management deckungsgleich sind.

Sie verstehen sich als Value-Investor und suchen Unternehmen, die ganz bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Welche sind das?

Das ist zum einen, wie erwähnt, die Führung des Unternehmens durch den Inhaber oder zumindest eine deutliche Beteiligung von Management und Aufsichtsrat am Unternehmen. Daneben sollten die Unternehmen über einen wirtschaftlichen Burggraben verfügen, darunter verstehen wir dauerhafte, strukturelle Wettbewerbsvorteile. So ein Burggraben besteht etwa, wenn für einen Kunden die Wechselkosten von meinem Unternehmen zu einem Wettbewerber sehr hoch wären oder mein Unternehmen deutliche Kostenvorteile hätte. Das dritte Merkmal unseres Value-Ansatzes betrifft den Kurs. Unternehmen, in die wir investieren, sollten deutlich unter ihrem inneren Wert notieren. Auf diese Weise bekommen wir eine Sicherheitsmarge, die uns einen Puffer gegen Marktschwankungen bietet.

Zur Person

Frank Fischer ist CIO und CEO der Shareholder Value Management AG. Bis Ende 2005 war er als Geschäftsführer von Standard & Poor´s Fund Services (vormals Micropal GmbH) zuständig für Investmentfonds-Informationen und -Ratings. Nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Hessischen Landesbank absolvierte er das Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Universität in Frankfurt mit einem Abschluss als Diplom-Kaufmann. Frank Fischer ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er ist Stifter und Vorstand der gemeinnützigen Stiftung «Starke Lunge».

„Wenn alle nur Schlimmes erwarten, wird das Jahr besser als gedacht!“

Wer als Anleger hoffnungsfroh ins neue Jahr gestartet ist, wurde schon nach wenigen Tagen enttäuscht. Die Börsen gingen auf eine Achterbahnfahrt, die an den Nerven zerrte, denn Hoffen und Bangen lagen mal wieder ganz nahe beieinander. Vielleicht eine Situation, an die man sich gewöhnen muss, denn Vieles spricht dafür, dass sich 2019 als Jahr hoher Volatilität entpuppen wird.

Da ist zum einen die Hoffnung, dass die Handelsgespräche zwischen den USA und China schon sehr bald wieder aufgenommen werden – und schon schließen die Kurse besonders von Autowerten wie Daimler, VW und BMW in die Höhe, die von positiven Gesprächen zwischen Washington und Peking profitieren würden. Auf der anderen Seite sorgte die Umsatzwarnung für das 4. Quartal von Apple für heftige Kursverluste bei DAX, Dow Jones, S&P 500 & Co. Apple-Chef Tim Cook machte vor allem das schwächelnde China-Geschäft dafür verantwortlich. Hier machen sich die konjunkturellen Bremsspuren nicht zuletzt durch den Handelskonflikt bemerkbar. Eine Entwicklung, die an den sinkenden Umsätzen von diskretionären Konsumgütern wie Autos und eben Smartphones abzulesen ist. Beim iPhone gab es durch die Einführung eines Teils der neuen Modelle im September 2018 zusätzlichen Gegenwind, denn dadurch wurde Umsatz bereits im Vorquartal verbucht. Zum anderen scheinen viele Konsumenten die hohen Preise der Apple-Produkten nicht mehr zahlen zu wollen. Hausgemachte Probleme.

FAANG-Aktien mit hohen Verlusten

Aber: Der Kursrutsch der Appel-Aktie hat auch noch etwas anderes gezeigt, dass nämlich die sogenannten FAANG-Aktien, also Facebook, Amazon, Apple, Netflix und Alphabet (ehemals Google) weiterhin Federn lassen müssen. Diese hatten schon von ihren zwischen Anfang Juli und Anfang Oktober erreichten Rekordkursen bis zum Jahresende zusammen knapp 1.400 Milliarden Dollar (!!!) an Wert eingebüßt. Und durch die Apple-Warnung sind seitdem noch einige Milliarden hinzugekommen – bei Apple alleine an einem Tag 75 Milliarden. Alles in allem sind die Apple-Zahlen auch kein gutes Vorzeichen für die jetzt anstehende Berichtssaison. Vor allem der Hinweis von Cook auf die mittlerweile deutlich nachlassende Konjunktur in China dürfte auch andere Konzerne betreffen. Im Reich der Mitte hat nämlich die Wachstumsdynamik deutlich nachgelassen. Denn in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt hat sich die Stimmung gerade bei kleinen und mittelgroßen, meist privaten Industriebetrieben deutlich eingetrübt. Die Bremsspuren könnten deutlich ausfallen.

Unveränderter Gefahren-Cocktail

Und auch für Deutschland und den Rest Europas sieht es nicht gut aus. So verschlechtern sich die Erwartungen der Unternehmen immer weiter. Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist jetzt schon viermal hintereinander gesunken. Und obwohl die Weltwirtschaft in diesem Jahr nach den Prognosen der OECD um 3,7 Prozent zulegen soll, schwindet in vielen Industriestaaten das Vertrauen in das Wachstum. Die Diskrepanz zwischen den eigentlich soliden Wachstumsaussichten und der zunehmenden Verunsicherung lässt sich mit dem unveränderten Gefahren-Cocktail erklären, der die Weltwirtschaft und damit auch die deutsche Konjunktur bedroht. Da ist natürlich der weiterhin nicht gelöste Handelskonflikt zwischen den USA und China. Für die deutsche Wirtschaft ist außerdem von enormer Bedeutung, wie es in den Nachbarländern weitergeht. Der Brexit-Countdown läuft. Kommt es am 29. März zu einem „harten“ EU-Austritt der Briten, werden das auch deutsche Unternehmen spüren. Dann stehen die Wahlen zum Europaparlament an. Sollten sich hier die Populisten durchsetzen, steht neues Ungemach bevor. Und auch die Situation in Italien und Frankreich wird angespannt bleiben. Hinzu kommt, dass die EZB nicht länger die Märkte unbegrenzt mit Liquidität flutet.

Hoffnung auf positive Überraschungen – „Glücksschwein für die Märkte“?

2019 dürfte also kein gemütlicheres Jahr werden. Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer sieht gar „Gewitterwolken aufziehen, die schon relativ nah sind.“ Auch wir werden bei unseren Mandaten wie dem Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen, dem PRIMA – Globale Werte und dem jetzt in Deutschland zugelassenen Nebenwertefond Frankfurter Value Focus Fund mit der gebührenden Vorsicht ans Werk gehen, d.h. Aktien mit Sicherheitsmarge also unter ihrem inneren Wert zu kaufen. Denn die meisten Unternehmen in den von uns beratenen Fonds haben letztes Jahr an Wert zugelegt, auch wenn die Börse aktuell niedrigere Preise aufruft. Die Sicherheitsmarge ist also größer geworden. Das muss nicht heißten, dass wir die Tiefstände gesehen haben. Aber die Erfahrung hat gezeigt: Wenn alle Marktteilnehmer nur noch schwarzsehen und pessimistisch sind, dann könnte das Jahr durchaus positive Überraschungen bieten. Außerdem haben die Chinesen jetzt das Jahr des (Erd-)Schweines – und das sind nach dem chinesischen Horoskop „Jahre des Glücks“. Vielleicht ist es ja auch ein Glücksschwein für die Märkte.