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„Manche Wette war einfach zu riskant“

Interview mit FONDS professionell | 1. Oktober 2019

Frank Fischer | CEO & CIO, Shareholder Value Management AG | www.shareholdervalue.de

Mitten in die Finanzkrise von 2008 hinein aufgelegt, entwickelte sich der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen vom ursprünglichen Geheimtipp schnell zu einem der Topseller in der Branche. Zu Recht, wie dessen Portfolio manager Frank Fischer durch überdurchschnittliche Performanceergebnisse über die unterschiedlichsten Zeiträume mehrfach unter Beweis gestellt hat. Noch heute gehört der bei Morningstar in der Peergroup Mischfonds Euro flexibel geführte Fonds unter die Top Drei seiner Gruppe, was die längerfristige Per formance über zehn Jahre angeht. Was den Fonds und seinen Manager auszeichnet, ist das unbeirrbare Festhalten an einem value orientierten Managementansatz, der von einer tiefen Überzeugung geprägt ist. Frank Fischer selbst gehört zu den Pilgern von Omaha, die jedes Jahr zur Hauptversammlung der von Value-Legende Warren Buffett gemanagten Berkshire Hathaway reisen, um ihrem Vorbild wenigstens einmal im Jahr so nah wie möglich zu sein. Seit Anfang 2018 leidet der Fonds allerdings unter einer merklichen Perfor manceschwäche. Während Fischer in nahezu jedem Jahr davor nicht nur die Benchmark, sondern auch seine Peergroup hinter sich ließ, hinkt der Fonds auch im laufenden Jahr noch deutlich hinterher. Das hat auch beim verwalteten Fondsvolumen Spuren hinterlassen, das von seinen Höchstständen bei drei Milliarden Euro auf inzwischen noch 1,8 Milliarden Euro zurückgegangen ist. Wir wollten wissen, wie es dazu kommen konnte, und haben Frank Fischer zu einem gemein samen Analyse gespräch mit Detlef Glow, Head of EMEA Research bei Refinitiv Lipper, gebeten.
Hans Heuser (FONDS professionell): Herr Fischer, 2016 und 2017 waren für den Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen durchaus erfolgreiche Jahre. 2018 kam dann der große Einbruch, von dem sich Ihr Fonds bis heute nicht recht erholt hat. Was ist passiert?

Frank Fischer (Shareholder Value Management): Der Zeitraum, den Sie ansprechen, war durchaus von einer ganzen Reihe von Verwerfungen geprägt. Angefangen von der Brexit-Entscheidung über die Wahl von Donald Trump bis hin zu immer noch weiter anhaltenden Zinssenkungen durch die Notenbanken. Fast schon typisch für uns ist der Impuls, genau in solchen Phasen die eine oder andere attraktiv bewertete Aktie zu kaufen. Wir haben solche Phasen in der Vergangenheit immer wieder gut nutzen können, eben weil wir von unserer Positionierung her in der Regel eine relativ hohe Cashposition halten. Das hat uns in den letzten zehn Jahren ausgezeichnet, und das hat uns auch den hohen Zuspruch gebracht, den wir über weite Strecken gehabt haben. Im vergangenen Jahr haben wir das nicht gut gemacht. Dazu müssen wir einfach stehen, denn als Fondsmanager muss man meiner Ansicht nach auch einmal freimütig einräumen, wenn man falsch gelegen hat statt zu versuchen, die Entschuldigung bei jemand anders oder in der Marktentwicklung zu suchen. Dabei hatten wir die Zeit nach der Trump-Wahl sogar sehr gut genutzt. Dadurch sind wir sogar sehr viel besser als andere ins Jahr 2018 gestartet und haben das erste Quartal so gut abgeschlossen, dass wir uns erlaubt haben, in stärker aktivistische Anlageideen hineinzugehen.

Aber damit fing eigentlich die Schwächephase erst so richtig an?

Wir sind bis in den September vergangenen Jahres hinein insgesamt durchaus positiv für die Aktienmärkte geblieben, unter anderem weil die Sentiment-Indikatoren, die wir nutzen, uns signalisiert haben, dass die Anleger tatsächlich mehr Aktien haben wollten angesichts der schon damals extrem niedrigen Zinsen. Entsprechend sind wir im Oktober vergangenen Jahres regelrecht auf dem falschen Fuß erwischt worden, als es mit den Kursen nach unten ging an den Märkten. Ich habe an anderer Stelle gesagt: Wir haben richtig eins auf die Mütze bekommen. Was wir falsch eingeschätzt haben: Es fehlte die Marktbreite für eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung. Von daher war sicher manche Wette, die wir eingegangen waren, zu riskant.

Detlef Glow (Refinitiv): Was muss man „aktivistisch“ in diesem Zusammenhang verstehen? Geben Sie uns ein Beispiel?

Der wichtigste Titel, den wir im Bereich solcher aktivistischen Ideen umgesetzt haben, war das Investment in die Telecom Italia. Wir waren von der Idee durchaus begeistert und hatten auf eine Abspaltungdes wertvollen Glasfasernetzes in Italien gesetzt. Allerdings hatten wir den Ausgang der Parlamentswahlen so nicht auf dem Zettel. Die Kombination aus einer linkspopulistischen und einer rechtsradikalen Regierung hat schließlich dazu geführt, dass aus der Abspaltung bisher nichts geworden ist. Dadurch konnte das Unternehmen weder seine Schulden reduzieren noch die von uns erhoffte Dividende zahlen.. Inzwischen ist die Position fast vollständig verkauft, denn die Entscheidung hat sich letztlich als Fehler herausgestellt. Wir waren überhaupt im vergangenen Jahr zu stark investiert. Denn auch andere Investments haben sich letzten Endes nicht so positiv entwickelt wie wir es erwartet hatten. Unsere Position in John Menzies, dem Flugzeugabfertiger zum Beispiel. Hier sind wir allerdings bis heute engagiert geblieben, weil wir eine deutliche Verbesserung unter einem neuen Management erwarten.

Heuser: Was haben Sie in der Zwischenzeit unternommen, um den Fonds wieder in ein besseres Fahrwasser zu bringen?

Wir haben sowohl auf der personellen Ebene als auch in Bezug auf unsere strategische Aufstellung Vieles neu justiert. Seit Anfang des Jahres ist Ralph Baumann der Leiter für unser Aktien-Research. Außerdem ist ein sehr talentierter Analyst mit dem Schwerpunkt Großbritannien, Irland und Skandinavien zu uns gestoßen. Als überzeugte Value-Investoren ist für uns eine eigene, detaillierte Unternehmensanalyse nach wie vor durch nichts zu ersetzen. In dieser Beziehung habe ich außerdem eine interessante Idee mit Blick auf unsere strategische Aufstellung aus Omaha mitgebracht, wo ich auch in diesem Jahr wieder die Hauptversammlung von Warren Buffetts Berkshire Hathaway besucht habe.

Glow: Das hört sich interessant an?

Diese Idee basiert auf einem Sparringsgespräch, wie es Warren Buffett beispielsweise mit seinem Partner Charlie Munger oder auch mit seinen beiden jüngeren Investment Managern, Todd Combs oder Ted Weschler, regelmäßig führt. Wie in einer Art Pro und Contra-Gespräch argumentiert der eine für ein Investment in eine Aktie, der andere versucht, möglichst viele und gute Argumente zu finden, die gegen dieses Investment sprechen. Das hat bei uns nicht auf die gleiche Weise funktioniert, aber wir haben es jetzt in etwas anderer Art umgesetzt.

Heuser: Was heißt in anderer Art?

Ursprünglich war meine Vorstellung, dass sich jeder meiner Mitstreiter hier im Haus, die ja zum Teil auch schon lange an Bord sind, eine bestimmte Branche vornimmt, und dann vor einem entsprechenden Investmentvorhaben den Gegenpart zu dem jeweiligen Aktienwert aus dieser Branche übernehmen sollte. Ich musste aber schnell feststellen, dass die Bereitschaft, sich auf eine bestimmte Branche zu konzentrieren beziehungsweise zu spezialisieren auf keine große Gegenliebe gestoßen ist. Die Idee an sich setzen wir dennoch um, wenn auch in anderer Form. Das heißt, wir kommen in unterschiedlicher Zusammensetzung als Teilgruppe zusammen und jeder kann sich freiwillig und fallweise entscheiden, zu welcher Aktie und welcher Branche er aufgrund seiner Expertise diesen Gegenpart übernehmen will. Das läuft jetzt viel besser.

Ihrer Äußerung eben kann man entnehmen, dass sich an der grundsätzlichen Ausrichtung eines überzeugten Value-Investors nichts geändert hat?

Warum sollten wir das tun? Nur weil wir gerade einmal eine etwas schwierige Phase durchlaufen? Ganz sicher nicht, denn an unserer grundlegenden Philosophie hat sich ja überhaupt nichts geändert. Wir setzen nach wie vor auf drei wesentliche Prinzipien bei unseren Investments. Als Erstes sollte eine Sicherheitsmarge vorhanden sein in dem Wert, den wir für den Fonds kaufen. Anders gesagt, der Einstandspreis sollte deutlich unter dem inneren Wert einer Aktie liegen. Wir nutzen Ausverkaufspreise um möglichst nur 60 Cent für einen Euro Wert bezahlen. Die Devise heißt günstig einkaufen, und dann auch die Geduld aufbringen, auf eine entsprechend erwartete Wertsteigerung zu warten. Man sollte nie den Wert des geduldigen Nichtstuns unterschätzen, aber auch nicht den Zeitpunkt verpassen, bei einem entsprechenden Kursgewinn auch wieder zu verkaufen. Dennoch: Der Preis allein ist für uns nach wie vor nicht das einzige Kriterium!

Glow: Und die beiden anderen Prinzipien?

Unsere zweite Prämisse ist, vor allem auf familien- und eigentümergeführte Unternehmen zu setzen. Auch das bietet natürlich kurzfristig keinen Schutz vor einem zeitweisen Kursrückgang. Man kann aber auf mittlere Sicht ziemlich sicher sein, dass die dahinter stehenden Menschen für ihre Miteigentümer (Aktionäre) arbeiten um nachhaltiggute Erträge zu erwirtschaften versuchen. Auch hier muss man unter Umständen die Geduld mitbringen, diese Wertsteigerung auch zu erleben. Und drittens achten wir darauf, dass es einen sogenannten Burggraben um ein Unternehmen herum gibt, in das wir investieren. Wir betrachten die Firma als eine Burg, die es durch einen strukturellen Wettbewerbsvorteil einem Wettbewerber schwer macht, in ihr jeweiliges Geschäftsfeld einzudringen.

Heuser: Wie sieht so ein Wettbewerbsvorteil aus?

Das können zum Beispiel Netzwerkeffekte sein, etwa bei einem Internetportal oder einem Software-Entwickler. Google ist als Quasimonopol für die Internetsuche das beste Beispiel dafür. Es gibt kaum ein Projekt in Bezug auf das Thema künstliche Intelligenz, an dem Google nicht in irgendeiner Form selbst forscht oder daran beteiligt wäre. Beispiele für einen solchen Burggraben können aber auch hohe Wechselkosten sein, etwa in der Medizintechnik oder bei speziellen Software-Anwendungen wie im ERP Bereich.

Glow: Wo finden Sie denn aktuell Werte, die ihren Prinzipien entsprechen?

Im Verlauf des ersten Halbjahrs haben wir zwei neue Werte ins Portfolio aufgenommen. Zum einen ist das der britische Kfz-Direktversicherer Admiral, am ehesten vergleichbar mit der hierzulande aktiven Cosmos Direct. Seit 10 Jahren investiert Admiral in das nun eintretende profitable Auslandswachstum. Was die Admiral Group auszeichnet, ist der strukturelle Wettbewerbsvorteil der Kostenführerschaft. Besonders interessant ist, es dass 70 Prozent der Mitarbeiter selber Aktionäre sind. Der Gründer selbst hat vor kurzem aus Altersgründen seinen Rücktritt als CEO erklärt, hält aber selbst weiterhin knapp 11 Prozent an dem Unternehmen, und wird den Teufel tun, sich zur Ruhe zu setzen. Der Mann brennt regelrecht für sein Unternehmen und will nun die Expansion in die USA vorantreiben.

Und der zweite Wert?

Das ist ein neuseeländisches Gesundheitsunternehmen namens Ryman Healthcare, das mit einem Anteil von rund 3,5 Prozent am Fondsvermögen mittlerweile zu unseren Top-Fünf-Positionen gehört. Das auf Alters-Pflegedienste spezialisierte Unternehmen hat sich zum Ziel gesetzt, als Entwickler und Betreiber von Seniorenheimen typische Missstände, wie sie in der Pflegebranche vorkommen, auszumerzen. Am besten drückt sich das in einem Grundsatz von Ryman Healthcare aus, wonach das eigene Angebot beziehungsweis die eigene Dienstleistung „gut genug für Mutti“ sein muss. Aber nicht nur das, auch die hoch gesteckten wirtschaftlichen Ziele des Unternehmens überzeugen: Ryman Healthcare will alle fünf Jahre seinen Gewinn verdoppeln, was bedeutet, dass es rund 15 Prozent pro Jahr erwirtschaften muss und dies in den letzten 2 Jahrzehnten auch geliefert hat. Außerdem haben die Neuseeländer gerade ihre Expansion nach Australien in Angriff genommen.

Heuser: Wie gehen Sie im Fonds mit dem immer wichtiger werdenden Thema Nachhaltigkeit um?

Unsere potentiellen Investments für den Fonds werden nicht nur im Hinblick auf die Qualität des Geschäftsmodells, der Gewinnerwartungen und der Bewertung analysiert, sondern auch unter Einbeziehung von ESG- oder Nachhaltigkeitskriterien untersucht. In unserer schon 6-jährigen Zusammenarbeit mit Sustainalytics, einem auf Nachhaltigkeitsresearch spezialisierten Unternehmen, haben wir einen Katalog von Ausschlusskriterien festgelegt. Anhand dieser Filterkriterien wird sichergestellt, dass das Fondsvermögen nur in Unternehmen investiert wird, die ihrer ESG-Verantwortung nachkommen.

Ihr Ausblick aufs vierte Quartal?

Die konjunkturelle Entwicklung ist durch den USA/China Handelskrieg eingetrübt und dies macht sich in der Gewinnentwicklung einiger zyklischer Aktien bemerkbar, deren Kurse dies aber teilweise mit Ausverkaufspreisen reflektieren. Wir befinden uns heute in den USA nahe am all- time-high, aber der große Unterschied im Vergleich zum Vorjahr ist die geänderte Politik der Notenbanken. Sowohl die FED wie auch die EZB haben von restriktiv auf expansiv geschaltet, das sieht also supergesund aus. Unsere aktuelle Netto-Aktienquote liegt bei 80 %. Sobald wir durch den Oktober durch sind, könnten Anleger mangels Alternativen an den Zinsmärkten durchaus wieder vermehrt in die Aktien investieren Fallende Zinsen und gute Liquidität sind regelmäßig der Auslöser für eine positive Aktienmarktenwicklung.

Inwiefern?

Fischer: Fallende Zinsen bringen z.B. eine Entlastung für Hypothekenbesitzer. Geld, das nicht für die Finanzierung einer Immobilie gebraucht wird, kann in den Konsum fließen. Aktuell sind schon die ersten Anzeichen für den Wechsel aus den Growth- hin zu den Value-Titeln spürbar, getrieben von der Hoffnung auf eine verbesserte Konjunktur.

Vielen Dank für das Gespräch.
Hans Heuser

Interview mit Frank Fischer: „Manche Wette war einfach zu riskant“| fondsprofessionell.de:
https://www.fondsprofessionell.de/news/uebersicht/headline/frank-fischer-manche-wette-war-einfach-zu-riskant-156518/newsbild/1/

Analystenurteil: „Ein Basisinvestment für alle Investoren“
Der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen (DE000A0M8HD2) wird seit seiner Auflage am 15. Januar 2008 von dem erfahrenen Fondsmanager Frank Fischer nach den Prinzipien des wertorientierten Investierens (Value Investing), gemanagt. Trotz seines Namens richtet sich der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen an alle Investorengruppen. Neben den für Value-Investoren üblichen Bewertungs kriterien wurde von der Shareholder Value Management AG in Kooperation mit Sustainalytics ein Katalog von nachhaltigen, sozial verträglichen und umweltbezogenen Ausschlusskriterien definiert, die bei der Titelauswahl – zusätzlich zu den ökonomischen Auswahlkriterien – zum Einsatz kommen.
Frank Fischer ist als Fondsmanager für seine stringente Umsetzung des Value-Investings bekannt. Er achtet bei den ökonomischen Auswahlkriterien (Bewertungs- und Finanzkennzahlen) insbesondere auf die sogenannte Sicherheitsmarge (Margin of Safety), also den Discount zwischen dem Preis für die einzelnen Teile eines Unternehmens und dem Preis, der für das Unternehmen an der Börse gezahlt werden muss. Da diese Kennzahl nicht in den Reportings der Unternehmen enthalten ist, wird sie von den Analysten der Shareholder Value Management AG mithilfe von selbst entwickelten Bewertungsmodellen berechnet. Zudem bevorzugt Fischer eigentümergeführte Unternehmen und solche, die über einen strukturellen Wettbewerbsvorteil verfügen. Das Ziel des Portfoliomanagements ist neben der Generierung von langfristig überdurchschnittlichen Renditen auch die Reduzierung von Verlusten. Um dies zu erreichen, wird die Aktienquote des Fonds, durch den Einsatz von Cash, Rentenpapieren oder Derivaten flexibel an das Marktumfeld angepasst. Auch wenn es sich bei sogenannten Value-Fonds um grundsätzlich eher defensive Aktieninvestments handelt, müssen Investoren, die in einen solchen Fonds investieren wollen, über eine entsprechende Risikotragfähigkeit verfügen. Ebenso sollten sie sich darüber im Klaren sein, dass auch Value-Fonds sich dem allgemeinen Markt umfeld nicht entziehen können und somit in negativen Marktphasen auch Verluste aufweisen können. Hinzu kommt, dass Fonds, die nach einem bestimmten Anlagestil gemanagt werden, im Vergleich zu ihrem Zielmarkt längere Phasen mit einer Underperformance aufweisen können.

Artikel von www.fondstrends.lu | 02.April 2019

Endrit Çela | Relationship Manager, Shareholder Value Management AG | www.shareholdervalue.de

Aktien-, Immobilien- und Rentenmärkte sind über zehn Jahre hinweg stetig gestiegen und haben ungeahnte Höhen erklommen. Für den Anleger stellen sich zwei entscheidende Fragen, die aktuell im Fokus der Fondsgipfel Roadshow stehen: „Wie investieren nach 10 Jahren Hausse in 2019?“ und „Sind Aktien weiterhin alternativlos?“

FondsTrends sprach mit Endrit Çela, Relationship Manager der Shareholder Value Management AG, über die aktuelle Roadshow und eine womöglich neue „Value-Phase“ an den Märkten.

FondsTrends: Vor einigen Jahren haben Shareholder Value Management AG, DJE Investment S.A. und ACATIS Investment KVG mbH den Fondsgipfel ins Leben gerufen. Drei starke Partner, die sich verbünden. Wie kam es dazu?

Endrit Çela: Die erste gemeinsame Roadshow mit den Gesellschaften DJE und ACATIS startete im Jahr 2016 – ausschlaggebend war die positive Chemie zwischen den befreundeten Value-Investoren. Gemeinsam können wir für unsere Besucher und Kunden eine geballte Expertise von erfahrenen Fondsmanagern anbieten. Für diese Expertise haben die drei Gesellschaften die Auszeichnung „Fondsmanager des Jahres“ erhalten – DJE im Jahr 2006, ACATIS im Jahr 2017 und unser Haus mit Frank Fischer als Fondsmanager im letzten Jahr. Aufgrund der positiven Entwicklung der Roadshows haben wir uns letzten Endes dafür entschieden, eine gemeinsame Plattform – ein Label – für unsere Roadshows aufzubauen. So wurde FONDSGIPFEL erschaffen.

FondsTrends: „Wie investieren nach 10 Jahren Hausse in 2019?“ ist das Thema Ihrer diesjährigen Roadshow, die in der DACH-Region und Luxemburg schon auf Hochtouren läuft. Worauf dürfen sich die Teilnehmer in diesem Jahr freuen?

Endrit Çela: Nach einer jahrelangen Hausse sind die Börsen weltweit in den Korrekturmodus geschwenkt. An der Wall Street wurde Ende letzten Jahres der schlechteste Dezember seit 1931 erlebt. Diese negativen Entwicklungen haben für Verunsicherung bei den Anlegern gesorgt, weshalb diese nach Orientierung suchen. Sie suchen insbesondere nach sicheren Möglichkeiten, um weiterhin eine nachhaltige Rendite erzielen zu können. Wir, die Shareholder Value Management AG, sind überzeugt, dass an Aktien kein Weg vorbeiführt, ganz nach dem amerikanischen Begriff „TINA“ – „there is no alternative“. Aus diesem Grund dürfen sich die Teilnehmer der diesjährigen FONDSGIPFEL-Veranstaltungsreihe auf die Expertise dreier Gesellschaften freuen, die einen Ausblick auf die aktuelle und zukünftige Kapitalmarktlage sowie intelligente Investitionsmöglichkeiten geben werden.

FondsTrends: Die Investment-Philosophie der Shareholder Value Management AG folgt konsequent dem Gedanken des Value-Investing im Sinne von Benjamin Graham und Warren Buffett. Nachdem die Börsen in Folge der Finanzkrise durch die expansive Geldpolitik der Notenbanken über Jahre nach oben getrieben wurden, gab es im vergangenen Jahr einen merklichen Bruch. Hat womöglich eine neue „Value-Phase“ an den Märkten begonnen, die aktives Management begünstigt? Wie stellen Sie sich generell für ein schwierigeres Umfeld an den Märkten in den nächsten Jahren auf?

Endrit Çela: Die Shareholder Value Management AG hält an dem bewährten Konzept der antizyklischen Kapitalanlage in unterbewertete Unternehmen fest. Unser Ziel ist der Vermögenserhalt und -zuwachs unter Vermeidung des permanenten Kapitalverlustes. Nach den jüngsten Kapriolen an den Finanzmärkten könnte durchaus eine neue Value-Phase begonnen haben, da viele Unternehmen zu günstigen Preisen zu erwerben sind. Bei fallenden Märkten fallen auch die Aktienkurse der Unternehmen und genau in diesem Zeitpunkt können wir zuschlagen.

Wir sind aufgrund der „politischen Börsen“ und der aktuellen Gemengelage defensiver unterwegs und sichern unsere Positionen am Markt ab. Da die zukünftigen Entwicklungen weltweit nicht abzuschätzen sind, müssen „Schocks“ einkalkuliert werden. Durch einen höheren Kassenbestand und eine geringere Aktienquote muss demnach für eine gewisse Flexibilität gesorgt werden. Diese Flexibilität bietet uns die Chance, bei fallenden Kursen unterbewertete Aktien zu kaufen.

FondsTrends: Das Thema ESG und Nachhaltigkeit spielt eine immer größere Rolle im Asset Management. Inwiefern reagieren Sie auf diesen Trend? Sehen Sie hier einen Paradigmenwechsel, oder ist das ganze Ihrer Ansicht nach eher eine „Modeerscheinung“?

Endrit Çela: Inzwischen achten immer mehr Anleger auf Nachhaltigkeitskriterien, so sind mehr als 300 Milliarden Euro in Deutschland, Österreich und der Schweiz bereits in diese Mandate investiert. Das Pflänzchen wächst und gedeiht, weshalb wir einen eindeutigen Paradigmenwechsel erkannt haben. Bei unseren beratenen Fonds-Mandaten wie dem Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen, dem Frankfurter – Value Focus Fund und dem Frankfurter Stiftungsfonds werden strenge Nachhaltigkeitskriterien beachtet. Unsere Überzeugung verbietet die Investition in Unternehmen, die ihre Erträge durch Rüstungsgüter, Glücksspiel oder ähnlichem erzielen. Darüber hinaus bleibt das Ziel bestehen, auf Dauer kein Geld zu verlieren und eine mittel- bis langfristige überdurchschnittliche Rendite im Einklang mit sozialen, ökologischen, Governance- und anderen nachhaltigkeitsbezogenen Kriterien zu erzielen. Hinzu kommt, dass die EU-Kommission demnächst die Berücksichtigung von SDG-Kriterien (Sustainable Development Goals) bei Investitionen vorschreiben wird. Mit ihrer Initiative wollen die EU-Länder die Umsetzung der UN-Nachhaltigkeitskriterien vorantreiben, die wir ebenfalls unterschrieben haben.

FondsTrends: Sie kommen ursprünglich aus Michigan. Was schätzen Sie am Arbeiten in Deutschland und was vermissen Sie am meisten, wenn Sie an Ihre alte Heimat denken?

Endrit Çela: In den USA sind Investitionen in die Aktienmärkte selbstverständlich, weshalb ich mit 16 meine erste Aktie gekauft habe. Mein Portfolio sollte Aktien von Unternehmen beinhalten, deren Produkte in meinem Alltag nicht wegzudenken waren. Damals habe ich beispielsweise Aktien von Microsoft gekauft. Umso mehr freue ich mich, mein Wissen und meine Begeisterung über die Aktienmärkte durch meine Tätigkeit bei der Shareholder Value Management AG weitergeben zu können.

Ich habe in Michigan jahrelang professionell American Football gespielt sowie Powerlifting und Leichtathletik betrieben. Trotz der „competitive atmosphere“ sind dort starke Freundschaften entstanden, welche mir heute am meisten fehlen. Doch viele meiner guten Freunde besuchen mich regelmäßig und sind von Deutschland und Europa begeistert.

FondsTrends: Herr Çela, wir danken Ihnen für das interessante Interview und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg – sowohl für den Fondsgipfel als auch die Shareholder Value Management AG!

Endrit Çela ist Relationship Manager der Shareholder Value Management AG. Seine frühe Kindheit verbrachte er in Albanien. Gemeinsam mit seiner Familie wanderte er im Alter von neun Jahren nach Michigan, USA aus und beendete dort seine sportliche und schulische Laufbahn. Seit elf Jahren lebt er in Deutschland. Hier absolvierte er sein Studium der Politikwissenschaften und wagte den erfolgreichen Quereinstieg in die Investmentwelt.





Nachgefragt … diesmal: FondsTrends war für Sie auf der 9. Hauptstadtmesse in Berlin

Am 18. September traf sich die Finanzdienstleistungsbranche in Berlin. Unser Redaktionsteam (FondsTrends) war für Sie mit dabei, um Trends und Marktmeinungen aufzugreifen. FondsTrends sprach mit den Experten von Medical Strategy, Shareholder Value Management AG, Heemann Vermögensverwaltung, Hellerich und axessum. Was bewegt die Branche aktuell? Erfahren Sie mehr im Interview.“

Handelsstreit und seine Auswirkungen auf den Healthcare-Sektor

FondsTrends:
Die internationalen Aktienmärkte werden derzeit vom eskalierenden Handelsstreit der USA mit China dominiert. Inwieweit sind davon auch die Aktien aus dem Healthcare-Bereich betroffen?

Jürgen Harter – Medical Strategy:
Natürlich wirkt sich die allgemeine Stimmung an den Finanzmärkten auch auf Healthcare-Aktien aus. Direkte Auswirkungen gibt es jedoch bislang nur partiell. In der ersten Runde des Handelsstreits belegen die USA chinesische Produkte seit Juli mit einem Importzoll von 25 Prozent. Betroffen sind davon unter anderem Sterilisationsprodukte und medizinische Bildgebungsgeräte, die für Kliniken und Krankenhäuser von entscheidender Bedeutung sind. China exportiert außerdem in die Vereinigten Staaten Teile, die für den Hüftersatz benötigt werden. Die Strafzölle können die entsprechenden Kosten spürbar erhöhen. Das gilt auch für Vorprodukte, Insulin, Adrenalin und Impfstoffe. Diese stammen zu einem beträchtlichen Teil aus Indien und eben China. Dies könnte insbesondere amerikanische Hersteller von Generika und möglicherweise Biosimilars treffen. Wir bei Medical Strategy investieren im MEDICAL BioHealth schwerpunktmäßig in Unternehmen, die innovative Produkte mit einen therapeutischen Zusatznutzen entwickeln. Wir sehen in diesem Bereich keine direkte Belastung durch den Handelsstreit mit China.

Kapitalmärkte – ein auf und ab

FondsTrends:
Die US-Märkte stehen seit Jahresanfang im Plus, wohingegen die Entwicklung der europäischen Märkte dürftig verläuft. Gründe hierfür können die Technologielastigkeit der amerikanischen Börsen, sowie erwartete positive Effekte der Steuerreform sein. Welche weiteren Gründe sehen Sie für die divergente Entwicklung der europäischen und amerikanischen Kapitalmärkte? Wird sich diese Entwicklung Ihrer Meinung nach fortsetzen und wie positionieren Sie sich? Welche Branchen favorisieren Sie?

Endrit Çela – Shareholder Value Management AG:
Zu den Gründen für diese gegensätzliche Entwicklung der Kapitalmärkte zählt vor allem das Thema Verschuldung. Das gilt sowohl für amerikanische Konzerne, als auch für zahlreiche Staaten, welche häufig über Ihre finanziellen Möglichkeiten hinaus leben. Im Euroraum wird dieser Zustand beispielsweise von Italien dargestellt. Die Stimmungsindikatoren in Europa trüben sich derweil ein, was kein gutes Zeichen für die Konjunkturentwicklung und die Konjunkturerwartungen ist. Letztere sind weltweit rückläufig und werden sich über kurz oder lang auch in den USA verschlechtern. Die Frage nach präferierten Branchen stellt sich für uns als Value Investoren nicht auf, da wir hauptsächlich die jeweiligen Unternehmen mit ihren Geschäftsaussichten, den Cash Flow-Entwicklungen und dem Management im Blick haben. Wir stellen uns stattdessen die Frage, ob das Management des jeweiligen Unternehmens langfristig agiert und eine auf die Zukunft gerichtete Asset Allocation verfolgt.

FondsTrends:
Das globale ökonomische Umfeld ist derzeit geprägt von Protektionismus, steigenden Zinsen in den USA, sowie dem Ölpreisanstieg. Wie schaffen Sie es,  in diesem wirtschaftlich schwierigen Umfeld dennoch eine Outperformance zu generieren?

Nadine Heemann – Heemann Vermögensverwaltung:
Unsere starke Flexibilität, insbesondere hinsichtlich der Assetklassen und Länderallokation im FU Multi Asset Fonds, macht es uns möglich, schwierige Umfelder zu meiden. Beispielsweise haben wir im derzeitigen Niedrigzinsumfeld nur wenige Anleihen im Fonds. Sollten sich die Chance-Risiko-Verhältnisse am Anleihemarkt wieder attraktiver gestalten, können wir schnell reagieren und die Rentenquote anpassen. Wir beobachten das Weltgeschehen sehr intensiv und setzen uns täglich mit dem Kapitalmarkt auseinander. Wir bevorzugen Aktiengesellschaften, denen steigende Öl- sowie Rohstoffpreise oder Handelskonflikte kaum etwas ausmachen. Regionen und Branchen, die aus unserer Sicht größere Unsicherheiten bergen, meiden wir. Die Freiheit von starren Quoten macht es uns möglich, schnell zu reagieren und das Portfolio bei Veränderungen anzupassen.

Sachwerte und defensive Aktien

FondsTrends:
Unter Sachwertinvestitionen versteht man als Anleger ja normalerweise Immobilien, Rohstoffe, Edelmetalle oder auch geschlossene Investments z.B. in Flugzeuge, Wälder oder Windkraftanlagen. Sie managen hingegen einen globalen Aktienfonds. Warum nennen Sie die Positionen in Ihrem Fonds „Sachwertaktien“?

Nina Kordes – Hellerich:
Wir nennen sie Sachwertaktien, da zum einen Aktien als Unternehmensbeteiligungen auch zu den Sachwertanlagen zählen, und sie haben den großen Vorteil, dass sie hoch liquide sind und man auch mit wenig Kapital eine breite Streuung erreichen kann. Zum anderen sollen die Unternehmen, die wir für den Fonds auswählen, möglichst unabhängig von externen Einflussfaktoren sein und sich dadurch besonders in einem schwierigen konjunkturellen Umfeld positiv abheben. Wir investieren hauptsächlich in Unternehmen, die Produkte oder Dienstleistung des täglichen Bedarfs anbieten. Sofern sie unsere verschiedenen Kennzahlen erfüllen, die z. B. Finanzstärke, Kapitalfluss und Bewertung analysieren, gehören sie zu den „Sachwertaktien“. Der Fonds soll damit die Anforderungen an ein defensives Basisaktieninvestment für jedes Kundendepot erfüllen, sprich: in guten Marktphasen eine vernünftige Rendite erwirtschaften und gleichzeitig auch auf mögliche Krisenszenarien vorbereitet sein.

FondsTrends:
Und wie geht es nun mit den defensiven Aktien weiter, die seit geraumer Zeit nicht zu den Favoriten der Anleger gehörten?

Nina Kordes – Hellerich:
Im aktuellen Umfeld stehen natürlich hauptsächlich US-Technologieaktien in der Gunst der Anleger. Der Nahrungsmittelbereich hingegen ist aufgrund des geringeren Wachstums in dieser Konjunkturlage für die meisten Marktteilnehmer weniger attraktiv. Doch auch hier werden ordentliche Gewinne erzielt, was mich grundsätzlich optimistisch stimmt. Für besonders interessant halte ich im Moment den Gesundheitssektor, der ebenfalls in die defensive Kategorie gehört. Mit den hohen Investitionen in Forschung und Entwicklung in der Pharmazeutik und der Medizintechnologie können mittlerweile schneller neue und bessere Produkte an den Markt gebracht werden. Einige Studien gehen davon aus, dass mit den nun zur Verfügung stehenden technologischen Möglichkeiten und Big Data in diesen Branchen EBITDA-Zuwächse im mittleren zweistelligen Bereich zu erwarten sind.

CAT Bonds als strategisches Investment

FondsTrends:
Es kommt immer häufiger vor, dass Katastrophenmeldungen von Hurrikan „Florence“, der die Ostküste der USA erschüttert hat, und der Taifun in Hongkong durch die Newsticker wandern. Wie reagieren die Investoren Ihres CAT-Bonds-Fonds auf solche Meldungen und welche Maßnahmen werden darauf hin im Portfoliomanagement ergriffen? Wie läuft eigentlich das Krisenmanagement in solch einer turbulenten Situation ab?

Harald Steinbichler – axessum:
Naturkatstrophenmeldungen in den USA werden von unserem Fondsmanagement zeitnah analysiert und mittels Research Note an die Investoren verschickt. Bei größeren Events fragen Investoren nach, nehmen an unseren Update-Telefonkonferenzen teil und wir halten die Investoren auf dem Laufenden. Bei größeren Events versuchen einige Investoren zu Rebalancen, um die Allokation zu halten oder die Zielallokation früher als geplant zu erreichen. Diese Ereignisse bilden das Tagesgeschäft des Fondsmanagement und sind typisch für diese Assetklasse. CAT Bonds sind ein sehr strategisches Investment, ein schnelles Trading findet hier selten statt. Natürlich kann es sein, dass sich einige Investoren bei einem Event von Positionen trennen, der Sekundärmarkt ist aber im CAT-Bond-Bereich nicht sehr stark ausgeprägt.

Lesen Sie den vollständigen Beitrag unter folgendem Link:
https://fondstrends.lu/geld-und-markt/nachgefragt-diesmal-fondstrends-war-fuer-sie-auf-der-9-hauptstadtmesse-in-berlin/http://private-banker.online/files/Artikel/2018/04%202018/2018%2009%20sharevalue.pdf