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Januar

Ausgehend vom schwachen Jahresende 2018 kam es im Januar zu einer deutlichen Erholung an den Kapitalmärkten. Insbesondere die Bereitschaft der amerikanischen Notenbank ihre Normalisierungspolitik zu verschieben sowie die gestiegene Wahrscheinlichkeit einer Einigung im Handelsstreit zwischen den USA und China halfen trotz Konjunktur- und Brexitsorgen dem MSCI World (in Euro gerechnet) zu einem Zugewinn von gut 8 Prozent. Der Fonds konnte in diesem Umfeld knapp 4 Prozent zulegen. Die Bruttoaktienquote betrug 73 Prozent, die beta-adjustierte Nettoaktienquote lag bei 34 Prozent. Das USD-Exposure verblieb wie im Vormonat abgesichert. Alle drei Säulen konnten sich im Januar erholen. Zusätzlich unterstützte die starke Erholung in den Emerging Markets den Fonds. Die Edelmetalle entwickelten sich ebenfalls erfreulich, wobei die synthetische Gold-Position im Monatsverlauf veräußert und die synthetische Silber-Position beibehalten wurde.

Februar

Auch im Februar setzte sich der freundliche Jahresstart fort. Die Risiken im Hinblick auf einen Handelskrieg zwischen den USA und China sowie einen ungeordneten Brexit reduzierten. Der MSCI World (in Euro) legte um knapp 4 Prozent zu. Der Fonds konnte dieser Erholung nicht folgen und verlor gut ein Prozent an Wert. Die Bruttoaktienquote betrug 79 Prozent, die beta-adjustierte Nettoaktienquote lag bei 18 Prozent. Das USD-Exposure verblieb weiterhin abgesichert. Vor allem Säule 1 (Marktneutrales Aktienportfolio) trug zum Rückgang des Fondspreises bei, nachdem einige einzelne Aktien enttäuschende Unternehmenszahlen präsentierten. Säule 2 (Volatilitätsstrategien) beendete den Monat mit einem kleinen Minus, während Säule 3 (Makro-Ideen) leicht zulegen konnte. Neu aufgenommen in Säule 3 wurde eine Short-Position in zehnjährigen US-Staatsanleihen, nachdem die Zinsen seit dem Verlaufshoch im Herbst deutlich korrigiert haben.

März

Der März schließlich knüpfte an die seit Jahresbeginn anhaltenden Erholung an den internationalen Aktienmärkten an, nachdem die US-Notenbank ihre Kehrtwende vollendete und die Gespräche im Handelsstreit zwischen den USA und China konstruktiv verliefen. Der MSCI World (in Euro) stieg um 2,7 Prozent, europäische Nebenwerte legten um knapp 1,4 Prozent zu. Der Fondspreis verlor, in diesem Umfeld ca. 2,4 Prozent. Verantwortlich hierfür waren vor allem Titel, die sich grundsätzlich durch ein hohes idiosynkratisches Risiko auszeichnen, d.h. die sich relativ unabhängig von der Marktentwicklung bewegen. Dieser Teil des Portfolios, ca. 20 Titel, entwickelte sich trotz der positiven Wertentwicklung des Gesamtmarktes leicht negativ, sodass wir sowohl auf den Titeln als auch dem dagegen liegenden Hedge verloren. Als Makroideen haben wir Trades aufgenommen, die von einer zyklischen Erholung der Weltwirtschaft profitieren sollten. Dazu gehörten beispielsweise auch Positionen, die von steigenden Zinsen profitieren sollten (Short UST). Diese sind aufgrund der sehr „dovishen“ Haltung der Notenbanken im Allgemeinen und der Fed im Speziellen gegen uns gelaufen. Die Bruttoaktienquote lag zum Monatsende bei knapp über 84 Prozent. Unter Berücksichtigung der Absicherungen betrug die beta-adjustierte Nettoaktienquote 26 Prozent. Der USD-Anteils des Fonds bleibt weiter währungsgesichert.

Rückblick 2018

Der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen hat aus seiner Anlagestrategie heraus ein starkes Gewicht in europäischen Nebenwerten. In den letzten Jahren liefen Nebenwerteindizes wie der MDAX deutlich besser als Blue-Chip-Indizes. Das änderte sich im September und Oktober 2018, als die Erwartung weiter steigender Zinsen in Kombination mit globalen Konjunktursorgen (Handelsstreit bzw. wirtschaftliche Abkühlung in China) eine Trendwende einleiteten, in deren Verlauf Nebenwerteindizes deutlich stärker korrigierten. Als Folge hatten wir das Fondsportfolio im vierten Quartal 2018 defensiver ausgerichtet und die Nettoaktienquote auf unter 70 Prozent gesenkt.

2019

Die Signale der US-Notenbank Fed Anfang 2019, ihre Normalisierungspolitik zunächst aufzuschieben, führte an den Kapitalmärkten zu einer deutlichen V-förmigen Erholung. Unsere defensive Positionierung hat im Ergebnis dazu geführt, dass die Performance des Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen zwar insgesamt positiv ausfiel, relativ gesehen aber deutlich schwächer verlief. Die europäischen Nebenwerteindizes wurden unter anderem von britischen Nebenwerten nach oben gezogen, da die Märkte auf ein positives Ergebnis des Brexits wetten. Wir bleiben bei britischen Nebenwerten allerdings weiterhin untergewichtet, da wir diese Einschätzung nicht teilen und hier Vorsicht walten lassen. Die Entwicklungen der vergangenen Wochen haben uns in dieser Haltung bestärkt, die politische Situation bleibt weiterhin unberechenbar.

Negative Belastungen durch Unternehmen in Sondersituationen

Performancebelastend wirkten sich im 1. Quartal einzelne Positionen aus, die wir bereits 2018 bei Unternehmen in Sondersituationen aufgebaut hatten. Unser Ziel war es, in einem insgesamt schwierigen Marktumfeld von diesen Sondereffekten zu profitieren. Ein solches Unternehmen ist Telecom Italia, bei der wir positive Effekte aus der Deregulierung des italienischen Telekommunikationsmarktes einkalkuliert hatten. Die Rhetorik der im Juni neu gebildeten italienischen Regierung aus Lega und Fünf-Sterne-Bewegung führte jedoch dazu, dass diese Erwartungen nicht erfüllt haben und der Kurs der Aktie einbrach. Die Belastungen wirkten noch im 1. Quartal 2019. Wir haben unsere Position in der Telecom Italia mittlerweile stark reduziert. Den Kurs von John Menzies belastet der auch von uns begrüßte Abgang deren CEO, einem Logistikdienstleister für die Luftfahrtindustrie. Die Mears Group, ein Anbieter von Hausmeister- und Sozialfürsorgedienstleistungen, hat zwar interessante Ausschreibungen gewonnen die aber kurzfristig die Profitabilität belasten.

Positive Performancebeiträge lieferten Aktien, die von der Erholungsphase an den Märkten profitieren konnten. Dazu zählen zum Beispiel das Pharmaunternehmen Novo Nordisk, der Telekom-Anbieter Freenet AG oder Washtec AG, der Weltmarktführer für Autowaschanlagen. Einzelne Value-Werte wie Sixt Leasing mussten nach reduzierten Prognosen Kursverluste verbuchen. Hier halten wir aber an unseren Positionen fest und sehen im aktuellen Kursniveau attraktive Ausverkaufspreise.

Defensive Positionierung wird moderat angepasst trotz Impulsen aus China

Auch wenn aktuell noch viele Details ungeklärt erscheinen, sehen wir gute Chancen für eine Auflösung des Handelsstreits mit den USA. Gleichzeitig investiert die chinesische Regierung massiv in Infrastruktur, um ein Abkühlen der Konjunktur zu verhindern. Steuersenkungen und Liquiditätsspritzen dehnen das Maßnahmenpaket auf insgesamt ca. 370 Mrd. USD oder ca. 3,5% des Bruttosozialprodukts aus. Verschiedene Indikatoren, wie etwa die wieder anziehende Rohstoffnachfrage zeigen, dass die wirtschaftliche Verbesserung gelingen kann.

Daher haben wir die Nettoaktienquote wieder leicht erhöht, auch wenn wir unsere relativ defensive Positionierung grundsätzlich beibehalten. Wir haben neue eigentümergeführte Qualitätsaktien u.a. auch in Europa entdeckt und befinden uns im Aufbau der Positionen. Zu den in China schon länger gekauften Titeln zählen Alibaba, JD.com und Tencent Holdings.

Wertentwicklung 2018/2019
Stand: 28.02.2019

Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen

Rückblick 2018

Januar – April 2018:
Unsichere Großwetterlage macht uns skeptisch und lässt uns eine vorsichtige Positionierung einnehmen

Die US-Börsen starteten im Januar 2018 sehr freundlich, die europäischen Aktienmärkte folgten dieser Entwicklung aufgrund des starken Euros nur mühevoll und zeigten zum Monatsende eine zunehmende Schwäche. Im Februar kam es zu einer seit längerer Zeit überfälligen Korrektur an den internationalen Aktienmärkten. Gleichzeitig zeigte die Konjunktur deutliche Anzeichen einer oberen Trendwende an. Der neue Vorsitzende der Fed, Jerome Powell, bestätigte noch einmal, dass der amerikanischen Geldpolitik eine weitere Straffung im Jahr 2018 bevorstehe. Damit waren mehrere Faktoren gegeben, die uns für den weiteren Verlauf des vergangenen Jahres äußerst skeptisch stimmten und uns dazu bewogen haben, das Portfolio des Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen insgesamt defensiver auszurichten.  So betrug die Nettoaktienquote des Fonds im März rund 27 Prozent; die historische Netto-Durchschnittsaktienquote liegt hingegen bei 70 Prozent.

Weitere Unsicherheiten in Bezug auf den fortgeschrittenen Konjunkturzyklus, die US-Handelspolitik sowie die überdurchschnittliche Gewichtung der FANG-Geschäftsmodelle durch globale Investoren, führten im März 2018 zu einer weiteren Korrekturwelle an den globalen Aktienmärkten.

Aufgrund unserer insgesamt sehr defensiven Ausrichtung und unserer Absicherungsstrategien zu diesem Zeitpunkt gelang es, den Rückgang im Fonds im Vergleich zum Markt deutlich geringer zu halten.

Mai – August 2018
Technologiewerte ziehen den Markt nach oben, das Umfeld klart auf. Wir werden offensiver.

Die Großwetterlage aus Zinsängsten und Handelskonflikten wurde in den Monaten Mai bis August durch die Angst vor einer neuen Schuldenkrise in Italien weiter belastet. Vor diesem Hintergrund haben wir in dieser Zeit an unserer defensiven Positionierung festgehalten, um Drawdowns im Portfolio zu vermeiden. Trotz der negativen Grundstimmung waren im August US-Technologiewerte nach ihrer Korrektur im Frühjahr wieder stark gefragt und zogen mittelbar auch Indizes wie den MDAX auf neue Höchststände. Schwellenländer und europäische Börsen fanden sich auf der Verliererseite wieder. Die Bewertungen für Value und Growth laufen seit mehr als drei Jahren auseinander, was auch das  erwartete Kurs- Gewinnverhältnis des Russell-Growth und Russell-Value zeigt (siehe Grafik). Durch unsere defensive Positionierung konnten wir von der guten Börsenentwicklung nicht profitieren.

Mit Blick auf die sich verbessernden globalen Konjunkturerwartungen haben wir unsere Positionierung im Laufe des Sommers angepasst und die Nettoaktienquote sukzessive auf 90 Prozent erhöht.

September – Dezember 2018
Trendwende und Ausverkauf an den Aktienmärkten, wir erhöhen die Absicherung.

Value vs. Growth | Forward P/E Russell 1000 Value / Growth – Bewertungslücke wird seit 3 Jahren größer

Im September und Oktober kam es dann insbesondere in Europa zur Trendwende an den Aktienmärkten. Betroffen waren vor allem Nebenwerte und Value-Aktien. Für das Portfolio des Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen hatte die Entwicklung negative Konsequenzen. Hinzu kamen überproportionale Performancebelastungen durch einzelne Titel. Dazu gehörten besonders Telecom Italia, Software AG und Gerry Weber. Nebenwerteindizes wie der MDAX, die in den letzten Jahren besser gelaufen waren als Blue-Chip-Indizes, korrigierten in diesem Umfeld deutlich stärker. Wir haben große Indizes zur Absicherung genutzt und die Nettoaktienquote auf unter 70 Prozent gesenkt, konnten aber die Korrekturen nicht in vollem Umfang abfedern.

Verstärkte globale Konjunktursorgen und die Ankündigung der FED einer Autopilotstrategie führten im Dezember zu einem regelrechten Ausverkauf an den internationalen Aktienmärkten, dem sich auch unser Fonds nicht entziehen konnte.

Rückblick 2019

Ausgehend vom schwachen Jahresende 2018 kam es im Januar und Februar 2019 zu einer deutlichen Erholung an den Kapitalmärkten. Insbesondere die Bereitschaft der amerikanischen Notenbank ihre Normalisierungspolitik zu verschieben sowie die wahrscheinlicher werdende Einigung im Handelsstreit zwischen den USA und China verhalfen den Börsen trotz Konjunktur- und Brexit-Sorgen zu einem freundlichen Jahresstart. Der Fonds konnte in diesem Umfeld zwar etwas zulegen. Da wir unsere Aktienquote nach den ersten Januartagen aber insgesamt verringert hatten (49 Prozent Nettoaktienquote im Februar), war die Performance zwar insgesamt positiv, fiel aber relativ gesehen schwächer aus. Neben den schwachen Konjunkturdaten fehlte uns eine technische Bodenbildung für eine längere Erholungsphase. Positive Beiträge kamen aus dem Technologiesektor und von chinesischen Titeln, negativ waren wiederum durch die Bank viele der kleineren Titel. Wir haben innerhalb des Portfolios reagiert und Small Caps reduziert und stattdessen Positionen in größeren Qualitätsaktien aufgebaut.

Aktuelle Positionierung und Ausblick:

Wir sehen jetzt, dass die Fed bei ihren Zinsentscheidungen vom Gas geht und haben deshalb einige Hedges aufgelöst und auch angefangen unsere Aktienquote zu erhöhen.

Europa bleibt insgesamt eher ein Sorgenkind. Hoffnungen setzen wir dagegen auf China. Die Regierung in Peking hat ein Konjunkturprogramm mit einem Umfang von umgerechnet 370 Milliarden US-Dollar auf den Weg gebracht. Kommt es zusätzlich zu einer Einigung im Handelsstreit mit den USA, würden exportorientierte, zyklische Werte profitieren. Zu den Favoriten gehören dann Auto-, Chemie- und Industriewerte. Im besten Falle halten wir einen weiteren Anstieg deutscher Aktien von 8 bis 10 Prozent für möglich, im schlechtesten ist die Lösung des Handelsstreit schon eingepreist. Grundsätzlicher Rückenwind kommt von der EZB und auch der FED. Solange weitere Zinserhöhungen aufgeschoben werden und die weitere Verkürzung der Bilanz ausgesetzt wird, droht kein Liquiditätsengpass. Das ist positiv, auch für deutsche Aktien. Ein möglicher Belastungsfaktor bleibt in diesem Jahr der Brexit. Im Moment gehen wir aber immer noch von einer Verschiebung und somit der Vermeidung eines Hard Brexit aus, einfach, weil beide Seiten zu viel zu verlieren haben.

Wir halten an unserem bewährten Konzept fest und unser oberstes Kredo bleibt die Vermeidung des permanenten Kapitalverlustes. Aus diesem Grund haben wir zwar unsere teilweise Absicherung etwas spät aufgelöst und auf eine Entspannung in den Themen Notenbankpolitik, Konjunktur und Handelskonflikt gewartet. Im Nachhinein scheinen die Märkte diese Entwicklung antizipiert zu haben. Ganz bewusst haben wir dabei mehr Sicherheit gegen kurzfristige Marktchancen getauscht. Wir bevorzugen nach wie vor familien- und eigentümergeführte Firmen mit nachhaltigen Geschäftsmodellen und strukturellen Wettbewerbsvorteilen wie z.B. Patenten. Wir investieren nicht nur in klassische Value-Titel, sondern auch in Firmen deren langfristig sicheres Wachstum noch nicht vollständig eingepreist ist. Und diese sind aktuell an der Börse günstiger zu bekommen als vor einem Jahr oder um in der Value-Sprache zu bleiben: die Sicherheitsmarge ist größer geworden.

Artikel von Das Anlagemagazin der Börsen Zeitung | März 2019

Frank Fischer | CEO & CIO, Shareholder Value Management AG | www.shareholdervalue.de

Frank Fischer ist CEO und Chief Investment Officer der Shareholder Value Management AG. Er managt den Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen.

Herr Fischer, Sie sind bekennender Anhänger des US-Investors Warren Buffett. Warum sind Sie von seiner Investmentphilosophie überzeugt?

Permanentes Lernen, das fasziniert mich an ihm. Buffett hat das Value Investing weiterentwickelt. Angefangen hat es mit der Suche nach Unternehmen mit unterbewerteten Assets, zum Beispiel Grundstücken. Buffett hat gezeigt, dass es viel besser ist, in Firmen mit Preissetzungsmacht und hohen Kapitalrenditen zu investieren, die ich wie ein Miteigentümer verstehe und deren Märkte eine halbe Ewigkeit wachsen. Dafür muss man sich mit den Geschäftsmodellen und den adressierten Märkten beschäftigen.

Wie gehen Sie dabei vor?

Wir verwenden drei Value-Kriterien. Das A und O ist die Sicherheitsmarge. Typischerweise streben wir einen Abschlag von 40 % zum inneren Wert an. Dafür muss man kaufen, wenn es schwerfällt, weil Panik herrscht. Wenn Euphorie da ist, muss man verkaufen. Zweitens achten wir auf die Besitzverhältnisse. Wir lieben familien- oder eigentümergeführte Firmen, weil sie die richtigen Anreize für langfristiges und nachhaltig wirtschaftliches Investieren setzen. Drittes Kriterium ist der strukturelle Wettbewerbsvorteil. Wir sehen das Unternehmen als Burg, drum herum ein möglichst breiter und tiefer Burggraben in Form von Patenten, Lizenzen und Netzwerk- oder Skaleneffekten.

Gibt es weitere Punkte?

Den vierten Schritt nennen wir Mister Market. Diese Figur stammt von Benjamin Graham, dem Urvater des Value Investings. Sie steht für die Launen der Anleger. Wir haben eine Datenbank entwickelt, um die Stimmung zu ermitteln. Damit versuchen wir, die Volatilität zu verringern und permanente Kapitalverluste zu vermeiden. Hier unterscheiden wir uns von Buffett, der sich um den Markt so gut wie gar nicht kümmert.

Wie schätzen Sie die aktuelle Stimmung ein?

Wir befinden uns in einem moderaten Gier-Umfeld. Die Angst, die im vergangenen Herbst herrschte, ist abgearbeitet. Aus der Realwirtschaft kommen viele negative Signale. Die Einkaufsmanagerindizes schmieren ab. Investoren sichern sich stark ab – ein absolutes Warnsignal. Deshalb sind wir sehr vorsichtig. Unsere Aktienquote liegt bei 65 %, also unter dem langfristig angestrebten Durchschnitt von 70 %. Außerdem haben wir einen Hedge eingezogen.

Halten Sie Aktien der Buffett-Holding Berkshire Hathaway?

Immer mal wieder, aktuell aber nicht. Wir warten auf günstigere Kurse.

Was sollten Privatanleger von Buffett lernen?

Antizyklisch und langfristig zu investieren. Das Wichtigste ist, nicht zur Unzeit die Nerven zu verlieren. Wenn du in Panik bist, dich aber nicht traust, antizyklisch zu kaufen, dann verkauf wenigstens nicht, sondern halte die Schwankungen aus.

Das Interview führte Helmut Kipp





Artikel von FONDS exklusiv | 11. März 2019

Frank Fischer | CEO & CIO, Shareholder Value Management AG | www.shareholdervalue.de

Noch ist es in Deutschland nur ein zartes Pflänzchen, doch immer mehr Anleger legen Wert darauf, dass ihre Geldanlage nachhaltigen Kriterien entspricht. Derzeit machen sie zwar nur knapp über drei Prozent des verwalteten Fondsvermögens aus, doch in absoluten Zahlen wird es schon etwas beeindruckender: Mehr als 300 Milliarden Euro werden heute in Deutschland, Österreich und der Schweiz nachhaltig angelegt. Und das Pflänzchen wächst, blüht und gedeiht.

Wir beachten bei den von uns beratenen Fonds-Mandaten wie dem Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen, dem Frankfurter-Value Focus Fund und dem Frankfurter Stiftungsfonds strenge Nachhaltigkeitskriterien. Zum einen trifft dies unsere Überzeugung, denn wir wollen nicht in Unternehmen investieren, die ihr Geld mit Rüstungsgütern, Glücksspiel oder Ähnlichem verdienen. Auf der anderen Seite legen immer mehr Investoren Wert auf die Erwirtschaftung von Renditen im Einklang mit sozialen, ökologischen, kulturellen und anderen nachhaltigkeitsbezogenen Kriterien. Hinzu kommt, dass die EU-Kommission demnächst die Berücksichtigung von SDG-Kriterien (Sustainable Development Goals) bei Investitionen vorschreiben wird. Mit ihrer Initiative wollen die EU-Länder die Umsetzung der UN-Nachhaltigkeitsziele vorantreiben.

UN: 17 Ziele – 169 Teilbereiche

Die von der UN beschlossenen „Sustainable Development Goals“, denen wir uns aus eigener Überzeugung verpflichtet fühlen, umfassen 17 Ziele mit insgesamt 169 Unterzielen. Dazu zählen u.a. die Beseitigung von Hunger und extremer Armut, aber auch eine bessere Bildung für alle und das Erreichen von Klimazielen. Ganz entscheidend dabei ist der Aspekt der Nachhaltigkeit, der den nachfolgenden Generationen gute Lebensverhältnisse in einem gesunden Ökosystem ermöglichen soll. Derzeit gibt es noch keine allgemein verbindlichen Nachhaltigkeitskriterien, aber die UN-Ziele gelten mittlerweile als Richtlinie für Anleger, die sich einer nachhaltigen Geldanlage verschrieben haben.

Aber: Die Überprüfung aller Unternehmen weltweit in Bezug auf die Einhaltung strenger Nachhaltigkeitskriterien ist genauso schwierig wie aufwendig und alleine nicht allein zu leisten. So wuchs im Laufe der Zeit die Notwendigkeit, alle Kriterien und die dahinterstehenden Prozesse zu strukturieren. In Anlehnung an den „Leitfaden für ethisch nachhaltige Geldanlage der Evangelischen Kirche in Deutschland“ haben wir deshalb schon 2013 mit dem Research-Anbieter Sustainalytics einen Katalog von Ausschlusskriterien entwickelt, der mittlerweile für alle Fonds-Mandate verbindlich ist. Damit wurden wir zum einen den Anforderungen von speziellen Zielgruppen der Fonds gerecht, zum anderen spielen diese Kriterien seitdem aber auch im Rahmen unseres Risikomanagements eine wesentliche Rolle.

Verstärkte Investition in Nachhaltigkeitsmärkte

Gleichzeitig zeigen die UN-Nachhaltigkeitsziele aber auch den Unternehmen, wo in Zukunft hoher Bedarf und ein Markt entsteht, in den es sich lohnt zu investieren. Entsprechend forschen sie auf Gebieten, die den UN-Zielen gerecht werden. Als Beispiele aus unseren Portfolien können hier EDP Renewables, TPI Composites und Ryman Healthcare dienen. Die portugiesische EDPR setzt ganz auf alternative Energie mit Schwerpunkt Windkraft. TPI Composites entwickelt Rotorblätter für Windturbinen, und Ryman Healthcare baut und betreibt Alterswohnheime in Neuseeland und Australien. Auf diese Weise investieren wir in Zukunftsthemen, die der Performance der Fonds auf Dauer zu Gute kommen.

[…]

„Fischers Konzept findet bei immer mehr Anlegern Anklang. „Wir verfolgen im Vertrieb schon immer einen sehr langfristigen ­Ansatz. Das zahlt sich jetzt aus“, sagt Philipp Prömm, der im Vorstand von Shareholder ­Value den Vertrieb verantwortet. Als Beispiel nennt er die jährliche Roadshow, mit der sein Unternehmen seit 2013 in zahlreichen Städten Station macht. Seit 2015 nimmt DJE Kapital daran teil, seit 2016 auch Acatis. Es mag ­Zufall sein oder nicht: Auch diese beiden Unternehmen sind im freien Vertrieb derzeit sehr erfolgreich (siehe auch FONDS professionell 1/2018, Seite 202).

Ganz oben auf der aktuellen Topsellerliste landet dagegen zum zweiten Mal in Folge ein Fonds, der vor einigen Jahren noch als Geheimtipp galt, sich inzwischen aber etabliert hat: der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen. Frank Fischer von Shareholder Value Management, der den fast drei Milliarden Euro schweren Fonds verantwortet, setzte ­anfangs vor allem auf Nebenwerte. Mit dem steigenden Volumen ist er nun mehr und mehr gezwungen, bei seiner Suche nach unter­bewerteten Aktien auch größere Titel ins ­Visier zu nehmen – offensichtlich mit Erfolg. Hinzu kommt, dass Fischer ein glückliches Händchen bei der Steuerung der Aktienquote beweist, was seinen Anlegern bislang größere Rücksetzer ersparte.

Fischers Konzept findet bei immer mehr Anlegern Anklang. „Wir verfolgen im Vertrieb schon immer einen sehr langfristigen ­Ansatz. Das zahlt sich jetzt aus“, sagt Philipp Prömm, der im Vorstand von Shareholder ­Value den Vertrieb verantwortet. Als Beispiel nennt er die jährliche Roadshow, mit der sein Unternehmen seit 2013 in zahlreichen Städten Station macht. Seit 2015 nimmt DJE Kapital daran teil, seit 2016 auch Acatis. Es mag ­Zufall sein oder nicht: Auch diese beiden Unternehmen sind im freien Vertrieb derzeit sehr erfolgreich (siehe auch FONDS professionell 1/2018, Seite 202).

„Nicht zu unterschätzen sind auch die digitalen Kanäle“, betont Prömm. „An unserem letzten Webinar mit Frank Fischer haben beispielsweise mehr als 400 Berater teilgenommen.“ Auch Prömm hat sein Team zuletzt verstärkt, damit die Betreuung der Vertriebspartner nicht unter der größeren Nachfrage leidet. Vor einem Jahr kam Endrit Çela als Relationship Manager an Bord, im Juni folgte Micha Siegle als Client Support Manager. „Ein guter Service allein reicht aber natürlich nicht“, sagt Prömm. „Es muss uns auch gelingen, die gute Fondsperformance aufrechtzuerhalten.“ Auch hier hat Shareholder Value viel investiert: „Inzwischen arbeiten bei uns 15 Leute auf der Investmentseite, darunter zwölf Analysten.“

[…]

Autor: FONDS professionell – Bernd Mikosch, Cornelia Fussi

Lesen Sie den vollständigen Beitrag „Gelungenes Comeback“ unter folgendem Link:
https://www.fondsprofessionell.de/drucken/magazin/vertrieb-praxis/artikel/gelungenes-comeback-60163/

 

Schon John Maynard Keynes sagte einst: „Markets can remain irrational longer than you can remain solvent.“ Frei nach diesem Motto gibt es Phasen, wo Value-Aktien besser laufen, und es gibt Phasen, wo Momentum oder Growth sich besser entwickeln. Zuletzt erfreuten sich Unternehmen mit hohen Wachstumsraten einer zunehmenden Beliebtheit. Nicht nur FANG & Co, auch Wirecard oder Cannabis-Aktien eilen von einem Allzeithoch zum nächsten. Der MSCI World Value dagegen durchläuft nun seit mehr als fünf Jahren eine Underperformance, die es so in dieser Länge historisch noch nicht gegeben hat. Bei Betrachtung der KGVs der einzelnen Stilrichtungen fällt auf, dass auch hier die Schere zwischen Value und Growth weiter auseinanderläuft, d.h. günstig wird noch günstiger, während für Wachstum immer mehr gezahlt wird. Das Momentum findet sich bei den Growth-Titeln, die durch Intermarket- und Makrofaktoren wie Inflations- und Zinsniveaus getrieben werden. Anleger suchen Sicherheit und springen irrtümlicherweise auf den Wachstumszug auf in der Hoffnung, dass dieser ewig weiterfährt. Umso anfälliger sind sie dann für die nächste Krise. Ein wenig erinnert das schon an die Techblase Ende der 90er, auch damals wurden die klassischen Bewertungsmodelle außer Kraft gesetzt.

Schwäche in den Nebenwerten vor allem in Europa

Obwohl Value-Titel eher zyklischer Natur sind und historisch höhere Verschuldungsgrade aufweisen, nicht zuletzt in der Telekommunikation und bei den Banken, so weisen viele doch so niedrige Bewertungskennzahlen auf, dass die nächste Krise schon eingepreist sein sollte. Eine solche Phase der Übertreibung zeigt sich oft in der Endphase einer Hausse, und die aktuelle dauert bereits schon 10 Jahre an. In solchen Phasen tendieren Value-Strategien temporär zur Underperformance, auch wenn uns das alles andere als glücklich macht. So konnten im September die internationalen Aktienmärkte entgegen aller saisonaler Bedenken mit einem Zugewinn von knapp einem Prozent im MSCI World (in Euro) überzeugen. Allerdings setzte sich die Schwäche in den Nebenwerten insbesondere in Europa fort. Dabei waren vor allem Value-Aktien stärker betroffen. So weist der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen insgesamt einen Rückgang im Monatsverlauf von 3% auf. Zum Monatsende betrug die Nettoaktienquote 70%. Nach deutlichen Kursrückgängen wurden die chinesischen Titel Alibaba, JD.com und Tencent gekauft. Hinzugekauft wurden außerdem Plus500 und Kapsch. Gruppo Mutuionline lieferte den höchsten Wertbeitrag, währenddessen Plus500, Software AG, Daqo New Energy, Solaredge, und Telecom Italia, die Fondspreisentwicklung am stärksten belasteten.

Der Frankfurter Stiftungsfonds weist insgesamt einen Rückgang im Monatsverlauf von gut 1% auf. Säule 1 entwickelte sich im September aufgrund der Underperformance der Value-Nebenwerte schwach, währenddessen Säule 3 von der Long-Position in Japan und dem relative Value Trade zwischen Russell 2000 und S&P 500 profitierte. Zudem verblieb zum Monatsende eine Longposition im MSCI Emerging Markets. Ferner lag die Nettoaktienquote für den Gesamtfonds Ende September bei gut 15%.

Metro mit spannenden Optionen

Unter unseren Positionen befindet sich weiterhin der Großhandelskonzern Metro AG (WKN: BFB001), der sich jüngst durch eine Reihe von positiven Nachrichten erfreulich entwickelte. Das von signifikantem Immobilienvermögen geprägte Unternehmen sendete zunächst mit der Q3 Berichterstattung im August erste positive Signale der Ergebnisverbesserung, insbesondere in Bezug auf die Herausforderung im Russlandgeschäft. Dies haben wir im Hinblick auf die Position in unserem Portfolio begrüßt. Ebenso zeigt sich in der Berichterstattung, dass die Ertragshomogenität der Standorte je Land zunimmt und damit der Erfolg auf breiteren Schultern steht.

Durch den Rückzug von Haniel im Aktionariat der Metro AG und dem so ermöglichten Einstieg eines tschechischen Finanzinvestors, wurde der Kurs erneut befeuert. Wenngleich die Intention des neuen Investors nicht eindeutig erkennbar bleibt, so ist doch in der Öffentlichkeit und laut Medien die Hoffnung damit verbunden, einen neuen konstruktiven Eigentümer bei der Metro vorzufinden. Ebenso könne nicht ausgeschlossen werden, dass der neue Aktionär sogar das Überschreiten der magischen Schwelle von 30% im Visier haben könnte, was sodann ein Pflichtangebot auslösen würde. Dass der Finanzinvestor sich jüngst auch mit der Ceconomy über eine einschlägige Optionsstruktur geeinigt hat, unterstreiche das Interesse des neuen Finanzinvestors.

In der Öffentlichkeit wurde zudem die Mitteilung der Metro AG das REAL Geschäft zu verkaufen positiv aufgenommen. Dies kann für die Metro AG ein wichtiger Schritt zu einem „Pure Play“ mit dem Fokus auf die attraktive HoReCa – Kundengruppe (Gastronomie, Hotellerie und Catering). Im konkreten Kontext der von uns betreuten Portfolien halten wir die Metro AG für einen spannenden Investment Case, der mit dem neuen Großaktionär an Dynamik gewinnt.

Alles in allem gehen wir zuversichtlich in das vierte Quartal, auch wenn sich erste Wolken am Horizont zeigen. Ob eine Baisse in einem oder erst in zwei Jahren kommt, lässt sich so kurzfristig nicht sagen. Wir jedenfalls schauen weiterhin auf attraktive Bewertungen, bevorzugen eigentümergeführte Unternehmen und achten auf strukturelle Wettbewerbsvorteile. Das sind die Faktoren, die nachhaltig immer zu positiver Performance geführt haben.

Börse: In den meisten Value-Titeln ist die nächste Krise schon eingepreist | wallstreet-online.de – Vollständiger Artikel unter:
https://www.wallstreet-online.de/nachricht/10907730-boerse-value-titeln-krise-eingepreist