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Shareholder Value Management AG | 02. Januar 2020 | www.shareholdervalue.de

Rückblick 2019

Das Jahr 2019 bot von der Börsenentwicklung her einige Überraschungen und sorgte für ein Wechselbad der Gefühle. Wie kaum ein anderer Faktor prägte der Handelsstreit zwischen den USA und China das Geschehen an den Börsen. Aus Investorensicht war der Konflikt lange Zeit das „biggest tail risk“ und belastete die sich eintrübende Weltkonjunktur zusätzlich. Der Welthandel brach zwischenzeitlich so stark ein wie in den vergangenen Rezessionen nach dem 11. September 2001 und nach der Finanzkrise 2007/2008. Dabei bleibt das konjunkturelle Bild weltweit uneinheitlich.

Während sich die USA beim Verbrauchervertrauen und den Beschäftigungszahlen noch vergleichsweise stabil halten konnten, wird das Wachstum in Europa durch die Schwäche der Industrie belastet. In Deutschland wirkt der Transformationsprozess der Automobilindustrie erschwerend. Demgegenüber stand eine akkommodierende Politik der Notenbanken, die für eine anhaltende Liquiditätsflut sorgte. Der Mangel an attraktiven Anlagealternativen stützte die Aktienmärkte. In Folge dessen kam es nach dem schwachen Jahresende 2018 in den ersten vier Monaten des neuen Jahres zu einer deutlichen Erholung an den Kapitalmärkten. Politische Störfeuer, wie der ungeklärte Brexit oder eben der Handelsstreit, waren zwar weiter vorhanden, gerieten zwischenzeitlich aber etwas in den Hintergrund. Trotzdem blieb die Nervosität und entlud sich im Mai und im August in deutlichen Korrekturen an den Börsen; diese erholten sich allerdings in den Folgemonaten im Zuge der immer wieder aufkeimenden Entspannung wieder. Letztendlich konnten wichtige Indizes wie der S&P500, der Dax und der EuroStoxx 50 das Jahr auf Jahreshoch oder sogar auf neuen Höchstständen abschließen.

Die Positionierung des Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen spiegelte die Schwankungen und Unsicherheiten Im Jahresverlauf wider. Im ersten Quartal 2019 war der Fonds mit einer Nettoaktienquote von bis zu 56 Prozent eher defensiv aufgestellt, zu unberechenbar erschien uns vor allem die wirtschaftspolitische Situation. Die konstruktive Berichtsaison sowie eine Stabilisierung der Konjunktur führten ab dem zweiten Quartal zu einer Erhöhung der Bruttoaktienquote, die wir im Jahresverlauf, vor allem nach den Rückschlägen im Mai und August, immer wieder abgesichert haben. Aufgrund der anhaltenden Unterstützung der Notenbanken, einem sich abzeichnenden Kompromiss im Handelskonflikt sowie der sich aufhellenden Konjunktur im Euroraum lag die ungesicherte Bruttoaktienquote im letzten Quartal bei über 80% Prozent – der historische Durchschnitt beträgt ca. 70 Prozent seit Auflage. Der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen beendete das Jahr 2019 mit einer positiven Performance von 7,83 Prozent und lag damit leicht unter seiner durchschnittlichen Rendite von 8,58 Prozent p.a. seit Auflage vor der Finanzkrise 2008.





Artikel von Frank Fischer, CEO Shareholder Value Management AG | 13. Dezember 2019 | www.shareholdervalue.de

Gute Chancen für eine Fortführung der Rally

Für Vermögensverwalter ist es nichts Besonderes sich mit der Zukunft zu beschäftigen. Schließlich versucht die Börse immer schon die Entwicklung der kommenden Monate vorwegzunehmen. Und hier muss man immer auf der Hut sein, egal zu welcher Zeit. Aber, wenn ein Jahr zu Ende geht und die Tage länger werden, beginnt immer wieder das schöne Spiel „Wie geht es mit den Börsen im kommenden Jahr weiter?“ Wo steht der DAX in 12 Monaten? Wo der Dow Jones? Der S&P 500? Die ehrliche Antwort: Keine Ahnung! Niemand hat eine Glaskugel.

Auf der anderen Seite ist ein Blick nach vorne natürlich immer auch wichtig für unsere Mandate wie den Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen, den Frankfurter Stiftungsfonds, den Frankfurter Value Focus Fund, sowie den PRIMA – Globale Werte. In diesem Zusammenhang gibt ein paar spannende Überlegungen, die man fürs kommende Jahr anstellen kann. Wie wird das „Jahr 1“ nach dem Brexit? Wie geht es weiter im Handelsstreit zwischen den USA und dem Rest der Welt, vor allem natürlich zwischen Washington und Peking? Wird sich die Konjunktur in diesem Zusammenhang weiter verdüstern, oder können sich die ersten Hoffnungsschimmer am Horizont verfestigen?

Eines ist klar: Das Jahr 2020 hat hohes Überraschungspotential! Wie ja schon das abgelaufene. Wer hätte gedacht, dass sich DAX, Dow Jones & Co. in diesem Jahr so überaus gut entwickeln würde? Wohl kaum jemand angesichts von Handelsstreit, Brexit, den diversen geopolitischen Spannungen und der sich eintrübenden Konjunktur.

Trump muss im Wahljahr einen Deal mit Peking präsentieren

Angesichts der Ausgangslage ist davon auszugehen, dass wir auch 2020 wieder viel Überraschendes erleben werden. Doch rational betrachtet, spricht einiges dafür, dass sich die Aktienrally auch 2020 fortsetzen wird. Da sind zum einen die konjunkturellen Aussichten. Derzeit schwächelt die globale Wirtschaft, aber die Konjunkturerwartungen drehen schon wieder nach oben. Dann der Handelskrieg. US-Präsident Donald Trump muss im kommenden Jahr einen Deal präsentieren. Schließlich will er am 3. November wiedergewählt werden. Doch ohne eine florierende Wirtschaft wird ihm das nicht gelingen. Auch wenn Trump selten logisch denkt und handelt, so ist auch ihm klar, dass er einen Deal mit Peking präsentieren muss – ob einen richtigen Deal, oder einen Fake-Deal sei mal dahingestellt. Doch wie auch immer dieser aussehen wird, er wird ausreichen, damit an den Börsen wieder ein Risk-on-Spirit in den Vordergrund tritt. Das heißt, die Risikowahrnehmung der Marktteilnehmer nimmt ab und es wird wieder verstärkt in Aktien investiert.

Lockere Geldpolitik unterstützt weiterhin den Aufschwung

Außerdem leben wir in einem liquiditätsgetriebenen Umfeld. Die FED, die im kommenden Jahr die Zinsen unverändert lassen will, und die EZB versorgen die Märkte mit Liquidität. Und Japan hat gerade ein Ausgabenpaket in Höhe von umgerechnet gut 100 Milliarden Euro bis 2023 verabschiedet. Ob Europa, die USA, Japan oder auch China: Liquidität ist genügend vorhanden. Und wenn sich dann die Perspektiven hier und da wieder aufhellen, steht einem weiteren Aufschwung an den Börsen nichts mehr im Wege. Hinzu kommt: Trump hat gesagt,  er wolle sich an der Entwicklung an der Wallstreet messen lassen. Deshalb stehen auch unter diesem Aspekt die Chancen für eine Fortführung der Aktienmarktrally sehr gut.

Wiederentdeckung der Nebenwerte und der  Value-Aktien

Wir erwarten zwar eine Pause des Aufschwungs im ersten Quartal des kommenden Jahres, aber danach sollte es weiter bergauf gehen. Und dann kann der DAX durchaus auf 16.000 Punkte klettern, der Eurostoxx 50 deutlich über 4.000, vielleicht sogar bis 4.500 Punkte. Doch es geht nicht nur um die Blue Chips. Wir sehen beim Stoxx 600 seit Jahren einen Deckel, den man fast schon als Sargdeckel bezeichnen kann. Sollte sich die Entwicklung an den Märkten aber wie erwartet fortsetzen, dann kann dieser Deckel regelrecht weggeblasen werden. Eine Wiederentdeckung der Nebenwerte wäre die Folge, die mit ihren hohen Dividendenrenditen locken, und das in einem Umfeld von immer noch sehr niedriger Zinsen. Hinzu kommt: Viele Konzerne weltweit haben umfangreiche Aktienrückkaufprogramm aufgelegt, die den Anlegern zu Gute kommen und den Markt stützen.

Und dies käme dann wieder unseren Aktienfonds wie dem Frankfurter Value Focus Fund und dem PRIMA – Globale Werte zu Gute. Aber auch dem Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen, wobei man bedenken muss, dass all diese Fonds grundsätzlich weltweit investieren können und nicht auf den europäischen Markt beschränkt sind. Außerdem kommt positiv hinzu, dass sich Value-Aktien, die gegenüber Growth-Papieren lange Zeit vom Markt vernachlässigt wurden, langsam wieder in den Fokus der Investoren geraten. Das würde den Fonds einen weiteren Schub nach vorne geben.   

Aber – wie immer im Leben – werden wir auch im kommenden Jahr Überraschungen erleben, an die heute noch niemand zu denken vermag. Wir werden Korrekturen an den Märkten erleben und mit unvorhergesehenen Situationen, den sogenannten „Schwarzen Schwänen“, klarkommen müssen. Hoffen wir, dass es davon nicht so viele gibt.

 





Artikel von wallstreet-online | 28. Oktober 2019

Frank Fischer | CEO & CIO, Shareholder Value Management AG | www.shareholdervalue.de

An den Märkten scheint vorübergehend wieder etwas Ruhe eingekehrt zu sein. Wie zu hören ist, gibt es in den Gesprächen zwischen Washington uns Peking „signifikante Fortschritte“, der Brexit ist zwar noch nicht erledigt, aber die Hoffnung, dass es noch zu einer wie auch immer gearteten Einigung kommt, lebt weiter. Von Seiten der Konjunktur ist zwar keine Besserung in Sicht, aber, so die Hoffnung, das scheint mittlerweile eingepreist. Das ist zwar gefährlich, doch die Marktteilnehmer konzentrieren sich derzeit vor allem auf die Zahlen zum dritten Quartal. Die sind zwar im Schnitt nicht berauschend, aber auch nicht so schlimm, wie von einigen befürchtet. Der DAX notiert in der Nähe seines Jahreshochs und an der Wallstreet herrscht noch etwas Uneinigkeit ob der laufenden Berichtssaison. Aber insgesamt ist die Börsenstimmung nicht schlecht.

Qualität entscheidet

Also Zeit, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Und das sind die Zahlen der Unternehmen. Wir als Value-Investoren schauen da besonders genau hin. Gibt es Unternehmen, die trotz einer vorübergehenden Schwäche vom Markt zu hart abgestraft wurden? Sind einzelne Aktien auf Grund unserer Analyse unterbewertet? Doch eine Unterbewertung allein ist noch kein Kaufargument. Die Unternehmen müssen auch eine gewisse Qualität aufweisen, bevor sie in das Portfolio des ‚Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen‘ aufgenommen werden. Im Idealfall sind es Qualitätsaktien zu einem günstigen Preis.

Aber: Was zeichnet eine Qualitätsaktie aus? Für uns gibt da klare Parameter. Die Unternehmen müssen nachhaltig schneller als das GDP wachsen, ihr Geschäftsmodell muss eine hohe Markteintrittsbarriere aufweisen, den sogenannten „Economic Moat“. Und schließlich legen wir Wert darauf, dass die Unternehmen einen „Business Owner“ haben, also einen starken Ankeraktionär, wie etwa eine Familie oder einen Hauptaktionär mit einer wertsteigernden Kapitalallokation. Wesentliche Merkmale sind hier hohe Kapitalrenditen („capital-light“), konsistent hohes Wachstum und ein Multiple oberhalb des Marktes. Wenn wir diese Aktien dann auch noch zu einem günstigen Preis bekommen, in unserem Sinne mit einer Sicherheitsmarge, dann haben wir einen starken BMW zum Preis eines Opels im Portfolio. Beispiele für diese Art von Unternehmen sind etwa der Pharmakonzern Novo Nordisk, das britische Spezialchemieunternehmen Croda, oder auch der neuseeländische Seniorenheim- und Klinikbetreiber Ryman Heathcare.

Eine diversifizierte Value-Strategie und der Faktor Zeit versprechen langfristig hohe Erträge

Und dann sollte man den Zeitfaktor nicht vergessen. Echte Qualitätsaktien rentieren sich vor allem langfristig, frei nach dem Motto „The time is the friend of good business”. Denn die Aktionärsrendite kommt zum größten Teil aus der fundamentalen Wertgenerierung durch Gewinn- und Cashflow-Wachstum, sowie durch Dividenden und Aktienrückkäufe und weniger über die Bewertung.

Auf der anderen Seite sollten aber auch die „klassischen“ Value-Aktien wie etwa eine Sunrise, Hornbach, Metro oder Freenet nicht vergessen werden. Diese Strategie erfordert aber einen höheren Portfolioumschlag und eine größere Diversifikation. Value-Aktien sollte man nämlich verkaufen, wenn sie ihren fairen Wert erreicht haben. Der größte Teil der Aktienrendite wird bei solchen Aktien dann durch Bewertungseffekte, sowie durch Dividenden und Aktienrückkäufe generiert.

Sowohl Investments in Qualitätsaktien als auch in „klassische“ Value-Titel sind für uns Value-Investing. Dies gilt allerdings nur, wenn die Aktien mit einer ausreichenden Sicherheitsmarge gekauft werden und eine Aktionärsrendite versprechen, die deutlich über der Marktrendite liegt. Im aktuellen Marktumfeld, bei dem man auf dem derzeitigen Niveau durchaus Rückschläge einkalkulieren muss, sind dies entscheidende Faktoren.

Börse: Trump und das gebremste Risiko | wallstreet-online.de – Vollständiger Artikel unter:
https://www.wallstreet-online.de/nachricht/11848364-boerse-bmw-preis-opels

Artikel von wallstreet-online | 14. Oktober 2019

Frank Fischer | CEO & CIO, Shareholder Value Management AG | www.shareholdervalue.de

Da war er wieder: Kaum hatte sich US-Präsident Donald Trump positiv über den Verlauf der neuen Verhandlungen im Handelsstreit zwischen den USA und China geäußert, schossen die Kurse an den Börsen weltweit in die Höhe. Die Gespräche seien „wirklich gut“, sagte Trump. Und ein erstes, kleines Teilabkommen konnte auch vereinbart werden. Allein diese kleine Annäherung im Zollstreit geben Dow Jones, S&P 500, DAX & Co. neuen Auftrieb. Stellt sich nur die Frage: Ist das Ganze auch verlässlich? Die letzten Wochen und Monate haben gezeigt: Nein!

Hoffen und Bangen gehören mit zur Börse. Aber ein vernünftiges Risikomanagement kann nicht auf täglich neuen Tweets basieren. Was passiert, wenn sich Trump mal wieder über irgendetwas ärgert, oder es nicht genau so läuft, wie er sich das verstellt. Dann folgt der nächste Wutausbruch – und alle Kursgewinne sind wieder dahin. Natürlich darf man die Stimmung an den Märkten nicht außer Acht lassen. Dafür ist „Mr. Market“ zu wichtig. Sich aber allein auf den Wankelmut des Marktes zu verlassen, ist auch nicht die Lösung.

Risikomanagement in unruhigen Börsenphasen

Zumindest für uns nicht. Klar gibt es Momentum-Strategien, die funktionieren. Gleiches gilt für einige Trendfolgemodelle. Wir setzen aber auf die fundamentale Analyse der einzelnen Werte im Portfolio unseres Mandats, dem ‚Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen‘. Und hier halten wir weiterhin an den Prinzipien des Value Investing fest: Wir achten auf die Unterbewertung der einzelnen Titel, die sogenannte Sicherheitsmage, dass also das Risiko für einzelne Aktien nach unten hin begrenzt ist. Dann darauf, dass die Geschäftsmodelle der Unternehmen einen ‚Burggraben‘ gewährleisten, also einen strategischen Wettbewerbsvorteil haben. Schließlich auf einen disziplinierten Investmentprozess und dass unsere strengen Nachhaltigkeitsprinzipien eingehalten werden. Natürlich auch auf „Mr. Market“, denn es ist und war schon immer töricht, sich komplett gegen den Markt zu stellen, auch wenn wir lieber antizyklisch investieren. Hinzu kommt eine aktive Absicherungs- und Derivatestrategie, schließlich wollen wir die Einlagen unserer Kunden mehren und sie langfristig vor einem Vermögensverlust schützen.

Aktien, die stürmischen Zeiten standhalten

Dass Value-Aktien in letzter Zeit nicht gut gelaufen sind ist bedauerlich, aus unserer Sicht aber eine temporäre Angelegenheit, die (hoffentlich) bald wieder überwunden ist. Dieser Ansicht ist übrigens auch das ‚Wall Street Journal‘, das vor Kurzem titelte: „Die Jagd auf billige Aktien liegt wieder im Trend“. Wir würden sagen, in unterbewertete Aktien. Und dafür gibt es gute Gründe. Lange Zeit waren Wachstumstitel die Lieblinge der Anleger. Doch in Zeiten wachsender Unsicherheit, einer konjunkturellen Abschwächung rund um den Globus, dazu die schon angesprochenen Handelsbeschränkungen – all das treibt die Volatilität. In solchen Zeiten werden wieder unterbewertete Substanzwerte gesucht, die stürmischen Zeiten zumeist besser standhalten, als reine Wachstumswerte. Wenn solche Substanzwerte dann auch noch eigentümergeführt sind, bzw. das Management stark am Unternehmen beteiligt ist, dann sind das aus unserer Sicht die besten Voraussetzungen. Denn dann werden die Unternehmen nicht nur von Quartal zu Quartal gemanagt, sondern mit einer langfristigen Perspektive. Das minimiert das Risiko eines permanenten Vermögensverlustes. Deshalb halten wir auch an Unternehmen wie Novo Nordisk, Berkshire Hathaway oder Rayman Healthcare fest. Alles Werte, die eine solide Performance liefern. Dass für die Anlagephilosophie des Value Investing manchmal etwas Geduld nötig ist, muss man als Anleger leider in Kauf nehmen.

Börse: Trump und das gebremste Risiko | wallstreet-online.de – Vollständiger Artikel unter:
https://www.wallstreet-online.de/nachricht/11811010-boerse-trump-gebremste-risiko





Artikel von wallstreet-online | 3. September 2019

Frank Fischer | CEO & CIO, Shareholder Value Management AG | www.shareholdervalue.de

Börsenweisheiten haben sich schon oft als richtig erwiesen, schließlich beruhen die meisten auf statistischen Erfahrungen. Ob es in diesem Jahr aber richtig ist, dem Spruch „Sell in May and go away, but remember to come back in September“ zu folgen, muss sich erst noch erweisen. Denn die Zeichen stehen für die globalen Aktienmärkte nicht gerade gut. Und ganz abgesehen davon ist gerade der September speziell für den DAX der – laut Statistik – schlechteste Monat des Jahres. Seit 1959 hat der Index in diesem Monat im Schnitt immer knapp zwei Prozent an Wert eingebüßt. Abergläubische Anleger bleiben also in Deckung.

Neue Strafzölle dämpfen die Stimmung

Es gibt aber auch genügend Grund zur Vorsicht. Gleich mit dem ersten Tag haben sich die USA und China gegenseitig mit weiteren Strafzöllen belegt. Und die nächste Eskalationsstufe ist für Dezember schon geplant. Auch wenn US-Präsident Donald Trump nicht einsehen mag: China ist nicht Mexiko, welches man mit einem Handelskrieg schnell in die Knie zwingen kann. Peking ist ein ganz anderes Kaliber. Und da auch Trump langsam merkt, dass die eigene Wirtschaft unter dem Konflikt leidet, hat er schnell schon einen Sündenbock auserkoren, der im Zweifelsfall für die Folgen seiner Politik verantwortlich ist: die amerikanische Notenbank FED, die er zu weiteren Zinssenkungen zwingen will. Ob das gelingt?

Belastung durch Boris Johnson und die AfD

Es gibt aber noch andere Faktoren, die auf den Märkten liegen. So steht der Brexit vor der Tür. Doch wie das Schauspiel ausgeht, ist weiterhin fraglich. Premierminister Boris Johnson will zwar das britische Parlament „aussperren“, um seinen No-Deal nicht zu gefährden. Doch der Widerstand – selbst in seiner eigenen Partei – wächst. Vielleicht wird am 14. Oktober ja nochmals gewählt. Auch hier bleibt das Ende offen. Und in Deutschland? Bei den jüngsten Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg konnten die etablierten Parteien gerade noch abwenden, dass die AfD in einem der beiden Parlamente zur stärksten Fraktion wurde. Der Warnschuss für die Berliner Koalition war laut und deutlich. Ob und ggf. wie man an der Spree darauf reagiert ist fraglich. Bleibt die Konjunktur. In Deutschland droht eine technische Rezession. Es wäre die erste seit 2013. Im produzierenden Gewerbe ist die Rezession bereits da. Der Branchenverband VDMA berichtet seit sieben Monaten sinkende Auftragseingänge, die Industrieproduktion war seit November jeden Monat rückläufig. Die Wirtschaft schrumpf also und die Exporte gehen zurück. Das Ende des zehnjährigen Booms ist damit eingeläutet. Auch international sieht es nicht besser aus. Der Handelskrieg hinterlässt überall seine Spuren.

Die Hoffnung liegt wieder mal auf der EZB

Bleibt mal wieder nur die Hoffnung auf eine weitere, geldpolitische Lockerung durch die EZB. Auf die konnten sich die Anleger in der Vergangenheit immer verlassen. Auch jetzt scheint es wieder so, dass die Zinsen noch weiter sinken werden und das nächste Ankaufprogramm der EZB nur noch auf seinen Startschuss wartet. Auch wenn die Kritik an der EZB lauter wird, scheinen die Zentral-Banker ihren einmal eingeschlagenen Kurs nicht ändern zu wollen. Das wiederum erfreut die Anleger in DAX, MDAX & Co.

Defensive Ausrichtung unserer Mandate

Uns ist das ganze Szenario weiterhin nicht geheuer. Angesichts der anhaltenden Unsicherheiten sind wir weiter leicht defensiv positioniert und haben im Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen derzeit eine Absicherung von ca. 25 Prozent, wobei auch die Aktienquote insgesamt zurückhaltend ausgerichtet ist. Denn man sollte nicht vergessen: Nach dem September folgt der eigentlich als Crashmonat verschriene Oktober! Doch statistisch gesehen, ist das ein Fehlurteil, denn der DAX verbuchte im Schnitt der letzten Jahre ein Plus von o,4 Prozent. Und für den Dow Jones sind es immerhin noch 0,2 Prozent. Auch Börsenweisheiten haben so ihre Tücken.

Börse: Verkehrte Welt? Weisheiten auf dem Prüfstand | wallstreet-online.de – Vollständiger Artikel unter:

Interview mit Fundplat | 13. August 2019

Frank Fischer | CEO & CIO, Shareholder Value Management AG | www.shareholdervalue.de

Herr Fischer, in den vergangenen Tagen konnte man in den Zeitungen lesen, dass die Value-Ikone Warren Buffett Schwierigkeiten habe, im derzeitigen Umfeld attraktive Investment­gelegen­heiten zu finden. Auch Sie sind überzeugter Value-Investor. Stehen Sie vor ähnlichen Schwierigkeiten?
Man muss das präzisieren. Es ist nicht so, dass es schwierig ist, attrak­tive Unter­nehmen zu finden. Ich würde sagen, eher im Gegen­teil. Die Unter­nehmen sind da, wir haben einige inte­ressante Namen auf unserer Watch­list. Was uns aber zurück­haltend agieren lässt, ist der Preis. Der Mangel an Alter­nativen hat die Bewer­tungen vieler Aktien nach oben getrieben. Da liegt die Heraus­forderung, auch bei Warren Buffett. Ich sehe das allerdings weniger als Problem, denn Geduld und das Warten auf den richtigen Moment gehören beim lang­fristigen Inves­tieren dazu.

Als Value-Investor investieren Sie mit einer Sicherheits­marge, einem möglichst hohen Abstand zum inneren Wert einer Aktie. Die hohen Bewertungen drücken also auf diese Marge?
Die Sicherheitsmarge ist neben dem wirtschaft­lichen Burg­graben, dem «economic moat», über den unsere Unter­nehmen verfügen sollten und der Führung durch den Eigen­tümer eines der drei Kern­elemente unserer Value-Philo­sophie. Die klassische Value-Aktie nach den Kriterien von Benjamin Graham hat vielleicht nur einen kleinen Burg­graben, aber sie ist vor allem günstig und bietet eine hohe Sicher­heits­marge. Graham selber hat die Sicher­heits­marge bei rund 33 Prozent ange­setzt, sie dient als Puffer gegen Kurs­rück­schläge. Aktien, die aktuell eine Sicher­heits­marge bieten, sind beispiels­weise eine Freenet AG mit einer wunder­baren Divi­denden­rendite, oder eine Metro, bei der sich die Bilanz durch die Verkäufe von Immo­bilien und anderen Werten verbessern lässt. Wenn in vergleich­baren Fällen auch unsere übrigen Kriterien erfüllt sind, ist die Wahrschein­lich­keit, dass wir in diese Titel inves­tieren, hoch.

Daneben gibt es Unter­nehmen, bei denen die gute Qualität eine niedrige Sicher­heits­marge recht­fertigt. Wir nennen das «growth at a reasonable value». Unter­nehmen wie Ryman Health­care, Alibaba oder Alphabet zeichnen sich durch ein erhöhtes Umsatz­wachstum und eine starke Preis­setzungs­macht aus, haben aber auch ein höheres Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Auch hier müssen dann die weiteren Kriterien erfüllt werden, es hängt also immer vom einzelnen Unter­nehmen in seiner Gesamt­heit ab.

Das hohe Kursniveau dürfte nicht anhalten, wir haben in den vergangenen Tagen erste Erschütterungen gesehen. Das sollte doch Chancen schaffen?
Die Frage ist wann. Das konjunkturelle Umfeld trübt sich in Folge des Handels­konflikts zwischen den USA und China stark ein. Der Welt­handel ist so stark einge­brochen wie zuletzt in den Rezessions­phasen Anfang der 2000er Jahre und nach der Finanz­krise. Die Einkaufs­manager­indizes des verarbei­tenden Gewerbes haben den Rück­wärts­gang eingelegt. Das zweite Quartal 2019 hat uns die schwächste Berichts­saison seit langem beschert. Das sind alles Faktoren, die für eine Korrektur am Aktien­markt sprechen.

Auf der anderen Seite haben wir aber die Noten­banken. Die Fed senkt möglicher­weise die Zinsen weiter, die EZB begibt neue TLTROs, senkt wahr­scheinlich den Einlagen­satz abermals und nimmt womöglich auch die Käufe von Anleihen wieder auf. In Deutschland wird über die Ausweitung von Negativ­zinsen der Geschäfts­banken diskutiert. Das macht Aktien aus Inves­toren­sicht grund­sätzlich attrak­tiver. Nicht zuletzt sollte US-Präsident Trump, der in den vergan­genen Monaten einer der grössten Unsicher­heits­faktoren für die Börsen war, mit Blick auf seine Wieder­wahl eigentlich ein grosses Interesse daran haben, das der Handels­konflikt nicht weiter eskaliert. Auch das wäre für die Aktien­märkte eine Unter­stützung. Die Frage ist jetzt, welches Szenario sich durch­setzt. Bis das Bild klarer wird, ist unserer Ansicht nach Vorsicht geboten.

Wie positionieren Sie sich in diesem Umfeld?
Bei uns kommt noch der eine oder andere Sonderfaktor hinzu. Unsere DNA liegt von Haus aus bei deutschen und euro­päischen Value-Neben­werten. Dieses Segment hat seit Mitte vergan­genen Jahres deutlich schwächer performed als etwa Standard- oder gar Growth-Werte aus den USA. Wir haben deshalb in den vergan­genen Monaten unseren Blick­winkel verbreitert und zum einen ausge­wählte Large Caps hinzu­gefügt, gleich­zeitig den geogra­phischen Horizont auf Länder wie die USA, Kanada oder Neu­seeland ausge­weitet. Ryman Health­care ist dafür ein Beispiel. Das Unter­nehmen betreibt Senioren-Resi­denzen und Alten­pflege­heime in Neu­seeland und nun auch in Australien. Rymann Health­care hat eine einzig­artige Kultur und geniesst in der Branche einen hervor­ragenden Ruf. Entsprechend lang sind die Warte­listen. Die Gewinne wachsen mit 15 Prozent pro Jahr. Wenn dann eine hinrei­chende Sicher­heits­marge gegeben ist, sind das typische Unter­nehmen, die wir suchen.

Aktuell sind wir allerdings eher zurück­haltend posi­tioniert, da wir aus unseren Indi­katoren heraus entspre­chende Warn­signale bekommen haben. Die hohe Cash-Quote resultiert unter anderem daraus, dass wir im Lauf der vergan­genen Monate Posi­tionen aufgelöst haben, die ihre Ziel­kurse erreicht hatten. Jetzt dient sie uns als Puffer gegen Rück­schläge, gleich­zeitig wollen wir natürlich auch unser Pulver trocken halten. Denn wie eingangs gesagt, haben wir einige inte­ressante Unter­nehmen im Fokus. Wenn deren Kurse wieder auf ein attrak­tives Niveau zurück­gehen, kaufen wir.

Artikel von wallstreet-online | 19. August 2019

Frank Fischer | CEO & CIO, Shareholder Value Management AG | www.shareholdervalue.de

Die aktuelle Börsensituation zehrt an den Nerven. Klar ist derweil: Die Konjunkturschwäche hält an, Deutschland steuert auf eine Rezession zu und ein Ende der Talfahrt ist noch nicht in Sicht. Das muss aber nicht ewig so weitergehen. Darüber waren sich die Referenten beim diesjährigen „Frankfurter Diskurs“, den wir als Shareholder Value Management AG zusammen mit DJE Investment und ODDO BHF jetzt schon zum 5. Mal veranstaltet haben (www.frankfurter-diskurs.de) einig. Aktuell spricht allerdings noch Vieles für weiter fallende Kurse. Der Handelskrieg zwischen den USA und China hält die Märkte in Atem. Gibt es ein leichtes Zeichen der Entspannung, steigen die Kurse in rasendem Tempo nach oben. Zeigt die Nachrichtenlage in die andere Richtung, verliert der Dow Jones, wie jüngst geschehen, auch schon mal 800 Punkte in kürzester Zeit. Die Nervosität steigt von Tag zu Tag.

Konjunkturelle Schwäche ist eklatant

Die größte Sorge gilt der Konjunktur. Die legt zwar noch keine Vollbremsung hin, die Schwäche ist mittlerweile aber eklatant. Und der Pessimismus unter den Anlegern nimmt auch weiter zu, so dass der Trend eindeutig weiter nach unten zeigt. Doch: das muss nicht so bleiben. Vor allem US-amerikanische Aktien haben nach dem Kursrutsch der letzten Tage weiterhin Potential. Wie die Deutsche Bank errechnet hat, gibt vor allem die langfristige Entwicklung der Unternehmensgewinne pro Aktie Anlass zu Optimismus. Im S&P 500 sind diese seit Anfang 2018 um knapp 23 Prozent gestiegen. Das Kursniveau ist jedoch seitdem nicht von der Stelle gekommen: Damals stand der S&P 500 bei knapp über 2.800 Indexpunkten, heute liegt das Niveau nur unwesentlich höher. Auch die abgelaufene US-Berichtssaison ist mit Gewinnsteigerungen von knapp vier Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal besser ausgefallen als viele Marktteilnehmer befürchtet hatten. Klar, dass der Handelsstreit bei vielen Unternehmen seine Spuren hinterlassen hat, doch es besteht die Hoffnung, dass eine US-Rezession im kommenden Jahr abgewendet werden kann. Das wäre dann ein solides Fundament für weitere Kursgewinne.

Europas Sorgenberg ist groß

Ganz anders sieht es in Europa aus. Diesem Thema hatten wir uns beim „Frankfurter Diskurs“ besonders gewidmet. Hier sind es vor allem die politischen Brennpunkte wie der Brexit oder die Lage in Italien und die zunehmenden Gewinn- und Umsatzwarnungen der Unternehmen, die vor allem internationale Investoren davon abhalten, sich auf dem Alten Kontinent zu engagieren. Dabei sind gerade europäische Aktien derzeit so günstig bewertet wie schon lange nicht mehr. Doch die Gewinnerwartungen sind – anders als in den USA – weiterhin negativ. Aber gerade, wenn die Erwartungen und die Stimmung auf dem Tiefpunkt sind, reichen oft schon kleine positive Überraschungen, um das Blatt zu wenden. Wir glauben zwar, dass dies noch einige Zeit dauern wird, doch Ende des Jahres könnte es soweit sein.

Mittelfristig sollten Europas Unternehmen positiv überraschen

Was spricht für europäische Aktien: Da sind zum einen die niedrigen Bewertungen der Unternehmen, dann die expansive Politik der EZB, und schließlich die Tatsache, dass Anleihen wohl auf Jahre hin keine Alternative zu den Dividendenrenditen vieler Aktien sind. Spätestens Mitte kommenden Jahres sollten dann auch die Unternehmen wieder positiv überraschen. Da die Börse dies oft Monate im Voraus vorwegnimmt, könnte bereits Ende des Jahres das Tal der Tränen durchschritten sein. So zumindest die Hoffnung – und die stirbt ja bekanntlich zuletzt.

Börse: Unklare Signale für Europas Märkte | wallstreet-online.de – Vollständiger Artikel unter:
https://www.wallstreet-online.de/nachricht/11682646-boerse-unklare-signale-europas-maerkte

Artikel von wallstreet-online | 05. August 2019

Frank Fischer | CEO & CIO, Shareholder Value Management AG | www.shareholdervalue.de

Feuer unterm Dach: Trumps Bärendienst für die eigene Wirtschaft

Die jüngste Zinsentscheidung der amerikanischen Notenbank hat viele Marktteilnehmer ratlos zurückgelassen. Denn die Mini-Senkung war weder Fisch noch Fleisch. Dementsprechend mager fiel auch die Reaktion an den Finanzmärkten aus. Die Anleger hatten eine Zinssenkung erwartet, sie hofften jedoch auf eine Senkung um 50 Basispunkte. Sie war aber so gering aus, dass die Börsen eher enttäuscht reagierten. Vor allem aber war die Begründung der FED dünn. Frei interpretiert könnte man sagen: „Eigentlich hätten wir die Zinsen gar nicht senken müssen, wir haben es aber getan, damit die Märkte vor allem mit den Folgen des Handelsstreits besser klarkommen können.“ Die US-Wirtschaft sei eigentlich robust, die Arbeitsmarktdaten in Ordnung. Nur die Inflation sei zu gering. Und dann natürlich der Handelsstreit mit China. Er würde große Teile der Weltwirtschaft in Mitleidenschaft ziehen, daher die „Pro-Forma“-Senkung.

Neue Strafzölle schicken die Börsen auf Talfahrt

Das richtete sich klar gegen US-Präsident Donald Trump, der seit Monaten gegen die FED wettert und sie in seinen Schimpftiraden als eine Institution beschimpft, die „keine Ahnung“ habe. Doch nur wenige Stunden später passierte genau das, wovor die FED gewarnt hatte. Trump goss im Handelskonflikt mit China zusätzliches Öl ins Feuer. Er kündigte für September neue Strafzölle von weiteren zehn Prozent auf Güter aus dem Reich der Mitte im Wert von 300 Milliarden US-Dollar an – und diese könnten sogar auf 25 Prozent oder „deutlich darüber hinaus“ erhöht werden. Alles hänge vom Abschluss eines Handelsabkommens mit China ab. Ein solcher scheint aber in weiter Ferne zu liegen, wurden die jüngsten Gespräche doch ohne Ergebnis abgebrochen. Und Peking ließ sich nicht lange „bitten“ und kündigte seinerseits Gegenmaßnahmen im Streit mit Washington an. Die Märkte reagierten darauf äußerst verschnupft. Dow Jones und S&P 500 gaben zum Teil stark nach, der DAX sackte unter die 12.000-Punkztemarke.

Starke Quartalszahlen, aber die Ausblicke leiden unter dem Handelskonflikt

Für die Wall Street ist das eigentlich verwunderlich. Denn mittlerweile haben rund zwei Drittel der S&P-500-Unternehmen ihre Quartalsergebnisse vorgelegt. Und hier liegt der Anteil der Konzerne, die die Gewinnerwartungen übertroffen haben, bei rund 75 Prozent. Die Gewinne liegen gut sechs Prozent über den Erwartungen. Doch das Top-Thema bei den Unternehmen bleibt weiterhin der Handelsstreit, der bei den Unternehmen inzwischen tiefe Wunden hinterlässt: Die Gewinne der Konzerne, die mehr als die Hälfte ihrer Umsätze außerhalb der USA erzielen, lagen im zweiten Quartal 9,7 Prozent unter dem Vorjahr. Nimmt die Belastung hier weiter zu, dürfte selbst die magere Gewinnwachstumsprognose von 2,5 Prozent für das Gesamtjahr noch zu hoch sein. Trump erweist seiner eigenen Wirtschaft einen Bärendienst, indem er den Streit mit Peking immer weiter auf die Spitze treibt. Hier bekommt „America first“ eine ganz neue Bedeutung.

Gold: Mutige steigen ein

Wäre Gold in dieser Situation eine gute Anlage? Der Goldpreis gab nach der Fed-Entscheidung zunächst um knapp 2 Prozent nach, hielt sich aber über der Marke von 1.400 US-Dollar. Die Notenbank sorgte mit ihrem nur zögerlichen Bekenntnis zu weiteren Zinssenkungen für Nervosität an den Märkten, da diese auf weiter sinkende Zinsen gesetzt hatten. Doch Treiber für einen weiter steigenden Goldpreis sind durchaus vorhanden: Die geopolitischen Spannungen sowie die Sorgen um die Weltkonjunktur bestehen weiterhin. Grund genug für die Zentralbanken weltweit, im ersten Halbjahr ihre Gold-Depots um knapp 375 Tonnen weiter aufzufüllen. Für risikobewusste Anleger könnte der jüngste Rücksetzer des Goldpreises eine Einstiegsmöglichkeit ergeben. Denn auf einen solchen Rücksetzer mussten die Anleger schon eine ganze Weile warten. Portfolio fast komplett abgesichert Was die weitere Entwicklung an den Aktienmärkten betrifft, so sind wir derzeit sehr vorsichtig eingestellt. Deshalb haben wir beim Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen unsere Aktienengagements auch zu einem großen Teil abgesichert. Denn die konjunkturelle Entwicklung gibt weiterhin Grund zur Sorge. Und da im Handelsstreit zwischen Peking und Washington eine Einigung noch in weiter Ferne zu liegen scheint, dürfte sich daran so schnell auch nichts ändern. Deshalb gilt: Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste!





Artikel von wallstreet-online | 27. Mai 2019

Frank Fischer | CEO & CIO, Shareholder Value Management AG | www.shareholdervalue.de

Europa hat gewählt. Aber: Waren die Ergebnisse wirklich überraschend? Nicht wirklich. Die Fragmentierung des Parlaments hat weiter zugenommen und die Gewichte haben sich verschoben. Wie befürchtet, haben Christdemokraten (EVP) wie auch die Sozialdemokraten (S&D) herbe Verluste hinnehmen müssen, während die Rechtspopulisten (EKR) und EU-Skeptiker (EFDD) wie auch die Grünen zum Teil stark hinzugewonnen haben. Vor allem für Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron gab es einen schweren Rückschlag, ist seine Partei La République en Marche (LREM) doch nur die Nummer zwei hinter der rechtspopulistischen Partei Rassemblement National von Marine Le Pen geworden. Die EU-Befürworter werden in Zukunft einen schweren Stand haben. Kein gutes Zeichen für die Zukunft der Europäischen Union.

Politische Börse

Die Ergebnisse der Wahl werden den Märkten in den kommenden Tagen noch Stempel aufdrücken. Auch der Brexit bekommt eine neue Dimension. Nach dem Rücktritt von Theresa May heißen die Favoriten für ihre Nachfolge Boris Johnson, der Ex-Außenminister, und Dominic Raab, der ehemalige Brexit-Minister. Doch wer das Rennen schlussendlich macht ist noch völlig offen. Die Liste der Bewerber ist lang – und der Brexit bekommt eine neue Dynamik. Aber auch Deutschland ist und bleibt ein Sorgenkind. Wir haben in der Bundesrepublik derzeit einen absoluten Reformstillstand. Das hat zur Folge, dass es etwa dem verarbeitenden Gewerbe so schlecht geht wie seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr. Die Hoffnung, dass sich der globale Handel wieder stabilisiert ist und bleibt trügerisch. Und wenn sich der Handelsstreit zwischen den USA und China weiter hinauszieht, wird das auch für Deutschlands Unternehmen sehr ungemütlich. Die EU ist derzeit ein sehr fragiles Gebilde. Die Aussichten, dass Europa den Anschluss an die beiden Großen der Welt, also USA und China, halten kann, sind derzeit alles andere als gut. Die Welt steuert auf eine G2-Machtverteilung zu. Europa hat hier längst den Anschluss verloren.

China bleibt Hoffnungsträger

So hat China ein riesiges Konjunkturprogramm aufgelegt. Wir reden hier von gut 370 Milliarden US-Dollar. Und das kann jederzeit weiter ausgebaut werden. Einige Dinge, wie etwa Steuersenkungen, wirken etwas zeitversetzt. Und sollte das nicht reichen, dann wird das Programm so lange ausgebaut, bis die Konjunktur wieder im ausreichenden Masse anzieht. Aber: davon wird auch der Rest der Welt profitieren. Das ist eine echte Hoffnung für die Zukunft. Und als Nebeneffekt kann Peking seinem Kontrahenten Trump auf diese Weise zeigen: Wir können auch ohne Dich!

Deshalb bleiben wir für die weitere Entwicklung an den Börsen auch optimistisch. Dies liegt zum einen an China, dessen Konjunktur sich weiter erholt. Auf der anderen Seite ist noch relativ große Unsicherheit im Markt. Viele Anleger halten sich deshalb bedeckt und investieren momentan eher vorsichtig in Aktien. Aber genau darin auch eine Chance. Denn: kommen diese Anleger in den Markt zurück, kann es schnell wieder aufwärts gehen.

Derzeit sind es vor allem die Unternehmen selbst, die für steigende Kurse sorgen, denn sie lassen enorme Aktienrückkaufprogramme laufen. Wenn man sich allein den S&P 500 anschaut, so ist der Level dieser Programme auf dem höchsten Niveau seit vielen Jahren. Wir reden hier pro Quartal von bis zu 900 Milliarden US-Dollar. Und das wird in diesem Jahr weiter fortgesetzt, das haben die Unternehmen bereits angekündigt. Zu den größten Unternehmen zählen hier etwa Apple, Oracle, Cisco Systems aber auch Banken wie JP Morgan Chase und die Bank of America. Man kann es fast auf die kurze Formel bringen: Amerikas Manager kaufen derzeit in einem Tempo eigene Aktien zurück, als gäbe es morgen keine mehr! Das treibt zwar die Kurse, kann aber auch nicht ewig so anhalten.

„Gut genug für Mutti!“

Deshalb diversifizieren wir die Portfolios unserer Mandate wie etwa dem Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen weiter. So haben wir zwei neue Titel aufgenommen, zum einen den britischen Versicherer Admiral Group und das neuseeländische Unternehmen Ryman Healthcare, ein Gesundheitskonzern, der auf Pflegedienste spezialisiert ist. Als Seniorenheimbetreiber hat sich Ryman zum Ziel gesetzt Missstände in der Pflegebranche auszumerzen. Ihr Grundsatz ist, es muss ‚gut genug für Mutti‘ sein. Aber auch auf der finanziellen Seite ist Ryman vielversprechend. Das Unternehmen will alle fünf Jahre den Gewinn verdoppeln, also rund 15 Prozent pro Jahr erwirtschaften. Die Admiral Group ist wegen ihrer soliden Unternehmensbasis und einem stabilen Umsatzwachstum attraktiv. Außerdem werden 70 Prozent der Anteile von den eigenen Mitarbeitern gehalten. Und die wollen ihr Unternehmen natürlich weiter wachsen sehen. Da kann Europa gewählt haben, wie es will.

Börse: Europa hat gewählt – wir bleiben optimistisch | wallstreet-online.de – Vollständiger Artikel unter:
https://www.wallstreet-online.de/nachricht/11485695-boerse-europa-gewaehlt-optimistisch






Artikel von wallstreet-online | 16. April 2019

Frank Fischer | CEO & CIO, Shareholder Value Management AG | www.shareholdervalue.de

„Schauen Sie nicht ständig auf Ihr Portfolio!“

Anleger neigen oft zu zwei Arten von Ängsten: Da ist zum einen die Angst, die guten Zeiten an der Börse zu verpassen. Und dann ist da die Angst vor Verlusten, wenn die Märkte mal wieder sehr volatil sind. Doch diese beiden Ängste stehen in einem Nullsummenverhältnis zu rationalen Entscheidungen. Je mehr man von diesen Ängsten beherrscht wird, desto weniger rational ist man.

Zugegeben, es gibt oft gute Gründe nervös zu werden. Derzeit ist es der Handelskrieg, den US-Präsident Donald Trump mit China vielleicht bald lösen wird, aber mit den Europäern wohl einen neuen Schauplatz eröffnet. Das nicht enden wollende Brexit-Chaos, das uns zumindest bis Ende Oktober weiter beschäftigen wird – wenn nicht gar noch länger. Denn diese Frist ist zu lang, um wirklich Druck auszuüben und zu kurz für Neuwahlen. Nicht zu vergessen die sich immer weiter abschwächende Konjunktur, vor der jetzt auch mit dramatischen Worten der IWF und EZB-Präsident Draghi warnt. Doch: Sind das Gründe für Angst? Nicht für längerfristig orientierte Anleger.

Was aber können Investoren tun, um sich in Richtung maximaler Rationalität zu bewegen? Ein Value-Kollege aus den USA, Vitaly Katsnelson, hat einen guten Rat parat, dem ich mich aus Überzeugung anschließe: Schauen Sie nicht ständig auf Ihr Portfolio!

Anleger haben oft zu wenig Geduld!

Denn: was bewegt die Aktienmärkte? Zunächst einmal sind es Menschen. Menschen mit sehr unterschiedlichen Zeithorizonten. Sie investieren direkt in Einzelaktien oder in Investmentfonds, haben dabei aber oft die Geduld von Fünfjährigen, nämlich gar keine. Sie traden hin und her und achten nur auf kurzfristige Entwicklungen, statt den Unternehmen zu vertrauen, in die sie investieren. Denn was machen Unternehmen? Sie investieren in die Zukunft. Langfristig und über Jahrzehnte hinaus. Mit Geduld und Weitsicht, wenn sie denn gut geführt sind.

Immer häufiger sind die Trader aber nicht einmal mehr Menschen, sondern Computeralgorithmen, die auf Variable reagieren, die wenig oder nichts mit den Geschäftsmodellen der Unternehmen zu tun haben, in das sie investieren – diese Spieler haben einen Zeithorizont von Millisekunden.

Anders, aber nicht viel besser sind passive Investments, die einfach einen Index abbilden, egal wie dieser zusammengesetzt ist. Will man derzeit unbedingt in Bayer investiert sein? Oder in Thyssen-Krupp oder die Deutsche Bank? Das kann und muss jeder für sich selbst entscheiden. Hat man aber einen ETF auf den DAX, ist man hier „zwangsinvestiert“. Man macht den Abschwung der Commerzbank mit, die von Wirecard im DAX ersetzt wurde, als diese groß genug war, aber nicht den Aufstieg von Wirecard dorthin.

Politische Unwägbarkeiten und die Notenbanken

Klar, auch gut geführte Unternehmen leben nicht im luftleeren Raum. Auch sie sind abhängig von politischen Rahmenbedingungen wie dem Handelsstreit oder ähnlichen politischen Unwägbarkeiten. Und natürlich von der Politik der Notenbanken. Während der letzten Finanzkrise, als die Zentralbanken den Geldpreis künstlich nach unten drückten, indem sie für Billionen Staats- und Unternehmensanleihen kauften, ließen sie die sowjetische Planwirtschaft wie ein Kinderspiel aussehen. Anstatt sich mit Kinderkram zu beschäftigen, wie z.B. die Preisgestaltung für Schuhe und Zucker, wie es die sowjetischen Zentralplaner taten, setzten ein paar Dutzend „marktwirtschaftliche“ Zentralbanker den Preis für das wichtigste Einzelgut, den risikofreien Zinssatz, der den Kern der meisten wirtschaftlichen Entscheidungen und die Bewertung aller Vermögenswerte bildet, in Richtung Null. Das kommt natürlich Unternehmen zugute, deren Erträge weit in der Zukunft liegen. Sie profitieren von den niedrigen Zinsen, während die Bewertung von Unternehmen, deren Erträge nicht so stark wachsen und sich auf die Gegenwart und die nahe Zukunft konzentrieren, diesen Vorteil nicht genießt.

Langfristige Ausrichtung wird belohnt

Dabei sind es solide geführte Unternehmen, die ein bewährtes Geschäftsmodell nachweisen können und sich seit Jahren im Wettbewerb behauptet haben, die langfristigen Erfolg bringen. So haben wir in unserem „Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen“ zum Bespiel Unternehmen, die seit vielen, vielen Jahren Teil des Portfolios sind. Dazu gehört etwa die Sto SE, ein Hersteller von Farben, Putzen, Lacken und Beschichtungssystemen sowie Wärmedämmverbundsystemen und Bodenbeschichtungen. Sto zahlt eine Dividende von über 5 Prozent. Andere Beispiele sind der Autovermieter Sixt, oder WashTec und die Software AG. Auch Alphabet ist ein Langfristinvestment, mit dem wir sehr zufrieden sind und das seit Jahren kontinuierlich wächst. All das sind gute und solide geführte Unternehmen, denen wir als Value-Investoren auch weiterhin viel zutrauen. Da muss man nicht alle zehn Minuten ins Portfolio schauen!

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