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Artikel von procontra | Ausgabe 02|19

Interview mit Frank Fischer | CEO & CIO, Shareholder Value Management AG | www.shareholdervalue.de

Text von Julia Groth | ProContra | www.procontra-online.de

Frank Fischer ist Chef der Investmentboutique Shareholder Value Management, die unter anderem den Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen verwaltet. Im Interview spricht er über Chancen bei Korrekturen und die Zukunft von Value-Strategien.

Frank Fischer: Ich betrachte Rücksetzer als Chance | procontra-online.de – Vollständiger Artikel unter:
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Artikel von wallstreet-online | 13. Mai 2019

Frank Fischer | CEO & CIO, Shareholder Value Management AG | www.shareholdervalue.de

Es war wie immer eine große Show: laut, bunt, ein riesiges Gewusel. Die Hauptversammlung von Berkshire Hathaway war wie in den letzten Jahren ein großes Fest mit mehr als 40.000 Aktionärsgästen, die sich an den Süßigkeiten von See’s Candies erfreuten und regen Kontakt zu all den Unternehmen aus dem weiten Reich der Berkshire-Beteiligungen suchten, die rund um die Veranstaltung ausgestellt hatten.

Man konnte sich austauschen, und Neues von den diesmal 67 deutschen Value Investoren lernen. Diese waren nicht alle Asset Manager oder institutionelle Investoren, sondern zum Teil auch private Anleger aus den USA und Kanada – die deutschen Wurzeln führten uns zusammen. Und das in einen viel zu kleinen, stickigen Raum, der für die deutsche Kolonie reserviert war. Trotzdem: es hat einfach Spaß gemacht.

Beeindruckend waren aber auch die eher leisen Töne, die zwischen den Zeilen zu hören waren. Auch beim großen Auftritt von Warren Buffett und Charlie Munger, den beiden Hauptprotagonisten dieser gigantischen Veranstaltung. Die beiden alten Herrn waren wie immer bester Laune, beantworteten analytisch und gleichzeitig auf äußerst unterhaltsame Art die vielen Fragen ihrer Aktionäre. Vor allem der mittlerweile 95-jährige Charlie Munger war beeindruckend. Auch wenn er inzwischen zum großen Teil an seinen Rollstuhl gefesselt ist und auch im Trubel der Hauptversammlung mal das ein oder andere Nickerchen einlegte – scharfzüngig, hellwach im Kopf und jeder Zeit zu bitter-süßen Kommentaren bereit, war es eine große Freude, diesen Mann auf der Bühne zu erleben.

Nachfolger stehen bereit

Derweil wirkte Buffett an einigen Stellen nachdenklicher als sonst und offener für Veränderungen als je zuvor. Mehrmals lässt er Greg Abel und Ajit Jain zu Wort kommen, um Fragen der Aktionäre zu beantworten. Abel ist für Berkshires Energiegeschäft verantwortlich und Jain für die die Versicherungssparte. Im vergangenen Jahr wurden beide zu stellvertretenden Verwaltungsratschefs befördert, was allgemein als Zeichen dafür gesehen wird, dass sie eines Tages die Führung des Konzerns von Buffett und Munger übernehmen könnten.

Buffett hat beide bei mehreren Gelegenheiten aufgefordert, die Fragen der Aktionäre zu beantworten. Dabei saßen beide aber noch vor dem Podium auf Höhe des Publikums. Es würde nicht verwundern, wenn Greg Abel und Ajit Jain im kommenden Jahr zu den beiden Alten aufs Podium aufrücken würden. Dann hätten Buffett und Munger, „die beiden knorrigen Alten vom Balkon der Muppet Show“, wie sie auch spaßeshalber genannt werden, Gesellschaft auf ihrem „Balkon“. Die Nachfolge scheint geregelt.

Der Umgang mit Fehlern und Fehleinschätzungen

Was bei Buffett beeindruckte war derweil sein Umgang mit Fehlern und fehlgeschlagenen Einschätzungen. So erklärte er ganz nüchtern, was bei Kraft Heinz schiefgegangen ist. Er verwies darauf, dass er mit dem Partner 3G, der für beide das Engagement managt, einen Vertrag geschlossen habe, „der gerade mal eine Seite umfasst“, so Buffett. Er habe aber weiterhin volles Vertrauen in 3G, schließlich habe der brasilianische PE-Investor eine extreme Cost-Cutting Historie und folge dabei dem „zero-based-budgeting“-Prinzip. Was nicht anderes bedeutet, als dass das Unternehmen jedes Jahr wieder seine Kosten nachweisen müsse. Jedes Jahr! Und immer wieder aufs Neue.

Auf der anderen Seite gab Buffett offen zu, die Entwicklung und Stärke von Alphabet, also Google, falsch eingeschätzt zu haben. Und das, obwohl die Berkshire-Beteiligung Geico, Amerikas größter Autoversicherer, über Jahre hinweg Kunde bei Google war. Buffett nennt dies einen „error of emission“, also einen ‚Fehler des Auslassens‘, der ihm nicht hätte passieren dürfen.

Investitionen in Amazon & Co.

Deshalb hat er jetzt auch spät, aber nach seinen Worten nicht zu spät, in Amazon investiert. „Das ist die Aktie mit dem größten und weitesten Burggraben, die wir im Portfolio haben“, erklärte er dazu. „Amazon ist eine Aktie, die in ihrem Bereich noch über viele Jahre den Markt beherrschen wird.“ Dabei betonte Buffett auch, dass er wohl in absehbarer Zeit noch in andere Tech-Unternehmen investieren werde.

Dass Berkshire Hathaway aber nicht nur perspektivisch, sondern auch schnell und entschlussfreudig ist, zeigt das jüngste 10-Milliarden-US-Dollar-Engagement bei der Öl-Firma Occidential Petroleum, die in einer Übernehmeschlacht um den Konkurrenten Anadarko steckt. Diese Entscheidung war im Laufe eines Wochenendes gefallen, ließ Buffett wissen. „Charlie and I, we are still tap dancing to work“, beschreibt Buffett die Freude an der gemeinsamen Arbeit. Auch wenn Charlie Munger heute die meiste Zeit im Rollstuhl sitzt – man glaubt es beiden aufs Wort.

Börse: Omaha: Bevorstehende Wachablösung bei der „Muppet Show“ | wallstreet-online.de – Vollständiger Artikel unter:
https://www.wallstreet-online.de/nachricht/11449284-boerse-omaha-bevorstehende-wachabloesung-muppet-show/all





Artikel von wallstreet-online | 29. April 2019

Frank Fischer | CEO & CIO, Shareholder Value Management AG | www.shareholdervalue.de

Lange war das Thema Öl aus dem Fokus der Börsianer mehr oder weniger verschwunden. Doch der Kampf ums schwarze Gold nimmt wieder Fahrt auf und wird immer härter ausgefochten. Und das gleich auf mehreren Ebenen, zum einen politisch, und dann entbrennen heftige Auseinandersetzungen und Übernahmekämpfe um neue Ölquellen und Reserven.

Trump treibt es wieder auf die Spitze

Besondere Brisanz bietet mal wieder die Sanktionspolitik von US-Präsident Donald Trump. Denn ab Mai dürfen auch die acht Länder, wie etwa die Türkei, kein Erdöl mehr aus dem Iran kaufen, denen die USA dies bisher mit einer Ausnahmeregelung gewährt hatte. Ansonsten drohen (mal wieder) US-Sanktionen. Die USA wollen dem Iran den Ölhahn zudrehen und die Zeichen stehen im Moment auf Verhärtung. Das Erdöl macht rund 60 Prozent der Exporte des Irans aus, daher dürfte das Ende der Ausnahmeregelung die iranische Wirtschaft schwer treffen. Die eigentliche Gefahr liegt aber woanders: Größter Abnehmer des Iran war zuletzt China mit über 600.000 Barrel pro Tag von insgesamt knapp 1,7 Millionen, die der Iran exportierte. Bleibt die Frage, wie sich die totalen Ölsanktionen auf die Handelsgespräche zwischen den USA und China auswirken. Denn bisher ist noch kein Ankommen zwischen Washington und Peking unterzeichnet – die neuen Sanktionen könnten sich hier als neuerliches Hemmnis erweisen und die Hoffnungen der Börsianer auf ein Ende des Handelskrieges zunichtemachen. Eine heftige Korrektur an den Märkten wäre wohl die Folge.

Milliarden-Schlacht ist wohl erst der Anfang einer Übernahmewelle

Und dann der Kampf um neue Ölquellen und Reserven. Hier geht es um Milliarden von US-Dollar, wie der jüngste Bieterkampf um den texanischen Ölkonzern Anadarko zeigt. Eigentlich hatte Chevron, der zweitgrößte Ölkonzern der USA, die Übernahme für rund 50 Milliarden US-Dollar schon in trockenen Tüchern geglaubt, da legte der deutlich kleinere Konkurrent Occidental Petroleum ein Angebot über 57 Milliarden US-Dollar auf den Tisch. Und das für ein Unternehmen, das zu den kleineren in der Branche zählt, denn Anadarko hat im vergangenen Jahr gerade mal einen Gewinn von 615 Millionen US-Dollar ausgewiesen, und das bei einem Umsatz von 13 Milliarden US-Dollar. Ob das schon das letzte Gebot ist, bleibt abzuwarten, schließlich würde der Deal für Chevron einen guten Zugang zu den umfangreichen Schieferölvorkommen im Permian Basin bedeuten, einer großen Ölabbauregion im Südwesten der USA. Analysten gehen davon aus, dass die „Schlacht um Anadarko“ erst der Anfang einer Übernahmewelle in der Branche ist. Als mögliche Ziele einer Übernahme werden bereits Conoco Resources, Diamondback und Noble Enegry genannt. Aber auch der spanische Ölkonzern Repsol könnte in den Fokus der Global Player rücken. Schließlich ist der Konzern in größerem Stil in Südamerika, aber auch in Kanada und Alaska engagiert. Das könnte Begehrlichkeiten wecken. Was auch dafür sprechen würde: Die Aktie der Spanier ist in Relation zu den US-amerikanischen Konkurrenten relativ günstig bewertet.

Vorboten einer Korrektur

Für unsere Mandate wie etwa dem Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen haben diese Übernahmen aber eher eine geringe Bedeutung, da unsere Nachhaltigkeitskriterien ein Engagement bei den meisten dieser Unternehmen ausschließen. Wir achten vor allem auf die politischen Dimensionen und die Sanktionspolitik von US-Präsident Donald Trump. Hier liegt unserer Meinung nach ein viel größeres Risiko für die Börsen, als viele Marktteilnehmer dies möglicherweise berücksichtigt haben. Dass es im Zuge einer sich abschwächenden Weltkonjunktur und der gleichzeitigen Party an den Märkten in absehbarer Zeit wohl zu einer Korrektur kommen kann, sei hier nur am Rande vermerkt.

Öl & Börse: Der Kampf ums schwarze Gold wird immer härter! | wallstreet-online.de – Vollständiger Artikel unter:
https://www.wallstreet-online.de/nachricht/11412056-oel-boerse-kampf-ums-schwarze-gold-haerter





Artikel von wallstreet-online | 16. April 2019

Frank Fischer | CEO & CIO, Shareholder Value Management AG | www.shareholdervalue.de

„Schauen Sie nicht ständig auf Ihr Portfolio!“

Anleger neigen oft zu zwei Arten von Ängsten: Da ist zum einen die Angst, die guten Zeiten an der Börse zu verpassen. Und dann ist da die Angst vor Verlusten, wenn die Märkte mal wieder sehr volatil sind. Doch diese beiden Ängste stehen in einem Nullsummenverhältnis zu rationalen Entscheidungen. Je mehr man von diesen Ängsten beherrscht wird, desto weniger rational ist man.

Zugegeben, es gibt oft gute Gründe nervös zu werden. Derzeit ist es der Handelskrieg, den US-Präsident Donald Trump mit China vielleicht bald lösen wird, aber mit den Europäern wohl einen neuen Schauplatz eröffnet. Das nicht enden wollende Brexit-Chaos, das uns zumindest bis Ende Oktober weiter beschäftigen wird – wenn nicht gar noch länger. Denn diese Frist ist zu lang, um wirklich Druck auszuüben und zu kurz für Neuwahlen. Nicht zu vergessen die sich immer weiter abschwächende Konjunktur, vor der jetzt auch mit dramatischen Worten der IWF und EZB-Präsident Draghi warnt. Doch: Sind das Gründe für Angst? Nicht für längerfristig orientierte Anleger.

Was aber können Investoren tun, um sich in Richtung maximaler Rationalität zu bewegen? Ein Value-Kollege aus den USA, Vitaly Katsnelson, hat einen guten Rat parat, dem ich mich aus Überzeugung anschließe: Schauen Sie nicht ständig auf Ihr Portfolio!

Anleger haben oft zu wenig Geduld!

Denn: was bewegt die Aktienmärkte? Zunächst einmal sind es Menschen. Menschen mit sehr unterschiedlichen Zeithorizonten. Sie investieren direkt in Einzelaktien oder in Investmentfonds, haben dabei aber oft die Geduld von Fünfjährigen, nämlich gar keine. Sie traden hin und her und achten nur auf kurzfristige Entwicklungen, statt den Unternehmen zu vertrauen, in die sie investieren. Denn was machen Unternehmen? Sie investieren in die Zukunft. Langfristig und über Jahrzehnte hinaus. Mit Geduld und Weitsicht, wenn sie denn gut geführt sind.

Immer häufiger sind die Trader aber nicht einmal mehr Menschen, sondern Computeralgorithmen, die auf Variable reagieren, die wenig oder nichts mit den Geschäftsmodellen der Unternehmen zu tun haben, in das sie investieren – diese Spieler haben einen Zeithorizont von Millisekunden.

Anders, aber nicht viel besser sind passive Investments, die einfach einen Index abbilden, egal wie dieser zusammengesetzt ist. Will man derzeit unbedingt in Bayer investiert sein? Oder in Thyssen-Krupp oder die Deutsche Bank? Das kann und muss jeder für sich selbst entscheiden. Hat man aber einen ETF auf den DAX, ist man hier „zwangsinvestiert“. Man macht den Abschwung der Commerzbank mit, die von Wirecard im DAX ersetzt wurde, als diese groß genug war, aber nicht den Aufstieg von Wirecard dorthin.

Politische Unwägbarkeiten und die Notenbanken

Klar, auch gut geführte Unternehmen leben nicht im luftleeren Raum. Auch sie sind abhängig von politischen Rahmenbedingungen wie dem Handelsstreit oder ähnlichen politischen Unwägbarkeiten. Und natürlich von der Politik der Notenbanken. Während der letzten Finanzkrise, als die Zentralbanken den Geldpreis künstlich nach unten drückten, indem sie für Billionen Staats- und Unternehmensanleihen kauften, ließen sie die sowjetische Planwirtschaft wie ein Kinderspiel aussehen. Anstatt sich mit Kinderkram zu beschäftigen, wie z.B. die Preisgestaltung für Schuhe und Zucker, wie es die sowjetischen Zentralplaner taten, setzten ein paar Dutzend „marktwirtschaftliche“ Zentralbanker den Preis für das wichtigste Einzelgut, den risikofreien Zinssatz, der den Kern der meisten wirtschaftlichen Entscheidungen und die Bewertung aller Vermögenswerte bildet, in Richtung Null. Das kommt natürlich Unternehmen zugute, deren Erträge weit in der Zukunft liegen. Sie profitieren von den niedrigen Zinsen, während die Bewertung von Unternehmen, deren Erträge nicht so stark wachsen und sich auf die Gegenwart und die nahe Zukunft konzentrieren, diesen Vorteil nicht genießt.

Langfristige Ausrichtung wird belohnt

Dabei sind es solide geführte Unternehmen, die ein bewährtes Geschäftsmodell nachweisen können und sich seit Jahren im Wettbewerb behauptet haben, die langfristigen Erfolg bringen. So haben wir in unserem „Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen“ zum Bespiel Unternehmen, die seit vielen, vielen Jahren Teil des Portfolios sind. Dazu gehört etwa die Sto SE, ein Hersteller von Farben, Putzen, Lacken und Beschichtungssystemen sowie Wärmedämmverbundsystemen und Bodenbeschichtungen. Sto zahlt eine Dividende von über 5 Prozent. Andere Beispiele sind der Autovermieter Sixt, oder WashTec und die Software AG. Auch Alphabet ist ein Langfristinvestment, mit dem wir sehr zufrieden sind und das seit Jahren kontinuierlich wächst. All das sind gute und solide geführte Unternehmen, denen wir als Value-Investoren auch weiterhin viel zutrauen. Da muss man nicht alle zehn Minuten ins Portfolio schauen!

wallstreet-online.de – Vollständiger Artikel unter:
https://www.wallstreet-online.de/nachricht/11383168-boerse-schauen-staendig-portfolio





Januar

Ausgehend vom schwachen Jahresende 2018 kam es im Januar zu einer deutlichen Erholung an den Kapitalmärkten. Insbesondere die Bereitschaft der amerikanischen Notenbank ihre Normalisierungspolitik zu verschieben sowie die gestiegene Wahrscheinlichkeit einer Einigung im Handelsstreit zwischen den USA und China halfen trotz Konjunktur- und Brexitsorgen dem MSCI World (in Euro gerechnet) zu einem Zugewinn von gut 8 Prozent. Der Fonds konnte in diesem Umfeld knapp 4 Prozent zulegen. Die Bruttoaktienquote betrug 73 Prozent, die beta-adjustierte Nettoaktienquote lag bei 34 Prozent. Das USD-Exposure verblieb wie im Vormonat abgesichert. Alle drei Säulen konnten sich im Januar erholen. Zusätzlich unterstützte die starke Erholung in den Emerging Markets den Fonds. Die Edelmetalle entwickelten sich ebenfalls erfreulich, wobei die synthetische Gold-Position im Monatsverlauf veräußert und die synthetische Silber-Position beibehalten wurde.

Februar

Auch im Februar setzte sich der freundliche Jahresstart fort. Die Risiken im Hinblick auf einen Handelskrieg zwischen den USA und China sowie einen ungeordneten Brexit reduzierten. Der MSCI World (in Euro) legte um knapp 4 Prozent zu. Der Fonds konnte dieser Erholung nicht folgen und verlor gut ein Prozent an Wert. Die Bruttoaktienquote betrug 79 Prozent, die beta-adjustierte Nettoaktienquote lag bei 18 Prozent. Das USD-Exposure verblieb weiterhin abgesichert. Vor allem Säule 1 (Marktneutrales Aktienportfolio) trug zum Rückgang des Fondspreises bei, nachdem einige einzelne Aktien enttäuschende Unternehmenszahlen präsentierten. Säule 2 (Volatilitätsstrategien) beendete den Monat mit einem kleinen Minus, während Säule 3 (Makro-Ideen) leicht zulegen konnte. Neu aufgenommen in Säule 3 wurde eine Short-Position in zehnjährigen US-Staatsanleihen, nachdem die Zinsen seit dem Verlaufshoch im Herbst deutlich korrigiert haben.

März

Der März schließlich knüpfte an die seit Jahresbeginn anhaltenden Erholung an den internationalen Aktienmärkten an, nachdem die US-Notenbank ihre Kehrtwende vollendete und die Gespräche im Handelsstreit zwischen den USA und China konstruktiv verliefen. Der MSCI World (in Euro) stieg um 2,7 Prozent, europäische Nebenwerte legten um knapp 1,4 Prozent zu. Der Fondspreis verlor, in diesem Umfeld ca. 2,4 Prozent. Verantwortlich hierfür waren vor allem Titel, die sich grundsätzlich durch ein hohes idiosynkratisches Risiko auszeichnen, d.h. die sich relativ unabhängig von der Marktentwicklung bewegen. Dieser Teil des Portfolios, ca. 20 Titel, entwickelte sich trotz der positiven Wertentwicklung des Gesamtmarktes leicht negativ, sodass wir sowohl auf den Titeln als auch dem dagegen liegenden Hedge verloren. Als Makroideen haben wir Trades aufgenommen, die von einer zyklischen Erholung der Weltwirtschaft profitieren sollten. Dazu gehörten beispielsweise auch Positionen, die von steigenden Zinsen profitieren sollten (Short UST). Diese sind aufgrund der sehr „dovishen“ Haltung der Notenbanken im Allgemeinen und der Fed im Speziellen gegen uns gelaufen. Die Bruttoaktienquote lag zum Monatsende bei knapp über 84 Prozent. Unter Berücksichtigung der Absicherungen betrug die beta-adjustierte Nettoaktienquote 26 Prozent. Der USD-Anteils des Fonds bleibt weiter währungsgesichert.

Rückblick 2018

Der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen hat aus seiner Anlagestrategie heraus ein starkes Gewicht in europäischen Nebenwerten. In den letzten Jahren liefen Nebenwerteindizes wie der MDAX deutlich besser als Blue-Chip-Indizes. Das änderte sich im September und Oktober 2018, als die Erwartung weiter steigender Zinsen in Kombination mit globalen Konjunktursorgen (Handelsstreit bzw. wirtschaftliche Abkühlung in China) eine Trendwende einleiteten, in deren Verlauf Nebenwerteindizes deutlich stärker korrigierten. Als Folge hatten wir das Fondsportfolio im vierten Quartal 2018 defensiver ausgerichtet und die Nettoaktienquote auf unter 70 Prozent gesenkt.

2019

Die Signale der US-Notenbank Fed Anfang 2019, ihre Normalisierungspolitik zunächst aufzuschieben, führte an den Kapitalmärkten zu einer deutlichen V-förmigen Erholung. Unsere defensive Positionierung hat im Ergebnis dazu geführt, dass die Performance des Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen zwar insgesamt positiv ausfiel, relativ gesehen aber deutlich schwächer verlief. Die europäischen Nebenwerteindizes wurden unter anderem von britischen Nebenwerten nach oben gezogen, da die Märkte auf ein positives Ergebnis des Brexits wetten. Wir bleiben bei britischen Nebenwerten allerdings weiterhin untergewichtet, da wir diese Einschätzung nicht teilen und hier Vorsicht walten lassen. Die Entwicklungen der vergangenen Wochen haben uns in dieser Haltung bestärkt, die politische Situation bleibt weiterhin unberechenbar.

Negative Belastungen durch Unternehmen in Sondersituationen

Performancebelastend wirkten sich im 1. Quartal einzelne Positionen aus, die wir bereits 2018 bei Unternehmen in Sondersituationen aufgebaut hatten. Unser Ziel war es, in einem insgesamt schwierigen Marktumfeld von diesen Sondereffekten zu profitieren. Ein solches Unternehmen ist Telecom Italia, bei der wir positive Effekte aus der Deregulierung des italienischen Telekommunikationsmarktes einkalkuliert hatten. Die Rhetorik der im Juni neu gebildeten italienischen Regierung aus Lega und Fünf-Sterne-Bewegung führte jedoch dazu, dass diese Erwartungen nicht erfüllt haben und der Kurs der Aktie einbrach. Die Belastungen wirkten noch im 1. Quartal 2019. Wir haben unsere Position in der Telecom Italia mittlerweile stark reduziert. Den Kurs von John Menzies belastet der auch von uns begrüßte Abgang deren CEO, einem Logistikdienstleister für die Luftfahrtindustrie. Die Mears Group, ein Anbieter von Hausmeister- und Sozialfürsorgedienstleistungen, hat zwar interessante Ausschreibungen gewonnen die aber kurzfristig die Profitabilität belasten.

Positive Performancebeiträge lieferten Aktien, die von der Erholungsphase an den Märkten profitieren konnten. Dazu zählen zum Beispiel das Pharmaunternehmen Novo Nordisk, der Telekom-Anbieter Freenet AG oder Washtec AG, der Weltmarktführer für Autowaschanlagen. Einzelne Value-Werte wie Sixt Leasing mussten nach reduzierten Prognosen Kursverluste verbuchen. Hier halten wir aber an unseren Positionen fest und sehen im aktuellen Kursniveau attraktive Ausverkaufspreise.

Defensive Positionierung wird moderat angepasst trotz Impulsen aus China

Auch wenn aktuell noch viele Details ungeklärt erscheinen, sehen wir gute Chancen für eine Auflösung des Handelsstreits mit den USA. Gleichzeitig investiert die chinesische Regierung massiv in Infrastruktur, um ein Abkühlen der Konjunktur zu verhindern. Steuersenkungen und Liquiditätsspritzen dehnen das Maßnahmenpaket auf insgesamt ca. 370 Mrd. USD oder ca. 3,5% des Bruttosozialprodukts aus. Verschiedene Indikatoren, wie etwa die wieder anziehende Rohstoffnachfrage zeigen, dass die wirtschaftliche Verbesserung gelingen kann.

Daher haben wir die Nettoaktienquote wieder leicht erhöht, auch wenn wir unsere relativ defensive Positionierung grundsätzlich beibehalten. Wir haben neue eigentümergeführte Qualitätsaktien u.a. auch in Europa entdeckt und befinden uns im Aufbau der Positionen. Zu den in China schon länger gekauften Titeln zählen Alibaba, JD.com und Tencent Holdings.

Artikel von www.fondstrends.lu | 02.April 2019

Endrit Çela | Relationship Manager, Shareholder Value Management AG | www.shareholdervalue.de

Aktien-, Immobilien- und Rentenmärkte sind über zehn Jahre hinweg stetig gestiegen und haben ungeahnte Höhen erklommen. Für den Anleger stellen sich zwei entscheidende Fragen, die aktuell im Fokus der Fondsgipfel Roadshow stehen: „Wie investieren nach 10 Jahren Hausse in 2019?“ und „Sind Aktien weiterhin alternativlos?“

FondsTrends sprach mit Endrit Çela, Relationship Manager der Shareholder Value Management AG, über die aktuelle Roadshow und eine womöglich neue „Value-Phase“ an den Märkten.

FondsTrends: Vor einigen Jahren haben Shareholder Value Management AG, DJE Investment S.A. und ACATIS Investment KVG mbH den Fondsgipfel ins Leben gerufen. Drei starke Partner, die sich verbünden. Wie kam es dazu?

Endrit Çela: Die erste gemeinsame Roadshow mit den Gesellschaften DJE und ACATIS startete im Jahr 2016 – ausschlaggebend war die positive Chemie zwischen den befreundeten Value-Investoren. Gemeinsam können wir für unsere Besucher und Kunden eine geballte Expertise von erfahrenen Fondsmanagern anbieten. Für diese Expertise haben die drei Gesellschaften die Auszeichnung „Fondsmanager des Jahres“ erhalten – DJE im Jahr 2006, ACATIS im Jahr 2017 und unser Haus mit Frank Fischer als Fondsmanager im letzten Jahr. Aufgrund der positiven Entwicklung der Roadshows haben wir uns letzten Endes dafür entschieden, eine gemeinsame Plattform – ein Label – für unsere Roadshows aufzubauen. So wurde FONDSGIPFEL erschaffen.

FondsTrends: „Wie investieren nach 10 Jahren Hausse in 2019?“ ist das Thema Ihrer diesjährigen Roadshow, die in der DACH-Region und Luxemburg schon auf Hochtouren läuft. Worauf dürfen sich die Teilnehmer in diesem Jahr freuen?

Endrit Çela: Nach einer jahrelangen Hausse sind die Börsen weltweit in den Korrekturmodus geschwenkt. An der Wall Street wurde Ende letzten Jahres der schlechteste Dezember seit 1931 erlebt. Diese negativen Entwicklungen haben für Verunsicherung bei den Anlegern gesorgt, weshalb diese nach Orientierung suchen. Sie suchen insbesondere nach sicheren Möglichkeiten, um weiterhin eine nachhaltige Rendite erzielen zu können. Wir, die Shareholder Value Management AG, sind überzeugt, dass an Aktien kein Weg vorbeiführt, ganz nach dem amerikanischen Begriff „TINA“ – „there is no alternative“. Aus diesem Grund dürfen sich die Teilnehmer der diesjährigen FONDSGIPFEL-Veranstaltungsreihe auf die Expertise dreier Gesellschaften freuen, die einen Ausblick auf die aktuelle und zukünftige Kapitalmarktlage sowie intelligente Investitionsmöglichkeiten geben werden.

FondsTrends: Die Investment-Philosophie der Shareholder Value Management AG folgt konsequent dem Gedanken des Value-Investing im Sinne von Benjamin Graham und Warren Buffett. Nachdem die Börsen in Folge der Finanzkrise durch die expansive Geldpolitik der Notenbanken über Jahre nach oben getrieben wurden, gab es im vergangenen Jahr einen merklichen Bruch. Hat womöglich eine neue „Value-Phase“ an den Märkten begonnen, die aktives Management begünstigt? Wie stellen Sie sich generell für ein schwierigeres Umfeld an den Märkten in den nächsten Jahren auf?

Endrit Çela: Die Shareholder Value Management AG hält an dem bewährten Konzept der antizyklischen Kapitalanlage in unterbewertete Unternehmen fest. Unser Ziel ist der Vermögenserhalt und -zuwachs unter Vermeidung des permanenten Kapitalverlustes. Nach den jüngsten Kapriolen an den Finanzmärkten könnte durchaus eine neue Value-Phase begonnen haben, da viele Unternehmen zu günstigen Preisen zu erwerben sind. Bei fallenden Märkten fallen auch die Aktienkurse der Unternehmen und genau in diesem Zeitpunkt können wir zuschlagen.

Wir sind aufgrund der „politischen Börsen“ und der aktuellen Gemengelage defensiver unterwegs und sichern unsere Positionen am Markt ab. Da die zukünftigen Entwicklungen weltweit nicht abzuschätzen sind, müssen „Schocks“ einkalkuliert werden. Durch einen höheren Kassenbestand und eine geringere Aktienquote muss demnach für eine gewisse Flexibilität gesorgt werden. Diese Flexibilität bietet uns die Chance, bei fallenden Kursen unterbewertete Aktien zu kaufen.

FondsTrends: Das Thema ESG und Nachhaltigkeit spielt eine immer größere Rolle im Asset Management. Inwiefern reagieren Sie auf diesen Trend? Sehen Sie hier einen Paradigmenwechsel, oder ist das ganze Ihrer Ansicht nach eher eine „Modeerscheinung“?

Endrit Çela: Inzwischen achten immer mehr Anleger auf Nachhaltigkeitskriterien, so sind mehr als 300 Milliarden Euro in Deutschland, Österreich und der Schweiz bereits in diese Mandate investiert. Das Pflänzchen wächst und gedeiht, weshalb wir einen eindeutigen Paradigmenwechsel erkannt haben. Bei unseren beratenen Fonds-Mandaten wie dem Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen, dem Frankfurter – Value Focus Fund und dem Frankfurter Stiftungsfonds werden strenge Nachhaltigkeitskriterien beachtet. Unsere Überzeugung verbietet die Investition in Unternehmen, die ihre Erträge durch Rüstungsgüter, Glücksspiel oder ähnlichem erzielen. Darüber hinaus bleibt das Ziel bestehen, auf Dauer kein Geld zu verlieren und eine mittel- bis langfristige überdurchschnittliche Rendite im Einklang mit sozialen, ökologischen, Governance- und anderen nachhaltigkeitsbezogenen Kriterien zu erzielen. Hinzu kommt, dass die EU-Kommission demnächst die Berücksichtigung von SDG-Kriterien (Sustainable Development Goals) bei Investitionen vorschreiben wird. Mit ihrer Initiative wollen die EU-Länder die Umsetzung der UN-Nachhaltigkeitskriterien vorantreiben, die wir ebenfalls unterschrieben haben.

FondsTrends: Sie kommen ursprünglich aus Michigan. Was schätzen Sie am Arbeiten in Deutschland und was vermissen Sie am meisten, wenn Sie an Ihre alte Heimat denken?

Endrit Çela: In den USA sind Investitionen in die Aktienmärkte selbstverständlich, weshalb ich mit 16 meine erste Aktie gekauft habe. Mein Portfolio sollte Aktien von Unternehmen beinhalten, deren Produkte in meinem Alltag nicht wegzudenken waren. Damals habe ich beispielsweise Aktien von Microsoft gekauft. Umso mehr freue ich mich, mein Wissen und meine Begeisterung über die Aktienmärkte durch meine Tätigkeit bei der Shareholder Value Management AG weitergeben zu können.

Ich habe in Michigan jahrelang professionell American Football gespielt sowie Powerlifting und Leichtathletik betrieben. Trotz der „competitive atmosphere“ sind dort starke Freundschaften entstanden, welche mir heute am meisten fehlen. Doch viele meiner guten Freunde besuchen mich regelmäßig und sind von Deutschland und Europa begeistert.

FondsTrends: Herr Çela, wir danken Ihnen für das interessante Interview und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg – sowohl für den Fondsgipfel als auch die Shareholder Value Management AG!

Endrit Çela ist Relationship Manager der Shareholder Value Management AG. Seine frühe Kindheit verbrachte er in Albanien. Gemeinsam mit seiner Familie wanderte er im Alter von neun Jahren nach Michigan, USA aus und beendete dort seine sportliche und schulische Laufbahn. Seit elf Jahren lebt er in Deutschland. Hier absolvierte er sein Studium der Politikwissenschaften und wagte den erfolgreichen Quereinstieg in die Investmentwelt.





Artikel von wallstreet-online | 18. März 2019

Frank Fischer | CEO & CIO, Shareholder Value Management AG | www.shareholdervalue.de

Risiko ist relativ – Small Caps in unruhigen Zeiten

Um antizyklisch zu Investieren bedarf es guter Nerven und Geduld. Für antizyklisches Investieren in Small- und Mid Caps gilt dies sogar in noch höherem Maße. Aber: Bedarf es dafür auch Mut? Nein, ganz im Gegenteil! Es bedarf nur eines längeren Anlagehorizonts – und eines klaren Verstands. Denn langfristig erzielen Small Caps eine klare Outperformance gegenüber Large Caps. Dies zeigt ein Blick auf die Entwicklung der vergangenen 30 Jahre in den USA. Bei einem Beobachtungszeitraum von 10 Jahren kam etwa der Russell 2000 US Small Cap-Index auf eine kumulierte Rendite von 113 Prozent. Beim Russel Large Cap-Index waren es hingegen nur 46 Prozent. Der US-Ökonomen Rolf W. Banz hat dies als „Small-Cap-Effect“ beschrieben, der zeigte, dass langfristig die Renditen kleinerer Gesellschaften signifikant über denen großer Gesellschaften liegen, wie sie etwa im Dow Jones oder S&P 500 zu finden sind.

 
Small Caps sind performancestark, aber auch konjunkturabhängig
 
Aber – und das soll nicht verschwiegen werden – Small Caps sind in der Regel konjunkturabhängiger und damit einer höheren Schwankungsbreite ausgesetzt als Large Caps. Doch genau hier setzt das antizyklische Investieren an. Für uns als Value-Investoren ist ein Szenario, wie wir es derzeit an den Märkten sehen, geradezu ideal. Die weltweite Konjunktur schwächelt, dazu der Handelskrieg zwischen China und den USA, das Chaos um den Brexit. Die Märkte sind volatil, die Kurse geben nach – für uns die beste Zeit, genau jetzt die Aktien zu analysieren und zu identifizieren, die ein gesundes und nachhaltiges Geschäftsmodell haben, dabei über eine gewisse Preissetzungsmacht verfügen und im Idealfall auch noch von einem Eigentümer geführt werden, der mit Leib und Seele „sein“ Unternehmen durch die Krise führt. Wie nennen das: „Er hat ‚Skin in the Game‘!“ Entsprechend haben wir den Frankfurter – Value Focus Fund R aufgesetzt, der seit Beginn des Jahres jetzt auch in Deutschland zum Vertrieb zugelassen wurde. Mein Kollege Ronny Ruchay sucht mit unserem Team von Analysten genau in diesen Phasen, in denen andere Anleger die Finger von Small- und Mid Cap-Unternehmen lassen, nach unterbewerteten Aktien, die vom Markt mit nach unten gespült werden. Einfache Regeln des Value-Investing Dabei gelten einfache Regeln: Die Unternehmen müssen einen identifizierbaren ökonomischen Burggraben, einen sogenannten economic Moat, haben, der nachhaltig ist. Das können beispielsweise Kostenführerschaft oder auch Netzwerkeffekte sein, damit der Wettbewerb auf Abstand bleibt. Und dann der Business Owner, was nichts anderes bedeutet, als dass das Management das Unternehmen wie ein Eigentümer führt. Das heißt es maximiert den Unternehmenswert auf lange Sicht und nicht die eigene Vergütung oder kurzfristige Quartalsergebnisse. Die besten Erfahrungen haben wir mit Unternehmen gemacht, bei denen die Firmengründer noch an Bord sind, im Vorstand oder im Aufsichtsrat. Beispiele sind hier Grenke, Bechtle oder auch Nemetschek. Leider scheitern die Unternehmen oft am abschließenden Test: Die Frage nach dem Preis bzw. zu welchem Kurs kann man die Aktien des Unternehmens an der Börse kaufen. Der Wert muss eine ‚Margin of Safety‘ oder Sicherheitsmarge zum Preis an der Börse erlauben – das wahrscheinlich wichtigste Konzept vom Urvater des Value-Investing Benjamin Graham. Die Frage nach dem Kaufpreis ist allesentscheidend.
 
Aber in konjunkturellen Abkühlungsphasen, wie wir sie derzeit an den Märkten erleben, sind die Chancen groß, gute Unternehmen zu günstigen Preisen zu erwerben. Deshalb haben wir auch eine umfangreiche Liste von Unternehmen, in die wir gerne investieren würden. Fallen die Märkte, dann fallen auch deren Kurse – und das ist genau der Zeitpunkt, zu dem wir gerne „zuschlagen“.
 
Der Anlagehorizont ist entscheidend
 
Muss man dafür hohe Risiken eingehen? Das kommt auf den Anlagehorizont an und was Anleger unter Risiko verstehen. Die meisten verwechseln Risiko mit Kursschwankungen. Wir sehen das Risiko vor allem in der fundamentalen Entwicklung des Unternehmens – sprich, wie hoch werden die zukünftigen Cashflows sein und wie viel hat man dafür bezahlt. Dabei sind Kursschwankungen sogar eine gute Chance, sich in hervorragende Firmen günstig einzukaufen. Fondsinvestoren, die mindestens 5 Jahre, besser 10 Jahre Geduld mitbringen, werden eine gewisse Volatilität aushalten können. Dann haben Sie aber auch die Chance, überdurchschnittliche Renditen zu erzielen. Nebenwerte haben zudem den Vorteil, dass sie bei den meisten Analysten wenig Beachtung finden. Sie segeln also unter dem Radar der meisten Investoren. Das genau ist die Chance, echte Perlen im Markt zu finden.

Börse: Risiko ist relativ – Small Caps in unruhigen Zeiten | wallstreet-online.de – Vollständiger Artikel unter:
https://www.wallstreet-online.de/nachricht/11315880-boerse-risiko-relativ-small-caps-unruhigen-zeiten

Wertentwicklung 2018/2019
Stand: 28.02.2019

Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen

Rückblick 2018

Januar – April 2018:
Unsichere Großwetterlage macht uns skeptisch und lässt uns eine vorsichtige Positionierung einnehmen

Die US-Börsen starteten im Januar 2018 sehr freundlich, die europäischen Aktienmärkte folgten dieser Entwicklung aufgrund des starken Euros nur mühevoll und zeigten zum Monatsende eine zunehmende Schwäche. Im Februar kam es zu einer seit längerer Zeit überfälligen Korrektur an den internationalen Aktienmärkten. Gleichzeitig zeigte die Konjunktur deutliche Anzeichen einer oberen Trendwende an. Der neue Vorsitzende der Fed, Jerome Powell, bestätigte noch einmal, dass der amerikanischen Geldpolitik eine weitere Straffung im Jahr 2018 bevorstehe. Damit waren mehrere Faktoren gegeben, die uns für den weiteren Verlauf des vergangenen Jahres äußerst skeptisch stimmten und uns dazu bewogen haben, das Portfolio des Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen insgesamt defensiver auszurichten.  So betrug die Nettoaktienquote des Fonds im März rund 27 Prozent; die historische Netto-Durchschnittsaktienquote liegt hingegen bei 70 Prozent.

Weitere Unsicherheiten in Bezug auf den fortgeschrittenen Konjunkturzyklus, die US-Handelspolitik sowie die überdurchschnittliche Gewichtung der FANG-Geschäftsmodelle durch globale Investoren, führten im März 2018 zu einer weiteren Korrekturwelle an den globalen Aktienmärkten.

Aufgrund unserer insgesamt sehr defensiven Ausrichtung und unserer Absicherungsstrategien zu diesem Zeitpunkt gelang es, den Rückgang im Fonds im Vergleich zum Markt deutlich geringer zu halten.

Mai – August 2018
Technologiewerte ziehen den Markt nach oben, das Umfeld klart auf. Wir werden offensiver.

Die Großwetterlage aus Zinsängsten und Handelskonflikten wurde in den Monaten Mai bis August durch die Angst vor einer neuen Schuldenkrise in Italien weiter belastet. Vor diesem Hintergrund haben wir in dieser Zeit an unserer defensiven Positionierung festgehalten, um Drawdowns im Portfolio zu vermeiden. Trotz der negativen Grundstimmung waren im August US-Technologiewerte nach ihrer Korrektur im Frühjahr wieder stark gefragt und zogen mittelbar auch Indizes wie den MDAX auf neue Höchststände. Schwellenländer und europäische Börsen fanden sich auf der Verliererseite wieder. Die Bewertungen für Value und Growth laufen seit mehr als drei Jahren auseinander, was auch das  erwartete Kurs- Gewinnverhältnis des Russell-Growth und Russell-Value zeigt (siehe Grafik). Durch unsere defensive Positionierung konnten wir von der guten Börsenentwicklung nicht profitieren.

Mit Blick auf die sich verbessernden globalen Konjunkturerwartungen haben wir unsere Positionierung im Laufe des Sommers angepasst und die Nettoaktienquote sukzessive auf 90 Prozent erhöht.

September – Dezember 2018
Trendwende und Ausverkauf an den Aktienmärkten, wir erhöhen die Absicherung.

Value vs. Growth | Forward P/E Russell 1000 Value / Growth – Bewertungslücke wird seit 3 Jahren größer

Im September und Oktober kam es dann insbesondere in Europa zur Trendwende an den Aktienmärkten. Betroffen waren vor allem Nebenwerte und Value-Aktien. Für das Portfolio des Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen hatte die Entwicklung negative Konsequenzen. Hinzu kamen überproportionale Performancebelastungen durch einzelne Titel. Dazu gehörten besonders Telecom Italia, Software AG und Gerry Weber. Nebenwerteindizes wie der MDAX, die in den letzten Jahren besser gelaufen waren als Blue-Chip-Indizes, korrigierten in diesem Umfeld deutlich stärker. Wir haben große Indizes zur Absicherung genutzt und die Nettoaktienquote auf unter 70 Prozent gesenkt, konnten aber die Korrekturen nicht in vollem Umfang abfedern.

Verstärkte globale Konjunktursorgen und die Ankündigung der FED einer Autopilotstrategie führten im Dezember zu einem regelrechten Ausverkauf an den internationalen Aktienmärkten, dem sich auch unser Fonds nicht entziehen konnte.

Rückblick 2019

Ausgehend vom schwachen Jahresende 2018 kam es im Januar und Februar 2019 zu einer deutlichen Erholung an den Kapitalmärkten. Insbesondere die Bereitschaft der amerikanischen Notenbank ihre Normalisierungspolitik zu verschieben sowie die wahrscheinlicher werdende Einigung im Handelsstreit zwischen den USA und China verhalfen den Börsen trotz Konjunktur- und Brexit-Sorgen zu einem freundlichen Jahresstart. Der Fonds konnte in diesem Umfeld zwar etwas zulegen. Da wir unsere Aktienquote nach den ersten Januartagen aber insgesamt verringert hatten (49 Prozent Nettoaktienquote im Februar), war die Performance zwar insgesamt positiv, fiel aber relativ gesehen schwächer aus. Neben den schwachen Konjunkturdaten fehlte uns eine technische Bodenbildung für eine längere Erholungsphase. Positive Beiträge kamen aus dem Technologiesektor und von chinesischen Titeln, negativ waren wiederum durch die Bank viele der kleineren Titel. Wir haben innerhalb des Portfolios reagiert und Small Caps reduziert und stattdessen Positionen in größeren Qualitätsaktien aufgebaut.

Aktuelle Positionierung und Ausblick:

Wir sehen jetzt, dass die Fed bei ihren Zinsentscheidungen vom Gas geht und haben deshalb einige Hedges aufgelöst und auch angefangen unsere Aktienquote zu erhöhen.

Europa bleibt insgesamt eher ein Sorgenkind. Hoffnungen setzen wir dagegen auf China. Die Regierung in Peking hat ein Konjunkturprogramm mit einem Umfang von umgerechnet 370 Milliarden US-Dollar auf den Weg gebracht. Kommt es zusätzlich zu einer Einigung im Handelsstreit mit den USA, würden exportorientierte, zyklische Werte profitieren. Zu den Favoriten gehören dann Auto-, Chemie- und Industriewerte. Im besten Falle halten wir einen weiteren Anstieg deutscher Aktien von 8 bis 10 Prozent für möglich, im schlechtesten ist die Lösung des Handelsstreit schon eingepreist. Grundsätzlicher Rückenwind kommt von der EZB und auch der FED. Solange weitere Zinserhöhungen aufgeschoben werden und die weitere Verkürzung der Bilanz ausgesetzt wird, droht kein Liquiditätsengpass. Das ist positiv, auch für deutsche Aktien. Ein möglicher Belastungsfaktor bleibt in diesem Jahr der Brexit. Im Moment gehen wir aber immer noch von einer Verschiebung und somit der Vermeidung eines Hard Brexit aus, einfach, weil beide Seiten zu viel zu verlieren haben.

Wir halten an unserem bewährten Konzept fest und unser oberstes Kredo bleibt die Vermeidung des permanenten Kapitalverlustes. Aus diesem Grund haben wir zwar unsere teilweise Absicherung etwas spät aufgelöst und auf eine Entspannung in den Themen Notenbankpolitik, Konjunktur und Handelskonflikt gewartet. Im Nachhinein scheinen die Märkte diese Entwicklung antizipiert zu haben. Ganz bewusst haben wir dabei mehr Sicherheit gegen kurzfristige Marktchancen getauscht. Wir bevorzugen nach wie vor familien- und eigentümergeführte Firmen mit nachhaltigen Geschäftsmodellen und strukturellen Wettbewerbsvorteilen wie z.B. Patenten. Wir investieren nicht nur in klassische Value-Titel, sondern auch in Firmen deren langfristig sicheres Wachstum noch nicht vollständig eingepreist ist. Und diese sind aktuell an der Börse günstiger zu bekommen als vor einem Jahr oder um in der Value-Sprache zu bleiben: die Sicherheitsmarge ist größer geworden.

Artikel von Das Anlagemagazin der Börsen Zeitung | März 2019

Frank Fischer | CEO & CIO, Shareholder Value Management AG | www.shareholdervalue.de

Frank Fischer ist CEO und Chief Investment Officer der Shareholder Value Management AG. Er managt den Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen.

Herr Fischer, Sie sind bekennender Anhänger des US-Investors Warren Buffett. Warum sind Sie von seiner Investmentphilosophie überzeugt?

Permanentes Lernen, das fasziniert mich an ihm. Buffett hat das Value Investing weiterentwickelt. Angefangen hat es mit der Suche nach Unternehmen mit unterbewerteten Assets, zum Beispiel Grundstücken. Buffett hat gezeigt, dass es viel besser ist, in Firmen mit Preissetzungsmacht und hohen Kapitalrenditen zu investieren, die ich wie ein Miteigentümer verstehe und deren Märkte eine halbe Ewigkeit wachsen. Dafür muss man sich mit den Geschäftsmodellen und den adressierten Märkten beschäftigen.

Wie gehen Sie dabei vor?

Wir verwenden drei Value-Kriterien. Das A und O ist die Sicherheitsmarge. Typischerweise streben wir einen Abschlag von 40 % zum inneren Wert an. Dafür muss man kaufen, wenn es schwerfällt, weil Panik herrscht. Wenn Euphorie da ist, muss man verkaufen. Zweitens achten wir auf die Besitzverhältnisse. Wir lieben familien- oder eigentümergeführte Firmen, weil sie die richtigen Anreize für langfristiges und nachhaltig wirtschaftliches Investieren setzen. Drittes Kriterium ist der strukturelle Wettbewerbsvorteil. Wir sehen das Unternehmen als Burg, drum herum ein möglichst breiter und tiefer Burggraben in Form von Patenten, Lizenzen und Netzwerk- oder Skaleneffekten.

Gibt es weitere Punkte?

Den vierten Schritt nennen wir Mister Market. Diese Figur stammt von Benjamin Graham, dem Urvater des Value Investings. Sie steht für die Launen der Anleger. Wir haben eine Datenbank entwickelt, um die Stimmung zu ermitteln. Damit versuchen wir, die Volatilität zu verringern und permanente Kapitalverluste zu vermeiden. Hier unterscheiden wir uns von Buffett, der sich um den Markt so gut wie gar nicht kümmert.

Wie schätzen Sie die aktuelle Stimmung ein?

Wir befinden uns in einem moderaten Gier-Umfeld. Die Angst, die im vergangenen Herbst herrschte, ist abgearbeitet. Aus der Realwirtschaft kommen viele negative Signale. Die Einkaufsmanagerindizes schmieren ab. Investoren sichern sich stark ab – ein absolutes Warnsignal. Deshalb sind wir sehr vorsichtig. Unsere Aktienquote liegt bei 65 %, also unter dem langfristig angestrebten Durchschnitt von 70 %. Außerdem haben wir einen Hedge eingezogen.

Halten Sie Aktien der Buffett-Holding Berkshire Hathaway?

Immer mal wieder, aktuell aber nicht. Wir warten auf günstigere Kurse.

Was sollten Privatanleger von Buffett lernen?

Antizyklisch und langfristig zu investieren. Das Wichtigste ist, nicht zur Unzeit die Nerven zu verlieren. Wenn du in Panik bist, dich aber nicht traust, antizyklisch zu kaufen, dann verkauf wenigstens nicht, sondern halte die Schwankungen aus.

Das Interview führte Helmut Kipp