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Kolumne von Frank Fischer, CEO & CIO der Shareholder Value Management AG | 18. Mai 2020 | www.shareholdervalue.de

Die Stimmung an den Märkten bleibt angespannt. Die Staatsverschuldung der Industrienationen ist von 90 auf über 120 Prozentpunkte nach oben geklettert. Und bei vielen Unternehmen sieht es auf der Schuldenseite nicht besser aus. Die Krise wird uns noch einige Zeit begleiten. Die Corona-Pandemie hat aber auch einen positiven Nebeneffekt: Sie zwingt uns anders zu denken!

Um in der aktuellen Krise Mehrwert für die Anleger zu schaffen, bedarf es unterschiedlicher Denkmodelle. Wir sind schon immer Value-Investoren gewesen – und bleiben es auch! Aber es gibt verschiedene Ansätze, um Value in den Portfolios unserer Mandate wie dem Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen umzusetzen. Da ist zum einen das klassische „Graham Value“, bei dem sich die Unternehmen vor allem durch ein niedriges KGV und einen hohen Buchwert auszeichnen. Hier liegt der Fokus klar auf der Bewertung des Unternehmens. Dann das sogenannte „Narrow Moat Value“, bei dem die Unternehmen ein erhöhtes KGV haben, gleichzeitig aber über eine, wenn auch geringe, Preissetzungsmacht verfügen. Und dann haben wir das „Wide Mode Value“, oder auch „Modern Value“ genannte Modell. Die Unternehmen in dieser Kategorie haben zwar ein hohes KGV, aber auch eine sehr hohe Preissetzungsmacht. Hinzu kommt ein hohes Umsatzwachstum. Bei dieser Betrachtungsweise geht es vor allem darum, welchen Mehrwert in Form von Dividenden, Aktienrückkäufen, Wachstum und Rendite auf reinvestiertes Kapital (ROIIC) wir bekommen. Auch dieser Ansatz ist seit vielen Jahren Teil unserer Anlagestrategie. In der Krise setzten wir darauf einen besonderen Fokus.

Klare Kriterien für „Modern Value“

„Modern Value“ finden wir in Unternehmen wie Alphabet und Alibaba, aber auch in deutschen Nebenwerten wie Secunet Securities und WashTec. Diese Firmen haben um ihr Geschäftsmodell herum einen sogenannten Burggraben in Form eines strukturellen Wettbewerbsvorteils aufgebaut und verfügen so über hohe Markteintrittsbarrieren. Gleichzeitig sind sie in nachhaltig wachsenden Märkten aktiv. Im Ergebnis verzeichnen sie eine hohe und wachsende Kapitalrendite. Kommt dazu noch eine große Sicherheitsmarge, können wir als Value-Investoren Ausverkaufssituationen wie in den letzten Wochen zum Einstieg nutzen oder schon bestehende Positionen ausbauen.

Alphabet und sein neues „Billion User-baby“

Ein gutes Beispiel ist Alphabet. Der Google-Konzern hat erst kürzlich bei der Vorlage seiner Quartalsergebnisse gezeigt, welche Macht in diesem Unternehmen steckt. Der Umsatz wuchs zweistellig, der Konzerngewinn stieg in Q1 auf 6,7 Milliarden Dollar. Und damit nicht genug: Um neue Kunden zu gewinnen, wurde das Videokonferenzsystem „Google Meet“ den Nutzern kostenlos zur Verfügung gestellt. In Zeiten von Homeoffice und abgesagten Dienstreisen ein riesiger Markt, den Alphabet hier konsequent angeht. Mit „Google Meet“ scheint das nächste „Billion User-Baby“ des Konzerns heranzuwachsen, also ein Dienst, der weltweit mehr als eine Milliarde Nutzer an Alphabet bindet.

Secunet, die Sicherheitsexperten

Ein anderes Beispiel ist der deutsche Nebenwert Secunet Securities. Das Essener Unternehmen ist Spezialist für Datensicherheit. Hinzu kommt, dass man eine Nische besetzt, in die kaum ein Wettbewerber eindringen kann. So ist die Firma bei der deutschlandweiten Einführung der elektronischen Gesundheitskarte für Arztpraxen und Krankenhäuser führend und hat dabei Teile des Geschäfts übernommen, das zuvor von T-Systems betrieben wurde. Hinzu kommen Software-Updates und die Wartung der Geräte, die hohe Erlöse garantieren. Darüber hinaus hat man mit der Auslieferung sogenannter E-Kioske für die digitale Passkontrolle an Flughäfen begonnen. Derzeit herrscht auf den Flughäfen rund um den Globus zwar die große Flaute, das wird aber nicht immer so bleiben.

WashTec: „Sauber“ aus der Krise

Selten, aber doch einige Male, blitze während der Rede ein verschmitztes Lächeln über das Gesicht von des Alteisters. Vor allem immer dann, wenn er optimistisch in die Zukunft schaute. Das breiteste Grinsen war allerdings zu bemerken, als er nochmal auf Charlie Munger zu sprechen kam. „Charlie wird nächstes Jahr wieder hier sein. Das hat er mir fest versprochen“, berichtete Buffett. Dann ist sein Weggefährte immerhin schon 97 Jahre alt. Einen Mangel an Optimismus kann man den beiden Haudegen wirklich nicht vorwerfen!

Vom Ende einer anderen Flaute wird WashTec profitieren. Die Aktie des Weltmarktführer für Autowaschanlagen war im Zuge des Shutdowns um rund 40 Prozent gefallen, nachdem in der Krise fast keiner mehr Auto gefahren ist. Nach den ersten Lockerungen zieht der Individualverkehr aber wieder an, wie man an den jüngsten Staus auf den Autobahnen und in den Städten sehen kann. Dadurch werden Autos wieder schmutzig und müssen gewaschen und gepflegt werden. Von alledem profitiert das Unternehmen aus Augsburg. WashTec hat zudem einen ausgeprägten Wettbewerbsvorteil, da es nicht nur die Waschanlagen verkauft, sondern auch den gesamten Service und die Versorgung der Anlagen abdeckt.

All diese Beispiele zeigen, wie wichtig ein ausgeprägter Wettbewerbsvorteil, hohe Markteintrittsbarrieren und eine damit verbundene Preissetzungsmacht sind. All das ist Value, nur eben nicht klassisch, sondern neu gedacht.





Kommentar von Frank Fischer, CEO & CIO der Shareholder Value Management AG | 04. Mai 2020 | www.shareholdervalue.de

Covid-19 hat die Weltwirtschaft im Griff

Die Corona-Krise hat Wirtschaft und Gesellschaft weltweit im Griff. Länder wie China, Korea und Taiwan sind auf dem Weg zurück in die Normalität. Die andauernden Kontrollmaßnahmen in der Öffentlichkeit machen aber deutlich, dass man von einer Situation, wie sie vor dem Ausbruch der Pandemie bestand, auch dort noch weit entfernt ist. In anderen Teilen der Welt, unter anderem den USA, Afrika, Indien und Südamerika sowie Teilen Europas, tobt weiterhin der Kampf gegen den Virus.

Das staatliche Vorgehen spaltet zunehmend die westlichen liberalen Gesellschaften und lähmt die internationalen Lieferketten und damit die Weltwirtschaft. Wir befinden uns in einer globale Rezession und die psychologischen, sozialen und wirtschaftlichen Folgen von Covid-19 werden Narben u.a. auch in Form von exorbitanten Schulden hinterlassen, mit denen wir uns noch lange auseinandersetzen müssen. Nach den starken Einbrüchen an den Weltbörsen im März machte sich im April an den Börsen vorsichtiger Optimismus breit. Dieser war vor allem in den massiven politischen und monetären Aktionen unter Einbeziehung der Notenbanken begründet: Anders als zu Zeiten der Finanzkrise, als insbesondere Europa nur langsam Maßnahmen ergriff, haben die Regierungen diesmal weltweit zwar nicht konzertiert, aber zumindest schnell gehandelt. Trotzdem wird es 2020 zu einer echten weltweiten Rezession kommen.

Was bedeutet das für die Unternehmen?

Die aufkommende Rezession spiegelt sich naturgemäß in den Unternehmensergebnissen wider, wie die laufende Berichtssaison zeigt. Bei den Unternehmen sind unterschiedliche Entwicklungen erkennbar: Branchen wie Gastronomie, Reise- und Luftfahrtunternehmen liegen am Boden. Hier kommen die Liquiditätshilfen in einigen Fällen möglicherweise zu spät oder es ist mit Verwässerungen durch Kapitalerhöhungen zu rechnen. Aber andere Branchen konnten in der Krise sogar zulegen. Dazu gehören die FAANG-Werte Facebook, Apple, Amazon, Netflix und Google/Alphabet, sowie Microsoft. Die in der Lockdown-Phase besonders gefragten Dienste von Amazon führten sogar zu neuen Höchstkursen.

Homeoffice, Online-Konferenzen und ein schneller Datenaustausch und -zugriff haben in der Krise stark an Bedeutung gewonnen. Mit Ausnahme von Netflix hatten all diese Unternehmen bereits vor der Krise hohe Cash-Reserven. Das macht sie weniger anfällig für die Folgen einer Rezession als etwa Unternehmen, deren Bilanzen schon vor dem Virus-Ausbruch „auf Kante genäht“ waren.

Was heißt das für einen Value-Investoren?

Wir sind überzeugte Value-investoren. Die klassische Value-Definition wurde von Benjamin Graham aufgestellt und bezeichnet Aktien, die sich primär durch niedrige Bewertungen, einen hohen Substanzwert und eine hohe Dividendenrendite auszeichnen. Wir haben unseren Value-Ansatz seit den 90er Jahren konsequent weiterentwickelt. Wie Warren Buffett und Charlie Munger glauben wir, dass die Kapitalrendite eines Unternehmens einen höheren Einfluss auf die Performance der Aktie hat als der Preis, der für die Aktie gezahlt wurde. In dieser „Modern Value“-Perspektive ist also nicht der Preis allein entscheidend, sondern die Höhe der künftigen Cash-Flows. Dieser Ansatz erlaubt auch die Investition in höher bewertete Aktien, wenn sie eigentümer- und familiengeführt sind, über strukturelle Wettbewerbsvorteile, den wirtschaftlichen Burggraben sog. „Moat“, verfügen und die Aktie, gemessen am erwarteten künftigen Cash-Flow, eine Sicherheitsmarge bietet.

Wie agiert der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen derzeit?

Aus diesem Grund setzen wir im Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen den Fokus in erster Linie auf Firmen, die die Krise mittelfristig möglichst stabil überdauern werden oder sogar gestärkt daraus hervorgehen. Die Grundvoraussetzung hierfür ist eine gesunde Bilanz, die sich insbesondere durch eine hohe Liquidität und eine niedrige, auf das jeweilige Geschäftsmodell abgestimmte, Verschuldung auszeichnet. So haben Unternehmen wie z.B. Amazon eine Liquidität von über 55 Mrd. US-Dollar oder Alphabet von nahezu 120 Mrd. US-Dollar. Ähnliches trifft auch auf die kleineren Firmen zu, aus denen das Portfolio des Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen zum Großteil besteht. Wir suchen und investieren weiterhin in stabile Geschäftsmodelle mit strukturellen Wettbewerbsvorteilen.

Dies bezeichnen wir als wirtschaftlichen Burggraben. Idealerweise werden diese Unternehmen inhabergeführt, wie es auch bei Alphabet, Facebook und Amazon oder Alibaba der Fall ist. Das Aktienportfolio besteht aktuell zu knapp 50 % aus solchen „Modern Value“-Firmen mit einem breiten und tiefen wirtschaftlichen Burggraben. Nebenwerte wie unser Portfoliowert secunet Security Networks AG erleben mit Cybersecurity-Diensten und sicheren Netzwerkarchitektur-Produkten (SINA genannt) durch die Corona-Krise gerade eine Sonderkonjunktur. Die Aktie notiert mittlerweile auf einem Allzeithoch, da sie über einen solchen „Moat“ verfügt.

Knapp 30% des Portfolios sind weiterhin „klassische“ Value-Werte in der Definition von Benjamin Graham. Sie sind aufgrund der sich abzeichnenden Rezession teilweise sehr deutlich gefallen. Aktien, wie z.B. die Automobil-Ingenieursdienstleister Bertrandt und Edag, wie Freenet, Kapsch, Metro, oder in England auch der Anbieter von Sozialwohnungen und -dienstleistungen Mears und der Flugzeugabfertiger Menzies, leiden besonders unter der aktuellen Situation. Auf dem aktuell teilweise sehr gedrückten Niveau verfügen die Titel jetzt über eine sehr oder sogar extrem hohe Sicherheitsmarge. Hierliegt sicherlich aktuell das größte Aufholpotential des Fonds, was aber Geduld erfordert, denn die klassischen Value-Titel laufen typischerweise erst zeitversetzt nach oben. Oft braucht es ein wenig Zeit, bis temporäre Ineffizienzen vom Markt erkannt werden und die Liquidität auch diese Titel erfasst.

Was spricht in diesem Umfeld für den Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen?

Unser Portfolio zeichnet sich derzeit durch einen hohen Anteil stark unterbewerteter Titel aus, die über stabile Geschäftsmodelle verfügen. Dazu kommt unser aktives Risikomanagement. Hiermit erzielten wir mittel- bis langfristig aktienmarktähnliche Renditen bei einer deutlichen Reduzierung der Schwankungen (s. Graphik*). In der sehr kurzfristigen Perspektive ist der Fonds nicht vor Wertschwankungen gefeit. Das liegt unter anderem auch daran, dass das Portfolio zu ca. 60% aus Small- und Mid Caps besteht, die in Krisensituationen stärker fallen und sich leider nicht eins zu eins absichern lassen. Langfristig ergibt sich aber aus ihnen ein überproportionales Renditepotential.

*Die Performance der Vergangenheit ist kein Indikator für die Zukunft.

Der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen hat sich nach temporären Schwächephasen immer erholt. Solche Erholungsphasen gab es 2009, 2015 und ab dem Sommer 2019. Bis dahin konnte der Fonds über mehr als 10 Jahre eine zweistellige Wertentwicklung aufweisen. Seit Auflage im Jahr 2008 vor der Finanzkrise konnte der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen eine Rendite von durchschnittlich 6,5% p.a. erzielen, was der Rendite des DAX entspricht – allerdings nur bei halber Volatilität.

Obwohl der Fonds einen vermögensverwaltenden Ansatz hat und sein Schwerpunkt auf Value-Aktien und Nebenwerten liegt, wird seine Wertentwicklung von Anlegern immer wieder mit dem DAX als gängigem und bekannten Index, gerade für deutsche Investoren, verglichen. Offizieller Referenzindex ist allerdings der MSCI European Smaller Companies, weshalb wir zu Vergleichszwecken beide in der Graphik verwendet haben.

Fazit:

Wir fokussieren uns bei der Zusammenstellung des Portfolios unseres Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen auf Unternehmen, die gut gemanagt sind und auch nach der Krise ihre Marktposition behaupten können. Wir legen unseren Schwerpunkt aktuell noch stärker auf „Modern Value“-Unternehmen, die einen möglichst breiten wirtschaftlichen Burggraben um ihre Firma errichtet haben, denn wir gehen davon aus, dass die Märkte noch eine Weile volatil bleiben und es noch einige Monate dauert, bis sich die Wirtschaft weltweit wieder eingependelt hat. Die Fiskalpolitik und die enorme Liquidität werden den Markt weiterhin stabilisieren und nachhaltig anschieben. Trotzdem agieren wir vorsichtig, denn wir investieren langfristig. Für uns spielen bei der Qualität der Unternehmen, deren Bilanzen und ihre Verschuldung eine wichtige Rolle.

Unserem bewährten und transparenten Investment-Ansatz werden wir auch in Zukunft treu bleiben. Konkret bedeutet dies, dass wir die Volatilität als Chance nutzen, um nach den bewährten vier Prinzipien des Value-Investing anzulegen. Dabei profitieren wir von der langjährigen Expertise unseres Investment-Teams um unseren CIO Frank Fischer und folgen dabei unserem ethischen Leitfaden, denn auch in schwierigen Phasen dürfen moralische Verpflichtungen nicht außer Acht gelassen werden.

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Kolumne von Frank Fischer, CEO & CIO der Shareholder Value Management AG | 04. Mai 2020 | www.shareholdervalue.de

Er saß etwas einsam und verloren mit seiner obligatorischen Cola vor der Kamera. So ganz ohne seinen alten Kumpel und Weggefährten Charlie Munger musste Warren Buffett die Hauptversammlung von Berkshire Hathaway leiten. Gut, mit gebührendem Abstand an seiner Seite hatte Greg Abel, Vorsitzender und CEO von Berkshire Hathaway Energy und seit Januar 2018 stellvertretender Vorsitzender des Nichtversicherungsgeschäfts, Platz genommen. Aber das war nicht dasselbe. Im vergangenen Jahr hatten noch mehr als 40.000 Aktionäre das CenturyLink Center in ein Tollhaus verwandelt. In diesem Jahr waren Buffett und Abel allein. „Charlie ist in guter Verfassung“, versicherte Buffett zu Beginn der Online-HV. Aber für eine Veranstaltung ohne Aktionäre und ohne großes Publikum hatte Munger anscheinend keine Lust.

Hohe Verluste, aber das operative Geschäft läuft gut

Buffett war also mehr oder weniger allein, die Corona-Pandemie hatte ein erneutes Spektakel verhindert. Wie der Corona-Virus sowieso die Tagesordnung beherrschte. Das wurde schon an den Zahlen zum 1. Quartal deutlich: Berkshire Hathaway verbuchte in den ersten drei Monaten einen Rekordverlust von knapp 50 Milliarden Dollar. In Q1 2019 war noch ein Nettogewinn von 21,7 Milliarden Dollar ausgewiesen worden. Verantwortlich für das Minus waren vor allem die Kursverluste seit Beginn der Pandemie.

Das ärgert Buffett aber, denn es hält dies nur für eine Momentaufnahme und um reine Buchverluste. Wegen einer Änderung der Bilanzierungsregeln muss Berkshire Hathaway seit 2018 auch unrealisierte Kursverluste in der Gewinn- und Verlustrechnung berücksichtigen. Buffett hatte das immer wieder kritisiert und seinen Aktionären stattdessen empfohlen, dem Nettogewinn keine Beachtung zu schenken. Er verweist lieber auf das operative Geschäft. Hier wurde im ersten Quartal ein Gewinn von 5,9 Milliarden Dollar verbucht. 300 Millionen mehr als im Jahr zuvor.

Alle Airline-Aktien verkauft

Doch Buffett musste auch reale Verluste einräumen, die aber erst in Q2 zu Buche schlagen. Dies betrifft vor allem die Aktien der großen US-Fluggesellschaften. Vor Ausbruch der Krise hatte Berkshire Hathaway noch mehrere Milliarden Dollar in Aktien von American Airlines, United Airlines, Delta Air Lines und Southwest Airlines gehalten. Nun wurden diese allesamt mit Verlust verkauft, wie Buffett einräumte. „Die Welt hat sich für die Fluggesellschaften verändert“, und die Gewinnsituation dramatisch eingetrübt, so Buffett. Ein Investment sei daher nicht mehr attraktiv. Dabei räumte er auch eigene Fehleinschätzungen ein.

Das hatte zur Folge, dass im April für 6,5 Milliarden Dollar Aktien verkauft wurden. Auf der anderen Seite wurden nur 426 Millionen Dollar neu investiert. Das erstaunt angesichts der Tatsache, dass Berkshire Hathaway auf einem Cash-Polster von rund 137 Milliarden Dollar sitzt. Aber Buffett machte indirekt klar, dass er die Zeit für größere Engagements noch nicht für reif halte. Die Situation der US-Wirtschaft sei wegen Corona noch nicht abschließend zu beurteilen.

Pandemie wird noch „deutliche Spuren“ hinterlassen

Was die Krise insgesamt betrifft, so ist Buffett aber optimistisch. Die USA hätten schon schlimmere Situationen überstanden. Die Pandemie werde zwar „deutliche Spuren“ hinterlassen. Das treffe auch auf einige Tochterunternehmen von Berkshire Hathaway zu. Man werde aber damit fertig werden.

Diese Zuversicht beruhigt auch uns als Aktionäre, schließlich halten wir die Aktie in unseren Mandaten wie dem Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen und anderen. Dass die Krise aber die amerikanische Wirtschaft noch mindestens zwei Jahre beeinträchtigen wird, ist auch Buffett klar. So scheint er auch noch niedrigere Kurse zu erwarten bevor er größere Positionen neu eingeht. Oder, um es mit einer Value-Weisheit zu sagen: Es ist noch nicht die Zeit, wo ALLE anderen nur noch Angst haben! Wenn dem so ist, wird es Unternehmen geben, die über die Zeit sagen werden: „Bitte hilf mir mit Fremdkapital“. Dann wird sich Buffett mit seinem Cash solche Engagements vergolden lassen. Als Aktionär muss man nur die notwendige Geduld mitbringen.

Das Versprechen

Selten, aber doch einige Male, blitze während der Rede ein verschmitztes Lächeln über das Gesicht von des Alteisters. Vor allem immer dann, wenn er optimistisch in die Zukunft schaute. Das breiteste Grinsen war allerdings zu bemerken, als er nochmal auf Charlie Munger zu sprechen kam. „Charlie wird nächstes Jahr wieder hier sein. Das hat er mir fest versprochen“, berichtete Buffett. Dann ist sein Weggefährte immerhin schon 97 Jahre alt. Einen Mangel an Optimismus kann man den beiden Haudegen wirklich nicht vorwerfen!





Marktkommentar von Frank Fischer, CEO & CIO der Shareholder Value Management AG | 16. März 2020 | www.shareholdervalue.de

Aktuelle Situation

Der Preiskrieg um Öl zwischen Saudi-Arabien und Russland, die schnelle und inzwischen weltweite Ausbreitung des Coronavirus sowie die erste Enttäuschung über die Reaktion der Europäischen Zentralbank, haben den Abwärtstrend an den Aktienmärkten verstärkt und in den vergangenen Tagen zu massiven Einbrüchen an den Börsen und beim Ölpreis geführt. Unser „Mr. Market-Cockpit“, in dem wir verschiedene Finanzmarkt-, Sentiment- und Fundamentaldaten zusammenführen, hat uns bereits in den vergangenen Tagen angezeigt, dass Angst im Markt ist. Aber jetzt kommt Panik auf und damit fällt quasi der Sommer- und der Winterschlussverkauf auf den gleichen Zeitraum! Sowohl unsere Sentiment- als auch Kapitulations-Unterstützungsmodelle zeigen aktuell extreme Ausschläge, was technisch gesehen klare Kaufsignale sind.

Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen sind jetzt viele soziale Aktivitäten nicht mehr möglich oder sogar behördlich untersagt. Das führt dazu, dass in Restaurants die Gäste ausbleiben oder Messebauern die Aufträge wegbrechen, weil die Messen ausfallen. Deshalb verzeichnen viele Unternehmen Umsatzeinbrüche bei gleichbleibenden Verpflichtungen, wie Lohn- und Steuerzahlungen. Daher müssen diese Unternehmer Liquidität schaffen um diese Verbindlichkeiten bedienen zu können. In Summe bedeutet dies, dass Assets wie Aktien oder auch Gold (über-)verkauft werden. Damit dies nicht überhandnimmt haben die Regierungen den Unternehmen umfangreiche Unterstützungen zugesagt, wie z.B. die Kurzarbeit in Deutschland. Die kurzfristige fundamentale Folge der umfangreichen weltweiten Quarantänen ist eine globale Rezession. Wir erwarten ein deutlich rückläufiges Wirtschaftswachstum sowohl in Q1 wie auch Q2 2020. Allerdings hat die Politik in vielen Ländern und nicht nur in Deutschland quasi den Draghi gemacht. Es gilt „whatever it takes“ um die Unternehmen und die Arbeitsplätze zu sichern. Der Umfang der monetären Unterstützung durch die Notenbanken und das Ausmaß der fiskalischen Unterstützung übertrifft alle bisherigen Unterstützungen in früheren Krisen bei weitem!

Sehr wichtig ist die Beobachtung, dass die die Strategie der sozialen Distanzierung in China und Südkorea sehr gut funktioniert hat. Dies kann man am Abflachen der Anzahl der Neuinfektionen sehr gut verfolgen. Es ist naheliegend innerhalb der nächsten Wochen von einem ähnlichen Verlauf in den westlichen Ländern auszugehen. Sobald die Verbreitung des Coronavirus durch rückläufige Zunahmen seinen Höhepunkt überschritten hat, werden der Ozean der Notenbankliquidität und die enormen Konjunkturpakete ihre Wirkung entfalten. Wegweisend für Europa wird die Entwicklung in Italien sein. Hier wird es deutlich werden, dass die Maßnahmen nicht nur in Asien funktionieren, sondern auch westliche Demokratien diese erfolgreich umsetzen können. Daher erwarten wir im Gegenzug zu den letzten Tagen auch eine eine extrem aggressive Erholungsbewegung der Aktienmärkte.

Das Rendite-Risiko-Verhältnis ist auf dem stark gedrückten Niveau so viel besser, dass wir bei vielen soliden familiengeführten Qualitätsunternehmen wieder sehr deutliche Unterbewertungen sehen. Die Aktienrenditen, die jetzt erwirtschaftet werden können, werden Anlegern noch über viele Jahre sehr viel Spaß machen, wenn sie ihre Angst im derzeitigen volatilen Umfeld überwinden und das einzig richtige tun: ihre Aktienquoten ausweiten!

Wertentwicklung und Positionierung

Bei allem menschlichen Leid und bei all der Trauer um die Opfer, die die Krise gefordert hat und noch fordern wird: Die Volkswirtschaften in ihrer jeweiligen Gesamtheit werden diese Krise überstehen und die Chancen, eigentümergeführte Unternehmen mit einem starken strukturellen Wettbewerbsvorteilen, dem Burggraben, zu solchen Kursen zu erwerben, gibt es in einer Dekade meistens nur einmal. Wir hatten schon frühzeitig auf die Gefahren einer Pandemie hingewiesen und im Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen das systematische Risiko des Aktienmarktes weitestgehend abgesichert und konnten damit die Kursrückgänge deutlich abdämpfen. Aber auch wir haben die Konsequenzen und die daraus resultierende Liquiditätskrise unterschätzt. Nach dem Einbruch am 9. März haben wir unsere Absicherung reduziert, und haben unsere Aktienquote ausgeweitet, um sich die nun bietende Chancen nutzen zu können.

Wie geht es weiter?

Dennoch gehen wir mit Blick auf mögliche weitere Korrekturen vorsichtig vor und überprüfen unsere Positionierung laufend. Trotz der durch unser Mr. Market Cockpit messbaren Kapitulation der Anleger und den sehr attraktiven Bewertungen kann der bisherige Tiefpunkt eventuell erneut getestet oder sogar temporär unterschritten werden.

Die meisten Menschen haben zu wenig Aktien und viel zu viel Festgeld und negativ verzinsliche Anleihen. Überwinden Sie ihre Ängste und steigen Sie jetzt in den Markt ein. Weiten Sie die Aktienquote aus, auf diejenige, die sie immer haben wollten! Ihr Engagement in unternehmerischen Beteiligungen wird sich auf lange Jahre auszahlen und sehr gute Renditen liefern. Durch den Kurssturz der vergangenen Tage gibt es phantastische Firmen im Sonderangebot. Wie lange die Illiquiditätssituation an den Börsen und der Ausverkauf andauert, kann niemand sicher voraussagen. Aber es gilt, jetzt die Ängste zu überwinden und die Gelegenheit zu nutzen.

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08. Februar 2020 | www.shareholdervalue.de

Die finanzennacht 2020 und die Verleihung des Goldenen Bullen als Oskar der Finanzbranche war auch in diesem Jahr wieder ein absolutes Highlight. Bereits zum 27. Mal fand die Veranstaltung statt; Dieses Jahr im HOCH5, einem Werksgelände und Kreativquartier im Münchner Osten.

Mit über 500 Teilnehmer gehört die finanzennacht zu den wichtigsten Branchentreffs der Finanz- und Bankenszene. Shareholder Value war mit Clara Menzel und Endrit Çela vor Ort vertreten.

Bereits 2018 hat Frank Fischer den Goldenen Bullen als Bester Fondsmanager des Jahres gewonnen und auch in diesem Jahr gab es einen Preis. Der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen gewann den zweiten Platz in der Kategorie bester Mischfonds überwiegend Aktien über 10 Jahre

Bei der Preisverleihung wurden insgesamt zwölf begehrte Preise aus den unterschiedlichsten Kategorien vergeben. Zwei Goldene Bullen gingen auch an Vertreter der Versicherungsbranche. Das Vorsorgeprodukt des Jahres (HDI), sowie die Versicherungsinnovation des Jahres – Versicherungen für Photovoltaikanlagen der Versicherungskammer Bayern. Hier zeigt sich, wie präsent das Thema Nachhaltigkeit sich durch die Branchen zieht. Auch wir können mit unserer Lösung für Fondspolicen der Versicherungen durchaus eine Innovation für die Lebensversicherer anbieten.

Aber nicht nur die Nachhaltigkeit wird in der Finanzbranche aktuell hervorgehoben. Wie schon auf dem Fondskongress vergangene Woche in Mannheim deutlich wurde, ist auch das Thema „Frauen und Geldanlage“ sehr präsent. Welche Themen Frauen bei der Geldanlage beschäftigen, wie man diese Zielgruppe in der Kommunikation besser erreichen kann und wieviel Potential hier liegt, darüber sprachen vom Finanzenverlag die Chefredakteurinnen Astrid Zehbe und Daniela Meyer der neuen Zeitschrift Courage, die erstmalig Ende Februar diesen Jahres erscheint.

Für uns war die finanznacht 2020 eine gute Gelegenheit uns mit Kollegen aus der Branche auszutauschen, neue Kontakte zu knüpfen und uns für die Herausforderungen im nächsten Jahr vorzubereiten.






Artikel von Börsen-Zeitung | 9. Dezember 2019

Frank Fischer | CEO & CIO, Shareholder Value Management AG | www.shareholdervalue.de

Herr Fischer, wann und womit haben Sie Ihr erstes eigenes Geld verdient?
Ich habe mit sieben Jahren an der Endhaltestelle der Linie 23 in Frankfurt selbstgemalte Bilder verkauft, was meinem Vater äußerst unangenehm war.

Wofür haben Sie es ausgegeben?
Damit konnte ich mir dann selbst ein Gokart kaufen.

Was war Ihr erstes Investment an den Märkten?
Natürlich eine Aktie, lustigerweise ein Large Cap, und zwar BASF.

Was war Ihr erfolgreichstes Investment?
Ich denke, das war die Secunet. Wir sind bis heute investiert und nach wie vor überzeugt von dieser Firma.

An welches Fehlinvestment erinnern Sie sich?
Ehrlich gesagt gibt es da leider einige. Eines davon war Rosenthal Porzellan, denn das hat mir privat richtig wehgetan, denn es sah eigentlich zu sicher aus.

Treffen Sie Ihre private Anlageentscheidungen allein, oder beraten Sie sich mit jemandem?
Anlageentscheidungen treffe ich selbst, sonst hat meine Frau in vielen Dingen die Hosen an!

Gibt es eine bestimmte Anlagestrategie, die Sie verfolgen?
Wir sind Value-Investoren. Wir versuchen, den realen wirtschaftlichen Wert eines Unternehmens zu ermitteln. Wenn der Preis für das Unternehmen an der Börse unter dem von uns ermittelten Wert liegt, prüfen wir anhand unserer Kriterien, ob sich ein Investment lohnt.

Welche Kennzahlen sind für Sie wichtig, wenn Sie sich ein Wertpapier näher anschauen?
Zu den Kennzahlen, die wir uns zunächst anschauen gehören, die Cash-flows und der Total Shareholder Return, also was dem Aktionär schließlich zufließt. Daneben gibt es ein paar Kriterien, die für uns wichtig sind. Der Kurs der Aktie sollte eine Sicherheitsmarge bieten, wir wollen höchstens 60 Cent für einen Euro zahlen. Das Unternehmen sollte eigentümergeführt sein und über strukturelle Wettbewerbsvorteile verfügen. Das können zum Beispiel Patente oder Kostenvorteile sein.

Wie wichtig ist Nachhaltigkeit beim Investieren?
Das Thema ist für uns sehr wichtig und hat unterschiedliche Facetten. Zum einen ist uns eine gute Corporate Governance sehr wichtig. Gut geführte, inhabergeführte Unternehmen sind nachhaltiger ausgerichtet als Firmen mit einem externen Manager. Daneben wollen wir bestimmte Themen wie Umweltverschmutzung oder Kinderarbeit nicht unterstützen.

Haben Sie bei der Geldanlage ein Vorbild?
Definitiv Warren Buffett. Er hat das Value Investing weiterentwickelt. Gleichzeitig ist er bei vielen ethischen, philosophischen und Governance-Themen ein Vorbild. Eines unser wichtigsten Auswahlkriterien für ein Unternehmen ist, dass das Management „skin in the game“ hat, also signifikant am Unternehmen beteiligt ist. Dieses Kriterium geht auf Warren Buffett zurück.

Ihr Motto beim Investieren lautet?
Als Value Investor braucht man Sitzfleisch und Demut vor den Märkten.

Welches Buch sollten Anleger gelesen haben?
„The intelligent investor“ von Benjamin Graham. Einfacher ist aber „Buffettology“ von Mary Buffett.

Welches Wertpapier oder welche Assetklasse würden Sie auf Jahressicht empfehlen?
Anleger haben angesichts der niedrigen Zinsen eigentlich keine Wahl, als in Aktien zu investieren. Zwar sind die Konjunkturerwartungen im Moment in einigen Bereichen sehr schwach, gleichzeitig schiebt aber die ansteigende Liquidität die Börsen an. Hinzu kommt, dass die ersten konjunkturellen Indikatoren sich wieder aufhellen. Wenn wir jetzt noch eine Lösung im Handelskonflikt zwischen den USA und China sehen, kann das der Börse weitere Impulse geben.

Sie haben eine Million Euro und müssen diese mit einem Anlagehorizont von zehn Jahren investieren. Wie würden Sie das Geld anlegen bzw. aufteilen?
Immer zu 100 % in Aktien. Besser noch mit Sicherheitsmarge und konzentriert in eigentümergeführte Firmen mit wirtschaftlichem Burggraben. Als Privatinvestor kann man natürlich auch über mehrere Aktienfonds streuen.

Vita von Frank Fischer:
Frank Fischer, Jahrgang 1964, ist Vorstandsvorsitzender (CEO) der Shareholder Value Management AG undübt dort die Funktion des Chief Investment Officers (CIO) aus. Der Diplom-Kaufmann managt den 1,7 Mrd. Euro schweren Frankfurter Aktien fonds für Stiftungen. Fischer ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er ist Stifter und Vorstand der gemeinnützigen Stiftung Starke Lunge.

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Artikel von wallstreet-online | 13. Mai 2019

Frank Fischer | CEO & CIO, Shareholder Value Management AG | www.shareholdervalue.de

Es war wie immer eine große Show: laut, bunt, ein riesiges Gewusel. Die Hauptversammlung von Berkshire Hathaway war wie in den letzten Jahren ein großes Fest mit mehr als 40.000 Aktionärsgästen, die sich an den Süßigkeiten von See’s Candies erfreuten und regen Kontakt zu all den Unternehmen aus dem weiten Reich der Berkshire-Beteiligungen suchten, die rund um die Veranstaltung ausgestellt hatten.

Man konnte sich austauschen, und Neues von den diesmal 67 deutschen Value Investoren lernen. Diese waren nicht alle Asset Manager oder institutionelle Investoren, sondern zum Teil auch private Anleger aus den USA und Kanada – die deutschen Wurzeln führten uns zusammen. Und das in einen viel zu kleinen, stickigen Raum, der für die deutsche Kolonie reserviert war. Trotzdem: es hat einfach Spaß gemacht.

Beeindruckend waren aber auch die eher leisen Töne, die zwischen den Zeilen zu hören waren. Auch beim großen Auftritt von Warren Buffett und Charlie Munger, den beiden Hauptprotagonisten dieser gigantischen Veranstaltung. Die beiden alten Herrn waren wie immer bester Laune, beantworteten analytisch und gleichzeitig auf äußerst unterhaltsame Art die vielen Fragen ihrer Aktionäre. Vor allem der mittlerweile 95-jährige Charlie Munger war beeindruckend. Auch wenn er inzwischen zum großen Teil an seinen Rollstuhl gefesselt ist und auch im Trubel der Hauptversammlung mal das ein oder andere Nickerchen einlegte – scharfzüngig, hellwach im Kopf und jeder Zeit zu bitter-süßen Kommentaren bereit, war es eine große Freude, diesen Mann auf der Bühne zu erleben.

Nachfolger stehen bereit

Derweil wirkte Buffett an einigen Stellen nachdenklicher als sonst und offener für Veränderungen als je zuvor. Mehrmals lässt er Greg Abel und Ajit Jain zu Wort kommen, um Fragen der Aktionäre zu beantworten. Abel ist für Berkshires Energiegeschäft verantwortlich und Jain für die die Versicherungssparte. Im vergangenen Jahr wurden beide zu stellvertretenden Verwaltungsratschefs befördert, was allgemein als Zeichen dafür gesehen wird, dass sie eines Tages die Führung des Konzerns von Buffett und Munger übernehmen könnten.

Buffett hat beide bei mehreren Gelegenheiten aufgefordert, die Fragen der Aktionäre zu beantworten. Dabei saßen beide aber noch vor dem Podium auf Höhe des Publikums. Es würde nicht verwundern, wenn Greg Abel und Ajit Jain im kommenden Jahr zu den beiden Alten aufs Podium aufrücken würden. Dann hätten Buffett und Munger, „die beiden knorrigen Alten vom Balkon der Muppet Show“, wie sie auch spaßeshalber genannt werden, Gesellschaft auf ihrem „Balkon“. Die Nachfolge scheint geregelt.

Der Umgang mit Fehlern und Fehleinschätzungen

Was bei Buffett beeindruckte war derweil sein Umgang mit Fehlern und fehlgeschlagenen Einschätzungen. So erklärte er ganz nüchtern, was bei Kraft Heinz schiefgegangen ist. Er verwies darauf, dass er mit dem Partner 3G, der für beide das Engagement managt, einen Vertrag geschlossen habe, „der gerade mal eine Seite umfasst“, so Buffett. Er habe aber weiterhin volles Vertrauen in 3G, schließlich habe der brasilianische PE-Investor eine extreme Cost-Cutting Historie und folge dabei dem „zero-based-budgeting“-Prinzip. Was nicht anderes bedeutet, als dass das Unternehmen jedes Jahr wieder seine Kosten nachweisen müsse. Jedes Jahr! Und immer wieder aufs Neue.

Auf der anderen Seite gab Buffett offen zu, die Entwicklung und Stärke von Alphabet, also Google, falsch eingeschätzt zu haben. Und das, obwohl die Berkshire-Beteiligung Geico, Amerikas größter Autoversicherer, über Jahre hinweg Kunde bei Google war. Buffett nennt dies einen „error of emission“, also einen ‚Fehler des Auslassens‘, der ihm nicht hätte passieren dürfen.

Investitionen in Amazon & Co.

Deshalb hat er jetzt auch spät, aber nach seinen Worten nicht zu spät, in Amazon investiert. „Das ist die Aktie mit dem größten und weitesten Burggraben, die wir im Portfolio haben“, erklärte er dazu. „Amazon ist eine Aktie, die in ihrem Bereich noch über viele Jahre den Markt beherrschen wird.“ Dabei betonte Buffett auch, dass er wohl in absehbarer Zeit noch in andere Tech-Unternehmen investieren werde.

Dass Berkshire Hathaway aber nicht nur perspektivisch, sondern auch schnell und entschlussfreudig ist, zeigt das jüngste 10-Milliarden-US-Dollar-Engagement bei der Öl-Firma Occidential Petroleum, die in einer Übernehmeschlacht um den Konkurrenten Anadarko steckt. Diese Entscheidung war im Laufe eines Wochenendes gefallen, ließ Buffett wissen. „Charlie and I, we are still tap dancing to work“, beschreibt Buffett die Freude an der gemeinsamen Arbeit. Auch wenn Charlie Munger heute die meiste Zeit im Rollstuhl sitzt – man glaubt es beiden aufs Wort.

Börse: Omaha: Bevorstehende Wachablösung bei der „Muppet Show“ | wallstreet-online.de – Vollständiger Artikel unter:
https://www.wallstreet-online.de/nachricht/11449284-boerse-omaha-bevorstehende-wachabloesung-muppet-show/all





Artikel von wallstreet-online | 29. April 2019

Frank Fischer | CEO & CIO, Shareholder Value Management AG | www.shareholdervalue.de

Lange war das Thema Öl aus dem Fokus der Börsianer mehr oder weniger verschwunden. Doch der Kampf ums schwarze Gold nimmt wieder Fahrt auf und wird immer härter ausgefochten. Und das gleich auf mehreren Ebenen, zum einen politisch, und dann entbrennen heftige Auseinandersetzungen und Übernahmekämpfe um neue Ölquellen und Reserven.

Trump treibt es wieder auf die Spitze

Besondere Brisanz bietet mal wieder die Sanktionspolitik von US-Präsident Donald Trump. Denn ab Mai dürfen auch die acht Länder, wie etwa die Türkei, kein Erdöl mehr aus dem Iran kaufen, denen die USA dies bisher mit einer Ausnahmeregelung gewährt hatte. Ansonsten drohen (mal wieder) US-Sanktionen. Die USA wollen dem Iran den Ölhahn zudrehen und die Zeichen stehen im Moment auf Verhärtung. Das Erdöl macht rund 60 Prozent der Exporte des Irans aus, daher dürfte das Ende der Ausnahmeregelung die iranische Wirtschaft schwer treffen. Die eigentliche Gefahr liegt aber woanders: Größter Abnehmer des Iran war zuletzt China mit über 600.000 Barrel pro Tag von insgesamt knapp 1,7 Millionen, die der Iran exportierte. Bleibt die Frage, wie sich die totalen Ölsanktionen auf die Handelsgespräche zwischen den USA und China auswirken. Denn bisher ist noch kein Ankommen zwischen Washington und Peking unterzeichnet – die neuen Sanktionen könnten sich hier als neuerliches Hemmnis erweisen und die Hoffnungen der Börsianer auf ein Ende des Handelskrieges zunichtemachen. Eine heftige Korrektur an den Märkten wäre wohl die Folge.

Milliarden-Schlacht ist wohl erst der Anfang einer Übernahmewelle

Und dann der Kampf um neue Ölquellen und Reserven. Hier geht es um Milliarden von US-Dollar, wie der jüngste Bieterkampf um den texanischen Ölkonzern Anadarko zeigt. Eigentlich hatte Chevron, der zweitgrößte Ölkonzern der USA, die Übernahme für rund 50 Milliarden US-Dollar schon in trockenen Tüchern geglaubt, da legte der deutlich kleinere Konkurrent Occidental Petroleum ein Angebot über 57 Milliarden US-Dollar auf den Tisch. Und das für ein Unternehmen, das zu den kleineren in der Branche zählt, denn Anadarko hat im vergangenen Jahr gerade mal einen Gewinn von 615 Millionen US-Dollar ausgewiesen, und das bei einem Umsatz von 13 Milliarden US-Dollar. Ob das schon das letzte Gebot ist, bleibt abzuwarten, schließlich würde der Deal für Chevron einen guten Zugang zu den umfangreichen Schieferölvorkommen im Permian Basin bedeuten, einer großen Ölabbauregion im Südwesten der USA. Analysten gehen davon aus, dass die „Schlacht um Anadarko“ erst der Anfang einer Übernahmewelle in der Branche ist. Als mögliche Ziele einer Übernahme werden bereits Conoco Resources, Diamondback und Noble Enegry genannt. Aber auch der spanische Ölkonzern Repsol könnte in den Fokus der Global Player rücken. Schließlich ist der Konzern in größerem Stil in Südamerika, aber auch in Kanada und Alaska engagiert. Das könnte Begehrlichkeiten wecken. Was auch dafür sprechen würde: Die Aktie der Spanier ist in Relation zu den US-amerikanischen Konkurrenten relativ günstig bewertet.

Vorboten einer Korrektur

Für unsere Mandate wie etwa dem Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen haben diese Übernahmen aber eher eine geringe Bedeutung, da unsere Nachhaltigkeitskriterien ein Engagement bei den meisten dieser Unternehmen ausschließen. Wir achten vor allem auf die politischen Dimensionen und die Sanktionspolitik von US-Präsident Donald Trump. Hier liegt unserer Meinung nach ein viel größeres Risiko für die Börsen, als viele Marktteilnehmer dies möglicherweise berücksichtigt haben. Dass es im Zuge einer sich abschwächenden Weltkonjunktur und der gleichzeitigen Party an den Märkten in absehbarer Zeit wohl zu einer Korrektur kommen kann, sei hier nur am Rande vermerkt.

Öl & Börse: Der Kampf ums schwarze Gold wird immer härter! | wallstreet-online.de – Vollständiger Artikel unter:
https://www.wallstreet-online.de/nachricht/11412056-oel-boerse-kampf-ums-schwarze-gold-haerter





Artikel von Das Anlagemagazin der Börsen Zeitung | März 2019

Frank Fischer | CEO & CIO, Shareholder Value Management AG | www.shareholdervalue.de

Frank Fischer ist CEO und Chief Investment Officer der Shareholder Value Management AG. Er managt den Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen.

Herr Fischer, Sie sind bekennender Anhänger des US-Investors Warren Buffett. Warum sind Sie von seiner Investmentphilosophie überzeugt?

Permanentes Lernen, das fasziniert mich an ihm. Buffett hat das Value Investing weiterentwickelt. Angefangen hat es mit der Suche nach Unternehmen mit unterbewerteten Assets, zum Beispiel Grundstücken. Buffett hat gezeigt, dass es viel besser ist, in Firmen mit Preissetzungsmacht und hohen Kapitalrenditen zu investieren, die ich wie ein Miteigentümer verstehe und deren Märkte eine halbe Ewigkeit wachsen. Dafür muss man sich mit den Geschäftsmodellen und den adressierten Märkten beschäftigen.

Wie gehen Sie dabei vor?

Wir verwenden drei Value-Kriterien. Das A und O ist die Sicherheitsmarge. Typischerweise streben wir einen Abschlag von 40 % zum inneren Wert an. Dafür muss man kaufen, wenn es schwerfällt, weil Panik herrscht. Wenn Euphorie da ist, muss man verkaufen. Zweitens achten wir auf die Besitzverhältnisse. Wir lieben familien- oder eigentümergeführte Firmen, weil sie die richtigen Anreize für langfristiges und nachhaltig wirtschaftliches Investieren setzen. Drittes Kriterium ist der strukturelle Wettbewerbsvorteil. Wir sehen das Unternehmen als Burg, drum herum ein möglichst breiter und tiefer Burggraben in Form von Patenten, Lizenzen und Netzwerk- oder Skaleneffekten.

Gibt es weitere Punkte?

Den vierten Schritt nennen wir Mister Market. Diese Figur stammt von Benjamin Graham, dem Urvater des Value Investings. Sie steht für die Launen der Anleger. Wir haben eine Datenbank entwickelt, um die Stimmung zu ermitteln. Damit versuchen wir, die Volatilität zu verringern und permanente Kapitalverluste zu vermeiden. Hier unterscheiden wir uns von Buffett, der sich um den Markt so gut wie gar nicht kümmert.

Wie schätzen Sie die aktuelle Stimmung ein?

Wir befinden uns in einem moderaten Gier-Umfeld. Die Angst, die im vergangenen Herbst herrschte, ist abgearbeitet. Aus der Realwirtschaft kommen viele negative Signale. Die Einkaufsmanagerindizes schmieren ab. Investoren sichern sich stark ab – ein absolutes Warnsignal. Deshalb sind wir sehr vorsichtig. Unsere Aktienquote liegt bei 65 %, also unter dem langfristig angestrebten Durchschnitt von 70 %. Außerdem haben wir einen Hedge eingezogen.

Halten Sie Aktien der Buffett-Holding Berkshire Hathaway?

Immer mal wieder, aktuell aber nicht. Wir warten auf günstigere Kurse.

Was sollten Privatanleger von Buffett lernen?

Antizyklisch und langfristig zu investieren. Das Wichtigste ist, nicht zur Unzeit die Nerven zu verlieren. Wenn du in Panik bist, dich aber nicht traust, antizyklisch zu kaufen, dann verkauf wenigstens nicht, sondern halte die Schwankungen aus.

Das Interview führte Helmut Kipp





Artikel von e-fundresearch.com | 26. Februar 2019

Ronny Ruchay | Portfoliomanager, Shareholder Value Management AG | www.shareholdervalue.de

Es hat lange gedauert, aber am 1. Januar 2019 war es soweit: Der Frankfurter – Value Focus Fund der Shareholder Value Management AG (SVM) ist jetzt auch zum öffentlichen Vertrieb in Deutschland zugelassen. Der Aktienfonds, der mit einem konzentrierten Portfolio weltweit in Nebenwerte investiert, wurde bereits 2008 als Luxemburger AIF aufgelegt und 2010 um die Anteilklasse R (WKN: A1C XU7) erweitert. Diese ist steht jetzt auch deutschen Anlegern zur Verfügung. Ronny Ruchay, der zusammen mit Frank Fischer den Fonds berät, macht im Folgenden Ausführungen zur Strategie und den Chancen des Fonds.

Frage: Der Frankfurter – Value Focus Fund ist seit Jahresanfang zum öffentlichen Vertrieb in Deutschland zugelassen. Der Fonds wurde aber bereits 2008 aufgelegt, ist also schon über 10 Jahre alt. Warum wurde er erst jetzt in Deutschland zum Vertrieb zugelassen?

RR: Der Fonds war bisher nur einem kleinen Kreis rund um das SVM-Management vorbehalten. Für „Friends & Family“, wenn man so will. Mit seinem Fokus auf Nebenwerten entspricht er einer der Kernkompetenzen von Frank Fischer und seinem Team. Er wird agil gemanagt. Damit meinen wir vor allem, dass er aufgrund der Strukur flexibler ist als ein OGAW / UCITS und  der Fonds mit einem konzentrierten Portfolio auf die besten Ideen setzt. Jetzt steht er auch anderen Anlegern zur Verfügung und rundet die Bandbreite der Shareholder Value Management-Mandate ab: Er kann als das sportlichste Vehikel bezeichnet werden, da flexibel ein konzentriertes Portfolio unterhalten wird. Vergleichbare Investmentstrategien haben sich allerdings bewährt und gehen auf Investmentlegenden wie Warren Buffett zurück.

Frage: Sie beraten den Fonds zusammen mit Frank Fischer, einem ausgewiesenen Value-Experten. Ist Value-Investing auch Ihre Investmentphilosophie?

RR: Ja, auf jeden Fall. Meine erste Bekanntschaft mit Value-Investing in der Praxis war zu Beginn meines Studiums, als ich einen klassischen „Cigar-Butt“ ausgegraben habe – die Hornschuch AG, die damals deutlich unter dem Wert der Immobilien notierte und sich in einer Übernahmesituation befand. Ich merkte schnell, dass allerdings das meiste Geld mit Unternehmen verdient werden kann, die Wettbewerbsvorteile, großes Wachstumspotenzial und ein Management haben, das signifikante Anteile am Unternehmen besitzt. Ich habe mich deshalb auch intensiv mit der Philosophie der Value-Legenden Warren Buffett und Charlie Munger beschäftigt. Ein Investmentstil, der einfach überzeugend ist.

Frage: Der Fonds ist ja ein reiner Aktienfonds, der mit einem konzentrierten Portfolio weltweit in Nebenwerten investiert. Nach welchen Kriterien suchen und finden Sie die Werte?

RR: Bei der SVM verfolgen wir eine Strategie, die stark an der Philosophie von Benjamin Graham und Warren Buffett angelehnt ist. Unternehmen müssen einen identifizierbaren ökonomischen Burggraben, einen sogenannten Moat, haben, der nachhaltig ist. Das können beispielsweise Kostenführerschaft oder auch Netzwerkeffekte sein, damit der Wettbewerb auf Abstand bleibt. Wichtig ist bei der Auswahl auch der sogenannte Business Owner, was nichts anderes bedeutet, als dass das Management das Unternehmen wie ein Eigentümer führt. Das heißt es maximiert den Unternehmenswert auf lange Sicht und nicht die eigene Vergütung oder kurzfristige Quartalsergebnisse. Bestenfalls hat das Management ‚Skin in the Game‘, was bedeutet, dass das Management signifikante Anteile am Unternehmen besitzt, die es mit eigenem Geld erworben hat. Die besten Erfahrungen haben wir mit Unternehmen gemacht, bei denen die Firmengründer noch an Bord sind, im Vorstand oder im Aufsichtsrat. Schauen Sie sich GRENKE, BECHTLE oder NEMETSCHEK in Deutschland an. Das sind Paradebeispiele für eigentümergeführte bzw. eigentümerkontrollierte sehr erfolgreiche Unternehmen, die zudem noch viele unsere anderen Kriterien erfüllen. Leider scheitern die Unternehmen, die die ersten beiden Tests erfolgreich bestanden haben, häufig am dritten Test. Und zwar die Frage nach dem Preis bzw. zu welchem Wert kann ich die Aktien des Unternehmens an der Börse kaufen. Der Preis muss eine ‚Margin of Safety‘ oder Sicherheitsmarge erlauben – das wahrscheinlich wichtigste Konzept vom Urvater des Value-Investing Benjamin Graham. Die Frage nach dem Preis ist allesentscheidend. An der Börse verliert man eben auch, wenn man super Unternehmen zu einem zu hohen Preis kauft. Bevor wir in ein Unternehmen investieren, muss das Unternehmen also alle drei Tests erfolgreich bestehen. 

Frage: Haben Sie ein spezielles Screening-System, mit dem Ihr Investmentuniversum zunächst durchleuchtet wird?

RR: Wir nutzen einige Screens – von ganz einfach bis hochkomplex -, die ständig weiterentwickelt werden. Screens sind allerdings nur eine Quelle von vielen, die wir für die Ideengenerierung nutzen. Bei meinem Screening schaue ich vor allem auf eine langjährige herausragende finanzielle Entwicklung. Mich interessieren ausschließlich Unternehmen, die schon bewiesen haben, dass das Geschäftsmodell sehr erfolgreich ist und bei denen das Management wie ein Eigentümer agiert. Der Preis spielt zunächst eine untergeordnete Rolle. Hohe Kapitalrenditen, ein hoher freier Cashflow, hohes und vor allem konsistentes Wachstum sind beispielsweise Faktoren, die durch das Screening geprüft werden. Das war der einfache Teil. Danach beginnt die eigentliche Arbeit. Dann gilt es herauszufinden, warum die Zahlen so waren wie sie waren und ob die Faktoren über die nächsten zehn Jahre mit hoher Wahrscheinlichkeit so bleiben. Das Screening selektiert fast 90 Prozent der Unternehmen aus. Nach dem eigentlichen Analyseprozesse hat sich die Anzahl nochmals stark reduziert. Der Auswahlprozess für die Unternehmen ist ziemlich tough.

Frage: Können Sie bitte mal einen Titel exemplarisch herausgreifen und daran Ihren Anlagestil erklären?

RR: Ich nehme mal einen Titel, der aktuell nicht im Portfolio ist und erkläre die Gründe dafür: GRENKE AG. Ich kenne das Unternehmen seit dem Börsengang. Bei GRENKE vereinen sich alle Kriterien, auf die wir hohen Wert legen: Wir haben ein seit Jahrzehnten bewiesen erfolgreiches Geschäftsmodell mit nachhaltigen Wettbewerbsvorteilen, hohem und konsistenten Wachstum und mit Wolfgang Grenke einen Business Owner, aktuell in der Form eines eigentümergeführten Aufsichtsrats. Er selbst war 40 Jahre lang CEO der von ihm 1978 gegründeten Firma und ist heute noch mit über 40% am Unternehmen beteiligt.  Man kann sich keinen besseren Aufsichtsratsvorsitzenden wünschen. Das Unternehmen erfüllt unsere ersten beiden Test mit Bravour, aber der Preis an der Börse offeriert derzeit keine hohe Sicherheitsmarge. Und damit sind für uns nicht alle Kriterien erfüllt, leider. Fällt der Kurs, ist GRENKE auf jeden Fall wieder eine nähere Betrachtung wert.

Frage: Im Portfolio finden sich auch Titel wie Mears zum Beispiel. Die sind weniger bekannt als Qualitätstitel, bei denen alles super läuft.

RR: Da haben Sie absolut recht! Wir haben auch Titel im Portfolio, die – milde ausgedrückt – eine eher durchwachsene Unternehmenshistorie aufweisen oder bei denen es die Historie begrenzt verfügbar ist. Wir nennen diese Positionen „unternehmerische Investments“. Das sind Unternehmen, die noch nicht bewiesen haben, dass das Geschäftsmodell einen Burggraben hat und bei denen häufig das Management Defizite in der Unternehmensführung und der Kapitalallokation hat. Die britische Mears Group gehört beispielsweise zu diesen Unternehmen. Das Geschäftsmodell ist stabil und gut profitabel. Dabei benötigt es kaum Kapital, was wir generell sehr schätzen. Allerdings reinvestiert das Management die Cashflows in Projekte, bei denen unklar ist, wie viel am Ende herauskommt und ob überhaupt etwas verdient werden wird. Wir haben hier nicht den Eindruck, dass das Management zum Wohle der Aktionäre agiert. Die Finanzzahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Hier nehmen wir eine aktive Rolle ein und kommunizieren mit dem Management und dem Aufsichtsrat direkt, um erstens die Kapitalverwendung besser zu verstehen und um zweitens eine rentablere Kapitalverwendung herbeizuführen. Das Unternehmen wäre deutlich mehr wert, wenn die verdienten Cashflows ausgeschüttet oder noch besser, eigene Aktien zurückgekauft würden. Bis zum Erfolg einer solchen aktiven Strategie kann es allerdings Jahre dauern und viele Ressourcen verschlingen. Wir sind bereit, diesen Weg zu gehen und uns diese Arbeit zu machen, auch weil wir das Knowhow dafür haben sowie ein breites Netzwerk. Allerdings nur, wenn wir eine ausreichende Erfolgswahrscheinlichkeit sehen und die Aktionärsrendite im Erfolgsfalle sehr attraktiv ist. Zusammengefasst kann man sagen, dass wir im Value Focus Fund zwei bisher erfolgreiche Strategien miteinander verbinden. Mit der einen investieren wir in „Bewährte Gewinner“ – wie Grenke – und mit der anderen zielen wir auf „Unternehmerische Investments“ – wie bspw. Mears Group – ab. In der Vergangenheit waren wir tendenziell mehr in den Spezialsituationen unterwegs. In Zukunft konzentrieren wir uns vermehrt auf die Qualitätstitel.

Frage: Das Portfolio ist sehr konzentriert und enthält im Normalfall nur rund 15 bis 20 Werte. Warum diese „hohe“ Wette, gerade jetzt in diesen unruhigen Börsenzeiten?

RR: Das Portfolio soll nur die besten Investmentideen enthalten, die wir im Nebenwertebereich bei der SVM identifizieren. Naturgemäß gibt es davon nicht sehr viele. Damit können kurzfristig durchaus höhere Schwankungen auftreten – und das sollte jeder Anleger auch wissen. Wobei wir sehr genau darauf achten – und das ist uns sehr wichtig – dass wir den permanenten Kapitalverlust für unsere Investoren vermeiden wollen. Kurzfristige Schwankungen ja, aber einen permanenten Kapitalverlust auf keinen Fall!     

Frage: der Fonds ist also eher etwas für risikobewusste Anleger – vor allem auch deswegen, weil Sie ja vornehmlich Nebenwerte investieren, oder?

RR: Risikobewusst? Das kommt auf den Anlagehorizont an und was Anleger unter Risiko verstehen. Die meisten Anleger verwechseln Risiko mit Kursschwankungen. Wir sehen das Risiko vor allem in der fundamentalen Entwicklung des Unternehmens – sprich, wie hoch werden die zukünftigen Cashflows sein und wie viel haben wir dafür bezahlt. Dagegen sind Schwankungen der Kurse für uns willkommene Chancen, uns in hervorragende Firmen günstig einzukaufen. Fondsinvestoren, die mindestens 5 Jahre, besser sogar 10 Jahre in unsere Anlagestrategie investieren, werden eine gewisse Volatilität aushalten müssen: Haben damit aber auch die Chance, überdurchschnittliche Renditen zu erzielen. Nebenwerte haben auf der anderen Seite den Vorteil, dass sie bei den meisten Analysten weniger Beachtung finden. Sie segeln also unter dem Radar der meisten Investoren. Das genau ist unsere Chance, regelrechte Perlen im Markt zu finden. Manchmal finden wir auch sehr große Perlen und scheuen uns auch nicht, in diese zu investieren. Überwiegend Nebenwerte ja, aber wie schließen auch keine Large Caps aus. Entscheidend ist die relative Attraktivität. 14% jährliche Aktionärsrendite in einem Large Cap sind uns allemal lieber als 9% in einem Small Cap. Um es plastischer zu machen. Wenn die erwartete Aktionärsrendite stimmt, dann investieren wir auch in eine Novo Nordisk – eine prominente Position im Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen. Dem Euro ist es egal, wo er verdient wird – uns auch. Da sind wir pragmatisch.

Frage: Hinzu kommt ja auch: Als alternativer Investmentfonds (AIF) ist der Frankfurter – Value Focus Fund hinsichtlich der Anlagemöglichkeiten flexibler als ein UCITS-Fonds. So können Einzelpositionen beispielsweise höher gewichtet werden. Wie setzen Sie das in der Praxis um?

RR: Bei Aktienfonds dürfen einzelne Werte im Normalfall die 10 Prozent-Grenze nicht überschreiten. Wir haben hier etwas mehr Freiheit, die wir im Einzelfall auch nutzen, wie derzeit etwa bei secunet Security Networks AG. 

Frage: Das klingt nach „Free-Style“ pur, oder täuscht der Eindruck?

RR: Die Freiheiten sind schon größer als im engen Korsett eines UCITS-Fonds. Aber für die Investmentstrategie, wie wir sie im Frankfurter – Value Focus Fund umsetzen, passt sie ideal.

Frage: Können Sie das Portfolio eigentlich auch absichern?

RR: Ja, das ist möglich und das haben wir auch schon gemacht, wie etwa im turbulenten letzten Quartal 2018. Die ist aber nicht der Regelfall.

Frage: Die Märkte haben im gerade angesprochenen letzten Quartal 2018 zum Teil stark korrigiert. War das genau die Zeit, in der Sie wieder unterbewertete Aktien für den Fonds gefunden haben?

RR: Ja, das war der Fall. In diesem Zeitraum haben einzelne Werte so stark korrigiert, dass sie unserer Sicherheitsmarge wieder entsprochen haben, wie etwa die britische Majestic Wine PLC. 

Frage: Wie schätzen Sie derzeit die Aktienmärkte ein? Wo liegen die Chancen, und wo die Risiken?

RR: Kurzfristige Schwankungen an den Märkten spielen für uns eher eine untergeordnete Rolle, da die meisten Unternehmen im Portfolio sowieso eher langfristig gehalten werden. Auf der anderen Seite kommt uns die Volatilität an den Märkten auch entgegen. Wir haben eine Liste von wirklich guten Unternehmen, in die wir gerne investieren würden. Fallen die Märkte, dann fallen auch deren Kurse – und das ist genau der Zeitpunkt, zu dem wir gerne „zuschlagen“.  

Frage: Werden beim Frankfurter – Value Focus Fund auch Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigt?

RR: Ja, wie bei allen Fonds, die von der Shareholder Value Management AG beraten werden. Wir fühlen uns dem Nachhaltigkeitsgedanken sehr verbunden, ja sogar verpflichtet. Unser Anlageuniversum wird – bevor wir uns mit den einzelnen Unternehmen überhaupt beschäftigen – von der Nachhaltigkeitsratingagentur Sustainalytics überprüft. Entsprechen die Unternehmen unserem ethischen Leitfaden, der sich an den der evangelischen Kirche anlehnt, dann sind sie für uns investierbar. Ist dies nicht der Fall, haben die Aktien keine Chance, jemals in unserem Portfolio zu landen.

Frage: Ist der Fonds bei allen Banken und Onlinebrokern zu kaufen?

RR: Ja, der Fonds ist über alle gängigen Plattformen in Deutschland kaufbar.

Klein, fein, agil und renditestark | Ronny Ruchay im Interview mit e-fundresearch.com: LINK ZUM ARTIKEL