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„Wir investieren in wunderbare Unternehmen“

TiAM FundResearch Interview der Woche – 14. Mai 2021

„Warren Buffett ist für mich eine Inspiration“, sagt Frank Fischer von Shareholder Value Asset Management. Wie die Legende aus Omaha favorisiert er einen Modern-Value-Ansatz. Der Investmentstil konzentriert sich auf unterbewerte Unternehmen mit strukturellen Wettbewerbsvorteilen und hohen Kapitalrenditen

TFR: Herr Fischer, der Anlagestil Value hat seit dem Jahr 2007 im Vergleich zu Growth-Investments bis Ende 2020 deutlich schlechter abgeschnitten. Warum?

Frank Fischer: Der klassische, von Benjamin Graham entwickelte Value-Stil favorisiert meist zyklische Werte. Diese boten in der Vergangenheit jedoch deutlich weniger Kurs- und Wachstumsperspektiven als Aktien beispielsweise aus der Technologie-Branche. Im vergangenen Jahr litten zyklische Werte zudem massiv unter den ökonomischen Folgen der Pandemie. Wachstumswerte dagegen profitierten nicht selten von Corona und damit einhergehenden Digitalisierungs-Investitionen.

Nun aber sind Value-Werte wieder sowohl in Europa, den USA als auch in den Emerging Markets gesucht. Die Performance übertrifft die von Growth-Titeln. Wie erklären Sie den Trendwechsel?  

Um die Jahreswende verfestigte sich bei den Anlegern der Eindruck, dass das Virus erfolgreich bekämpft werden kann und die globale Konjunktur durch milliardenschwere Stimulierungspakete und niedrige Zinsen kräftig angeschoben wird. Im Vergleich zu Wachstumswerten boten Aktien aus zyklischen Branchen deutlich mehr Erholungspotenzial. Das motivierte zum Einstieg, zumal Automobilproduzenten, Maschinenbauer oder Ölförderer zum Teil deutlich unter ihrem fairem Wert notierten.

Sind zyklische Werte aber nicht schon wieder hoch bewertet?

Nach einer quasi Verdoppelung vieler Indices seit den Tiefstkursen ist die Erholung sicherlich schon weit fortgeschritten, die Luft wird tendenziell dünner. Durch die extremen Impulse der Notenbanken kann die Nachfrage nach Value-Werten jedoch noch anhalten, vor allem, wenn Lockdown-Maßnahmen wieder aufgehoben werden und die Mittel aus den Stimulierungspakten tatsächlich in der Wirtschaft ankommen. Ein Ende des klassischen Value-Trends wird vermutlich dann eingeleitet, wenn die Notenbanken den Marktteilnehmern ein Ende ihre Liquiditätsunterstützung signalisieren.

Sie beraten den Frankfurter Stiftungsfonds und den Frankfurter – Value Focus Fund. Beide Fonds verfolgen nicht nur das klassische Value-Investment-Modell von Benjamin Graham, sondern auch einen Modern-Value-Ansatz. Was verstehen Sie darunter beziehungsweise wie unterscheiden sich die beiden Anlagestile?

Beim klassischen Modell achten wir in erster Linie auf die Bewertung einer Aktie im Vergleich zum Substanzwert des Unternehmens. Die Bewertung sollte deutlich unter dem fairen Wert notieren. Modern Value wiederum konzentriert sich auf wunderbare Unternehmen mit hoher Ertragskraft. Diese sind z.B. in Branchen wie Pharma oder Konsum aktiv und verfügen über krisenerprobte Geschäftsmodelle. Sie erzielen also sehr stabile Cash-Flows.

Dennoch sind eine ganze Reihe von Nicht-Zykliker derzeit nicht gefragt?

Nein, die Mehrheit der Anleger macht um diese Unternehmen noch einen Bogen. Für die temporär unbeliebten und somit günstig bewerteten Unternehmen aber interessieren wir uns. Beispielsweise gefällt uns Becton-Dickinson.

Das Medtech-Unternehmen ist Weltmarktführer bei Spritzen und Kanülen?

Richtig. Wegen der Corona-Pandemie finden derzeit jedoch weniger Behandlungen in den Krankenhäusern statt. Darunter leidet aktuell der Aktienkurs. Auch Pharmawerte sind günstig, Roche etwa weist ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von um die 16 auf. Mit rund 41 Prozent Eigenkapitalrendite gehört Roche zu den Spitzenreitern in Europa. Der wirtschaftliche Burggraben von Roche sind die Patente, ein sehr wirksamer Schutz vor der Konkurrenz. 

Modern Value schließt auch Investitionen in Wachstumswerte nicht aus?

Nein. Wir haben die außerordentlich gute Einstiegsgelegenheiten Ende Q1 2020 bei Google, Facebook oder Amazon genutzt. Die Unternehmen verfügen über den sogenannten Wide Moat, den breiten und tiefen Burggraben. Das heißt, sie sind bereits so stark im Markt etabliert, dass sie Konkurrenz nicht fürchten müssen. Auf Grund der hohen Kapitalrenditen und der weiterhin ausgezeichneten Wachstumschancen sind es wahrhaft wunderbare Unternehmen.

Erfordert Ihrer Meinung nach Modern Value im Vergleich zum klassischen Value-Investing mehr Expertise?

Eindeutig ja. Um das Management und den Burggraben zu analysieren, das Mindest-Wachstum in der Zukunft zu ermitteln und die Bewertungsabschläge einzuordnen muss man sich noch intensiver mit den Unternehmen beschäftigen. Graham-Style ist die Pflicht, Modern Value die Kür.

Benjamin Graham gilt als der Ziehvater von Warren Buffett. Buffett wiederum zählt zu den bekanntesten Value-Investoren. Sie haben die Hautversammlung seines Unternehmens Berkshire Hathaway schon mehrmals besucht. Ist Buffett für Sie immer wieder immer eine Inspiration?

Ja. Überspitzt würde ich sagen, man pilgert zum Hohepriester des Value-Investing. Wir nehmen dabei nicht nur die gute Stimmung mit, sondern bekommen auch zahlreiche Hinweise auf interessante Investments. Und wir lernen aber auch immer wieder dazu, unter anderem wie man Fehler beim Investieren vermeiden kann.

Hier können Sie sich das Interview als PDF herunterladen.

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